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Ukrainische Grammatik

Dieser Artikel beschreibt die Grammatik der ukrainischen Sprache. Sie zählt zusammen mit Sprachen wie dem Polnischen zu den slawischen Sprachen, im engeren …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge der ukrainischen Grammatik
  2. 2. Schrift, Laute und Betonung
  3. 3. Lautwechsel und Lautgesetze
  4. 4. Deklination von Nomen, Adjektiven und Pronomen
  5. 5. Funktionen der sieben Kasus
  6. 6. Verbformen, Zeiten und nichtfinite Formen

Grundzüge der ukrainischen Grammatik

Die ukrainische Sprache gehört zu den slawischen, genauer zu den ostslawischen Sprachen. Ihre Grammatik ist wichtig, weil Wortformen viel Information ausdrücken, die im Deutschen oft durch Artikel, feste Wortstellung oder zusätzliche Wörter vermittelt wird. Ukrainisch hat keine Artikel.

Es gibt 7 Kasus, 2 Numeri (Singular und Plural) und 3 Genera (Maskulinum, Femininum, Neutrum). Der Vokativ als Kasus der Anrede ist erhalten; damit ist Ukrainisch laut Artikel die einzige ostslawische Sprache, die ihn bewahrt hat. Im Plural unterscheiden Adjektive und Pronomen kein Genus. Der alte Dual ist nur noch in einigen erstarrten Formen vorhanden.

Fast jedes Verb hat ein Aspektpaar: Imperfektiv bezeichnet einen nicht als abgeschlossen dargestellten Vorgang, perfektiv einen abgeschlossenen beziehungsweise auf Abschluss gerichteten Vorgang. Imperfektive Verben haben Präsens, Präteritum und Futur; perfektive Verben haben keine Präsensbedeutung. Es gibt Indikativ, Imperativ und Konditional sowie Aktiv und Passiv. Aorist, Imperfekt und periphrastisches Plusquamperfekt sind verloren gegangen.

Schrift, Laute und Betonung

Ukrainisch wird kyrillisch geschrieben. Gegenüber dem Russischen fehlen ъ, ы, э und ё; hinzu kommen і, ї, ґ, є und der Apostroph. Der Apostroph ist ein Härtezeichen: Er verhindert die Palatalisierung, also die weiche Aussprache eines Konsonanten. Das Zeichen ь fordert dagegen die Palatalisierung des vorausgehenden Konsonanten.

Besonders wichtig sind г als stimmhafter glottaler Laut [ɦ] und ґ als [g]. Der Buchstabe и wird [ɪ] gesprochen, і als [i], ї als [ji] oder [jɪ]. В hat häufig die Aussprache [w/u̯]. Die Affrikaten [d͡z] und [d͡ʒ] werden дз und дж geschrieben; щ wird [ʃt͡ʃ], nicht wie russisches [ɕ:] gesprochen. Die Infinitivendung lautet -ти (-ty). Lange, also geminierte Konsonanten werden tatsächlich länger gesprochen.

Fast alle Konsonanten außer й können hart oder weich sein. Weiche Varianten stehen vor і, й/я/є/ї/ю oder nach ь. Velare Konsonanten г/ґ, к, х sind immer hart und werden vor weichen oder jotierten Vokalen durch Palatalisierungsregeln verändert. Es gibt sechs Vokale: а, е, і, о, у, и (a, e, i, o, u, y); ihre Länge unterscheidet keine Bedeutungen. Unbetontes о wird nicht wie im Russischen zu [a]. Ein nach einem Vokal stehendes й bildet einen Diphthong, etwa дай (daj) [dai̯] „gib!“.

Die Betonung kann bis auf die viertletzte Silbe zurückgehen und muss bei jedem Wort gelernt werden, weil sie sich bei der Beugung häufig ändert: místo – mistá „Stadt – Städte“ und hovorjú – hovóryš „ich spreche – du sprichst“.

Lautwechsel und Lautgesetze

Bei Konsonantenhäufungen am Wortende kann ein Vokal eingeschoben werden: o nach в/г/к/х, e vor л/м/р/ц. So werden schwierige Gruppen aufgelöst; bestimmte Gruppen wie sk und stv bleiben erhalten.

