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Bretagne

Die Bretagne ist die größte Halbinsel Frankreichs und der westlichste Ausläufer des europäischen Festlands nördlich der Iberischen Halbinsel. Die Gallier …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Raum
  2. 2. Landschaft, Klima und Natur
  3. 3. Von der Vorzeit bis zur Eingliederung in Frankreich
  4. 4. Neuere Geschichte und Politik
  5. 5. Bevölkerung, Sprachen und Verwaltung
  6. 6. Wirtschaft, Verkehr und Kultur

Überblick und Raum

Die Bretagne ist eine westfranzösische Region und die größte Halbinsel Frankreichs. Sie bildet den westlichsten Ausläufer des europäischen Festlands nördlich der Iberischen Halbinsel. Hauptstadt und Präfektur ist Rennes. Die heutige Region umfasst die vier Départements Côtes-d’Armor, Finistère, Ille-et-Vilaine und Morbihan; am 1. Januar 2023 hatte sie 3.449.370 Einwohner und eine Dichte von 126 Einwohnern je km². Die Flächenangaben sind im Artikel nicht ganz einheitlich: Im einleitenden Text stehen 27.208 km², in den Basisdaten und der Verwaltungsübersicht 27.407,75 km².

Zum historischen Herzogtum Bretagne gehörte auch Loire-Atlantique mit der früheren Hauptstadt Nantes. Dieses Département wurde bei der regionalen Neuordnung in den 1960er Jahren der Region Pays de la Loire zugeteilt. Die Gallier bezeichneten das Land als Aremorica, „Land am Meer“; die Einwohner heißen Bretonen.

Im Norden, Westen und Süden grenzt die Halbinsel an den Atlantik. Sie trennt den Ärmelkanal im Norden von der Biskaya im Süden und grenzt auf dem Festland an Normandie sowie Pays de la Loire. Armor bezeichnet dabei nicht nur die Küste, sondern auch Inseln, Wattzone und Küstenstreifen; das Hinterland heißt Argoat, „Waldland“.

Landschaft, Klima und Natur

Geologisch gehört die Bretagne zum armorikanischen Gebirge, das im Karbon aufgefaltet wurde. Das Land ruht vielfach auf sehr altem, hartem Gestein. Charakteristisch sind eine stark zerklüftete Küste und besonders im Westen Steilküsten. Am Cap Fréhel ragen Granitklippen mehr als 70 Meter über den Atlantik. Das Binnenland ist eher hügelig; die höchste Erhebung ist der Roc’h Ruz in den Monts d’Arrée mit 385 Metern.

Das ozeanische Klima wird durch Atlantiknähe und Golfstrom geprägt. Die Jahresmitteltemperatur liegt zwischen 9 und 12 °C, Schnee und Frost sind selten, die Sommer mäßig warm. Es gibt jährlich bis zu 2.000 Sonnenstunden und durchschnittlich 700 bis 800 mm Niederschlag. Rasch wechselnde Hoch- und Tiefdruckgebiete bringen kurze Schauer und im Winter oft stürmische Westwinde. Die Küste ist trockener als das Landesinnere. Starke Gezeiten beeinflussen Wetter und Luft; die Luft hat einen hohen Jodgehalt und wegen der Winde wenige Schadstoffe.

Die ursprünglich großflächigen Wälder wurden seit dem Mittelalter gerodet. Heute dominieren Äcker und Grünland, die durch Hecken und Steinmauern als bocage gegliedert sind. Größere Waldreste sind etwa Paimpont, Le Gâvre und Lanouée. Die größten Städte sind Rennes mit 230.890 Einwohnern und Brest mit 142.346 Einwohnern (jeweils 2023).

Von der Vorzeit bis zur Eingliederung in Frankreich

Archäologische Zeugnisse sind wegen saurer Böden, Rodungen und Flurbereinigung vergleichsweise selten. Das Paläolithikum umfasst 700.000 bis 10.000 v. Chr.; die Fundstätte Grotte Menez Dregan lieferte für 400.000 v. Chr. datierte frühe Spuren der Feuernutzung in Westeuropa. Im Mesolithikum von 10.000 bis 5.000 v. Chr. wurden Wälder wichtiger, kleinere Tiere wie Reh und Wildschwein ersetzten Großwild, und Siedlungen lagen vor allem an der Küste.

