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Syrien
Wirtschaftlich sind für Syrien die Landwirtschaft, die Förderung und der Export von Erdöl sowie die Erzeugung von Textilien und Nahrungsmitteln bedeutend. Durch …
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Staat, Lage und Raum
Syrien, amtlich Arabische Republik Syrien, ist ein Staat in Vorderasien und Teil des Maschrek. Seine Hauptstadt ist Damaskus, Amtssprache ist Arabisch. Das Land grenzt an die Türkei, den Irak, Jordanien, Israel, den Libanon und das Mittelmeer. Die Fläche beträgt 185.180 km²; die Angaben schließen die seit 1967 von Israel besetzten und 1981 annektierten Teile der Golanhöhen ein. Für 2025 werden 25,6 Millionen Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 138 Einwohnern je km² geschätzt.
Die Küste ist etwa 193 km lang. Auf eine schmale Küstenebene folgt das Alawitengebirge; dahinter liegt die fruchtbare Orontes-Ebene. Im Süden erhebt sich der Antilibanon mit dem 2814 m hohen Hermon. Im Osten und Südosten liegt die Syrische Wüste, im Nordosten die fruchtbare Dschazira. Bedeutendste Flüsse sind Euphrat (676 km) und Orontes (325 km). Aruad ist Syriens einzige Mittelmeerinsel.
An der Küste herrscht winterfeuchtes Mittelmeerklima, in Höhenlagen mit mehr als 1000 mm Niederschlag. Nach Osten wird es zunehmend trocken: In der Syrischen Wüste fallen unter 250 mm, im Südosten unter 100 mm Niederschlag jährlich. Latakia erreicht im Sommer 29 °C und im Januar/Februar 9 °C; in Palmyra liegen die Vergleichswerte bei 38 °C im Juli und 3 °C im Dezember/Januar. Die Dürre von 2006 bis 2011 brachte nur ein Drittel der üblichen Niederschläge; die Getreideernte halbierte sich, und etwa 800.000 Menschen verloren zwischen 2006 und 2009 ihre Lebensgrundlage.
Die Natur ist durch lange Besiedlung, Abholzung und Überweidung stark verändert. Größere wild lebende Säugetiere gibt es kaum noch. Dokumentiert sind 354 Vogelarten; Syrien ist ein wichtiges Durchzugsgebiet für Zugvögel. Der 2002 wiederentdeckte Waldrapp zählt zu den besonders gefährdeten Arten. Es kommen 23 Fledermaus-Arten vor.
Bevölkerung, Sprachen und Religionen
Die Bevölkerung wuchs im 20. Jahrhundert stark: von 3,413 Millionen 1950 auf 21,019 Millionen 2010; für 2020 nennt der Artikel 20.772.595 Einwohner. Dicht besiedelt sind besonders Damaskus mit der Ghuta-Oase, Aleppo, das fruchtbare Berg- und Küstenland im Westen sowie Teile des Euphrat- und Chabur-Gebiets. Die Urbanisierung nimmt zu. Auslandssyrer leben vor allem in Südamerika, den Golfstaaten und Europa.
Rund 80 % der Bevölkerung sind Araber. Die Kurden sind mit inzwischen etwa 10 % die zweitgrößte Volksgruppe mit eigener Sprache. Nach der Volkszählung von 1962 wurde Zehntausenden Kurden die Staatsbürgerschaft verweigert; bis 2011 waren über 300.000 Menschen dadurch staatenlos. Im Januar 2026 erhielten laut Artikel alle in Syrien lebenden Kurden die syrische Staatsbürgerschaft. Weitere Gruppen sind vor allem Turkmenen (4–5 %), Assyrer beziehungsweise Aramäer oder Chaldäer (maximal 3–4 %), Tscherkessen (1,5 %) und Armenier (1 %). Außerdem leben palästinensische Flüchtlinge sowie Flüchtlinge aus dem Irak im Land.
