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Argumentationstheorie
Die Argumentationstheorie ist eine Teildisziplin der Philosophie, die sich mit der Form und dem Gebrauch von Argumenten befasst. Sie vermittelt zwischen den …
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Was ist Argumentationstheorie?
Die Argumentationstheorie ist eine Teildisziplin der Philosophie, die sich mit der Form und dem Gebrauch von Argumenten befasst. Sie vermittelt zwischen der Logik (der Lehre vom folgerichtigen Denken) und der Rhetorik (der Lehre von der überzeugenden Rede). Ihr Themenfeld reicht auch in die Psychologie, Rechtswissenschaft, Linguistik, Pädagogik und Literaturkritik hinein. Argumentieren hat rund 2500 Jahre Geschichte; seit Mitte des 20. Jahrhunderts erhielt der Begriff neue Relevanz für Philosophie und Wissenschaften. Dabei wird vielfach versucht, das Konzept der Wahrheit – vor allem in normativen Themenbereichen – durch nicht-normative Entwürfe zu ersetzen oder neu zu deuten, etwa durch die argumentative Gültigkeit (Wohlrapp) oder die konditionale Zustimmungsfähigkeit Dritter (Perelman).
Was ist ein Argument?
Ein Argument wird oft verstanden als ein Stück menschlicher Rede, das geeignet ist, die Gültigkeit oder Ungültigkeit einer bislang zweifelhaften These zu erweisen. Nach traditionellem Verständnis, etwa bei Aristoteles, wurden verschiedene Typen von Argumenten unterschieden, darunter solche, die auf tradierten Voraussetzungen, Autoritätszuschreibungen oder rhetorischen Mitteln beruhen. Der Idealfall eines Arguments galt jedoch als frei von solchen Mitteln: Das ideale Argument verwendet eine oder mehrere Prämissen (Annahmen, von denen man ausgeht), deren Referenzen bzw. Wahrmacher philosophisch präzise erfassbar sind und die unabhängig plausibel sind. Aus ihnen folgt die zu beweisende These für jeden unabweisbar, weil logisch – wobei ein Begriff logischer Konsequenz gemäß klassischer Logiken unterstellt wurde.
Kritik am Idealmodell und neue Ansätze
Zahlreiche Vorschläge, insbesondere aus dem 19. und 20. Jahrhundert, wollen zeigen, dass dieses Idealmodell für zu viele Fälle unangemessen ist: Es erfasst zu wenige plausiblerweise als valide geltende Argumente und bildet deren Struktur unangemessen ab. Um Argumentieren gegen Verwandtes abzugrenzen – gegen Erklären, Beweisen oder das Erwirken von Zustimmung durch Drohungen oder Verlockungen (Eristik) –, braucht es einen weitergehenden Theorierahmen, der vor allem nichtklassische Logiken benötigt.
Perspektiven: Produkt, Prozedur und Prozess
Im Anschluss an antike Einteilungen (Logik, Dialektik, Rhetorik) wird zwischen Argumentation als Produkt, Prozedur und Prozess unterschieden. Für die Produktperspektive ist der Übergang von Prämissen zu Konklusionen wesentlich. Neben der klassischen Logik arbeitet man hier mit neuen Logiksystemen, insbesondere der dialogischen Logik, und mit semiformalen Ansätzen wie der Informellen Logik oder der Pragma-Dialektik. Ausgehend von Chaim Perelmans „Neuer Rhetorik“ werden akzeptanzrelevante Figuren in Theorie und Empirie studiert. Charles Leonard Hamblin eröffnete 1970 ein neues akademisches Teil-Feld, das sich mit Fehlschlüssen (Fehlern im Argumentieren) befasst.
Das Toulmin-Schema und prozedurale Theorien
Für praktische Zwecke entwickelte Stephen Toulmin ein vielbeachtetes Schema zur Analyse von Argumentationen. Grundeinsicht prozeduraler Theorien ist: Jede Argumentation ist immer adressiert (Selbstadressierung als Grenzfall), argumentierendes Reden ist also sprachliche Kommunikation. Ergebnisse der linguistischen Pragmatik – wonach sprachliche Verständigung von gemeinsamen Regeln abhängt – wurden zu verschiedenen normativen Ansätzen verarbeitet, insbesondere zur Diskurstheorie. Der Begriff des Argumentierens wird in zahlreichen Disziplinen thematisiert, teils als Untersuchungsgegenstand, teils als Rahmen zur Klärung von Methodenproblemen.