Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Todessymbolik
Todessymbolik findet man in fast allen Bereichen der Kultur und Zivilisation, vor allem in den Bereichen Mythologie, Religion und Mystik, der Bildenden und …
Inhalt6 Abschnitte
Begriff und Bedeutung
Todessymbolik bezeichnet ein System oder Repertoire von Zeichen, Bildern und allegorischen Darstellungen, die auf den Tod verweisen. Eine Allegorie stellt einen abstrakten Gedanken durch eine anschauliche Figur oder Szene dar. Ein bekanntes Beispiel ist der Sensenmann als Personifizierung, also Verkörperung, des Todes. Im weiteren Sinn zählen auch Symbole wie Kreuz, Totenschädel, Skelett, Sanduhr oder Trauerfarben dazu.
Todessymbole kommen in fast allen Bereichen von Kultur und Zivilisation vor, besonders in Mythologie, Religion, Mystik, bildender und darstellender Kunst, Architektur, Literatur und Dichtung sowie in Theologie, Psychologie und Philosophie. Die kulturellen Formen, mit denen Menschen Bestattung und Trauer ausdrücken, heißen Sepulkralkultur.
Die Bedeutung eines Symbols hängt stark von Kultur, Epoche und Verwendung ab. Deshalb kann dasselbe Zeichen unterschiedlich gedeutet werden. Die Darstellung des Todes durch einen Schädel ist weit verbreitet, während Farben besonders deutlich kulturell geprägt sind: In Europa gilt Schwarz als Trauerfarbe, in Teilen Asiens dagegen Weiß.
Grundlegende Deutungen
Todessymbole lassen sich grundsätzlich in zwei entgegengesetzte Gruppen einteilen. Todesbejahende Symbole vermitteln Hoffnung, Geborgenheit oder Befreiung. Todesverneinende Symbole drücken Hoffnungslosigkeit, Angst oder Begrenzung aus.
Je nach Zusammenhang können Todessymbole unter anderem folgende Bedeutungen haben:
- Der Sensenmann steht für den persönlichen Tod.
- Das „Memento mori“, lateinisch für „Gedenke des Todes“, erinnert an die ständige Gegenwart der Vergänglichkeit im Leben.
- Trauerfarben zeigen den kulturellen Umgang mit einem Todesfall.
- Manche Symbole bezeichnen Reifephasen oder „kleine Tode“ während des Lebens. Bei der Taufe kann das Untertauchen für das Sterben und das Auftauchen für die Wiederauferstehung stehen.
- Bei den Māori kann der Schädel eine Verbindung zu den Ahnen ausdrücken.
- Schädel und gekreuzte Knochen warnen vor Lebensgefahr, etwa auf der Piratenflagge oder als Piktogramm für tödliches Gift.
Kulturelle Unterschiede zeigen sich besonders bei den Trauerfarben. Weiß steht in Europa für Unschuld und das Brautkleid, im asiatischen Raum dagegen für die Trauer um einen Toten. Der Artikel verbindet dies mit unterschiedlichen traditionellen Vorstellungen: In Asien führe der Tod symbolisch ins Licht, in Europa in die Dunkelheit. Der Artikel ist allerdings als überarbeitungs- und belegbedürftig gekennzeichnet; einzelne solche Deutungen sind daher nicht ausreichend abgesichert.
Ägypten, Antike und europäisches Mittelalter
Im Alten Ägypten war Osiris Gott und Herrscher über die Toten. Er wurde als Mensch in einem meist weißen langen Anzug mit rotem Gürtel dargestellt. Seine häufig grüne Hautfarbe symbolisierte Wiedergeburt. Hinzu kamen die Atef-Krone aus Pflanzenstängeln und Straußenfedern sowie die königlichen Insignien Krummstab und Dreschflegel: Der Krummstab stand für den guten Hirten, der Dreschflegel für Fruchtbarkeit. Entsprechende Grabbemalungen stammen etwa aus dem Neuen Reich, ca. 1550 v. Chr. bis 1070 v. Chr.
In der europäischen Antike konnte der Tod als Zwischenzustand oder Erlösung erscheinen. In der griechischen Mythologie war Thanatos der Bruder des Hypnos, des Schlafes, und die Personifikation des Todes. Er wurde zunächst oft mit schwarzen Flügeln, finsterem Blick und einem Opfermesser gezeigt, mit dem er Sterbenden eine Locke abschnitt. Später erschien er als ewig Schlafender: als schöner geflügelter Jüngling oder Knabe mit einer gesenkten, noch brennenden oder bereits verlöschten Fackel.
Lethe war ein Fluss der griechischen Unterwelt. Sein Name bedeutet „Vergesslichkeit“ oder „Verborgenheit“. Wer aus ihm trank, sollte seine Erinnerungen verlieren. Nach manchen Vorstellungen mussten Seelen vor ihrer Wiedergeburt daraus trinken, damit sie sich nicht an frühere Leben erinnerten. In der römischen Mythologie verkörperte Morta den Tod. Ihre Schere durchtrennte symbolisch den Lebensfaden.
Im Mittelalter galt der Tod als ständig im Leben gegenwärtig. Ein wichtiges Motiv war der Totentanz: Ein Skelett als Allegorie des Todes tanzt mit einem oder mehreren Lebenden. Dahinter stand der Volksglaube, Verstorbene kämen um Mitternacht aus ihren Gräbern. Die Botschaft an die Lebenden lautete: „Was ihr seid, das waren wir; was wir sind, das werdet ihr!“ Die erste deutschsprachige Fassung des sogenannten Danse macabre entstand um 1360 in Würzburg, die erste französische 1375. Bekannte spätere Beispiele sind Guy Marchants „La danse macabre“ von 1491/92 und Hans Holbeins des Jüngeren um 1525 geschaffene Holzschnittsammlung „Der Totentanz“, die 1538 in Lyon als Buch erschien.