Hocharabisch ist Amtssprache, im Alltag dominiert syrisches Arabisch, ein arabischer Dialekt. Minderheitensprachen sind unter anderem Syrisch beziehungsweise Neuaramäisch, Westarmenisch, kurdische Dialekte, Turkomanisch und vereinzelt Tscherkessisch. In Maalula und zwei weiteren Orten wird Neuwestaramäisch gesprochen. Kurdisch ist seit Januar 2026 als „Landessprache“ anerkannt und kann in Gebieten mit bedeutendem kurdischem Bevölkerungsanteil als Wahlfach oder kulturelle Aktivität unterrichtet werden. Englisch ist ab der 1. Klasse Pflichtfach, Französisch oder Russisch ab der 7. Klasse zweite Fremdsprache.
Etwa 74 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime. Alawiten machen etwa 12 % aus, Schiiten 2 %, Ismailiten etwa 1 %; außerdem gibt es eine sehr kleine alevitische Minderheit. Christen verschiedener Konfessionen werden mit etwa 10 % angegeben, gegenüber 30 % im Jahr 1920. Die Drusen bilden etwa 2 % und leben vor allem im Dschebel ad-Duruz. Jesiden leben mit einigen Tausend Mitgliedern besonders im Norden und Nordosten. Die jüdische Bevölkerung sank von 43.000 im Jahr 1943 auf etwa 4.500 im Jahr 1978; verbliebene Juden leben in Aleppo und Damaskus.
Geschichtliche Entwicklung und Bürgerkrieg
Die ältesten Funde auf dem Gebiet des heutigen Syrien sind etwa eine Million Jahre alt; das Neolithikum begann im 8. Jahrtausend v. Chr. Wegen seiner Lage zwischen Mesopotamien, Anatolien und Ägypten stand das Gebiet unter wechselnder Herrschaft, unter anderem von Akkadern, Hethitern, Ägyptern, Assyrern, Babyloniern und Persern. Von 301 bis 64 v. Chr. gehörte Syrien zum Seleukidenreich, danach zum Römischen Reich. Die römische Provinz Syria war neben Aegyptus besonders reich und einflussreich.
Nach der arabisch-muslimischen Eroberung 634 wurde Damaskus 661 unter dem Umayyaden-Kalifen Mu'awiya Sitz des Kalifats. Nach Mamluken- und osmanischer Herrschaft gehörte Syrien bis 1918 überwiegend zum Osmanischen Reich. Frankreich erhielt anschließend das Völkerbundmandat für Syrien und Libanon. Die Arabische Republik Syrien wurde am 17. April 1946 von Frankreich unabhängig. Von 1958 bis 1961 war Syrien mit Ägypten zur Vereinigten Arabischen Republik zusammengeschlossen.
Nach einem Staatsstreich regierte ab 1963 die arabisch-sozialistische Baath-Partei. Hafiz al-Assad setzte sich 1970 innerhalb der Partei durch und wurde 1971 Präsident. Nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 verlor Syrien die Golanhöhen an Israel. Der Aufstand in Hama 1982 wurde militärisch niedergeschlagen; laut Artikel starben etwa 1.000 Soldaten sowie zwischen 10.000 und 30.000 Zivilisten. Nach Hafiz al-Assads Tod 2000 übernahm sein Sohn Baschar al-Assad das Präsidentenamt.
Ab März 2011 entwickelten sich Proteste gegen die Regierung zum Bürgerkrieg. Der Artikel nennt unterschiedliche Opferangaben: Im April 2016 schätzte UN-Sondergesandter Staffan de Mistura 400.000 Tote, im März 2017 schätzte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 465.000 Todesopfer. Das Syrische Netzwerk für Menschenrechte meldete bis Juli 2024 231.496 getötete Zivilisten; 201.290 davon, also 87 %, seien syrischen Streitkräften und iranischen Pro-Assad-Kräften zuzuschreiben. Millionen Menschen flohen innerhalb Syriens oder ins Ausland. Im Krieg kontrollierten Regierung, Rebellengruppen, kurdische Volksverteidigungseinheiten und der „Islamische Staat“ jeweils unterschiedliche Gebiete.
