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Typen von Argumenten
Intakte Argumente · Deduktive Argumente · Induktive Argumente · Indirekte Argumente · Weitere individuelle Argumenttypen.
Inhalt6 Abschnitte
Grundidee und intakte Argumente
Argumenttypen werden in der Argumentationstheorie, der Rhetorik und vereinzelt in anderen Fachgebieten beschrieben. Ein Argument verbindet Prämissen, also begründende Aussagen, mit einer Konklusion, also der Schlussfolgerung. Intakte Argumente sollen eine These nachvollziehbar stützen. Der Artikel weist allerdings darauf hin, dass einzelne Abschnitte nicht ausreichend belegt sind.
Deduktive Argumente heißen auch argumentum ad veritatem oder Wahrheitsbeweis. Bei ihnen folgt die Konklusion logisch aus den Prämissen: Wenn die Prämissen wahr sind, ist auch die Konklusion wahr. Ein Beispiel ist der Syllogismus. Ein logisches Nutzwertargument verbindet mehrere Prämissen mit einer logischen Schlussfolgerung, etwa: Ein Auto verbraucht fünf Liter pro 100 Kilometer und hat einen Tankinhalt von 50 Litern; daraus folgt, dass man mit einer Tankfüllung 1.000 Kilometer fahren kann.
Induktive Argumente stützen sich auf empirische Beobachtungen und Erfahrungen. Sie schließen von Einzelfällen auf eine allgemeine Aussage. Die Konklusion ist dabei nicht logisch zwingend, sondern nur in gewissem Grad wahrscheinlich. Ein einziges Gegenbeispiel kann eine allgemeine induktive Aussage widerlegen. Die Gültigkeit induktiver Argumente wird im Artikel als stark umstritten bezeichnet.
Indirekte Argumente stützen eine eigene These, indem sie das Gegenteil widerlegen. Ein Umkehrschluss, argumentum e contrario, oder ein Beweis durch Widerspruch kann zeigen, dass eine Gegenposition falsch ist. Als Beispiel nennt der Artikel Euklids Beweis für die Irrationalität von Wurzel 2.
Rechnerische und abwägende Formen
Einige Argumenttypen arbeiten mit Zahlen, Vergleichen oder Abwägungen. Die Vergrößerung setzt zwei Sätze mathematisch miteinander in Beziehung und stellt dadurch die Plausibilität einer Ersparnis oder eines Gewinns heraus. Beispiel: Bei einer Einsparung von 1,7 Cent pro Druckseite und einer Auflage von 20.000 Seiten ergibt sich 20.000 × 0,017 = 340 Euro Ersparnis im Monat.
Die Verkleinerung relativiert mögliche Gegenargumente, zum Beispiel Anschaffungskosten oder laufende Belastungen. Ein Auto für 24.000 Euro kann bei 20 Jahren Nutzungsdauer als Belastung von nur 100 Euro pro Monat dargestellt werden. Der Artikel merkt an, dass diese Rechnung Zins und Zinseszinseffekt nicht berücksichtigt und dadurch günstiger wirkt.
Die Bilanzierung, auch Nutzwertanalyse, stellt Pro-und-Contra-Argumente gegenüber und versieht sie mit Gewichtungsfaktoren. Durch Summation entsteht ein mathematisch eindeutiges Ergebnis. Die Prokatalepsis nennt zuerst ein schwaches Gegenargument und entkräftet es anschließend mit einem stärkeren Pro-Argument.
Weitere intakte Argumenttypen
Der Schluss vom Allgemeinen auf das Besondere, argumentum a posteriori, nutzt Erfahrung und allgemeine Theorien, um zu speziellen Erkenntnissen zu gelangen. Beispiele sind Aussagen wie: Aus wiederkehrenden Kriegen um knappe Ressourcen und heutiger Ressourcenknappheit werde wieder Krieg folgen; oder: Alle Menschen, die ich kannte, sind gestorben, also werde auch ich sterben. Der Artikel bezeichnet diese Form als logisch unsauber, weil vom Erfahrenen auf etwas noch nicht Erfahrenes geschlossen wird.
