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Typologie (Bibel)

Es geht dabei in erster Linie um „Verheißung“ und „Erfüllung“: Das, was im Alten Testament angekündigt wird, vollendet sich im Neuen Testament.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der Typologie
  2. 2. Ziel und Verbreitung
  3. 3. Biblische Anwendung
  4. 4. Weitere Verwendung und Beispiele

Grundidee der Typologie

Typologie, auch Präfiguration, ist eine Auslegungsweise der Bibel: Eine Person oder ein Geschehen aus dem Alten Testament wird als Typos mit einer Person oder einem Ereignis des Neuen Testaments, dem Antitypos, in Beziehung gesetzt. Im Mittelpunkt stehen „Verheißung“ und „Erfüllung“: Was im Alten Testament angekündigt wird, vollendet sich im Neuen Testament.

Ein Typos ist keine feste Eigenschaft eines Gegenstands oder Menschen. Etwas wird nur situationsbezogen Typos genannt, wenn durch oder in ihm etwas sichtbar wird.

Ziel und Verbreitung

Besonders im frühen Christentum und auch im Mittelalter war Typologie eine verbreitete Auslegung des Alten Testaments. Sie sollte zeigen, dass Christus derjenige sei, auf den vor allem die Propheten hingewiesen hatten. Der alttestamentlichen Figur entsprach dabei der Antitypus im Neuen Testament.

Typologische Gegenüberstellungen dienten als Beweisführung für Jesus Christus als Erfüller der Verheißung. So wurde Jona, der drei Tage im Bauch des Wales lag, Christus gegenübergestellt, der drei Tage im Grab gelegen habe. Das frühe Christentum wollte mit dieser Folgerichtigkeit Überzeugungsarbeit leisten.

Auch für die frühe christliche Bildkunst war dies bedeutsam: Alttestamentliche Bilder galten als unverfänglich, weil sie ebenso dem jüdischen Kulturkreis zugeordnet werden konnten, der keiner Verfolgung ausgesetzt war. In den Katakomben finden sich daher neben Symbolen alttestamentliche Darstellungen, die Christen typologisch lasen.

Biblische Anwendung

Im Matthäusevangelium liegt das typologische Verfahren den sogenannten Reflexionszitaten vielfach zugrunde. Ein Beispiel ist die Gegenüberstellung des Empfangs der Zehn Gebote auf dem Sinai mit der Bergpredigt Christi.

Paulus verwendet besonders die Gegenüberstellung Adam – Christus. In Röm 5,14 ELB nennt er Adam den typos tou mellontos, das „Vorbild auf den kommenden (Christus)“. In 1 Kor 10,1–13 EU deutet er Stationen des Auszugs und der Wüstenwanderung Israels typologisch: Den Durchzug durch das Schilfmeer verbindet er mit der Taufe, die himmlische Speisung und das Wasser aus dem Felsen mit dem Abendmahl. Diese Ereignisse seien Urbilder (griechisch τύποι/typoi), die Christen zur Ermahnung dienten.

In 1 Kor 10,6 EU ist ein Typos eine Warnung vor Nachahmung und bezieht sich vor allem auf den Wüstentod in Vers 5. In 1 Kor 10,12 EU stehen die Väter als Typos für Gläubige, denen Heil widerfahren ist, die aber bei zu großer Überheblichkeit ebenfalls fallen können.

Weitere Verwendung und Beispiele

In der christlichen Kunst ist Typologie allgegenwärtig, weil sie bildhaft ist und beziehungsvolle Symmetrien ermöglicht. Im Spätmittelalter waren typologische Werke wie die Bible moralisée, der Heilsspiegel (Speculum humanae salvationis), die Armenbibel (Biblia pauperum) und die Concordantiae caritatis verbreitet.

Predigten wenden alttestamentliche Texte oft auf die Gegenwart an: Das Gesagte wird als „Vorbild“ oder „Muster“ für gegenwärtige Vorgänge verstanden. Arnold Köster deutete am 8. Dezember 1941 Edom als „Weltstaat“ und Jakob als „Gottesgemeinde“. Seine Deutung konnte allgemein wirken, ließ für Zuhörer aber auch eine Bezugnahme auf den NS-Staat erkennen. Allgemeine und konkrete Anwendung können daher nahe beieinanderliegen.

Typen können auch aus der „heidnischen“ Antike oder aus Naturphänomenen stammen. Augustus und die Sibylle von Tibur gelten als Typen zur Christgeburt. Der im Physiologus erwähnte Löwe, der nach drei Tagen seine totgeborenen Jungen durch Brüllen belebt, und der aus der Asche neu erstehende Phönix sind Typen für die Auferstehung Christi.

Typische Gegenüberstellungen sind: Die eherne Schlange des Mose bewahrt vor dem Tod durch Schlangenplage, Christus bringt am Holz des Kreuzes Leben. Jona wird nach 3 Tagen von einem großen Fisch ausgespieen, Christus steigt in das Reich des Todes hinab und steht am dritten Tage auf. Manna in der Wüste entspricht der von Christus eingesetzten Eucharistie; der Durchzug Israels durch das Rote Meer entspricht der Taufe zum neuen Leben. Außerdem wird Samson, der die Tore von Gaza aushebt, mit der Auferstehung Christi verbunden, und Josef, der von seinen Brüdern verkauft wird, mit Jesus, der von Judas verraten und verkauft wird.

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