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Abraham Lincoln

Lincolns Präsidentschaft gilt als eine der bedeutendsten in der Geschichte der Vereinigten Staaten: Nach der Wahl des Sklavereigegners traten elf der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Überblick
  2. 2. Herkunft, Bildung und politischer Aufstieg
  3. 3. Sklaverei, Nord-Süd-Konflikt und Weg ins Präsidentenamt
  4. 4. Sezession und Führung im Bürgerkrieg
  5. 5. Sklavenbefreiung, Indianerpolitik und Wiederwahl
  6. 6. Kriegsende, Attentat und Erinnerung

Bedeutung und Überblick

Abraham Lincoln (* 12. Februar 1809 bei Hodgenville, Kentucky; † 15. April 1865 in Washington, D.C.) war von 1861 bis 1865 der 16. Präsident der Vereinigten Staaten. Er war der erste Präsident der Republikanischen Partei, wurde 1860 gewählt und 1864 wiedergewählt. Seine Präsidentschaft ist vor allem wegen des Sezessionskriegs bedeutsam: Elf sklavenhaltende Südstaaten traten aus der Union aus und bildeten die Konföderierten Staaten von Amerika. Lincoln führte die Nordstaaten zum Sieg, stellte die Union wieder her und trug durch die Emanzipationsproklamation sowie den 13. Zusatzartikel zur rechtlichen Abschaffung der Sklaverei bei.

Unter seiner Regierung entwickelte sich die USA weiter zu einem zentral regierten modernen Industriestaat. Lincoln war außerdem der erste US-Präsident, der einem Attentat zum Opfer fiel.

Herkunft, Bildung und politischer Aufstieg

Lincoln wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Seine Eltern waren Thomas Lincoln und Nancy Hanks Lincoln. Nach dem Tod seiner Mutter 1818 unterstützte ihn seine Stiefmutter Sarah Bush Johnston in seinem Bildungsstreben. Er besuchte Schulen nur unregelmäßig und insgesamt zwischen dem 11. und 15. Lebensjahr nicht länger als ein Jahr. Den größten Teil seiner Bildung erwarb er als Autodidakt, also im Selbststudium. Besonders prägten ihn die King-James-Bibel, Shakespeare sowie Werke von Homer, Vergil, John Milton und Daniel Defoe.

1830 zog die Familie nach Illinois. Lincoln arbeitete unter anderem als Kaufmannsgehilfe, Landvermesser und Posthalter. 1832 nahm er als Freiwilliger am Kriegszug gegen die Sauk unter Black Hawk teil, ohne zu kämpfen. Seine Kameraden wählten ihn zum Captain. Als Whig kandidierte er für das Repräsentantenhaus von Illinois und wurde 1834 gewählt; bis 1842 behielt er sein Mandat. Er setzte sich für Verkehrswege und Schulen ein. 1837 erklärte er öffentlich, die Sklaverei beruhe auf „Ungerechtigkeit und schlechte Politik“.

Lincoln studierte Rechtswissenschaften selbstständig, wurde 1836 als Anwalt zugelassen und gründete 1837 in Springfield eine Kanzlei. 1842 heiratete er Mary Todd. Von ihren vier Söhnen erreichte nur Robert Todd Lincoln das Erwachsenenalter. Von 1847 bis 1849 gehörte Lincoln dem US-Repräsentantenhaus an. Dort wandte er sich gegen Präsident James K. Polks Krieg gegen Mexiko und beantragte 1849 eine Beschränkung der Sklaverei im District of Columbia. Danach zog er sich zunächst aus der Politik zurück.

Sklaverei, Nord-Süd-Konflikt und Weg ins Präsidentenamt

Nord- und Südstaaten unterschieden sich wirtschaftlich und politisch stark. Der agrarische Süden exportierte vor allem Baumwolle und Tabak und befürwortete Freihandel sowie weitgehende Rechte der Einzelstaaten. Der industrialisierende Norden wollte Schutzzölle, eine starke Zentralmacht und Infrastrukturmaßnahmen. Entscheidend war die Sklaverei: Die Zahl der versklavten Afroamerikaner stieg von 500.000 im Jahr 1780 auf 4 Millionen im Jahr 1860. Die 1793 erfundene Cotton Gin erhöhte die Effizienz der Baumwollentkörnung um das Fünfzigfache und machte Baumwollanbau mit Sklavenarbeit besonders profitabel.

