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Violoncello

Das Violoncello [ˌviolɔn'tʃɛlo], kurz Cello, ist ein aus verschiedenen Holzarten gefertigtes Streichinstrument aus der Viola-da-braccio-Familie.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Aufbau
  2. 2. Saiten, Stimmung und Klang
  3. 3. Spieltechnik
  4. 4. Entwicklung und Bauformen
  5. 5. Verwendung in Musik und Unterricht

Grundlagen und Aufbau

Das Violoncello, kurz Cello, ist ein Streichinstrument aus der Viola-da-braccio-Familie und gehört zu den Chordophonen, also Instrumenten, deren Klang durch schwingende Saiten entsteht. Es entstand vor 1535 in Norditalien. Gespielt wird es meistens mit einem Bogen, seltener durch Zupfen der Saiten mit den Fingern, das Pizzicato heißt. Anders als Violine und Bratsche wird das Cello aufrecht zwischen den Beinen gehalten; heute steht es meist mit einem ausziehbaren Stachel auf dem Boden.

Ein Violoncello besteht aus verschiedenen Klanghölzern. Die Decke des Korpus und innere Klötze bestehen in der Regel aus Fichte, Boden, Zargen, Hals und Wirbelkasten meist aus Ahorn. Griffbrett, Wirbel und Saitenhalter werden häufig aus Ebenholz gefertigt. Die vier Saiten laufen von den Wirbeln über Obersattel und Steg bis zum Saitenhalter. Der Steg überträgt die Schwingungen der Saiten auf den Korpus; im Inneren wirken Stimmstock und Bassbalken an der Schallübertragung mit. Seit den frühen 2000er Jahren gibt es auch Celli aus Carbon, die robuster und witterungsstabiler sind und klanglich mit Holzinstrumenten mithalten können.

Typische Maße sind eine Korpuslänge von 750–760 mm, eine Zargenhöhe von 111 mm, eine Halslänge von 255 mm, eine schwingende Saitenlänge von 690 mm, Saitendurchmesser von 0,8–2,0 mm und eine Bogenlänge von 710–730 mm. Der Korpus ist knapp doppelt so lang wie bei der Geige, die Zargen sind aber viermal so hoch. Dadurch entsteht ein großer Resonanzraum, der den warmen Klang des Cellos unterstützt.

Saiten, Stimmung und Klang

Das heutige Violoncello hat vier Saiten im Abstand von Quinten. Die leeren Saiten sind auf C–G–d–a gestimmt, also eine Oktave tiefer als die Viola. Bei einem Kammerton a¹ von 440 Hz haben die Saiten ungefähr folgende Frequenzen: a = 220,00 Hz, d = 146,67 Hz, G = 97,78 Hz und C = 65,19 Hz. Bei Kammertönen von 442 Hz oder 443 Hz liegen die Werte entsprechend etwas höher. Die Saiten bestehen im Kern meist aus Stahl, Wolfram, Nylon oder Darm und sind oft mit feinem Draht aus Silber, Aluminium oder Kupfer umsponnen.

Der Ton entsteht, wenn die Saite durch den Bogen oder durch Zupfen in Schwingung versetzt wird. Der Steg überträgt diese Schwingung auf die Decke, der Stimmstock leitet sie zwischen Decke und Boden weiter, und der Korpus wirkt als Resonanzkörper. Die f-Löcher erhöhen vor allem die Beweglichkeit und Resonanzfähigkeit der Decke; der Schallanteil, der direkt aus dem Inneren durch sie austritt, ist gering. Durch Niederdrücken einer Saite mit der linken Hand wird ihre schwingende Länge verkürzt: Die Frequenz steigt, der Ton wird höher. Da das Griffbrett keine Bünde hat, muss der Spieler die Tonstellen genau treffen.

Der bequem spielbare Tonumfang reicht vom großen C bis zum dreigestrichenen g (g³), also über mehr als vier Oktaven. Als Flageolettton kann sogar das viergestrichene a (a⁴) erreicht werden. Das Cello klingt in der Tiefe dunkel und kraftvoll, in der Tenorlage samtig lyrisch und in hohen Lagen strahlend. Akustisch ist sein Klang durch unregelmäßige Teiltöne, ausgeprägte Formantgebiete und einen Dynamikbereich von ungefähr 35 dB geprägt. Charakteristische Formantgebiete liegen bei 230 Hz, zwischen 300 und 500 Hz sowie zwischen 600 und 900 Hz; zwischen 1000 und 1200 Hz liegt eine typische Formantsenke.

Spieltechnik

Das Violoncello wird heute fast immer im Sitzen gespielt. Es wird an vier Punkten stabilisiert: mit dem Stachel auf dem Boden, mit den Zargen an den Innenseiten der Knie und mit dem oberen Ende des Korpus am Brustbein. Das Instrument ist leicht geneigt, der Hals mit dem Griffbrett befindet sich über der linken Schulter. Die linke Hand greift die Tonhöhen, die rechte Hand führt den Bogen.

Die Bogenführung bestimmt Lautstärke, Klangfarbe, Artikulation und Rhythmus. Beim Abstrich wird der Bogen nach rechts gezogen, beim Aufstrich nach links geschoben. Mehrere Töne auf demselben Bogenstrich ergeben Legato, also gebundenes Spiel. Ständiger Bogenwechsel zwischen den Noten heißt Détaché. Sehr kurze Töne entstehen im Staccato. Beim Pizzicato werden die Saiten gezupft. Wichtig sind Kontrolle über Bogendruck, Geschwindigkeit und Strichstelle, also den Abstand der Kontaktstelle vom Steg.

