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Thomas Jefferson

Die von der Philadelphia Convention ausgearbeitete Verfassung gefiel ihm im Großen und Ganzen sehr (besonders das System der Checks and Balances). Er …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lebensweg
  2. 2. Revolution, Diplomatie und Vizepräsidentschaft
  3. 3. Präsidentschaft von 1801 bis 1809
  4. 4. Politische, religiöse und gesellschaftliche Ansichten
  5. 5. Wissenschaft, Architektur und Ruhestand
  6. 6. Nachwirkung und historische Bewertung

Bedeutung und Lebensweg

Thomas Jefferson (13. April 1743 nach gregorianischem Kalender; 2. April nach julianischem Kalender – 4. Juli 1826) war ein Gründervater der Vereinigten Staaten, der hauptsächliche Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, ein bedeutender Staatstheoretiker und von 1801 bis 1809 der dritte Präsident der USA. Zuvor amtierte er von 1797 bis 1801 als zweiter Vizepräsident. Er gehörte zu den Gründern der Demokratisch-Republikanischen Partei. Seine Ideen waren stark von der Aufklärung geprägt.

Jefferson stammte aus einer wohlhabenden Pflanzerfamilie in Virginia. Nach dem College of William & Mary studierte er Jura bei George Wythe und arbeitete ab 1767 als Anwalt. 1772 heiratete er Martha Wayles Skelton. Von ihren sechs Kindern erreichten nur Martha „Patsy“ Jefferson Randolph und Mary „Polly“ Jefferson Eppes das Erwachsenenalter. Seine Frau starb 1782. Historische Forschung und DNA-Untersuchungen belegen, dass Jefferson später mehrere Kinder mit der von ihm versklavten Sally Hemings zeugte.

Neben seiner politischen Tätigkeit beschäftigte sich Jefferson mit Architektur, Naturwissenschaften, Archäologie, Technik und Bildung. Seine bekanntesten Bauwerke sind sein Wohnsitz Monticello und die University of Virginia; beide gehören seit 1987 zum UNESCO-Welterbe.

Revolution, Diplomatie und Vizepräsidentschaft

In den 1770er Jahren wurde Jefferson als Anwalt und Abgeordneter im virginischen House of Burgesses bekannt. Seine Schrift A Summary View of the Rights of British America von 1774 machte ihn zu einem wichtigen Vordenker der amerikanischen Patrioten. Als Mitglied des Kontinentalkongresses erhielt er den Auftrag, den ersten Entwurf der Unabhängigkeitserklärung anzufertigen. John Adams, Benjamin Franklin und der Kongress nahmen Änderungen vor, dennoch gilt Jefferson als Hauptautor.

Nach seiner Rückkehr nach Virginia entwarf er innerhalb von drei Jahren 126 Gesetze. Sie betrafen unter anderem Religionsfreiheit, Strafrecht, Bildung und die Abschaffung der Primogenitur, also des besonderen Erbrechts des erstgeborenen Sohnes. Von 1779 bis 1781 war er Gouverneur von Virginia. Seine Amtszeit wurde durch britische Einfälle während des Unabhängigkeitskriegs belastet; eine Untersuchung sprach ihn vom Vorwurf frei, Richmond nicht ausreichend geschützt zu haben.

Von 1785 bis 1789 war Jefferson Botschafter in Paris. Er begrüßte das System der Checks and Balances in der neuen US-Verfassung, vermisste aber eine Bill of Rights zum Schutz des Einzelnen und eine Begrenzung der Amtszeiten des Präsidenten. Er sympathisierte mit der Französischen Revolution und half beim Entwurf der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte.

1790 ernannte Präsident George Washington ihn zum Außenminister. Jefferson geriet mit Finanzminister Alexander Hamilton in grundlegende Konflikte. Hamilton wollte eine Zentralbank, Industrieförderung und engere Beziehungen zu Großbritannien; Jefferson hielt die Zentralbank für verfassungswidrig, bevorzugte die Landwirtschaft und stand Frankreich näher. Aus diesen Gegensätzen entstanden die Demokratisch-Republikanische und die Föderalistische Partei.

Bei der Wahl von 1796 erhielt John Adams 71 Wahlmännerstimmen und wurde Präsident; Jefferson wurde mit 68 Stimmen Vizepräsident. Damals wurden beide Ämter noch nicht getrennt gewählt. Jefferson leitete den Senat und verfasste Jefferson’s Manual über parlamentarische Regeln. Gemeinsam mit James Madison wandte er sich in den Kentucky and Virginia Resolutions gegen die Alien and Sedition Acts von 1798. Er erklärte die Union zu einem Pakt der Staaten und vertrat die Auffassung, die Zentralregierung dürfe nur ausdrücklich übertragene Befugnisse ausüben.

Präsidentschaft von 1801 bis 1809

Bei der aggressiv geführten Wahl von 1800 erhielten Jefferson und sein vorgesehener Vizepräsident Aaron Burr jeweils 73 Wahlmännerstimmen. Erst im 36. Wahlgang des Repräsentantenhauses wurde Jefferson Präsident. Als Folge führte der 12. Verfassungszusatz die getrennte Wahl von Präsident und Vizepräsident ein. Der friedliche Machtwechsel zur Demokratisch-Republikanischen Partei wurde als „Revolution von 1800“ bekannt.