Der Missouri-Kompromiss von 1820 verbot Sklaverei in neuen Staaten nördlich von etwa 36° 30′ nördlicher Breite, mit Ausnahme Missouris. Der Kansas-Nebraska Act vom 30. Mai 1854 erlaubte den Territorien Kansas und Nebraska jedoch, selbst über Sklaverei zu entscheiden. In „Bleeding Kansas“ kämpften daraufhin Sklavereibefürworter und Anhänger der Free-Soil-Bewegung. Das Urteil Dred Scott v. Sandford von 1857 sprach Afroamerikanern grundsätzlich Bürgerrechte ab und bestritt dem Kongress das Recht, Sklaverei in Staaten oder Territorien zu verbieten. John Browns gescheiterter Überfall auf Harpers Ferry am 16. Oktober 1859 verschärfte den Konflikt weiter.

Nach dem Kansas-Nebraska Act kehrte Lincoln in die Politik zurück und gründete 1856 in Illinois einen republikanischen Parteiverband mit. Er war ein gemäßigter Gegner der Sklaverei: Er verurteilte sie moralisch, wollte sie aber zunächst nicht dort antasten, wo sie rechtlich bereits bestand. Ihre Ausbreitung in neue Gebiete lehnte er ab. In seiner House-Divided-Rede vom 16. Juni 1858 erklärte er, eine Regierung könne nicht dauerhaft „halb für die Sklaverei“ und „halb für die Freiheit“ bestehen. In sieben Lincoln-Douglas-Debatten gewann er landesweite Bekanntheit, verlor aber die Senatswahl gegen Stephen A. Douglas.

Am 18. Mai 1860 nominierten die Republikaner Lincoln als Kompromisskandidaten. Bei der Wahl vom 6. November 1860 gewann er mit fast 1,9 Millionen Stimmen 40 % der Wählerstimmen und 180 Wahlmännerstimmen; zusammen mit Hannibal Hamlin erhielt er 59 % der Wahlmännerstimmen. Er gewann keinen Wahlbezirk im Süden, doch die Spaltung der Demokratischen Partei zwischen Douglas und John C. Breckinridge ermöglichte seinen Sieg.

Sezession und Führung im Bürgerkrieg

Lincolns Wahl war nach dem Artikel nicht die Ursache, aber der Anlass der Sezession. Noch vor seinem Amtsantritt trat South Carolina am 20. Dezember 1860 aus der Union aus. Es folgten Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas; später auch Virginia, North Carolina, Tennessee und Arkansas. Jefferson Davis wurde am 9. Februar 1861 Präsident der Konföderierten Staaten von Amerika. Lincoln trat sein Amt am 4. März 1861 an, wollte nicht zuerst Gewalt anwenden, bestand aber auf der Einheit der Union.

Am 12. April 1861 beschossen konföderierte Truppen Fort Sumter; damit begann der Krieg. Lincoln berief zunächst 75.000 Milizsoldaten für 90 Tage ein, ordnete eine Seeblockade konföderierter Häfen an und vergrößerte die Streitkräfte bis zum Frühsommer auf rund 174.000 Soldaten und Matrosen. Ohne vorherige Zustimmung des Kongresses schränkte er zudem Grundrechte wie Pressefreiheit und Habeas Corpus ein und ließ mutmaßliche Spione festnehmen. Der Kongress bestätigte diese Notstandsmaßnahmen im Juli 1861 nachträglich.

Die Niederlage bei Bull Run am 21. Juli 1861 zeigte, dass ein langer Krieg bevorstand. Die Regierung führte erstmals in der US-Geschichte die allgemeine Wehrpflicht ein; dies löste Anfang Juli 1863 die Einberufungskrawalle in New York aus. Mit dem False Claims Act vom 2. März 1863, auch „Lincoln Law“, sollte Betrug durch Heereslieferanten bekämpft werden. Lincoln eignete sich militärische Kenntnisse im Selbststudium an. Er ersetzte zögerliche oder erfolglose Befehlshaber wie George B. McClellan, Ambrose Burnside und Joseph Hooker schließlich durch Ulysses S. Grant und William Tecumseh Sherman, die die Konföderation in langen und blutigen Kämpfen besiegten.

Für Lincoln war das oberste Kriegsziel zunächst die Rettung der Union. In einem Brief an Horace Greeley vom 22. August 1862 erklärte er, er würde die Union retten, ob dazu keine, alle oder nur einige Sklaven befreit werden müssten. Zugleich sah er im Krieg eine Grundsatzfrage: Eine Demokratie könne nicht bestehen, wenn eine Minderheit eine demokratische Mehrheitsentscheidung gewaltsam ablehnen könne. Hinter dem Streit über Einzelstaatenrechte stand nach dem Artikel jedoch vor allem die Sklaverei.

