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Alteration (Musik)
Unter der Alteration (lateinisch alteratio „Umstellung, Veränderung, Bewegung“) versteht man in der klassischen Harmonielehre das chromatische Verändern …
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Grundidee und Wirkung
Alteration bedeutet in der klassischen Harmonielehre, einzelne Töne innerhalb eines Akkords chromatisch, also um einen Halbton, zu verändern. Dadurch ändern sich Klangfarbe und gegebenenfalls die Funktion des Akkords. Alterationen dienen vor allem dazu, harmonische Verläufe farbiger und abwechslungsreicher zu gestalten. Sie können auch Modulationen, also Tonartwechsel, ermöglichen: Alterierte Töne werden oft als neue Leittöne einer anderen Tonart gehört.
Alterierte Töne erscheinen im Notenbild meist mit Versetzungs- oder Auflösungszeichen. Dies ist jedoch kein eindeutiges Merkmal, weil solche Zeichen beispielsweise auch bei Zwischendominanten vorkommen. Alterierte Akkordtöne sind Dissonanzen, die sich leittönig im Halbtonschritt auflösen wollen: Ein erhöhter Ton strebt nach oben, ein erniedrigter nach unten. Besonders viele alterierte Akkorde sind Dominanten. Im 19. Jahrhundert werden Alterationen komplexer; dadurch werden Akkorde mehrdeutig.
Grundsätzlich kann jeder Akkordbestandteil einschließlich charakteristischer Zusatztöne chromatisch verändert werden. Ob eine Veränderung als Alteration gilt, ist teilweise von Konvention, Stil und Quelle abhängig.
Hoch-, Tief- und Disalteration
Beim Tiefalterieren wird ein Akkordton um einen Halbton nach unten verschoben. Beispielsweise wird aus C–E–G bei tiefalterierter Quinte C–E–Ges. Die Alterationsbezeichnung beschreibt nur die Veränderung gegenüber dem ursprünglichen leitereigenen Ton; sie legt nicht fest, welches Vorzeichen notiert wird und bedeutet nicht automatisch „verminderte Quinte“. Je nach Tonart und Vorzeichnung kann ein ♭ oder ein ♮ stehen: Aus C wird Ces, aus Ges Geses, aus Cis beziehungsweise C♯ dagegen C.
Beim Hochalterieren wird ein Ton um einen Halbton nach oben verschoben, etwa C–E–G zu C–E–Gis bei hochalterierter Quinte. Auch daraus lässt sich kein bestimmtes Vorzeichen unmittelbar ableiten.
Disalteration oder Tonspaltung bedeutet, dass derselbe Akkordton gleichzeitig hoch- und tiefalteriert wird. Das ist nur möglich, wenn dieser Ton im Akkord doppelt vorhanden ist. Beide Veränderungen werden getrennt bezeichnet; als Beispiel nennt der Text C mit tief- und hochalterierter Quinte: ges–c–e–gis.
Welche Akkordtöne verändert werden
Nach der hier dargestellten klassischen Lehrmeinung können nur Durakkorde alteriert werden. Mollakkorde gelten bereits als klangreicher, aber harmonisch weniger eindeutig; eine Veränderung könnte ihre Funktion verlieren lassen.
Grundton und Terz werden nicht alteriert, weil der Akkord als Akkord erhalten bleiben soll. Wird der Grundton verändert, entsteht wegen des Aufbaus als Terzschichtung über dem Grundton ein anderer Akkord. Eine veränderte Terz wechselt entweder das Tongeschlecht Dur ↔ Moll oder wird als Vorhalt gehört: C–E–G wird bei E zu Es zu c-Moll, bei E zu F dagegen zu einem Quartvorhalt auf C-Dur.
Am häufigsten wird die Quinte alteriert. Eine hochalterierte Quinte wirkt stets dominantisch; ein Nicht-Dominant-Akkord kann dadurch zur Zwischendominante werden. Sie steht gewöhnlich in der Oberstimme. Die tiefalterierte Quinte liegt normalerweise in der Unterstimme und kommt bei Akkordtypen mit Quinte im Bass sowie dominantischer oder doppeldominantischer Funktion vor, zum Beispiel beim übermäßigen Terzquartakkord.
Septime und Subdominantsext
Septimen werden vergleichsweise selten alteriert. Dies stellt meist chromatische Verbindungen zu anderen Spannungsklängen her. Durch enharmonische Verwechslung, also gleich klingende, aber unterschiedlich notierte Töne, können Akkorde entstehen, die bekannten Akkorden klanggleich sind, jedoch andere Funktionen und Auflösungen verlangen.
Genannt werden folgende Fälle: Eine tiefalterierte Septime im verminderten Septakkord ist klanggleich mit der ersten Umkehrung eines Dominantseptakkords; eine hochalterierte Septime im verminderten Septakkord mit einem halbverminderten Septakkord. Eine tiefalterierte Septime im großen Septakkord ergibt einen Dominantseptakkord. Eine tiefalterierte Septime im Dominantseptakkord ist klanggleich mit einem Dur-Dreiklang mit Sixte ajoutée.
Im Notenbeispiel wird ein Akkord formal aus einem Dominantseptakkord auf H gebildet, indem a zu as tiefalteriert wird. Er steht dominantisch in einer C-Dur-Umgebung. Seine dominantische Funktion ist stark verschleiert: Funktionstheoretisch lässt er sich vom Septakkord der VII. Stufe in C-Dur herleiten, der als verkürzter Dominantnonenakkord ohne Grundton verstanden wird. Dabei bleibt nur h unverändert; d und f werden hoch-, a wird tiefalteriert.
Der Neapolitanische Sextakkord entsteht durch Tiefalteration der großen Sext des Sextakkords der Moll-Subdominante, also einer Subdominante mit Sexte statt Quinte.
Einordnung in Moll, Zwischendominanten und neueren Stilen
Die Durdominante in Moll wird gewöhnlich nicht als Alteration angesehen, obwohl ihre kleine Terz erhöht wird, um einen Leitton zu erhalten. Die erhöhte 7. Stufe wird zum Tonvorrat von Moll gerechnet; dies heißt uneigentliche Alteration.
Um bei leitereigenen Mollakkorden einer Durtonleiter Zwischendominanten zu bilden, muss dagegen ebenfalls die Terz erhöht werden. Dieser Ton ist leiterfremd und damit eine eigentliche Alteration. Weil Zwischendominanten sehr geläufig sind, werden sie dennoch oft nicht als Alteration betrachtet.
In neueren Musikstilen ist die Alteration einzelner Akkord- oder Skalentöne gebräuchlich und teilweise namensgebend, etwa bei der alterierten Skala. Im Jazz kommt die hochalterierte Septime („Major7“) bei Moll-Akkorden vor; im Blues die tiefalterierte Terz.