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Popmusik

Popmusik (englisch pop music), kurz Pop, ist ein Genre der populären Musik, das Mitte der 1950er-Jahre in den USA und im Vereinigten Königreich entstand.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Einordnung
  2. 2. Typische Merkmale und Aufbau
  3. 3. Technik, Medien und Produktion
  4. 4. Stilistische Entwicklung und Einflüsse
  5. 5. Internationale Verbreitung

Definition und Einordnung

Popmusik, kurz Pop, ist ein Genre der populären Musik, das Mitte der 1950er-Jahre in den USA und im Vereinigten Königreich entstand. Der Begriff wird teilweise auch synonym für populäre Musik verwendet. Eine eindeutige Abgrenzung ist jedoch nicht möglich: Pop kann als Musik für ein Massenpublikum, als durch Massenmedien verbreitete Musik oder als populäre Musik verstanden werden, die keinem anderen Genre zugeordnet wird.

Ursprünglich bezeichnete Popmusik vor allem Rock ’n’ Roll, Beatmusik und verwandte Jugendstile. In den USA wurde der Ausdruck in den 1950er-Jahren teilweise auch für den damaligen, vom Swing abgeleiteten populärmusikalischen Standard verwendet. Ab 1967 setzte sich Pop zunehmend als Gegenbegriff zu Rock durch. Rock galt dabei als authentischer und experimentierfreudiger, Pop als zugänglicher, kurzlebiger und kommerzieller.

Popmusik wird häufig über ihre Präsenz in den Musikcharts definiert. Nach einer verbreiteten Auffassung wird sie für ein Massenpublikum aus kommerziellen Erwägungen produziert, professionell hergestellt und von Plattenfirmen, Radio, Konzertagenturen und anderen Medien mitgesteuert. Im Kern bezeichnet Pop damit vor allem den Mainstream populärer Musik seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Typische Merkmale und Aufbau

Popmusik richtet sich an ein möglichst breites Publikum. Aufnahme, Produktion und technische Gestaltung werden häufig höher bewertet als die Liveperformance. Pop bevorzugt bestehende Trends gegenüber progressiven Entwicklungen und zielt grundsätzlich auf Tanzbarkeit.

Die wichtigste Form ist der Popsong. Er dauert häufig zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Minuten und besitzt meist einen auffälligen, durchgehenden Rhythmus, eine einfache traditionelle Struktur und eine eingängige Melodie. Typisch ist die Verbindung von Strophe und Refrain. Der Refrain wird wiederholt, damit er leicht wiedererkennbar ist, und bildet meist einen melodischen, rhythmischen und harmonischen Kontrast zu den Strophen. Viele Songs entwickeln sich musikalisch auf den Refrain hin. Daneben ist die AABA-Form verbreitet.

Beat und Melodien sind meist einfach, die Begleitung ist reduziert. Einprägsame Hooklines, also besonders wiedererkennbare musikalische oder textliche Elemente, spielen eine zentrale Rolle. Die Texte moderner Popsongs behandeln häufig Liebe und romantische Beziehungen.

Harmonie und Akkordfolgen gehen meist auf die europäische klassische Musik zurück, werden in der Popmusik aber vereinfacht. Typische Modelle sind die Barbershop-Harmonie über die Stufen ii–V–I sowie Harmonien, die von der Bluestonleiter abgeleitet sind. Zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren verlor die traditionelle Harmonielehre mit dem Quintenzirkel an Bedeutung; dadurch wurde auch die Dominante im Sinn der Funktionstheorie weniger wichtig.

Technik, Medien und Produktion

Technologische Entwicklungen beeinflussten die Popmusik entscheidend. Verbesserte Mikrofone ermöglichten in den 1940er-Jahren einen intimeren Gesangsstil. Vinyl-Singles mit 45 Umdrehungen erleichterten in den folgenden Jahrzehnten die Verbreitung einzelner Songs und förderten ein Star-System für Tonträger, Radio und Film.

