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Tritonus

Beispiel 2: Hier ist im ersten Akkord, dem Dominantseptakkord G H D F, das Intervall f' h' ein Tritonus. Der erste Ton des Intervalls f' fällt bei der …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Einordnung
  2. 2. Spannung und Auflösung
  3. 3. Stimmung und Formen
  4. 4. Verwendung und Klangwirkung

Grundbegriff und Einordnung

Der Tritonus, gelegentlich auch Halboktave genannt, ist ein musikalisches Intervall, das drei Ganztöne umfasst. Sein Frequenzverhältnis beträgt 45:32 und entspricht etwa 590 Cent; in gleichstufiger Stimmung beträgt er genau 600 Cent. Ein typisches Beispiel ist der auf- oder absteigende Tritonus f'–h'.

Obwohl er in diatonischen Tonleitern vorkommt, wird der Tritonus als übermäßige Quarte und damit als chromatische Variante der reinen Quarte aufgefasst. Streng genommen bezeichnet „Tritonus“ nur die übermäßige Quarte, etwa F–H: Sie lässt sich durch drei diatonische Ganztonschritte F–G, G–A und A–H bilden. Üblich ist es jedoch, auch die verminderte Quinte als Tritonus zu bezeichnen. Sie ist das Komplementärintervall der übermäßigen Quarte und umfasst insgesamt ebenfalls drei Ganztöne, etwa H–F mit Halbton + Ganzton + Ganzton + Halbton.

Wegen gesangstechnischer und harmonischer Probleme wurde das Intervall früher auch „Teufel in der Musik“ beziehungsweise lateinisch diabolus in musica oder Teufelsintervall genannt.

Spannung und Auflösung

In der europäischen Musik galt der Tritonus als sehr instabil. Zunächst wurde er vollständig gemieden, später zumindest als Intervall empfunden, das unbedingt aufgelöst werden müsse. Gerade dieses starke Verlangen nach Auflösung gibt ihm einen dominantischen Charakter: Seine beiden Töne wirken als Leittöne, also als Töne, die zu bestimmten Folgetönen drängen.

Die Auflösung richtet sich nach der Deutung des Intervalls. Eine verminderte Quinte löst sich standardmäßig „nach innen“ auf, ihre Töne bewegen sich also aufeinander zu. Eine übermäßige Quarte löst sich „nach außen“ auf, die Töne entfernen sich voneinander. Im Dominantseptakkord G–H–D–F liegt zwischen H und F ein Tritonus. Bei seiner Auflösung zur Tonika C fällt F in die Terz E, während H zum Grundton C steigt.

Stimmung und Formen

In gleichstufiger Stimmung halbiert der Tritonus mit 6 Halbtönen genau die Oktave mit 12 Halbtönen. Im Quintenzirkel liegen die Grundtöne diametral gegenüberliegender Tonarten jeweils im Tritonusabstand; dies ist die größtmögliche harmonische Distanz.

Je nach Stimmung und Herleitung unterscheiden sich Tritonusformen in ihrem Frequenzverhältnis und ihrer Größe in Cent:

  • Gleichstufiger Tritonus: √2:1, 600,00 Cent.
  • Diatonischer Tritonus beziehungsweise übermäßige Quarte f–h: 45:32, 590,22 Cent.
  • Verminderte Quinte h–f: 64:45, 609,78 Cent; verminderte Quinte g–des: 17:12, 603,00 Cent.
  • Pythagoräische übermäßige Quarte: 729:512, 611,73 Cent; pythagoräische verminderte Quinte: 1024:729, 588,27 Cent.
  • Huygens’ Tritonus, auch BP-Quarte: 7:5, 582,51 Cent; Eulers Tritonus: 10:7, 617,49 Cent.

Verwendung und Klangwirkung

Der Tritonus kann besonders in Musik verwendet werden, die mit tonalen Spannungen arbeitet, weil er stärker als viele andere Intervalle nach Auflösung verlangt. Tritonushaltige Akkorde eignen sich zudem für chromatische oder enharmonische Modulationen. Im Jazz ist der Tritonus häufig und für die Reharmonisierung als Tritonussubstitution wichtig. Im Blues gilt ein „schwebender“ Ton zwischen Tritonus und reiner Quinte als stilbildendes Intervall.

Über seine satztechnische Funktion hinaus wurde sein Ruf als Teufelsintervall oft zur Tonsymbolik genutzt: Er kann Düsteres, Schmerzliches, Unheimliches oder Dämonisches darstellen. In der Barockzeit heißt ein unnatürlicher Stimmgang in einen Tritonus passus duriusculus („harter Gang“); ein Sprung in ein meist vermindertes Intervall wie den Tritonus heißt saltus duriusculus („harter Sprung“). Solche durezze („Härten“) können etwa das Überschreiten einer Grenze, Unerreichbares oder Schmerzliches ausdrücken.

Beispiele finden sich in klassischer Musik, Musical, Film, Fernsehen und Rockmusik. In West Side Story beginnt das Thema von „Maria“ mit einem aufsteigenden Tritonus. In der Titelmusik der Simpsons wird ein Tritonus anschließend in die Quinte aufgelöst. In der Rockmusik erscheint er etwa als Einleitung von Jimi Hendrix’ Purple Haze oder als Ostinatobegleitung in Black Sabbaths „Black Sabbath“.

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