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Tristan und Isolde (Oper)

Tristan und Isolde ist ein Musikdrama von Richard Wagner, der das Werk selbst als „Handlung in drei Aufzügen“ bezeichnete. Die Uraufführung fand am 10.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Grundkonflikt
  2. 2. Handlung
  3. 3. Musikalische Gestaltung
  4. 4. Quellen, Entstehung und Uraufführung
  5. 5. Aufführungsdauer und Wirkung

Werk und Grundkonflikt

Richard Wagners Tristan und Isolde ist ein deutschsprachiges Musikdrama, das Wagner selbst als „Handlung in drei Aufzügen“ bezeichnete; er schrieb Musik und Libretto. Die Handlung spielt ohne Zeitangabe in Cornwall und der Bretagne. Im Mittelpunkt stehen Tristan, ein Tenor und Neffe des Königs Marke, sowie Isolde, eine Sopranistin und Prinzessin von Irland. Weitere zentrale Figuren sind Brangäne, Isoldes Vertraute, Kurwenal, Tristans Begleiter, König Marke und Melot.

Das Werk verbindet eine Liebesgeschichte mit dem Gegensatz von persönlicher Liebe und gesellschaftlicher Pflicht. Der Tod ist für Tristan und Isolde nicht nur Ende, sondern die erhoffte dauerhafte Vereinigung. Die Uraufführung fand am 10. Juni 1865 im Königlichen Hof- und Nationaltheater München statt; Hans von Bülow dirigierte. Die übliche Spieldauer beträgt etwa 3:50 Stunden: erster Aufzug etwa 1:20 Stunden, zweiter und dritter Aufzug jeweils etwa 1:15 Stunden.

Handlung

Vorgeschichte: Cornwall ist Irland zinspflichtig. Tristan tötet den irischen Fürsten Morold im Krieg und wird schwer verwundet. Unter dem Namen „Tantris“ lässt er sich von der heilkundigen Isolde pflegen. Sie erkennt ihn als Morolds Mörder, verschont ihn aber, als sie sich in ihn verliebt. Später wirbt Tristan im Auftrag seines Onkels König Marke um Isolde, damit deren Heirat den Frieden zwischen Irland und Cornwall sichert. Auf der Überfahrt nach Cornwall meidet Tristan sie.

Im ersten Aufzug fühlt Isolde sich durch Tristan verraten und als Friedenspfand gedemütigt. Sie verlangt Sühne für Morolds Tod und lässt einen vermeintlichen Todestrank reichen. Brangäne hat diesen jedoch aus Mitleid gegen einen Liebestrank vertauscht. Tristan und Isolde glauben zunächst, gemeinsam sterben zu müssen, und bekennen dann ihre Liebe, als das Schiff Cornwall erreicht.

Im zweiten Aufzug treffen sie sich heimlich im Garten. Die Nacht steht für ihre innere, uneingeschränkte Liebe, der Tag für gesellschaftliche Zwänge, Ruhm und Ehre. Trotz Brangänes Warnungen vor Melot werden sie von Marke und dessen Gefolge überrascht. Tristan provoziert Melot, verteidigt sich nicht und wird schwer verwundet.

Im dritten Aufzug liegt Tristan auf seiner Burg Kareol in der Bretagne. Im Fieber erinnert er sich an sein Leben, sehnt sich nach Isolde und nach dem Tod. Als ihr Schiff endlich gemeldet wird, reißt er die Verbände ab und stirbt in ihren Armen. Marke kommt ebenfalls, weil Brangäne ihm die Zusammenhänge erklärt hat und er Tristan und Isolde nun vermählen will. Kurwenal tötet Melot und wird selbst tödlich verletzt. Isolde sinkt über Tristans Leiche nieder; ihre Schlussvision zeigt die vollkommene Vereinigung mit Tristan. Die Schlussszene heißt meist „Isoldes Liebestod“, Wagner nannte sie zunächst „Isoldes Verklärung“.

Musikalische Gestaltung

Wagners Musik geht vom Gesang aus, erfüllt sich aber besonders im Orchester, das symphonische Ausmaße hat. Das Orchester begleitet nicht nur, sondern macht Gefühle, Gedanken und Handlungen der Figuren durch Melodien, Harmonien und Rhythmen hörbar.

Wichtig ist der sogenannte Tristan-Akkord f-h-dis-gis, der im ersten Aufzug Isoldes Liebessehnen ausdrückt und deshalb eigentlich als Isoldeakkord bezeichnet wird. Die gegenläufigen chromatischen Melodien – also Melodien mit Halbtonschritten – f-e-dis und gis-a-ais-h stehen dabei im Zentrum. Im zweiten Aufzug erscheint zu „O sink’ hernieder, Nacht der Liebe“ ein klanglich anderer, diatonischer Akkord es-f-as-ces, enharmonisch ungefähr f-h-dis-gis. Enharmonisch bedeutet, dass Töne gleich klingen können, aber unterschiedlich notiert und harmonisch verschieden verstanden werden. Der chromatische Akkord bedeutet gespannte Sehnsucht, der diatonische Klang gelöstes Liebesglück.

