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Psychologie
Analyseebenen der Psychologie · Biologische Einflüsse · Psychologische Einflüsse · Soziokulturelle Einflüsse.
Inhalt5 Abschnitte
Gegenstand und wissenschaftliche Einordnung
Psychologie ist eine empirische Wissenschaft. Sie erforscht, beschreibt und erklärt menschliches Erleben und Verhalten, deren Entwicklung im Laufe des Lebens sowie innere und äußere Bedingungen, die darauf einwirken. Sie untersucht außerdem Verfahren zur Veränderung von Erleben und Verhalten. Psychologen wenden psychologisches Wissen beruflich an; in Deutschland setzt diese Berufsbezeichnung ein Hochschulstudium im Hauptfach Psychologie voraus.
Das Fach lässt sich nicht ausschließlich den Natur-, Sozial- oder Geisteswissenschaften zuordnen. Im Sinn der Behavioural sciences wird es häufig in Verhaltenswissenschaft, Kognitionswissenschaft und Neurowissenschaft eingeordnet. Allgemeine Anthropologie und Statistik bilden in der modernen Psychologie gemeinsame Grundlagen. Forschung kann unter anderem Experimente, neurologische und bildgebende Verfahren, Textanalyse, ethnografische Beobachtungen oder spieltheoretische Modellierungen einsetzen.
Alltagspsychologie stützt sich häufig auf „gesunden Menschenverstand“ und anekdotische Erfahrungen. Sie erfüllt wissenschaftliche Anforderungen an Objektivität, Reliabilität und Validität nicht zuverlässig; auch bestätigte Aussagen sind nicht unbedingt verallgemeinerbar. Sie kann aber Hypothesen für wissenschaftliche Forschung liefern.
Empirisches Arbeiten und Abgrenzung
Die akademische Psychologie prüft Theorien, Modelle, Hypothesen und Annahmen mit geeigneten wissenschaftlichen Methoden. Ihre Methodik ist überwiegend naturwissenschaftlich und quantitativ, oft experimentell oder quasi-experimentell. Wichtige Werkzeuge sind Mathematik, Deskriptive Statistik, Stochastik, besonders Induktive Statistik und statistische Testverfahren, sowie zunehmend mathematische Systemanalyse.
Neben naturwissenschaftlichen werden auch empirisch-sozialwissenschaftliche Methoden verwendet. Quantitative Methoden überwiegen, doch gehören etwa Grounded Theory und Inhaltsanalyse als qualitative Verfahren ebenfalls dazu. Die Grenzen zwischen qualitativen und quantitativen sowie zwischen natur- und sozialwissenschaftlichen Ansätzen sind nicht immer eindeutig. In Grundlagen- und klinischer Forschung kommen auch Tierversuche vor, beispielsweise in der Lern-, Aggressions-, Stress-, Angst-, Depressions-, Wahrnehmungs- und Suchtforschung.
Psychologie ist nicht gleich Psychotherapie, Psychiatrie, Psychosomatik oder Psychoanalyse: Psychotherapie behandelt psychische Störungen mit psychologischen Mitteln. Psychiatrie ist eine medizinische Fachdisziplin für psychische Erkrankungen. Psychosomatik untersucht Wechselwirkungen zwischen psychischen und somatischen, also körperlichen, Vorgängen. Psychoanalyse gehört zur Tiefenpsychologie, wurde von Sigmund Freud begründet und erforscht das Unbewusste.
Paradigmen und Grundlagendisziplinen
Paradigmen sind theoretische Denkansätze, die Grundannahmen und Methoden psychologischer Forschung prägen; sie sind keine Teildisziplinen. Wichtige Paradigmen sind das behavioristische, das Informationsverarbeitungs-, das psychoanalytisch-psychodynamische, das phänomenologisch-humanistische, das Eigenschafts-, das dynamisch-interaktionistische, das soziobiologische und das evolutionäre Paradigma. Innerhalb eines Fachs können mehrere Paradigmen gleichberechtigt nebeneinander bestehen.