Palatalisierungen sind regelmäßige Konsonantenwechsel vor bestimmten Vokalen oder j. Bei der 1. Palatalisierung gilt: г/ґ → ж, к → ч, х → ш. Bei der 2. Palatalisierung gilt: г/ґ → з, к → ц, х → с. Daher wird etwa дошка (doška) „Schultafel“ im Dativ oder Lokativ zu дошці (došci): Die Endung -i löst die 2. Palatalisierung aus.

Die Jotifizierung betrifft Konsonant + j. Nach Labialen p, b, v, m wird ein l eingefügt; aus sp(a)- und der Endung der 3. Person Plural entsteht сплять (spljat') „sie schlafen“. Weitere wichtige Wechsel sind dj → ж, bei Verben jedoch дж; sj → ш; stj → щ; sowie lj, nj, rj → ль, нь, рь.

Bei der Assimilation wechseln і und й sowie у und в je nach lautlicher Umgebung: Nach einem Vokal stehen die Halbvokale j beziehungsweise v, zum Beispiel він іде gegenüber вона йде „er geht – sie geht“. Stimmlose Obstruenten werden vor stimmhaften Konsonanten stimmhaft, etwa наш дід [nɑʒdid] „unser Großvater“. Umgekehrt gibt es keine Auslautverhärtung. Vor der Infinitivendung -ти werden d und t zu st: клад- + -ти → класти (klásty) „legen“, плет- + -ти → плести (plestý) „flechten“.

Kennzeichnend für den historischen Lautwandel sind unter anderem *i, *y → и, *o oder *e vor Konsonant + ь/ъ → i und l vor Konsonant oder am Wortende → в. Außerdem gibt es Pleophonie, also die Erweiterung von or/ol/er/el zwischen Konsonanten: *borda → борода (borodá) „Bart“ und *melko → молоко (molokó) „Milch“.

Deklination von Nomen, Adjektiven und Pronomen

Substantive, Adjektive und Pronomen werden nach Kasus, Numerus und Genus dekliniert, haben aber jeweils eigene Flexionsmuster. Substantive gliedern sich in vier Deklinationen. Die 1. Deklination umfasst meist Feminina auf -а/-я und hat im Akkusativ Singular die besondere Endung -у/-ю. Die 2. Deklination umfasst Maskulina sowie die meisten Neutra. Die 3. Deklination enthält nur Feminina, meist mit konsonantischem Ausgang; der Instrumental Singular endet auf -ю und kann den Endkonsonanten verdoppeln, etwa ніч – ніччю „Nacht“. Die 4. Deklination enthält nur Neutra auf urslawisches -ę, etwa ім’я „Vorname“, теля „Kalb“ und курча „Huhn“.

Ein Grundprinzip des Akkusativs gilt für Substantive, Adjektive und Pronomen: Bei Belebtem entspricht er meist dem Genitiv, bei Unbelebtem meist dem Nominativ. Neutra haben gewöhnlich gleiche Formen im Nominativ und Akkusativ. In vielen einsilbigen Wörtern wechselt der Stammvokal zwischen i in geschlossener und o oder e in offener Silbe, etwa ніч „Nacht“ gegenüber ночі (noči).

Die Wörterbuchform eines Adjektivs ist der Nominativ Singular Maskulin. Es gibt hartstämmige und weichstämmige Adjektive; das Genus wird nur im Singular unterschieden. Der Komparativ entsteht entweder mit -(i)šyj, etwa молодий → молодший „jung → jünger“, oder mit більш „mehr“. Unregelmäßig sind добрий → кращий „gut → besser“, великий → більший „groß → größer/mehr“ und малий → менший „klein → kleiner“. Der Superlativ setzt най- vor den Komparativ: найкращий „bester“.

Personalpronomen der 1. und 2. Person sind я, ти, ми, ви. Bei Pronomen der 3. Person steht im Nominativ der Stamm von-, sonst j-; nach Präpositionen wird n- vorangestellt, etwa його – нього. Für reflexiven Besitz dient свій „eigener“. Demonstrativpronomen sind той „jener“ und цей „dieser“. Wer und was heißen хто und що; sie haben keinen Plural. Das deklinierbare чий bedeutet „wessen“.