Das wichtigste Ereignis seiner ersten Amtszeit war der Louisiana Purchase. Frankreich verkaufte den USA 1803 die gesamte Kolonie Louisiana für 15 Millionen Dollar, etwa sieben Dollar je Quadratkilometer. Dadurch verdoppelte sich das Staatsgebiet praktisch. Jefferson zweifelte zunächst, ob die Verfassung einen solchen Kauf erlaubte, nahm das Angebot aber ohne Verfassungszusatz an. Der Vertrag wurde am 30. April 1803 unterzeichnet und am 20. Oktober vom Senat ratifiziert.

Zur Erforschung des neuen Gebiets entsandte er Meriwether Lewis und William Clark. Ihre Expedition dauerte von Mai 1804 bis September 1806 und führte bis zum Pazifik. Sie sollte einen Wasserweg finden, Geologie, Flora und Fauna untersuchen sowie freundschaftliche Beziehungen zu indigenen Völkern aufbauen. Die Teilnehmer sammelten umfassende geografische und naturkundliche Erkenntnisse und beschrieben mehrere Hundert bis dahin unbekannte Tier- und Pflanzenarten.

Im Amerikanisch-Tripolitanischen Krieg verweigerte Jefferson 1801 die vom Pascha von Tripolis geforderten 225.000 Dollar Tribut. Nach Kämpfen einigten sich beide Seiten 1805: Die USA zahlten 60.000 Dollar; 100 tripolitanische wurden gegen 300 amerikanische Gefangene ausgetauscht. Innenpolitisch senkte Finanzminister Albert Gallatin die Staatsschulden bis 1814 von 80 auf 45 Millionen Dollar.

Im Fall Marbury v. Madison von 1803 stärkte der Oberste Gerichtshof unter John Marshall die Verfassungsgerichtsbarkeit, also das Recht der Gerichte, Gesetze an der Verfassung zu prüfen. Jeffersons Versuch, föderalistische Richter durch Amtsenthebungsverfahren zu entfernen, gelang nur bei John Pickering.

1804 gewann Jefferson mit George Clinton als Vizepräsident 162 Wahlmännerstimmen gegenüber jeweils 14 für Charles C. Pinckney und Rufus King. Die zweite Amtszeit verlief schwieriger. Innerparteiliche Gegner kritisierten unter anderem den Louisiana-Kauf. Der frühere Vizepräsident Burr wurde wegen angeblicher Umsturzpläne des Landesverrats angeklagt, aber freigesprochen. Mit dem Embargo Act von 1807 wollte Jefferson britische und französische Übergriffe auf amerikanische Schiffe beenden. Das Ausfuhrverbot nach Europa schadete jedoch besonders amerikanischen Seeleuten und Neuengland, ohne Großbritannien oder Frankreich zum Kurswechsel zu bewegen; 1809 wurde es aufgehoben. Jefferson trat nicht zu einer dritten Amtszeit an und wurde am 4. März 1809 von James Madison abgelöst. Während seiner Präsidentschaft legte er gegen keinen Gesetzentwurf ein Veto ein.

Politische, religiöse und gesellschaftliche Ansichten

Jeffersons Ideal war eine Republik freier, unabhängiger Bauern. Er unterstützte Landbesitz für möglichst viele Amerikaner, freien Handel, Demokratie und Menschenrechte. Zugleich verlangte er eine enge Auslegung der Verfassung und starke Rechte der Einzelstaaten. Nicht ausdrücklich an die Zentralregierung übertragene Befugnisse hielt er für unzulässig. Als „Nullifikation“ bezeichnete er das Recht, solche Maßnahmen für unwirksam zu erklären. In der Regierung handelte er allerdings weniger streng: Der Louisiana-Kauf, das Embargo sowie Beschlagnahmen und der Einsatz von Armee und Marine im Inneren standen teilweise im Widerspruch zu seinen früheren Grundsätzen.

Seine Haltung zur Sklaverei war grundlegend widersprüchlich. Er erklärte Freiheit und Gleichheit zu natürlichen Rechten und kritisierte die Sklaverei mehrfach. 1769 schlug er erfolglos die Emanzipation versklavter Menschen in Virginia vor, und sein Entwurf der Unabhängigkeitserklärung enthielt einen später gestrichenen Angriff auf den Sklavenhandel. Gleichzeitig besaß er selbst mehr als 600 versklavte Menschen, ließ nur wenige frei und äußerte rassistische Vorstellungen von einer Unterlegenheit Schwarzer. Heute wird auch aufgrund von DNA-Analysen überwiegend angenommen, dass er der Vater der Kinder Sally Hemings’ war.

