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Alliteration

Die Alliteration (von lateinisch ad ‚zu' und litera/littera ‚Buchstabe') ist eine literarische Stilfigur oder ein rhetorisches Schmuckelement, bei der die …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Definition und Wirkung
  2. 2. Alliteration in Dichtung und Rhetorik
  3. 3. Alltag, Medien und Werbung
  4. 4. Sonderformen innerhalb eines Wortes

Definition und Wirkung

Alliteration ist eine literarische Stilfigur oder ein rhetorisches Schmuckelement: Die betonten Stammsilben benachbarter Wörter oder von Bestandteilen eines zusammengesetzten Wortes haben denselben Anfangslaut (Anlaut). Sie kann Zusammengehörigkeit betonen, Aussagen einprägsamer machen und einen Text klanglich auf phonologischer und musikalischer Ebene strukturieren.

Entscheidend ist der Laut, nicht der geschriebene Buchstabe. In phonetisch geschriebenen Sprachen stimmen bei einer Alliteration auch die Anfangsbuchstaben überein, etwa in „frank und frei“ oder „Mann und Maus“. Das Deutsche ist jedoch nicht rein phonetisch: Gleich geschriebene Anfangsbuchstaben ergeben nicht immer gleiche Laute. „schön und sauber“ ist keine Alliteration, weil <sch> in „schön“ [ʃ] wiedergibt, das s in „sauber“ dagegen [z]. Umgekehrt können gleiche Anlaute unterschiedlich geschrieben sein, etwa in „Der frühe Vogel fängt…“ [deɐˈfʁyːəˈfoːglˈfɛŋt].

Ein Tautogramm ist eine Sonderform, bei der jedes Wort mit demselben Buchstaben beginnt. Beruhen Verse regelhaft auf Alliteration, heißen sie alliterative Verse, Stabreim oder Alliterationsvers; der Stabreim ist also ein Sonderfall der Alliteration. Verwandte Klangfiguren sind Homoioteleuton mit gleichen Wortenden und Assonanz mit gleichen Binnenvokalen.

Alliteration in Dichtung und Rhetorik

Alliterationen sind in Dichtung und Rhetorik vieler Sprachen verbreitet. Beispiele aus der Antike sind Heraklits „Πόλεμος πάντων μὲν πατήρ ἐστι“ (Polemos panton men pater esti: „Der Krieg [kann auch im Sinne von Streit verstanden werden] ist der Vater aller Dinge“), Ennius’ „at tuba terribili sonitu taratantara dixit“ sowie Caesars „Veni, vidi, vici“ („Ich kam, ich sah, ich siegte“). „Veni, vidi, vici“ ist zugleich ein Asyndeton, also eine Reihung ohne verbindende Konjunktion.

In der germanischen Stabreimdichtung wurde die Alliteration zu einem strengen Gestaltungsprinzip. Die nordische Edda und das altenglische Beowulf-Gedicht verwenden alliterative Metren. Als frühester Beleg eines germanischen alliterierenden Stabreims gilt die Aufschrift auf einem Goldhorn von Gallehus: „ek hlewagastiz holtijaz horna tawido“ („Ich, Hlewagastiz, zu Holt gehörig, machte das Horn“).

Auch neuere Dichtung nutzt die Klangfigur, beispielsweise Wilhelm Jordans „Da wallen und wogen die Wipfel des Waldes“ und Richard Wagners „Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege!“. Das finnische Kalevala ist besonders reich an Alliterationen und verwendet dafür teilweise sogar sinnlose Wörter. In jüngerer Zeit kann Alliteration auch bewusst komisch wirken: Im G-Sketch von Heinz Erhardt beginnen alle Wörter mit G; der improvisiert wirkende Sketch ist einschließlich der scheinbaren Nachdenkpausen vollständig geplant.

Alltag, Medien und Werbung

Im Alltag erscheint Alliteration häufig in phraseologischen Zwillingsformeln wie „frank und frei“, „gang und gäbe“ und „klipp und klar“. Sie prägt außerdem Werbeslogans, weil sie leicht merkbar sind, etwa „Spiel, Spaß und Spannung“, „Milch macht müde Männer munter“, „Geiz ist geil“ oder „Weil einfach einfach einfach ist“.

Medien, besonders Boulevardmedien, setzen sie in Schlagzeilen ein, um Vorgänge zu dramatisieren oder zu karikieren, zum Beispiel „Schummel-Schumi“, „Tanga-Terror“, „Klima-Kleber“ oder „Habecks Heizungs-Hammer“. Auch Namen von Figuren, Produkten, Sendungen oder Gruppen sind oft alliterativ, etwa Donald Duck, Micky Maus, Peter Parker, Clark Kent, die Backstreet Boys und die Beach Boys. Die Ubuntu-Versionen verbinden jeweils ein Adjektiv und einen Tiernamen mit demselben Anfangsbuchstaben, zum Beispiel Warty Warthog, Breezy Badger oder Lucid Lynx.

Kinderreime und Zungenbrecher nutzen Alliteration ebenfalls. Beispiele sind „Wir Wiener Wäscherweiber wollten weiße Wäsche waschen, wenn wir wüssten, wo weiches warmes Wasser wär“ und „Zwischen zwei Zwetschgenzweigen zwitschern zwei Zeisige“. Fernsehsendungen können alliterierende Beschreibungen verwenden, um Aufnahmen zu überbetonen oder lächerlich zu machen.

Sonderformen innerhalb eines Wortes

Bei Wörtern wie „Wirrwarr“, „Schnickschnack“, „Mischmasch“, „Zickzack“, „Krimskrams“ und „Singsang“ beginnen beide Silben mit demselben Anlaut. Häufig ist die ganze Silbe bis auf den Vokal verdoppelt. Im Deutschen folgt der Vokal der zweiten Silbe oft der dritten Ablautreihe des Vokals der ersten Silbe; solche Wörter heißen alliterierend-ablautend. Teilweise liegt zugleich Lautmalerei oder Onomatopoesie vor: Der Klang ahmt die bezeichnete Sache oder den Vorgang nach.

Eine weitere Sonderform sind Intensiva mit der Bindesilbe -itze-, meist zur Verstärkung von Farbadjektiven in süd- und westdeutschen Mundartvarianten. Vermutlich geht die Bildung auf „Blitz“ zurück: Der Anlaut oder die ersten beiden Buchstaben des Adjektivs werden vorangestellt und mit -itze- verbunden. Beispiele sind „blitzeblau“, „gitzegelb“ – daraus vereinfacht „quittegelb“ –, „gritzegrau“, „gritzegrün“ und „ritzerot“. Entsprechende Bildungen gibt es auch bei anderen Eigenschaftswörtern, etwa „blitzeblank“, „britzebreit“ und „klitzeklein“. „Blitzeblank“ bedeutet dabei „blitzend blank“.

„Hitzeblitz“ bezeichnet einen aufbrausenden Menschen. Die analoge reguläre Bildung wäre „Blitzeblitz“; um die Wiederholung des ganzen Wortes zu vermeiden, entfiel der Anlaut, und die Form wurde später zu „Hitze“ umgedeutet.

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