Ende November 2024 stürzten Rebellen unter Führung von HTS und SNA das Assad-Regime innerhalb von weniger als zwei Wochen. Baschar al-Assad floh nach Moskau und erhielt dort Asyl. Danach bombardierte Israel laut Artikel große Teile der militärischen Infrastruktur Syriens und rückte in eine zuvor als UNDOF-Pufferzone ausgewiesene Zone auf den Golanhöhen vor. Im August 2026 vereinbarte Syrien mit Russland den Fortbestand der Stützpunkte Tartus und Hmeimim als „gemeinsame Ausbildungszentren“.
Politik, Rechte und internationale Beziehungen
Syrien wird in der Infobox als präsidentielle Republik unter einer Übergangsregierung bezeichnet. Ahmed al-Scharaa ist Staatsoberhaupt und Regierungschef; die zweite syrische Übergangsregierung besteht laut Artikel seit März 2025. Der Text weist zugleich darauf hin, dass Teile zur politischen Lage nach dem Sturz Assads nicht aktualisiert sind. Vor 2024 bestand nach der Verfassung von 2012 formell ein Mehrparteiensystem mit semipräsidentiellem Regierungssystem, tatsächlich dominierte jedoch die Baath-Partei. Nach dem Sturz Assads kontrollieren mehrere oppositionelle Milizen Teile des Landes, insbesondere HTS und das demokratische Rojava.
Der Volksrat hat nominell 250 Abgeordnete mit vierjähriger Amtszeit. Die islamische Fiqh, also islamische Rechtslehre, ist laut Verfassung eine Hauptquelle der Gesetzgebung. Das Ehe- und Familienrecht richtet sich nach der Religionszugehörigkeit. Frauen erhielten 1949 ein zunächst beschränktes Wahlrecht, 1953 wurden die Einschränkungen zeitweise wieder verschärft, und seit 1973 besteht das volle Frauenwahlrecht.
Unter der Assad-Herrschaft dokumentierten Menschenrechtsorganisationen systematische Folter, außergerichtliche Hinrichtungen und willkürliche Verhaftungen. Der Internationale Gerichtshof wies Syrien 2023 an, Maßnahmen gegen systematische Staatsfolter und andere schwere Menschenrechtsverletzungen zu ergreifen und Beweise nicht zu vernichten. Der Artikel berichtet auch nach 2024 weiter von Menschenrechtsverletzungen und Massakern an Minderheiten im Jahr 2025, an denen Regierungstruppen beteiligt gewesen seien.
Außenpolitisch war Syrien unter Assad eng mit Russland und Iran sowie mit Hamas, Hisbollah/Amal und weiteren Kräften der „Achse des Widerstands“ verbunden. Russland unterstützte das Assad-Regime ab 2015 militärisch. Das Verhältnis zu Israel ist seit 1948 von Kriegen und einem Waffenstillstand geprägt; eine syrische Anerkennung Israels war an die Rückgabe der Golanhöhen geknüpft. Die Beziehungen zur Türkei sind seit 2012 eingefroren; Streitpunkte sind Hatay, Wasserfragen, die PKK und türkische Militäroperationen in Nordsyrien. Syrien fordert für eine Normalisierung den Abzug türkischer Truppen.
Wirtschaft, Bildung und Verkehr
Landwirtschaft, Erdöl, Textilien und Nahrungsmittel sind wichtige Wirtschaftsbereiche. Das nominelle Bruttoinlandsprodukt wird für 2024 mit 25 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 1.015 US-Dollar je Einwohner angegeben; der HDI beträgt 0,564 und lag 2023 auf Rang 162. Der Bürgerkrieg und Sanktionen ließen die Wirtschaft stark einbrechen: Nach Schätzung der Weltbank sank das BIP von 61,4 Milliarden US-Dollar 2010 auf weniger als 9 Milliarden US-Dollar 2023. Für 2017 wurde die Arbeitslosenquote auf 50 % geschätzt. Nach dem Sturz Assads wurden Sanktionen aufgehoben. Ahmed al-Scharaa nannte Anfang 2026 ein Wachstum von 30 bis 35 % im Vorjahr; Experten zweifelten diese Zahlen laut Artikel an.