Auch gegenüber den indigenen Völkern verband Jefferson Interesse und Anerkennung mit einer Politik der Anpassung und Verdrängung. Er hielt Indianer körperlich und geistig für Weißen gleichwertig, bewunderte einzelne kulturelle Leistungen und sammelte indigene Vokabellisten. Dennoch bezeichnete er sie als „Wilde“ und drängte sie, ihre Lebensweise aufzugeben und sich der weißen Gesellschaft anzupassen. Seine Assimilationspolitik durch Verträge, Handel und Missionare scheiterte vor allem am Vordringen weißer Siedler.

In Religionsfragen setzte Jefferson sich entschieden für Glaubensfreiheit und die Trennung von Staat und Kirche ein. Das von ihm 1777 geschriebene und 1786 verabschiedete Virginia Statute for Religious Freedom garantierte die Bekenntnisfreiheit. An der University of Virginia trennte er Bildung und Kirche. Er gehörte bei seinem Tod der Episkopalkirche an, äußerte sich positiv über Unitarier und stellte eine als Jefferson Bible bekannte Fassung des Neuen Testaments ohne Wundergeschichten zusammen.

Wissenschaft, Architektur und Ruhestand

Jefferson war ein Universalgelehrter, also auf zahlreichen natur- und geisteswissenschaftlichen Gebieten tätig. Er gehörte seit 1780 der American Philosophical Society an und war von 1797 bis 1815 ihr Präsident. Durch die systematische Ausgrabung eines indigenen Grabhügels 1784 gilt er als Pionier der amerikanischen Archäologie, wobei diese Bewertung wegen seines Verhältnisses zur indigenen Kultur kritisiert wird. 1799 beschrieb er Fossilien eines prähistorischen Bodenfaultiers, das 1822 Megalonyx jeffersoni genannt wurde.

Als Architekt plante er Monticello, wirkte am Kapitol von Virginia mit und entwarf wesentliche Teile der University of Virginia. Wegen dieser Arbeiten wird er als „Vater“ oder „Taufpate“ der amerikanischen Architektur bezeichnet. Er entwickelte außerdem den Wheel Cypher, auch Jefferson-Walze genannt, ein Gerät zur Ver- und Entschlüsselung. Eine abgeänderte Form wurde noch im Zweiten Weltkrieg von den amerikanischen Streitkräften verwendet.

Nach seiner Präsidentschaft lebte Jefferson auf Monticello, führte umfangreiche Korrespondenzen und gründete die University of Virginia. Seit 1818 leitete er die zuständige Kommission und beeinflusste Standort, Lehrpersonal, Fächerangebot und Architektur. Mittelpunkt der Hochschule wurde im Sinne der Trennung von Kirche und Staat eine Bibliothek statt einer Kirche; die Studierenden erhielten große Freiheit bei der Fächerwahl.

Jeffersons Bibliothek umfasste mehr als 6.500 Bände. Nachdem die Kongressbibliothek 1814 beim Brand von Washington zerstört worden war, kaufte der Kongress seine Sammlung als Grundlage für den Wiederaufbau. In seinen letzten Jahren litt Jefferson unter hohen Schulden. Er starb am 4. Juli 1826, genau 50 Jahre nach der Verkündung der Unabhängigkeitserklärung und am selben Tag wie John Adams.

Nachwirkung und historische Bewertung

Jeffersons Nachwirkung ist von seinen Leistungen und seinen Widersprüchen geprägt. Die Demokratische Partei, die Whigs und später die Republikanische Partei beriefen sich auf unterschiedliche Teile seines Erbes. Seine Verteidigung der Einzelstaaten und der Nullifikation wurde im 19. Jahrhundert sowohl in Verfassungskonflikten als auch zur Begründung südstaatlicher Positionen verwendet. Gegner der Sklaverei verwiesen dagegen auf die Unabhängigkeitserklärung und seine Kritik an der Institution.

Im 20. Jahrhundert wurde Jefferson zunehmend als Vordenker von Demokratie, Freiheit, Bildung und religiöser Toleranz geehrt, während sein konkretes Modell einer landwirtschaftlichen Republik an politischer Bedeutung verlor. Sein Bild befindet sich am Mount Rushmore, auf der Fünf-Cent-Münze und auf der Zwei-Dollar-Note; 1943 wurde das Jefferson Memorial in Washington, D.C. eingeweiht. Zugleich rückten während und nach der Bürgerrechtsbewegung sein Sklavenbesitz und seine Beziehung zu Sally Hemings stärker in den Mittelpunkt. 2021 beschloss ein Ausschuss des New Yorker Stadtrats, seine Statue aus dem Sitzungssaal zu entfernen.

Besonders dauerhaft wirkte die Unabhängigkeitserklärung, auf die sich unter anderem Abraham Lincoln, Martin Luther King und Bill Clinton bezogen. In einer wissenschaftlichen Rangliste von 2024 belegte Jefferson Platz 5 unter 45 bewerteten Präsidenten. Er selbst wollte laut seinem Epitaph vor allem als Verfasser der Unabhängigkeitserklärung und des Gesetzes von Virginia für religiöse Freiheit sowie als Vater der University of Virginia in Erinnerung bleiben.

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