Die linke Hand verändert die Tonhöhe durch Verkürzen der Saite. In den unteren Lagen werden meist vier Finger benutzt; in höheren Lagen, etwa von der fünften bis zur siebten, wird der vierte Finger seltener verwendet. Ab der siebten Lage kann auch der Daumen zum Greifen eingesetzt werden, was Daumenlage heißt. Lagenwechsel verändern nicht nur die Tonhöhe, sondern auch die Klangfarbe, weil derselbe Ton auf verschiedenen Saiten unterschiedlich klingt. Doppelgriffe sind möglich, wenn der Bogen zwei benachbarte Saiten gleichzeitig streicht. Vibrato entsteht durch periodisches Wiegen des greifenden Fingers und belebt den Ton. Flageolett entsteht durch leichtes Auflegen eines Fingers auf einen Knotenpunkt der Saite; dabei klingt ein hoher, zarter Oberton.

Entwicklung und Bauformen

Das Violoncello ist der Bass der Viola-da-braccio-Familie, zu der auch Violine und Viola gehören. Diese Instrumente entwickelten sich im 15. und 16. Jahrhundert parallel zu den Gamben. Ab etwa Mitte des 16. Jahrhunderts waren vier Saiten häufig. Frühe Stimmungen für Bassinstrumente waren unter anderem F–c–g, B₁–F–c–g und C–G–d–a. Ab etwa 1730 überwog in Europa die Quintstimmung auf dem Ton C.

Wichtige Geigenbauer des 16. und 17. Jahrhunderts waren Andrea Amati, Gasparo da Salò, Giovanni Paolo Maggini und Antonio Stradivari. Stradivari verkleinerte den Schallkörper etwas und legte damit Maße fest, die bis heute gelten. Um 1700 entstanden neben viersaitigen auch fünfsaitige Modelle. Johann Sebastian Bachs sechste Suite für Violoncello solo D-Dur (BWV 1012) wurde für ein Cello mit einer fünften, auf e¹ gestimmten Saite geschrieben; solche Instrumente werden heute oft Violoncello piccolo genannt, historisch ist der Begriff aber fragwürdig.

Der Stachel an der Unterseite kam bei einigen Celli schon kurz nach 1600 vor. Im Orchester wurde er ab etwa 1820 häufiger verwendet, Solisten spielten oft noch bis etwa 1850 ohne Stachel. Ab etwa 1860 setzte sich eine Feststellschraube für den Stachel durch. Als Grund nennt der Artikel den häufigeren Einsatz von Vibrato und hohen Lagen. Außerdem gab es im Barock Celli in mehreren Größen, teilweise mit Bünden, sowie zerlegbare Reisecelli, von denen einige im Ersten Weltkrieg als sogenannte Trench Celli bekannt wurden.

Verwendung in Musik und Unterricht

Notiert wird das Violoncello vor allem im Bassschlüssel. Hohe Passagen erscheinen auch im Tenorschlüssel oder im Violinschlüssel. In Partituren steht die Cellostimme meistens als zweitunterste Stimme über dem Kontrabass; fehlt der Kontrabass, nimmt sie den untersten Platz ein.

In der Barockzeit war das Cello zunächst besonders wichtig als Bassinstrument im Generalbass, zusammen mit Instrumenten wie Cembalo, Orgel oder Laute. Als Soloinstrument wurde es 1665 bei Giulio Cesare Arresti erwähnt. Im 18. Jahrhundert prägte Antonio Vivaldi mit 27 erhaltenen Cellokonzerten das solistische Instrumentalkonzert; Johann Sebastian Bach schrieb um 1720 die sechs Suiten für Violoncello solo BWV 1007–1012. Bedeutend wurden auch Luigi Boccherini und Joseph Haydn, dessen Cellokonzerte in C-Dur und D-Dur heute oft gespielt werden. Im 19. Jahrhundert gehören unter anderem die Cellokonzerte von Robert Schumann, Camille Saint-Saëns und Antonín Dvořák sowie Tschaikowskis Rokokovariationen zum Repertoire. Im 20. Jahrhundert entstanden viele Solowerke, unter anderem von Dmitri Schostakowitsch, Henri Dutilleux, György Ligeti, Witold Lutosławski, Krzysztof Penderecki, Sergei Prokofjew und Bohuslav Martinů; außerdem wurden elektronische Verstärkung und neue Spieltechniken erprobt.

Im Orchester blieb das Cello lange Teil der Bassgruppe, wurde aber seit Joseph Haydn und besonders Ludwig van Beethoven stärker als eigenes Melodieinstrument eingesetzt. In der Kammermusik ist es im Streichquartett, Klaviertrio und vielen weiteren Besetzungen ein zentrales Instrument. Seit dem 20. Jahrhundert gibt es auch reine Celloensembles; die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker machten diese Besetzung ab 1972 populär. Außerhalb der klassischen Musik erscheint das Cello unter anderem im Tango Nuevo, Jazz, Rock, Cello Rock, Metal, Flamenco und in elektrisch verstärkter Form.

Für Kinder gibt es kleinere Instrumente: 1/16-, 1/8-, 1/4-, 1/2-, 3/4- und 7/8-Celli. Ein 1/8-Cello hat etwa 510 mm Korpuslänge, ein 1/2-Cello 655 mm, ein 3/4-Cello 690 mm und ein 7/8-Cello 720 mm. Die Bruchzahl entspricht nicht direkt der tatsächlichen Größe: Ein 3/4-Cello hat etwa 90 % der Größe eines 4/4-Cellos, ein 1/8-Cello noch etwa 65 %.

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