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The Guardian
The Guardian [ðə ˈgɑːdɪən] ist eine britische Tageszeitung. Das Blatt ist die wichtigste britische Zeitung im linksliberalen Spektrum.
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Profil und Bedeutung
The Guardian ist eine britische, täglich erscheinende Tageszeitung in englischer Sprache. Sie wurde am 5. Mai 1821 in Manchester von John Edward Taylor gegründet und gilt als wichtigste britische Zeitung des linksliberalen Spektrums. Herausgeber ist die Guardian News & Media Ltd. (GNM), der Hauptsitz liegt im Londoner Stadtteil King’s Cross. Chefredakteurin ist Katharine Viner.
Die Zeitung richtet sich besonders an linksliberale, progressive und intellektuelle Großstadtbewohner, darunter Akademiker, Kulturschaffende und Studierende. Der Guardian unterscheidet sich damit politisch von vielen anderen britischen Tageszeitungen, die eher konservativ ausgerichtet sind. Seit Mai 2019 verwendet der House Style Guide für Umweltberichte bewusst zugespitzte Begriffe: Statt „Climate Change“ sollen beispielsweise „Climate emergency“, „crisis“ oder „breakdown“ verwendet werden.
Die verkaufte Auflage sank von 360.000 Exemplaren im ersten Halbjahr 2003 auf 158.000 im zweiten Halbjahr 2016 und auf 134.570 im April 2019. Für Juni 2019 werden 132.821 Exemplare und 0,695 Millionen Leser angegeben. Der kostenfreie Internetauftritt wird vor allem durch freiwillige Unterstützer finanziert. Im Geschäftsjahr April 2018 bis April 2019 erzielte GNM trotz des Verzichts auf eine Paywall einen Gewinn von 800.000 Pfund bei Gesamteinnahmen von 223 Millionen Pfund; 55 Prozent der Einnahmen stammten aus dem Digitalbereich. Die Zahl der freiwilligen Spender stieg von April 2019 bis April 2020 um 23 Prozent auf 821.000, die Zahl der Digitalabonnements um 39 Prozent auf 265.000. Im Geschäftsjahr 2021/22 gab es über eine Million regelmäßig zahlende digitale Unterstützer.
Unabhängige Eigentümerstruktur
Die besondere Eigentümerstruktur soll die redaktionelle und finanzielle Unabhängigkeit des Guardian sichern. 1936 übertrug John Russell Scott, der damalige Eigentümer des Manchester Guardian, die Familienanteile an eine Gruppe von Treuhändern. Dadurch wurde der Scott Trust Eigentümer der Zeitung.
Heute besteht die Struktur aus drei zentralen Organisationen:
- Der Scott Trust ist alleiniger Anteilseigner der Guardian Media Group. Sein Zweck ist es, die finanzielle und redaktionelle Unabhängigkeit des Guardian dauerhaft zu bewahren.
- Der Scott Trust Endowment ist ein aus dem Verkauf von Vermögenswerten gebildeter Fonds. Er investiert Kapital und erzielt damit Erträge, die den Journalismus des Guardian langfristig unterstützen sollen.
- Die Guardian Media Group besitzt Guardian News & Media und gibt die Zeitung sowie ihre Website heraus.
Von 1993 bis 2025 gehörte auch die Sonntagszeitung The Observer zur Guardian-Gruppe. Im Dezember 2024 erwarb Tortoise Media The Observer von der Scott Trust Limited; die Übergabe erfolgte am 22. April 2025.
Geschichte und Entwicklung
Bis 1959 hieß die Zeitung The Manchester Guardian. 1964 zog sie nach London um. 1992 übernahm sie die Anteilsmehrheit an der südafrikanischen Wochenzeitung Weekly Mail, die später Weekly Mail & Guardian und seit 1995 Mail & Guardian hieß. Am 13. September 2005 wechselte der Guardian vom Broadsheet- zum Berliner Format. Im Januar 2018 wurde die Printausgabe aus Spargründen auf das Tabloid-Format umgestellt und außerhalb des eigenen Betriebs bei Druckereien des Daily Mirror hergestellt.
C. P. Scott machte den Guardian überregional bekannt. Er war ab 1872 insgesamt 57 Jahre lang Herausgeber und wurde 1907 Eigentümer. Unter seiner Leitung unterstützte die Zeitung unter anderem William Ewart Gladstone, wandte sich gegen die verbreitete Zustimmung zum Zweiten Burenkrieg und befürwortete das Frauenwahlrecht, lehnte jedoch militante Aktionen der Suffragetten ab. Scotts Freundschaft mit Chaim Weizmann beeinflusste dessen Kontakt zu David Lloyd George und damit den politischen Zusammenhang der Balfour-Deklaration von 1917. 1948 unterstützte der Guardian den Staat Israel, nahm später jedoch eine israelkritische Position im israelisch-palästinensischen Konflikt ein.
Unter Chefredakteur Alan Rusbridger begann der Guardian im Juni 2006, Artikel zuerst im Internet und erst danach in der Printausgabe zu veröffentlichen. 2009 war die Website mit 26 Millionen monatlichen Nutzern die sechstgrößte Website einer Tageszeitung weltweit. Seit 2009 besteht eine Kooperation mit der deutschsprachigen Wochenzeitung der Freitag. Seit 2011 ermöglicht ein Blog kollaborativen Journalismus, indem Leser Themen kommentieren, Informationen liefern und bei Recherchen helfen. Von 2005 bis 2012 bemühte sich der Guardian außerdem juristisch um die Veröffentlichung von Briefen des damaligen Prinzen Charles an Ministerien; im September 2012 gab ein britisches Gericht für Informationsfreiheit dem Anliegen statt.
