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Nutzwert
Nutzwert ist in der Wirtschaft der tatsächliche oder potentielle subjektive Nutzen, den der Käufer oder Investor beim Erwerb von Gütern oder …
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Begriff und Bedeutung
Der Nutzwert ist in der Wirtschaft der tatsächliche oder mögliche subjektive Nutzen, den ein Käufer oder Investor durch den Erwerb eines Gutes oder einer Dienstleistung im Hinblick auf seine Ziele erhält. Er beschreibt also, wie stark eine Alternative zur Zielerfüllung oder Bedürfnisbefriedigung beiträgt. In der Nutzwertanalyse bezeichnet er den Zielerreichungsgrad.
Einer Kaufentscheidung geht die Auswahl zwischen mindestens zwei Alternativen voraus. Je stärker eine gewählte Alternative die wirtschaftlichen oder persönlichen Ziele erfüllt, desto höher ist ihr Nutzwert. Entspricht ein Gut den gesetzten Zielen nicht, hat es keinen Nutzwert und ist für die betreffende Person oder Organisation nutzlos.
Ein einheitlicher Maßstab für den Nutzwert ist nicht möglich, weil Wirtschaftssubjekte unterschiedliche Ziele und Bedürfnisse haben. Dasselbe Produkt kann daher verschieden bewertet werden: Ein Steak hat für einen Fleischesser einen höheren Nutzwert als für einen Vegetarier. Außerdem besteht keine eindeutige Beziehung zwischen dem subjektiven Nutzwert und dem leichter bestimmbaren Tauschwert eines Gutes.
Nutzwert bei Verbrauchern und Unternehmen
Bei Privatpersonen ist der Nutzwert der in Geld bewertete Nutzen, den ein Kunde den Funktionen, der Qualität und den Eigenschaften eines Produkts oder einer Dienstleistung beimisst. Er setzt sich aus Gebrauchsnutzen und Geltungsnutzen zusammen. Ein Kauf erfolgt, wenn der subjektive Nutzwert höher als der Marktpreis ist und der entstehende Nutzwertüberschuss größer ausfällt als bei einer anderen Verwendung des Geldes.
Im Verkaufsgespräch gilt die Nutzwertargumentation als sachliche Argumentationsform. Dennoch bleibt die Bewertung subjektiv: Welche Nutzwerte ein Kunde überhaupt wahrnimmt, hängt von seiner selektiven Wahrnehmung ab.
In Unternehmen ist der Nutzwert der zahlenmäßige Ausdruck des subjektiven Werts einer Investition im Hinblick auf vorgegebene Unternehmensziele. Dies betrifft materielle und immaterielle Güter, etwa Patente, Lizenzen und gewerbliche Schutzrechte. Eine Investition ist absolut vorteilhaft, wenn ihr Nutzwert einen festgelegten Grenzwert überschreitet. Sie ist relativ vorteilhaft, wenn ihr Nutzwert größer ist als der aller anderen verfügbaren Investitionsobjekte.
Nutzwertanalyse
Die Nutzwertanalyse vergleicht Handlungsalternativen danach, in welchem Maß sie ein persönliches Ziel, Unternehmensziel oder Staatsziel erfüllen. Gibt es mehrere Ziele in einer Zielhierarchie, wird jedes Ziel gewichtet. Für jede Alternative werden anschließend die gewichteten Erfüllungswerte aller Ziele addiert. Ihre Summe bildet den Nutzwert der Alternative.
Anhand der berechneten Nutzwerte lassen sich die Alternativen in eine Rangfolge bringen. Diese Rangfolge unterstützt die Entscheidung, etwa bei der Auswahl zwischen mehreren Investitionen.
Nutzwerttheorien
Nutzwerttheorien sind subjektive Werttheorien: Sie definieren den Wert eines Gegenstands als dessen subjektiven Nutzen für eine bestimmte Person. Jules Dupuit ging von der „Nützlichkeit“ eines Gutes aus und nahm an, sie lasse sich durch das größte Opfer messen, das ein Wirtschaftssubjekt für den Erwerb des Gutes zu bringen bereit ist.
Die Grenznutzentheorie ist eine reine Nutzwerttheorie. Nach ihr entsprechen Kosten dem entgangenen Nutzen: Wer einen bestimmten Nutzen erhalten will, muss dafür auf einen anderen Nutzen verzichten.
Nutzwert, Tauschwert und Geld
Das von John Law 1705 beschriebene Wertparadoxon zeigt, dass Nutzwert und Tauschwert stark voneinander abweichen können: Wasser besitzt einen sehr hohen Nutzwert, aber einen niedrigen Tauschwert; weniger nützliche Diamanten haben dagegen einen hohen Tauschwert. Für Käufer eines Konsumgutes ist dessen Nutzwert entscheidend. Ein Spekulant orientiert sich hingegen daran, wie andere Nachfrager das Gut künftig bewerten werden. Langfristig kann der Marktpreis nicht über dem Nutzwert liegen, weil die Nachfrager das Gut sonst nicht mehr kaufen wollen.
Karl Marx kritisierte das Wertparadoxon 1867 in „Das Kapital. Band I“. Seine Aussage, die Warenkunde befasse sich als Sonderfach mit dem Nutzwert der Ware, wurde fälschlich so verstanden, als sei der Nutzwert überhaupt keine volkswirtschaftliche Kategorie.
Georg Simmel betonte 1907, dass „Geld an sich“ ein Nichts sei und erst durch seine Funktion als Tauschobjekt beim Güterkauf einen Nutzwert erhalte. Auch John Maynard Keynes sprach Geld an sich einen Nutzwert ab, weil es keinen Sachgütercharakter besitzt.
Abgrenzung zum Kundennutzen
Nutzwert und Kundennutzen sind nicht dasselbe. Der Nutzwert bezieht sich auf den subjektiven Beitrag eines Gutes zur Erreichung der Ziele des Käufers oder Investors. Kundennutzen ist dagegen ein Marketingbegriff: Er betrachtet den Nutzen aus Sicht des Unternehmens, obwohl das Unternehmen die Ziele des Kunden nicht kennt.