Zu den Grundlagenfächern zählen Allgemeine Psychologie, Biologische Psychologie, Differentielle beziehungsweise Persönlichkeitspsychologie, Entwicklungspsychologie und Sozialpsychologie. Die Allgemeine Psychologie untersucht allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten, etwa bei Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnis, Denken, Problemlösen, Aufmerksamkeit, Bewusstsein, Emotion, Motivation, Sprache und Psychomotorik.
Die Biologische Psychologie untersucht körperliche Grundlagen von Verhalten und Erleben, zum Beispiel Genetik, neuronale Prozesse, Gehirnanatomie und -physiologie, Sinnesphysiologie und Endokrinologie. Sie misst physiologische Verhaltenskorrelate wie Gehirnaktivität, Herzfrequenz, Blutdruck, elektrodermale Aktivität und Muskelaktivität, etwa mittels Elektroenzephalogramm oder bildgebender Verfahren. Die Persönlichkeits- und Differentielle Psychologie untersucht Unterschiede zwischen Menschen (interindividuell) und Veränderungen innerhalb einer Person über die Zeit (intraindividuell); sie ist grundlegend für psychologische Diagnostik.
Entwicklungspsychologie erforscht die psychische Wandlung von der Empfängnis bis zum Tod, beispielsweise Entwicklung von Wahrnehmung, Sprache, Gedächtnis, Persönlichkeit und kognitiven Kompetenzen. Sozialpsychologie untersucht, wie die tatsächliche, vorgestellte oder implizite Anwesenheit anderer Gedanken, Gefühle und Verhalten beeinflusst, etwa bei Vorurteilen, Einstellungen, Kommunikation, Aggression, Gruppenleistung und Gruppenentscheidungen.
Anwendung und Methoden
Anwendungsfächer sind Klinische Psychologie, Organisationspsychologie, Wirtschaftspsychologie und Pädagogische Psychologie. Weitere Anwendungsbereiche umfassen unter anderem Verkehrs-, Personal-, Medien-, Rechts-, Polizei-, Sport-, Umwelt-, Gesundheits- und Werbepsychologie sowie Suchtprävention.
Die Psychologische Methodenlehre stellt Verfahren für psychologischen Erkenntnisgewinn bereit und entwickelt sie weiter. Ihr Spektrum reicht von Wissenschaftstheorie und Ethik über Experimentalmethodik und Evaluationsforschung bis zu Mathematik, vor allem Statistik, Informatik und Mathematischer Psychologie. Ein Beispiel für eine Eigenentwicklung ist die Metaanalyse, bei der Ergebnisse mehrerer Studien zusammengeführt werden.
Psychologische Diagnostik bedeutet diagnostische Entscheidungsfindung. Sie ist mit Testtheorie, Testkonstruktion und Testanalyse verbunden und bildet die Grundlage jeder Intervention. Deshalb ist sie für alle psychologischen Bereiche relevant.
Biopsychosoziale Analyseebenen
Menschen werden als komplexe Systeme verstanden, die aus kleineren Systemen bestehen und zugleich Teil sozialer Systeme sind. Der biopsychosoziale Ansatz verbindet daher biologische, psychologische und soziokulturelle Analyseebenen. Sie ergänzen einander und beeinflussen gemeinsam Verhalten sowie mentale Prozesse.
Biologische Einflüsse umfassen die Selektion adaptiver Merkmale, die Überleben und Fortpflanzungserfolg begünstigen, genetische Prädispositionen sowie Gehirnmechanismen und Hormone. Diese können Denken, Vorstellung, Sprache, Urteilen und Verhalten beeinflussen.
Psychologische Einflüsse sind beispielsweise erlernte Ängste, Unsicherheiten und Erwartungen. Dazu gehören ebenso emotionale Reaktionen, kognitive Verarbeitung und die Interpretation von Wahrnehmungen.
Soziokulturelle Einflüsse entstehen durch das soziale Umfeld und die Anwesenheit anderer Menschen. Auch Erwartungen von Kultur, Gesellschaft und Familie sowie Einflüsse Gleichaltriger und anderer Gruppen prägen Verhalten und mentale Prozesse.
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