Spionageaffäre und journalistische Auszeichnungen
Ab Mai 2013 veröffentlichte Glenn Greenwald im Guardian Informationen über die Überwachungsprogramme PRISM der USA und Tempora Großbritanniens. Edward Snowden gab sich im Juni 2013 als Informant zu erkennen. Am 28. Juni 2013 wurde bekannt, dass die US Army Teile der Guardian-Website in ihren internen Netzen sperrte. Bereits im Dezember 2010 hatte die US Air Force ihren Mitarbeitern den Zugriff auf den Guardian, die New York Times, Le Monde und Spiegel Online blockiert, weil dort von WikiLeaks veröffentlichte US-Diplomatendepeschen zugänglich waren.
Alan Rusbridger schrieb am 19. August 2013, die britische Regierung habe wegen der Snowden-Veröffentlichungen starken Druck ausgeübt und mit einer Klage gedroht. Um einen Rechtsstreit zu vermeiden, der die weitere Berichterstattung möglicherweise monatelang verhindert hätte, wurden unter Aufsicht von Agenten des Government Communications Headquarters zwei Festplatten mit Informationen zerstört. Außerdem wurde David Miranda, der Ehemann von Glenn Greenwald, am Flughafen London Heathrow fast neun Stunden festgehalten. Er musste Laptop, Smartphone und Passwörter an Sicherheitsbehörden übergeben.
Für die Recherchen erhielten The Guardian und Glenn Greenwald 2013 den Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig. Im April 2014 wurde der Guardian beziehungsweise seine US-Website gemeinsam mit der Washington Post mit dem Pulitzer-Preis für „Dienst an der Öffentlichkeit“ ausgezeichnet.
Finanzielle Konsolidierung und Unterstützermodell
Die Guardian Media Group verkaufte schrittweise Nebenunternehmen, um sich auf den Zeitungskern zu konzentrieren. 2007 veräußerte sie 49,99 Prozent an der Trader Media Group, die unter anderem ein großes Onlineportal für gebrauchte Autos betrieb; der Kaufpreis beruhte auf einer Bewertung von 1,35 Milliarden Pfund. 2010 trennte sich die Gruppe von ihren Regionalzeitungen, 2014 verkaufte sie die zweite Hälfte der Trader Media Group.
Aus diesen Verkäufen entstand im Juli 2014 ein Kapitalstock von 838,3 Millionen Pfund, der die Unabhängigkeit des Guardian langfristig sichern sollte. Weil sich die Einnahmen zunächst schlechter entwickelten, kündigte die Verlagsleitung im Januar 2015 an, Redaktion und Verwaltung innerhalb von drei Jahren um 20 Prozent zu verkleinern. Der Umsatz im Finanzjahr 2015 betrug 209,5 Millionen Pfund, während der Verlust von 14,7 Millionen auf 68,7 Millionen Pfund stieg. Für die USA wurde im September 2016 ein Stellenabbau um ein Drittel von 140 auf knapp 100 Stellen angekündigt.
2015 führte der Guardian ein Unterstützermodell ein: Unterstützer zahlten 5 Pfund monatlich, Partner 15 Pfund und Patrons 60 Pfund. Anfang 2017 gab es 200.000 Unterstützer, Mitte 2018 bereits 570.000. Im November 2021 wurde nach eigenen Angaben die Marke von einer Million Unterstützern erreicht. Das Modell sollte eine Paywall vermeiden. 2018 wurden außerdem 300 Arbeitsplätze in Redaktion und Verlag abgebaut. Das Steuerjahr 2018/19 endete mit 800.000 Pfund Gewinn, erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten. Wegen der COVID-19-Pandemie wurden im Juli 2020 weitere 180 Stellen, darunter 70 in der Redaktion, gestrichen. 2021/22 meldete die Guardian Media Group Einnahmen von 255,8 Millionen Pfund, darunter 76 Millionen Pfund aus digitalen Lesereinnahmen, und einen Gewinn aus Geschäftstätigkeit von 11,7 Millionen Pfund. Im Februar 2021 wurde der Kolumnist Nathan J. Robinson nach einer ironischen Äußerung auf Twitter über US-Militärhilfe für Israel entlassen.
Internationale Ausgabe und Auszeichnungen
The Guardian Weekly ist eine 1919 gegründete internationale englischsprachige Wochenzeitung. Sie fasst Artikel des Guardian und des Observer, Beiträge der Washington Post sowie ins Englische übersetzte Artikel von Le Monde zusammen.
Der Guardian gehört zu den am häufigsten ausgezeichneten britischen Zeitungen und war von 2012 bis 2022 nach der Times die zweithäufigste prämierte Zeitung Großbritanniens. Bei den British Press Awards wurde er 1999, 2006, 2011, 2014 und 2023 zur „Zeitung des Jahres“ gewählt. 2023 erhielt er für seine Gesamtberichterstattung in Print und Online den Titel „Daily Newspaper of the Year“. Bei den British Journalism Awards wurde er 2023 als „Nachrichtenanbieter des Jahres“ ausgezeichnet; 2024 kamen Preise für Feature- und Sportjournalismus hinzu.
2022 gewann der Guardian gemeinsam mit der Washington Post und dem Forbidden Stories Network den George Polk Award für Technologie-Berichterstattung zum Pegasus-Projekt. 2024 erhielten der Guardian und The Observer sechs Press Awards, unter anderem für Nachrichten-, Wirtschafts- und Finanzjournalismus, Sportfotografie, Karikatur, Kritik und das Projekt „Cotton Capital“ für Exzellenz in Diversität. Der tägliche Podcast Today in Focus gewann 2023 bei den British Podcast Awards Gold als bester Nachrichten- und Aktualitätenpodcast.