Der wichtigste Bodenschatz ist Erdöl, daneben Erdgas und Phosphat. Die Erdölförderung erreichte 1995 610.000 Barrel täglich und sank bis 2008 auf 379.000 Barrel. 2008 machten Ölexporte 20 % der Exporte aus; die Einnahmen deckten 23 % des Staatshaushalts. Die Syrian Petroleum Company ist das größte Unternehmen der Ölbranche. Die Syrische Lira ist die Währung; Zentralbank ist die Banque Centrale de Syrie. Der Artikel beschreibt außerdem den Captagon-Handel während der Assad-Zeit als bedeutende Finanzierungsquelle des Regimes.
Die Schulpflicht dauert bis zum Alter von elf Jahren. Es gibt 8 öffentliche und 22 private Universitäten. Bei den über 15-Jährigen können 81 % der Frauen und 92 % der Männer lesen und schreiben; bei den 15- bis 24-Jährigen liegt die Analphabetismusquote bei 5,5 %. Im Gesundheitswesen entstanden seit 2011 provisorische Kliniken, weil verletzte Demonstranten und behandelnde Ärzte laut Ärzte ohne Grenzen in staatlichen Einrichtungen gefährdet waren.
Das Eisenbahnnetz umfasst ein 2.460 km langes, überwiegend nach 1970 gebautes Normalspurnetz sowie die Hedschasbahn mit 1.050 mm Spurweite. Die Linien sind eingleisig und nicht elektrifiziert. Internationale Bahnverbindungen bestehen nach Jordanien, Türkei und Iran, das Reisezugangebot ist wegen der Straßenkonkurrenz gering. Sechs Flughäfen gibt es; Damaskus, Aleppo und Latakia bieten internationale Verbindungen.
Kultur, Alltag und Medien
Syrische Kultur ist von der langen Geschichte und den Einflüssen vieler Bevölkerungen geprägt. Zu den wichtigen antiken Kulturzentren zählen Mari, Ebla und Ugarit. In Ugarit entstand im 14. Jahrhundert v. Chr. ein Keilschriftalphabet mit der Struktur einer Konsonantenschrift. Die hurritischen Hymnen aus Ugarit werden im Artikel als Beleg dafür genannt, dass eine diatonische Tonleiter mit sieben Noten bereits vor mehr als 3.000 Jahren existierte.
Traditionelle syrische Musik verbindet vor allem syrische und türkische Einflüsse. Das Tacht, ein Orchester der nahöstlichen Musik, verwendet Oud, Kanun, Kamantsche oder Violine, Nay, Riqq und Darbuka; im 20. Jahrhundert kam die Buzuq hinzu. Al-Qudoud al-Halabiya sind traditionelle Lieder, deren Themen meist Liebe, Sehnsucht und Spiritualität sind. Die zeitgenössische klassische Musik wurde besonders durch Solhi al-Wadi und Nouri Iskandar geprägt; 1993 gründete al-Wadi das Syrische Nationale Symphonieorchester.
Die Küche ist regional vielfältig und zeigt Einflüsse der Nachbarländer, der Türkei, Griechenlands, des Nahen Ostens und Frankreichs. Genannt werden unter anderem Falafel, Makloube, Mehshi, Manakish, Bulgur, Kibbeh, Hummus, Taboulé, Fatousch, Schawarma, Mujaddara und Baklava. Zu den Getränken gehören schwarzer Tee, türkischer Kaffee, Ayran, Dschallab, Arak und Wein. Staatliche Feiertage folgen dem Gregorianischen Kalender; islamische Feiertage richten sich nach dem kürzeren Mondjahr und verschieben sich daher jährlich.
Wichtige Tageszeitungen sind unter anderem al-Baath, ath-Thaura, al-Watan, Tishrin und die englischsprachige Syria Times. Reporter ohne Grenzen bewertet die Pressefreiheit als „sehr ernst“; der Artikel nennt verweigerte Einreisen, Verhaftungen sowie getötete oder inhaftierte Online-Aktivisten und Bürgerjournalisten.