Das argumentum a priori führt einen Beweis durch rein logische Schlussfolgerungen und kommt ohne Erfahrungswissen aus. Beispiel: Wenn alle Menschen sterblich sind und Sokrates ein Mensch ist, folgt daraus, dass Sokrates sterblich ist. Der Artikel merkt an, dass diese Annahme nicht falsifizierbar ist.
Das argumentum a fortiori, im Artikel als Überhöhung beschrieben, zeigt, dass eine Behauptung noch sicherer ist als eine bereits hinreichend bewiesene. Beispiel: Wenn 10 mg/kg eines Mittels gesundheitsschädlich wirken und jemand einer wesentlich höheren Konzentration länger ausgesetzt war, soll der gesundheitliche Schaden außer Frage stehen.
Das argumentum ex concesso, die explizite Weiterführung, baut auf einer bereits zugestandenen Aussage auf. Ein hypothetisches Argument verbindet angenommene Prämissen mit tatsächlichen; seine Konklusion ist nicht notwendig wahr, solange die Wahrheit der Prämissen nicht erwiesen ist.
Fehlschlüsse nach Damer
T. Edward Damer systematisierte 1980 Fehlschlüsse, englisch fallacies. Er beschreibt fünf Prinzipien guter Argumente. Das Strukturprinzip verlangt ein wohlgeformtes Argument ohne widersprüchliche Gründe und ohne vorausgesetzte Schlussfolgerung. Das Relevanzprinzip verlangt Gründe, die tatsächlich Belege für die Konklusion liefern. Das Akzeptabilitätsprinzip verlangt Gründe, die eine reife, rationale Person wahrscheinlich akzeptieren würde. Das Zulänglichkeitsprinzip verlangt relevante und akzeptable Gründe, die zusammen nach Zahl und Gewicht ausreichen. Das Widerlegungsprinzip verlangt eine wirksame Widerlegung ernsthafter zu erwartender Kritik.
Werden diese Prinzipien verletzt, entstehen verschiedene Gruppen defekter Argumente. Beim Strukturprinzip nennt Damer unter anderem Petitio Principii, Zirkelschluss, Frage mit impliziter Unterstellung, Widerspruch zwischen Prämisse und Schlussfolgerung sowie Fehlschlüsse beim deduktiven Schließen wie Verleugnung des Antezedens oder Bekräftigung der Konsequenz.
Beim Relevanzprinzip entstehen Fehlschlüsse irrelevanter Prämissen und irrelevanter Appelle, zum Beispiel genetischer Fehlschluss, Rationalisierung, Argumentum ad verecundiam, Argumentum ad populum, Argumentum ad baculum, Traditionsargument, Appell ans Eigeninteresse und Emotionsappell.
Beim Akzeptabilitätsprinzip nennt der Artikel sprachliche Verwechslungen und unberechtigte Annahmen: Äquivokation, Mehrdeutigkeit, Betonungsmehrdeutigkeit, Suggestivanspielung, falsches Dilemma, Ist-Soll-Fehlschluss, Wunschdenken, fehlerhafte Analogie und Argumentum ad temperantiam. Beim Zulänglichkeitsprinzip geht es um fehlende oder schwache Belege, etwa unzureichende Stichproben, nicht-repräsentative Daten, Argumentum ad ignorantiam, Auslassen elementarer Gründe sowie kausale Fehlschlüsse wie Post-hoc-Fehlschluss, Verwechslung von Ursache und Wirkung, Dammbruchargument und Spielerfehlschluss. Beim Widerlegungsprinzip nennt der Artikel unter anderem Ignorieren von Gegenbeweisen, ad-hominem-Fehlschlüsse, Strohmann-Argument, belanglose Einwände, Red Herring und Zuflucht zu Humor oder Spott.
