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Tritonussubstitution

Der Begriff erklärt schon das Prinzip: Ein Akkord wird durch einen anderen Akkord ersetzt. Die Grundtöne dieser beiden Akkorde liegen dabei einen Tritonus …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip und Bedeutung
  2. 2. Dominantseptakkord bilden
  3. 3. Reinform und Mischform
  4. 4. Verwendung in Kadenzen
  5. 5. Tonikatypus und Sus-Akkorde

Grundprinzip und Bedeutung

Die Tritonussubstitution ist meist das Ersetzen eines Dominantseptakkords durch einen anderen Dominantseptakkord, dessen Grundton einen Tritonus entfernt liegt. Ein Tritonus umfasst drei Ganztonschritte. Das Verfahren wird besonders häufig im Jazz eingesetzt, etwa auf der fünften Stufe einer II-V-I-Kadenz: Aus II-V-I wird II-bII-I. In C-Dur kann also Dm7-G7-Cmaj7 durch Dm7-Db7-Cmaj7 ersetzt werden.

Die Wirkung beruht darauf, dass der Ersatzakkord wichtige Spannungstöne mit dem ursprünglichen Dominantseptakkord teilt. Dadurch klingt die Verbindung verfremdet, bleibt aber harmonisch plausibel. Tritonussubstitutionen erweitern einfache Kadenzen und werden im Jazz, Soul, Barbershop und Gospel genutzt. Neben Dominanten können im modernen Jazz auch Tonika und Subdominante substituiert werden. Der Akkord wird dort oft als Sekundärdominante bezeichnet.

Man kann die Tritonussubstitution auch als Umdeutung des Ausgangsakkordes verstehen: Der klassische Quintfall beziehungsweise der Quintenzirkel wird durch einen zweiten, um einen Tritonus verschobenen Quintfall ergänzt. So wird Chromatik mit dem Quintfall verbunden.

Dominantseptakkord bilden

Die häufigste Form ist die Tritonussubstitution eines Dominantseptakkords. Beispiel: Vom Dominantseptakkord G7 aus geht man zum Grundton Db, der einen Tritonus von G entfernt liegt, und bildet darauf Db7. Dieser Akkord kann anstelle von G7 gespielt werden.

Der Grund dafür liegt in den gemeinsamen Spannungstönen. G7 enthält als Terz H und als Septime F. Db7 enthält F als Terz und H, enharmonisch als Cb notiert, als Septime. Die Spannung zwischen Leitton und Gleitton bleibt also erhalten, obwohl sich der Grundton stark verändert. Dadurch entsteht ein anderer Klang mit vergleichbarer Auflösungstendenz.

In der klassischen Deutung kann die Reinform stufenanalytisch als übermäßiger Terzquartakkord verstanden werden. Eine andere gängige Sichtweise sieht sie als Dominantseptakkord mit tiefalterierter Quinte im Bass, also als V7 beziehungsweise D7 mit b5 beziehungsweise >5 im Bass.

Reinform und Mischform

In der Reinform wird die Quinte des Ausgangsakkordes um einen Halbton nach unten alteriert. Aus G7 wird G7/b5, also mit Db statt D. Auf dem Tritonus Db kann dann Db7/b5 gebildet werden. G7/b5 enthält die Töne G, H, Db, F. Db7/b5 enthält Db, F, Abb und Cb; enharmonisch verwechselt entsprechen Abb dem G und Cb dem H. Rein physikalisch betrachtet sind G7/b5 und Db7/b5 also gleich.

Diese Gleichheit ermöglicht eine Umdeutung und damit Modulation. G7/b5 kann als Dominante nach C-Dur oder c-Moll führen. Derselbe Klang kann als Db7/b5 verstanden werden und nach F#-Dur oder f#-Moll führen. Wegen der engen Verwandtschaft gibt es enharmonisch betrachtet nur sechs solcher Akkorde: C7b5 entspricht F#7b5, C#7b5 entspricht G7b5, D7b5 entspricht G#7b5, D#7b5 entspricht A7b5, E7b5 entspricht A#7b5 und F7b5 entspricht H7b5.

