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The Hill We Climb
The Hill We Climb (in deutscher Übersetzung: Den Hügel hinauf) ist ein Gedicht, das die damals 22-jährige Amanda Gorman für die Amtseinführung von Joe Biden …
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Werk und Entstehung
„The Hill We Climb“ („Den Hügel hinauf“) ist ein Gedicht der US-amerikanischen Dichterin Amanda Gorman. Sie verfasste und rezitierte es als Inaugural Poet bei der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden am 20. Januar 2021. Gorman war damals 22 Jahre alt und damit die jüngste Dichterin, die je an einer Amtseinführung eines amerikanischen Präsidenten mitwirkte.
Gorman begann Anfang Januar 2021 mit dem Schreiben. Zur Vorbereitung las sie Gedichte früherer Eröffnungsdichter wie Robert Frost und Maya Angelou und beschäftigte sich mit Reden von Abraham Lincoln, Frederick Douglass, Martin Luther King Jr. und Winston Churchill. Außerdem sprach sie mit Richard Blanco und Elizabeth Alexander, die bei früheren Amtseinführungen berücksichtigt worden waren.
Als das Kapitol der Vereinigten Staaten am 6. Januar 2021 gestürmt wurde, war das Gedicht etwa zur Hälfte fertig. Gorman arbeitete die Ereignisse noch in derselben Nacht ein und vollendete den Text. Sie wollte mit dem Gedicht zu „Einheit und Zusammenarbeit und Zusammengehörigkeit“ aufrufen.
Inhalt und sprachliche Gestaltung
Der Vortrag dauerte etwas mehr als fünf Minuten; das Gedicht umfasst 723 Wörter. Gorman spricht darin über ihre Herkunft als Nachfahrin von Sklaven, über die Gegenwart der Vereinigten Staaten und über ihre Hoffnungen für die Zukunft. Amerika beschreibt sie als „nicht gebrochen, sondern einfach unvollendet“. Das Gedicht benennt Verluste und Konflikte, betont aber zugleich die Möglichkeit von Versöhnung, Wachstum und gemeinsamer Erneuerung.
Sprachlich verwendet Gorman zahlreiche Alliterationen, also Folgen von Wörtern mit demselben Anfangslaut, sowie kurze, einprägsame Aphorismen. Wiederholungen und ähnlich klingende Formulierungen erzeugen Rhythmus und verdeutlichen die zentrale Botschaft. Ein Beispiel ist die Folge: „That even as we grieved, we grew. / That even as we hurt, we hoped. / That even as we tired, we tried.“ In der wiedergegebenen deutschen Übersetzung lautet sie: „Dass wir, selbst als wir trauerten, wuchsen. / Dass wir, selbst als wir litten, hofften. / Dass wir es, selbst als wir ermüdeten, versuchten.“ Das Gedicht enthält außerdem zwei Bezüge zum Musical „Hamilton“ über den amerikanischen Gründervater Alexander Hamilton.
Aufnahme und Kritik
Das Gedicht und Gormans Vortrag wurden überwiegend sehr positiv aufgenommen. Kritiker bezeichneten die Lesung unter anderem als „makellos“, als Höhepunkt der Amtseinführung, als „Tour-de-Force“ und als deren „Hauptattraktion“. Gelobt wurden besonders der Rhythmus, die verständliche Botschaft, die dem Anlass entsprechende Form und Gormans Vortrag.
Marie-Luise Goldmann hob das Spiel mit ähnlich klingenden Wörtern und sprachlichen Umkehrungen hervor. Ihrer Einschätzung nach unterstützt diese Gestaltung die Idee einer „Einheit in der Differenz“: Unterschiedliche Ausdrücke nähern sich einander an, ohne ihre Unterschiede zu verlieren.
Jonas Heß bewertete die Verse kritischer als eher schlicht. Er verwies auf kurze Sätze, eingängige Binnenreime, Assonanzen – also ähnliche Vokalklänge – und eine leicht verständliche, emotionalisierte Sprache. Diese Einfachheit erklärte er jedoch mit dem öffentlichen Anlass und dem Ziel, ein sehr großes Publikum einschließlich der sozialen Netzwerke zu erreichen.
Veröffentlichung und Ausgaben
Unmittelbar nach dem Vortrag wurde der vollständige Text online veröffentlicht, darunter auch eine deutsche Übersetzung. Penguin Books kündigte anschließend eine Hardcover-Ausgabe mit einer Auflage von 150.000 Exemplaren an. „The Hill We Climb. An Inaugural Poem for the Country“ erschien mit einem Vorwort von Oprah Winfrey am 30. März 2021 bei Viking Books und erreichte bereits durch Vorbestellungen die Spitze der Bestsellerliste.
Im Herbst 2021 wurde das Gedicht in Gormans erster Gedichtsammlung veröffentlicht. Diese trug zunächst den Titel „The Hill We Climb and Other Poems“ und wurde später in „Call Us What We Carry“ umbenannt. Die englische Einzelausgabe erschien 2021 bei Viking Books for Young Readers unter der ISBN 978-0-593-46527-1. Die zweisprachige Ausgabe „The Hill We Climb – Den Hügel hinauf“ erschien 2021 bei Hoffmann und Campe, übersetzt von Kübra Gümüşay, Hadija Haruna-Oelker und Uda Strätling, mit der ISBN 978-3-455-01178-4.
Kontroversen
Bei mehreren Übersetzungen wurde darüber gestritten, welche Rolle Hautfarbe, Geschlecht, Alter und gesellschaftliche Erfahrung der übersetzenden Person spielen sollen. Die von Gorman begrüßte niederländische Übersetzerin Marieke Lucas Rijneveld, eine weiße, nichtbinäre Person, zog sich nach Kritik von dem Projekt zurück. Beim katalanischen Text entzog der Verlag dem bereits beauftragten Übersetzer Victor Obiols den Auftrag; nach seiner Darstellung wurde eine junge, möglichst Schwarze Aktivistin gesucht. Sharon Dodua Otoo stellte dazu die Gegenfrage, ob Schwarze Menschen ebenfalls alles übersetzen dürften. Die deutsche Übersetzung wurde von mehreren Medien inhaltlich kritisiert; der österreichische „Standard“ bezeichnete sie als „in höchstem Maß missglückt“.
Im Mai 2023 beschränkte eine Schule in Miami Lakes in Florida nach dem Antrag einer Mutter den Zugang zu „The Hill We Climb“. Als Begründung wurde angegeben, das Werk sei nicht pädagogisch und enthalte „indirekte Hassbotschaften“. Die Einschränkung sollte für Grundschüler gelten, während Schüler der Mittelstufe weiterhin auf das Gedicht zugreifen durften. Die Antragstellerin erklärte später, sie habe die betroffenen Werke nicht vollständig gelesen und Oprah Winfrey irrtümlich für die Autorin gehalten. Die Entscheidung löste internationale Berichterstattung aus; Gorman erklärte, sie könne die genannten Gründe für die Einschränkung nicht nachvollziehen.