Andere Systematiken und problematische Argumente
Der Artikel nennt Damer nur als einen von mehreren Systematisierungsversuchen. Patrick J. Hurley veröffentlichte 1982 in A concise introduction to logic eine weitere Einteilung. Er unterscheidet unter anderem Relevanzfehlschlüsse, Fehlschlüsse auf Basis schwacher Induktion sowie Fehlschlüsse auf Basis von Annahmen, Mehrdeutigkeit und grammatischer Analogie. Dazu gehören beispielsweise Argumentum ad baculum, Argumentum ad misericordiam, Argumentum ad populum, Argumentum ad hominem, Strohmann-Argument, Red Herring, Argumentum ad verecundiam, Argumentum ad ignorantiam, vorschnelle Verallgemeinerung, falsche Ursache, Dammbruchargument, schwache Analogie, Petitio Principii, falsches Dilemma, Äquivokation, Mehrdeutigkeit, fallacy of composition und fallacy of division.
Ein Cum hoc ergo propter hoc-Argument schließt aus Gleichzeitigkeit oder zeitlicher Abfolge auf einen unbewiesenen Kausalzusammenhang. Beispiel: Eisverkäufe korrelieren stark mit Kriminalitätsraten; daraus zu folgern, Speiseeis verursache Verbrechen, ist fehlerhaft, weil eine tatsächliche Erklärung außer Acht bleibt und keine Kausalität besteht.
Ein Scheinargument kann, wenn es zur Täuschung eingesetzt wird, Sophismus heißen. Fehlschlüsse ziehen zwar eine Schlussfolgerung aus Prämissen, folgen aber nicht den Gesetzen der Logik. Ein Paralogismus ist ein logischer Irrtum durch falschen Begriffgebrauch; auch eine nicht berücksichtigte Antinomie oder ein falsches Dilemma kann eine Rolle spielen. Während Fehlschlüsse noch sachbezogen wirken können, braucht ein Scheinargument keinen logischen Aufbau.
Das argumentum ex silentio wertet Schweigen als Hinweis. In der Geschichtsforschung ist das Nichterwähnen eines Ereignisses durch eine Quelle kein zwingender Beweis, kann aber plausibel sein, wenn die Quelle Zeit und Ort sehr dicht behandelt. In der juristischen Auslegung kann das Schweigen des Gesetzes als Erkenntnisquelle dienen, etwa wenn § 833 BGB bei der Tierhalterhaftung kein subjektives Element wie Vorsatz oder Fahrlässigkeit nennt.
Wiederholung und Totschlagargumente
Das argumentum ad nauseam bezeichnet den Fehlschluss, dass eine Aussage durch ständige Wiederholung scheinbar richtiger wird. Ein Beispiel ist das wiederholte „Ich war es nicht!“ trotz entgegenstehender Einwände wie Tatortbeobachtung, Pistole in der Hand oder vorherige Drohung. Dadurch verlässt man den Rahmen rationaler Diskussion, weil es nur noch auf das Beharren auf der eigenen Meinung ankommt. Der Artikel nennt auch den Fall, dass längst widerlegte Argumente gegenüber Personen wiederholt werden, von denen man annimmt, dass sie die Widerlegung nicht kennen.
Außerhalb der Argumentationstheorie werden Totschlagargument und Killerphrase als umgangssprachliche Bezeichnungen genannt. Gemeint ist ein Red Herring, besonders ein Argumentum ad rem, mit dem Widerspruch gegen eine Position ohne Wahrheitsbeweis durch Machtspruch erstickt werden soll. Beispiel: „Das kommt nicht in Frage, denn das haben wir noch nie so gemacht.“ Verwandt ist das TINA-Prinzip, kurz für There Is No Alternative, also „Es gibt keine Alternative“, bei dem eine Position als über jede Kritik erhaben dargestellt wird.