Das Fernsehen, das sich in den 1950er-Jahren stark verbreitete, zwang Popstars zu einer ausgeprägten visuellen Präsenz. Auf Musik spezialisierte Fernsehsender wie MTV verstärkten diesen visuellen Schwerpunkt ab den 1980er-Jahren. Tragbare Transistorradios machten Musik ab den 1960er-Jahren unabhängig vom festen Ort und wurden besonders von Jugendlichen genutzt. Mehrspurrekorder und ab den 1980er-Jahren auch Sampling erweiterten die Möglichkeiten der Produktion.

Ab Mitte der 1960er-Jahre gelangten dadurch neue Klänge, Stile und Techniken in die Popmusik. Laut Simon Reynolds entstand ab 1967 eine Spaltung zwischen eher progressiver, technisch experimentierender Musik und stärker chartorientiertem Pop mit jeweils unterschiedlichem Zielpublikum. Mitte der 1960er-Jahre erhielten Interpreten durch größere Investitionen der Plattenfirmen mehr Freiheiten und ein begrenztes Mitspracherecht bei Musik und Marketing. Diese Entwicklung kam Ende der 1970er-Jahre zunächst wieder zum Stillstand; später ermöglichten die ersten Internet-Stars neue Formen der Beteiligung und Verbreitung.

Stilistische Entwicklung und Einflüsse

Popmusik übernimmt Elemente aus vielen Bereichen. Der frühe Pop bezog seine Formen unter anderem aus Balladen, seine Vokalharmonien aus Gospel und Soul, seine Instrumentierung aus Jazz und Rock ’n’ Roll sowie teilweise aus klassischer Musik. Rhythmus und Tempo wurden von Tanzmusik und Hip-Hop beeinflusst; Hintergrundeffekte kamen aus der elektronischen Musik.

Produzenten, Songwriter und Tontechniker nutzten die Studiotechnik, um neue Effekte und Klangfarben einzuführen. Ein bekanntes Beispiel ist Phil Spectors „Wall of Sound“. Zugleich entwickelte sich die Musik in Radio und Film von der klassischen Tin-Pan-Alley-Ästhetik zu exzentrischeren Songs mit halligen Rockgitarren, symphonischen Streichern und aufwendig arrangierten Bläserpartien.

Ende der 1970er-Jahre entstand Indie Pop. Gitarrenbands veröffentlichten ihre Musik dabei ohne Plattenvertrag selbst. In den 1980er-Jahren prägten digitale Aufnahmetechniken und Synthesizer die Popmusik; Synthiepop und verwandte Genres mit vorwiegend elektronischen Klängen wurden populär. In den folgenden Jahrzehnten wurden Einflüsse elektronischer Tanzmusik weltweit zu einem prägenden Bestandteil des Pop.

Internationale Verbreitung

Die US-amerikanische Musikindustrie dominierte die Popmusik; seit Mitte der 1960er-Jahre kam durch die British Invasion auch die britische Musikindustrie hinzu. Dadurch entwickelte sich Pop teilweise zu einer internationalen Monokultur. Gleichzeitig entstanden regionale und lokale Varianten mit eigener Ausprägung. Einzelne regionale Trends, etwa Europop, beeinflussten die internationale Popmusik nachhaltig.

Westliche Popmusik verbreitete sich weltweit. Sie verdrängte lokale Musikgenres teilweise, bestand teilweise parallel zu ihnen und schuf ähnliche stilistische Rahmenbedingungen für globale kommerzielle Musikkulturen. In Japan entstand eine große Musikindustrie, die stark vom westlich geprägten J-Pop bestimmt wird; Japan ist der größte Musikmarkt neben den USA. Diese Verbreitung kann unter anderem als Amerikanisierung, Homogenisierung, Modernisierung, kulturelle Aneignung, Kulturimperialismus oder Globalisierung betrachtet werden.

Bedeutende internationale Richtungen sind Latin Pop und K-Pop. Latin Pop erreichte ab den 1990er-Jahren in den USA Mainstreamerfolg; „Macarena“ von Los del Río (1993) und „Despacito“ von Luis Fonsi (2017) wurden weltweite Charterfolge. K-Pop erzielte im Rahmen der koreanischen Welle globalen Erfolg, eingeleitet 2012 durch „Gangnam Style“ von Psy. Koreanische Boy- und Girlgroups wie BTS und Blackpink entwickelten sich anschließend zu weltweit sehr erfolgreichen Musikgruppen.

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