Funktionen der sieben Kasus

Der Nominativ ist die Wörterbuchform. Er bezeichnet insbesondere das Subjekt und kann als Prädikat stehen, zum Beispiel Лондон – столиця Англії „London ist die Hauptstadt von England“. Nach 1, 21, 31 usw. steht Singular, nach 2–4 und entsprechenden Zahlen ebenfalls eine Nominativform; nach 5–20, 25–30, 35–40 usw. steht Genitiv Plural, etwa п'ять діб „fünf 24-Stunden-Tage“.

Der Genitiv drückt Besitz, Zugehörigkeit, Zeitangaben und einen Teil eines Ganzen aus. Bei verneintem direktem Objekt kann er den unbestimmten Akkusativ vertreten. Er steht unter anderem nach без „ohne“, для „für“, після „nach“ und з in der Bedeutung „aus/von“: з Києва „aus Kiew“.

Der Dativ bezeichnet das indirekte Objekt und steht oft in unpersönlichen Ausdrücken: мені холодно „mir ist kalt“, мені потрібно „ich brauche“. Auch Altersangaben verwenden ihn: йому 20 років „er ist 20 Jahre alt“. Der Akkusativ bezeichnet das direkte Objekt bei nicht verneintem Prädikat sowie Zeitdauer und folgt unter anderem auf про „über“, через „durch/über“ und bei Richtung auf у/в und на.

Der Instrumental bezeichnet Werkzeug, Verkehrsmittel, Begleitung und Rollen: олівцем „mit einem Bleistift“, літаком „mit dem Flugzeug“, він працює лікарем „er arbeitet als Arzt“. Mit з/зі/із bedeutet er „mit“. Der Lokativ erscheint nur nach Präpositionen, besonders in Ortsangaben: у ресторані „im Restaurant“, в Києві „in Kiew“, на столі „auf dem Tisch“; auch о/об „um“ und при „bei“ verlangen ihn. Der Vokativ dient der direkten Anrede. Eine besondere Form haben vor allem maskuline und feminine Substantive im Singular, etwa Максиме!, Петре!, друже! und Наталю!.

Verbformen, Zeiten und nichtfinite Formen

Finite Verbformen werden nach Person und Numerus, Tempus und Modus konjugiert. Infinite Formen werden nach Aspekt unterschieden und wie Nomen flektiert. Dazu gehören Infinitiv, Verbalnomen und vier Partizipien. Der Infinitiv endet stets auf -ти, etwa мати „haben“; bei reflexiven Verben folgt -ся, etwa дивитися „anschauen“. Manche Präsensstämme sind gegenüber dem Infinitiv erweitert oder verändert, zum Beispiel писати – я пишу „schreiben – ich schreibe“ und іти – я йду „gehen – ich gehe“.

Das Partizip Präsens Aktiv entsteht aus der 3. Person Plural Präsens durch Ersatz von -ть durch -чий; sein Gerundium endet auf -чи, etwa знаючи „wissend/im Wissen“. Das L-Partizip bildet das Präteritum: Bei maskulinem Singular lautet die Endung -в, bei femininem -ла, bei Neutrum -ло und im Plural -ли. Beispielsweise lautet die Vergangenheit von бути „sein“: він був „er war“. Das Partizip Präteritum Aktiv II liefert meist ein Gerundium auf -ши, etwa знавши „gewusst habend“.

Das Partizip Präteritum Passiv wird gewöhnlich wie ein Adjektiv gebraucht und endet auf -тий oder -ний, etwa жатий „gemäht“, лишений „verlassen“ und печений „gebacken“. Das Verbalnomen entsteht durch Ersetzen des PPP durch -ння, etwa питання „Frage“ und замовлення „Bestellung/Befehl“; es wird wie ein neutrales Nomen der 2. Deklination auf -ĭje flektiert.

Im Indikativ hat ein imperfektives Präsens Gegenwartsbedeutung; bei perfektiven Verben bezeichnet dieselbe Form einen künftig abzuschließenden Vorgang. Die Vergangenheit beider Aspekte wird allein mit dem L-Partizip gebildet. Das imperfektive Futur kann synthetisch mit Suffixen oder analytisch aus dem Präsens von бути + Infinitiv gebildet werden: я їстиму oder я буду їсти „ich werde essen“, ти їстимеш oder ти будеш їсти „du wirst essen“.

Weiterlesen

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