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Anthropozentrismus
Basic-Needs-Argument: Der Mensch ist als Mensch auf die Natur angewiesen. · ästhetisches Argument: Die Natur ist einzigartig und für den Menschen unverzichtbar.
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Grundidee und Bedeutung
Anthropozentrismus, auch Anthropologismus, bezeichnet ein Weltbild, in dem der Mensch sich selbst als Mittelpunkt der weltlichen Realität versteht. Der Begriff betrifft weltanschauliche, ethische und religiöse Fragen ebenso wie wirtschaftliche Perspektiven: Dabei geht es etwa darum, wie Menschen Lebensräume und Ressourcen nutzen.
In der Ethik ist Anthropozentrismus mehrdeutig. Auf der epistemischen Ebene bedeutet er zunächst nur: Ethische Modelle werden von Menschen geschaffen und können daher nur vom Menschen aus verstanden werden. Daraus folgt noch keine Bewertung, ob Menschen wichtiger oder weniger wichtig als andere Lebewesen sind.
Moralischer Anthropozentrismus und Gegenpositionen
Auf der moralischen Ebene setzt der moralische Anthropozentrismus den Menschen als wichtigstes Element einer Ethik. Umwelt- und Tierschutz gelten dann als Normen, die für Menschen gut sind. Seine Begründungen können unterschiedlich sein:
- Das Basic-Needs-Argument betont, dass Menschen auf die Natur angewiesen sind; Naturschutz sichert menschliche Lebensgrundlagen.
- Das ästhetische Argument sieht die einzigartige Natur als unverzichtbar für ein gutes und glückliches menschliches Leben, auch unabhängig von materiellen Interessen.
- Das pädagogische Argument nimmt an, dass ein respektvoller Umgang mit der Natur zu einem friedvolleren und besseren Umgang mit anderen Menschen erzieht.
Viele westliche ethische Theorien stellten historisch den Menschen in den Mittelpunkt. Anthropozentrische Tier- und Naturethik meint deshalb, moralische Kriterien und Verantwortung gälten nur zwischen Menschen. Seit den 1970er Jahren ist der Anthropozentrismus in der Ethik rückläufig; andere Ansätze wollen ihn überwinden und fragen, ob moralische Prinzipien auf Tiere und Umwelt ausgedehnt werden sollen.
Wichtige Gegenpositionen sind der Pathozentrismus, der allen empfindungs- und besonders leidensfähigen Lebewesen unmittelbaren moralischen Status zuschreibt, und der Biozentrismus, nach dem jedes Lebewesen einen moralischen Eigenwert hat. Der Physiozentrismus schreibt allen natürlichen Entitäten moralischen Status zu. Der Holismus misst Natur, Erde und Biosystemen als Ganzen einen unmittelbaren eigenen moralischen Wert bei.
Religiöse Sicht
Im religiösen Zusammenhang steht beim Anthropozentrismus nicht Gott oder eine Gottheit, sondern der Mensch im geistigen Zentrum der Welt. Das irdische menschliche Handeln steht damit im Fokus der Religion. Der Übergang vom Theozentrismus, der Gott ins Zentrum stellt, zum Anthropozentrismus begann laut Artikel bereits in der Antike und wurde durch Thales von Milet um 600 v. Chr. eingeleitet.
Das Christentum ist christozentrisch: Jesus Christus ist sein Zentrum und zugleich Gott und Mensch. Deshalb sind Theozentrismus und Anthropozentrismus im Christentum kein Gegensatz, sondern untrennbar verbunden. Im Mittelalter wurde vor allem die theozentrische Seite betont, während die moderne Theologie stärker anthropozentrisch auf den christlichen Glauben blickt.
Als dazu passende Formulierungen werden „Der Mensch ist das Maß aller Dinge“, zurückgeführt auf Protagoras, sowie die frühere Bezeichnung des Menschen als „Krone der Schöpfung“ genannt.