Auch der dritte Aufzug beginnt bei geschlossenem Vorhang mit Tristans Traum. Sein Sehnsuchtsklang b-des-f-g ist eine weitere diatonische Variante des Tristan-Akkords. Bei Isoldes Ankunft kehrt Musik des ersten Aufzugs wieder. Am Ende führt Isolde das frühere Sterbe- oder Seligkeitsduett allein weiter; die Oper endet entspannt in H-Dur. Das zuletzt chromatisch beginnende und diatonisch endende Sehnsuchtsmotiv gilt als Symbol für die Vereinigung der Liebenden im Tod.

Das Orchester umfasst Streicher, Holzbläser mit drei großen Flöten, zwei Hoboen, Englischhorn, Klarinetten, Bassklarinette und drei Fagotten, Blechbläser mit vier Hörnern, drei Trompeten, drei Posaunen und Basstuba, Pauken, Triangel, Becken und Harfe. Zusätzlich sind auf dem Theater unter anderem Trompeten, Posaunen und sechs Hörner vorgesehen.

Quellen, Entstehung und Uraufführung

Die Handlung beruht auf dem keltischen Sagenkreis um König Artus und Tristan, besonders auf Gottfried von Straßburgs Versroman Tristan aus dem 13. Jahrhundert. Wagner kannte außerdem Bearbeitungen von August von Platen, Karl Ritter und Julius Mosen; Motive und Stimmungen aus Novalis’ Hymnen an die Nacht flossen ein. Anregungen durch Arthur Schopenhauer gelten als gesichert, auch wenn Wagner betonte, dessen Gedanken erst auf eine schon vorhandene eigene Stimmung getroffen zu sein. Bedeutsam ist die Vorstellung des Verlöschens der menschlichen Existenz im Tod, die Schopenhauer aus Buddhismus und indischem Brahmanismus herleitete.

Wagner verlangte in seiner Theorie des Musikdramas, das Orchester müsse über eine bloße Gesangsbegleitung hinaus zur Höhe der Sinfonie gelangen. Orientierung boten ihm Ludwig van Beethovens Sinfonien; Einflüsse nennt der Artikel außerdem von Gluck, Mozart, Weber, Wagners früheren Opern und den Sinfonischen Dichtungen Franz Liszts.

Wagner arbeitete von 1857 bis 1859 an Text und Komposition; im August 1859 war das Werk vollständig. Die schwierige Musik führte dazu, dass es als unaufführbar galt. Ein erster konzertanter Vortrag des Vorspiels wurde 1860 vom Publikum abgelehnt. Wiener Proben wurden nach 77 Proben 1863 abgebrochen. Erst die Unterstützung König Ludwigs II. von Bayern ermöglichte München 1865 die Premiere. Ludwig Schnorr von Carolsfeld sang Tristan, Malvina Schnorr von Carolsfeld Isolde, Anton Mitterwurzer Kurwenal, Ludwig Zottmayr König Marke und Anna Deinet Brangäne. Nach einer Absage der zunächst für den 15. Mai geplanten Premiere fand die Uraufführung am 10. Juni statt. Das Publikum war überwältigt, die Presse geteilt; gelobt wurden besonders die Sänger, kritisiert wurde die als „Unanständigkeit“ bewertete Handlung um Verrat.

Aufführungsdauer und Wirkung

Die Aufführungsdauer kann deutlich variieren. Bei den dokumentierten Bayreuther Festspielen von 1876 bis 1974 lag sie zwischen 3:27 Stunden unter Berislav Klobučar und 4:11 Stunden unter Arturo Toscanini; die Spannweite betrug 0:44 Stunden beziehungsweise 21 % bezogen auf die kürzeste Dauer. Ursachen waren unter anderem Stimmart und Temperament der Sänger.

Wagners harmonische Neuerungen wirkten bis in die letzte Phase der romantischen Musik im 20. Jahrhundert nach, besonders der Tristan-Akkord. Zeitgenössische und spätere Stimmen bewerteten das Werk sehr hoch: Friedrich Nietzsche schrieb von einer „gefährlichen Faszination“, Giuseppe Verdi nannte besonders den zweiten Aufzug eine der „sublimsten Schöpfungen des Geistes“, und Richard Strauss sah darin eine höchste Erfüllung der Theaterentwicklung. Die Einleitung wurde auch in Filmen verwendet, besonders in Lars von Triers Melancholia, wo sie zur filmischen Ouvertüre wird und der Tristan-Akkord als szenische Musik wiederkehrt.

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