In der Jungsteinzeit von 5000 bis etwa 2000 v. Chr. begann Landwirtschaft mit Brandrodung. Zugleich entstanden Megalithanlagen, Grabhügel und Menhire. Der Grand Menhir von Locmariaquer war 18,5 Meter hoch; der Menhir von Kerloas erreicht 9,5 Meter. In der Bronzezeit wurde das in der Bretagne vorhandene Zinn abgebaut und exportiert. Bronzeäxte von 1200 bis 1000 v. Chr. waren in ganz Nordeuropa verbreitet.

Im 2. Jahrhundert v. Chr. lebten fünf keltische Stämme auf der Halbinsel; die Veneter waren am mächtigsten. Caesar besiegte 56 v. Chr. fast ihre gesamte Flotte. Danach begann die Romanisierung mit Straßen, Verwaltung und Städten wie Nantes, Rennes, Vannes und Carhaix-Plouguer. Ab etwa 450 n. Chr. wanderten christianisierte Kelten aus Britannien ein. Sie brachten das Bretonische mit; es geht nach dem Artikel nicht direkt auf die zu Caesars Zeit gesprochene festlandkeltische Sprache zurück.

Ein bretonisches Königreich bestand ungefähr ab 600 und wurde 799 von Karl dem Großen zerschlagen. Nominoë besiegte 845 Karl den Kahlen; Alain Schiefbart begründete nach 937 das hochmittelalterliche Herzogtum. Dieses blieb bis ins 15. Jahrhundert weitgehend selbständig. Nach der Niederlage Franz’ II. 1488 heiratete seine Tochter Anne de Bretagne die französischen Könige Karl VIII. und Ludwig XII. Franz I. proklamierte 1532 in Vannes die Angliederung an Frankreich.

Neuere Geschichte und Politik

Innerhalb Frankreichs war die Bretagne vor allem maritim bedeutsam: Brest wurde ab 1631 zu einem stark befestigten Kriegshafen ausgebaut. Zwar behielt die Provinz zunächst eine eigene Ständeversammlung und das Parlement in Rennes, doch beide Einrichtungen endeten mit der Französischen Revolution. Das Hinterland blieb lange arm. Sprachliche und kulturelle Unterdrückung sowie die katholische Prägung trugen zur konterrevolutionären Chouannerie bei.

Im Zweiten Weltkrieg bauten deutsche Besatzer Brest, Lorient und Saint-Nazaire zu wichtigen U-Boot-Häfen aus. Einige bretonische Nationalisten kollaborierten mit Deutschland; etwa 40 Bretonen dienten in der Waffen-SS als Bezen Perrot. Zugleich leistete die Résistance Widerstand. Der größte Teil der Bretagne wurde im August 1944 befreit, Brest fiel im September; Lorient und Saint-Nazaire blieben bis Mai 1945 besetzt. 1941 wurde Loire-Atlantique vom übrigen Gebiet getrennt; diese Trennung besteht laut Artikel trotz eines von Autonomisten berichteten Wiedervereinigungswillens fort.

Nach 1945 förderten liberale Kräfte Sprache und Kultur, während staatliche Unterstützung den wirtschaftlichen Aufschwung stärkte. Die heutige Region entstand 1960 in ihren gegenwärtigen Grenzen, erhielt 1972 den Status eines Établissement public und durch die Dezentralisierungsgesetze von 1982 den einer Gebietskörperschaft. Regionalräte werden seit 1986 direkt gewählt. Es gibt weiterhin Autonomiebestrebungen; in den 1970er- und 1990er-Jahren kam es auch zu Attentaten. Die Bretagne hat eine Regionalhymne, „Bro gozh ma zadoù“, und eine eigene Fußballauswahl.

Bevölkerung, Sprachen und Verwaltung

Die Bevölkerung wird im Artikel als Mischung aus keltischen Einwanderern aus Südwestengland sowie Normannen und Franzosen beschrieben. Mehrheitlich ist sie katholisch, auch wenn der Einfluss der Kirche seit der Mitte der 1950er-Jahre deutlich abgenommen hat.