Sklavenbefreiung, Indianerpolitik und Wiederwahl

Lincoln war kein radikaler Abolitionist. Zunächst dachte er an eine schrittweise Abschaffung der Sklaverei und an Entschädigung der Sklavenhalter. Im Krieg wurde die Befreiung für ihn zugleich ein Mittel, den Süden wirtschaftlich und militärisch zu schwächen. Nach dem Sieg der Union bei Antietam kündigte er die Emanzipationsproklamation an. Sie trat am 1. Januar 1863 in Kraft und erklärte alle Menschen, die in Gebieten der gegen die USA rebellierenden Staaten versklavt waren, „fortan und für immer frei“. Sie galt zunächst nicht für die loyalen Sklavenstaaten, machte die Befreiung aber zum offiziellen Kriegsziel der Union. England und Frankreich konnten deshalb nicht aktiv für die Konföderation in den Krieg eingreifen.

1862 unterzeichnete Lincoln den Homestead Act, der 1863 in Kraft trat. Erwachsene konnten sich auf unbesiedeltem Land niederlassen und 160 Acre, etwa 64 ha, erwerben. Nach fünfjähriger Bewirtschaftung oder nach Zahlung von 200 US-Dollar bereits nach einem halben Jahr wurden sie Eigentümer. Das Gesetz schuf Rechtssicherheit für Siedler, erleichterte aber die Enteignung indianischer Gebiete und verstärkte die Verdrängung besonders nomadischer Gruppen in Reservate. Nach dem Sioux-Aufstand in Minnesota wurden 303 Männer zum Tode verurteilt; nach Überprüfungen im Auftrag Lincolns wurden 38 gehängt. Dies war die größte Massenhinrichtung der amerikanischen Geschichte. Das Sand-Creek-Massaker vom 29. November 1864, bei dem Soldaten 273 friedliche Cheyenne und Arapaho töteten, fiel ebenfalls in Lincolns Amtszeit.

Nach den Siegen bei Gettysburg, Vicksburg und Chattanooga 1863 wuchs die Chance auf einen Unionssieg. Im Sommer 1864 war Lincoln dennoch unpopulär. Die Einnahme Atlantas durch Sherman am 2. September und Sheridans Sieg im Shenandoahtal am 19. Oktober verbesserten seine Lage. Am 8. November 1864 wurde Lincoln mit 55 % der Wählerstimmen und 212 von 233 Wahlmännerstimmen gegen McClellan wiedergewählt. Sein Vizepräsident wurde der unionstreue Demokrat Andrew Johnson.

Lincoln setzte sich danach für den 13. Zusatzartikel ein. Das Repräsentantenhaus stimmte am 31. Januar 1865 mit der nötigen Zweidrittelmehrheit zu. Lincoln plante eine milde Wiedereingliederung der Südstaaten: Ein Staat sollte wieder gleichberechtigt aufgenommen werden, sobald ein Zehntel seiner Bürger der Union Treue geschworen hatte.

Kriegsende, Attentat und Erinnerung

Am 3. April 1865 eroberten Grants Truppen Richmond. Am 9. April kapitulierte Robert E. Lees Armee bei Appomattox Court House, am 26. April ergaben sich die Truppen Joseph E. Johnstons. Lincoln erlebte den endgültigen Sieg nicht mehr. Am Abend des 14. April 1865 schoss der südstaatliche Sympathisant und Schauspieler John Wilkes Booth im Ford’s Theatre in Washington, D.C., von hinten auf ihn. Lincoln starb am 15. April um 7:22 Uhr im Petersen House, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Andrew Johnson wurde noch am selben Tag Präsident.

Das Attentat gehörte zu einer Verschwörung gegen weitere Regierungsmitglieder. Lewis Powell verletzte Außenminister William H. Seward schwer; George Atzerodt führte den geplanten Angriff auf Johnson nicht aus. Booth wurde am 26. April getötet. Powell, Atzerodt, David Herold und Mary Surratt wurden am 7. Juli 1865 gehängt. Lincoln wurde am 5. Mai 1865 in Springfield beigesetzt. Der 13. Zusatzartikel trat am 18. Dezember 1865 in Kraft und verbot die Sklaverei in den USA endgültig.

Nach seinem Tod wurde Lincoln als Bewahrer der Union und als Sklavenbefreier verehrt. Historiker und US-Bevölkerung bewerten ihn in Umfragen zusammen mit George Washington und Franklin D. Roosevelt regelmäßig als einen der drei besten US-Präsidenten. An ihn erinnern unter anderem das Lincoln Memorial in Washington, D.C., sein Porträt auf dem 5-Dollar-Schein und der 1-Cent-Münze sowie sein Kopf am Mount Rushmore. Im Lincoln Memorial hielt Martin Luther King 1963 seine Rede I Have a Dream.

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