In der Mischform wird die Quinte des Ausgangsakkordes um einen Halbton nach oben alteriert, während der Basston auf den Tritonus verschoben wird. Aus G7/#5 kann so Db7/9 werden. Die Mischform verbindet die b5- und die #5-Färbung. Auch dieser Ersatzakkord gilt wegen seiner kleinen Septime als Dominantseptakkord und kann in die Tonika oder in die Tonika der Substitution führen. Weitere Alterationen und Additionstöne können den Klang zusätzlich färben; im Jazz sind solche Mischformen beliebt.

Verwendung in Kadenzen

Die typische Anwendung liegt in der II-V-I-Verbindung. In C-Dur lautet eine leitereigene II-V-I-Verbindung Dm7-G7-Cmaj7. Mit Tritonussubstitution wird daraus Dm7-Db7-Cmaj7. In C-Moll kann die Verbindung Dm7/b5-Db7-Cm7 lauten. Die Beispielakkorde können durch Alterationen und Optionstöne erweitert werden, etwa durch b5, 11 oder andere Zusatztöne.

In einer II-V-I-Verbindung nimmt die Dominante oder ihre Substitution oft einen halben oder ganzen Takt ein. In der Praxis kann die Wirkung bereits entstehen, wenn nur der Basston ersetzt wird. Der Grundton des Ersatzakkords bildet dann einen chromatischen Durchgangston im Walking Bass, zum Beispiel bei G7-Db7-CMaj7.

Voicings, also konkrete Akkordlagen, werden dabei häufig arm an Grundtönen und Quinten gehalten. Je mehr alterierte Töne stattdessen eingesetzt werden, desto eher stabilisiert sich der Akkord als eigenständiger Klang. Bekannte Beispiele für Tritonussubstitutionen sind Antônio Carlos Jobims „The Girl from Ipanema“ in Takt 6 und Takt 8 des Schemas sowie Dizzy Gillespies „A Night in Tunisia“ in Einleitung und A-Teil.

Tonikatypus und Sus-Akkorde

Im moderneren Jazz wird die Tritonussubstitution auch auf Akkorde vom Tonikatypus angewandt. Damit sind Tonika-Maj7- und Subdominante-Maj7-Akkorde gemeint, sowohl in Dur als auch in Moll. Ein Maj7-Akkord enthält eine große Septime. Solche substituierten Akkorde wirken laut Artikel sehr fremd, statisch, exotisch oder atonal.

Ein Dur-Beispiel ist Cmaj7/5b = F#7/sus4/5b mit den Tönen C-E-Gb/F#-H. Dieser Sus-Akkord kann anstelle der Tonika oder Subdominante gespielt werden. Durch den Wechsel des Basstones verliert der Hörer den Bezug zur Originaltonart, sodass ein anschließender harter Tonartwechsel weniger als harmonischer Zusammenhang wahrgenommen wird. Als Moll-Beispiel nennt der Artikel c-Moll Maj7/5b = F#6/sus4/5b mit C-Eb-Gb/F#-H.

Bei der Bildung als Sus-Akkord lautet das Beispiel Cmaj7/sus4/5b = F#maj7/sus4/5b mit C-F-Gb/F#-H. Die Terz wird dabei einen Halbton nach oben zur Quarte verschoben; zugleich wird die Quinte wie bei der Dominantseptakkord-Verwendung um einen Halbton nach unten alteriert. Der Akkord ist symmetrisch aufgebaut: Quarte, kleine Sekunde, Quarte, kleine Sekunde. Weil er keine Terz enthält, ist er wie alle Sus-Akkorde geschlechtslos, also weder eindeutig Dur noch Moll. Wegen der großen Septime wird er als Tonika- oder Subdominantakkord verwendet; wegen der zwei kleinen Sekunden zählt er zu den spannungsreichsten Akkorden.

Lernvideos zu Tritonussubstitution

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