Neben Französisch gibt es zwei Regionalsprachen: Bretonisch in den westlichen Teilen und Gallo im Osten. Gallo ist eine romanische Sprache, die sich aus Spät- und Vulgärlatein entwickelte. Beide Sprachen beeinflussten einander und standen unter dem Einfluss des Hochfranzösischen. Seit der allgemeinen Schulpflicht im späten 19. Jahrhundert wurden Minderheitensprachen unterdrückt; das Verbot regionaler Sprachen wurde erst 1951 aufgehoben. Bretonisch ist offiziell weiterhin nicht anerkannt.

Seit den 1970er-Jahren bieten Diwan-Schulen Immersionsunterricht an: Der Unterricht erfolgt auf Bretonisch, Französisch kommt ab dem zweiten Schuljahr als zweite Schriftsprache hinzu. Rund 3.000 Schüler lernen so Bretonisch; an staatlichen Schulen können einige tausend weitere Schüler Teile des Unterrichts auf Bretonisch besuchen. Schätzungsweise 250.000 Menschen sprechen die Sprache und ebenso viele verstehen sie, doch regelmäßiger Gebrauch ist deutlich seltener. Mehr als zwei Drittel der Sprecher sind über 60 Jahre alt; 1992 waren weniger als 5 % unter 15 Jahre alt.

Die Region besteht aus 15 Arrondissements, 102 Kantonen und 1.202 Gemeinden. Historisch-kulturell wird zwischen Oberbretagne mit Rennes und Nantes sowie Niederbretagne mit unter anderem Vannes und Quimper unterschieden.

Wirtschaft, Verkehr und Kultur

Die Bretagne galt lange als strukturschwacher Landesteil. Seit Investitionen zur Industrialisierung in den 1960er-Jahren sind Tourismus, Fischerei, Landwirtschaft und Industrie wichtige Wirtschaftszweige. 2003 erreichte die Region beim Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in Kaufkraftstandards den Index 96,7 bei EU-25 = 100; 2017 lag die Arbeitslosenquote bei 7,3 %. Bedeutend sind Lebensmittelbetriebe für Fisch, Meeresfrüchte, Fleisch, Milchprodukte und Gemüse, außerdem Schiffbau und das Citroën-Werk in Rennes. Im Léon werden Artischocken, Blumenkohl und Frühkartoffeln angebaut; in Côtes-d’Armor überwiegen Schweinezucht, Putenmast und Milchviehhaltung. In Cancale werden auf 450 Hektar, im Golf von Morbihan auf 1.500 Hektar Austern gezüchtet.

Strom gewinnt die Bretagne unter anderem im 1967 fertiggestellten Gezeitenkraftwerk La Rance, wo der Tidenhub 9 bis 15 Meter beträgt. Windenergie wird an Küsten und im Binnenland ausgebaut. Das Schwerwasser-Kernkraftwerk Brennilis lief von 1967 bis 1985 und wird demontiert. Es gibt keine Autobahnen; vierspurige Nationalstraßen sind auf 110 km/h begrenzt. Der TGV verbindet Paris und Rennes in einer Stunde und 26 Minuten. Rennes hat eine vollautomatische U-Bahn, Brest eine Straßenbahn.

Kulturell prägen jungsteinzeitliche Megalithen, bretonische Sprache, Küche sowie Musik und Tanz die Region. Dolmen und Menhire sind nach dem Artikel keine keltischen, sondern jungsteinzeitliche Denkmäler. Zur traditionellen Küche gehören gesalzene Butter, Buttermilch, Getreidebreie, farz und Crêpes. Beim Fest-noz wird zu traditionellen und modernen Instrumenten getanzt; diese lebendige Tradition wurde am 5. Dezember 2012 in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Sehenswürdigkeiten sind die 2.700 km lange Küste, die Côte de Granit Rose, Pointe du Raz, der Golf von Morbihan, zahlreiche Inseln und die über 6.000 Megalithen, darunter mehr als 3.000 Steine bei Carnac.

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