Vergänglichkeit im Barock und Wandel in Europa
Im Barock prägten besonders Memento-mori- und Vanitas-Motive die Todessymbolik. „Memento mori“ bedeutet „Gedenke des Todes“. Solche Darstellungen erinnern an die Vergänglichkeit des Menschen und den leeren Schein alles Irdischen. Häufig erscheinen Totenköpfe, Särge, Totentänze, abgebrannte Kerzen, Stundengläser, leere Schneckenhäuser und Muscheln, verdorbenes Obst, Ruinen, umgestürzte Säulen, Trauerweiden oder Grabhügel mit Kreuzen. Seifenblasen stehen für die kurze Dauer des Lebens und irdischer Güter. Wendeköpfe aus Elfenbein zeigen auf einer Seite etwa ein menschliches Gesicht oder eine schöne Frau, auf der anderen einen Totenschädel oder eine Greisin.
„Vanitas“ ist lateinisch und bedeutet ungefähr „leerer Schein“ oder „Eitelkeit“. Vanitas-Sinnbilder mahnen vor Sinneslust, Eitelkeit und dem Streben nach vergänglichen Gütern. Typisch ist die Verbindung von reichem, erfülltem Leben mit dem Tod oder seinen Boten. In manchen Bildern ist die Botschaft offen sichtbar, in anderen verborgen. Häufig findet sie sich in Stillleben, etwa durch Schädel, Urnen, flackernde oder erlöschende Kerzen, Ungeziefer, faulendes Essen, Baumgerippe oder Ruinen.
Die europäische Deutung des Todes wandelte sich: Nach seiner starken Gegenwart im Mittelalter und Barock verschob das bürgerliche Denken von Aufklärung und Klassik die Gewichtung zugunsten des Lebens. In der Romantik konnte der Tod als Öffnung ins Unendliche erscheinen. Vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart wurde er dagegen überwiegend als absolutes Ende und als sinnzerstörend erfahren.
Todessymbole in Asien, Amerika und Australien
In Japan und China wird die Zahl 4 mit dem Tod verbunden, weil die Wörter gleich klingen: Das Zeichen 四 wird „Sì“ gesprochen. Deshalb vermeidet man die Vier teilweise bei Gegenständen sowie bei Zimmernummern in Krankenhäusern oder Hotels. Wegen weiterer gleich klingender Wörter betrifft der Aberglaube auch Kombinationen wie 24, 42 und 420. Essstäbchen senkrecht in Reis zu stecken gilt als Fauxpas, weil dies an Beerdigungsbräuche erinnert, bei denen Räucherstäbchen in Reis gesteckt werden. Weiß übernimmt grundsätzlich die Rolle, die im Westen Schwarz als Trauer- und Todesfarbe besitzt; weiße Blumen werden beispielsweise nur zu Beerdigungen geschenkt.
In Mexiko gehören Schädel, Skelette, „calaveras de dulce“ („süße Schädel“) und „Pan de muerto“ („Totenbrot“) zum Día de los Muertos, dem Tag der Toten. Menschen ehren Verstorbene unter anderem bei Picknicks auf Gräbern. Dadurch erscheint der Tod als Teil des Lebens und verliert seine beängstigende Wirkung.
Bei den Aborigines Australiens treten Todes- und Geburtssymbole häufig gemeinsam auf. In der Übergangsphase des Mukandarituals können Hütten und Tunnel zugleich Gräber und Bäuche symbolisieren. Der Mond wächst und schmilzt, die Schlange häutet sich, und Nacktheit verweist auf Geburt wie Tod. Lebenslange Rituale bereiten auf das Ende des Erdenlebens vor. Der Tod erscheint als natürliche Rückkehr in die Traumwelt, aus der Menschen und andere Lebensformen der Schöpfung hervorgegangen sind.
Weitere Todessymbole sind der Fledermausmann und der Zeigeknochen. Beim „bone pointing“, frei mit „Totsingen“ übersetzt, wird ein Stammesmitglied wegen eines schweren Vergehens bestraft: Männer richten einen Knochen auf das Opfer oder einen häufig von ihm besuchten Ort und singen. Wird der Knochen danach vergraben oder verbrannt, soll der Tod unmittelbar eintreten. Der Mond gilt außerdem als Ahnenwesen, das an der Erschaffung des Todes beteiligt war. Bralgu oder Bralku bezeichnet das „Land der Toten“, einen möglichen Aufenthaltsort des Geistes. Alternativ kann der Geist auf die Erde und zu seinem Totem, einem spirituellen Ort wie einem Wasserloch, zurückkehren.
Literarische Personifikationen
In der Literatur erscheint der Tod häufig als handelnde Gestalt. Bezeichnungen für diese Personifikation sind unter anderem Sensenmann, Schnitter, Gevatter Tod, Hein Klapperbein, Schlafes Bruder, Herr des Rades, Meister der Brücke, Boandlkramer und Freund Hein. Beispiele sind das Volkslied „Es ist ein Schnitter“, Grimms Märchen „Der Gevatter Tod“ und die Figur des Boandlkramers im „Brandner Kaspar“. Solche Namen und Figuren machen den abstrakten Tod anschaulich, indem sie ihn als menschlich wirkendes Gegenüber darstellen.