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Thanksgiving
Thanksgiving (englisch für „Danksagung“) ist ein in den Vereinigten Staaten und Kanada gefeiertes Erntedankfest, dessen Form stark von der europäischen …
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Kern und Bedeutung
Thanksgiving ist ein Erntedankfest, das vor allem in den Vereinigten Staaten und Kanada gefeiert wird. Der Name bedeutet auf Deutsch „Danksagung“. Obwohl es mit europäischen Erntedanktraditionen verwandt ist, hat es in Nordamerika eine eigene Form entwickelt.
In den Vereinigten Staaten ist Thanksgiving Day ein staatlicher Feiertag am vierten Donnerstag im November. Das Fest hat dort einen nationalen Charakter, weil es Elemente aus dem Pionierleben der Pilgerväter der Plymouth Colony aufgreift. Zugleich ist Thanksgiving in den USA das wichtigste Familienfest. Viele Familien laden auch Freunde oder andere Gäste ein.
Im Mittelpunkt steht eine große gemeinsame Mahlzeit, meist ein Abendessen. Weil sich oft mehrere Generationen treffen und Familienmitglieder über das ganze Land verteilt leben, kommt es rund um Thanksgiving auf Flughäfen und Straßen zu besonders starkem Verkehr, stärker als zu anderen Jahreszeiten.
In Kanada wird Thanksgiving am zweiten Montag im Oktober gefeiert. In den meisten Provinzen ist es ein Feiertag und bildet dadurch eines der beliebten langen Wochenenden.
Frühe Ursprünge
Für den Beginn von Thanksgiving-Festlichkeiten gibt es unterschiedliche Ansichten. Die erste bekannte Erntedankfestlichkeit in Nordamerika fand am 23. Mai 1541 statt. Francisco Vásquez de Coronado und der Stamm der Caddo feierten im Gebiet des heutigen Texas die Entdeckung von Nahrungsmitteln durch die Expedition der Spanier.
Ein ähnliches Fest gab es am 8. September 1565 in St. Augustine in Florida, wo Pedro Menéndez de Avilés und seine Leute ihre sichere Landung in der „Neuen Welt“ feierten. Das erste anglophone, also englischsprachige, Erntedankfest fand möglicherweise 1578 auf Neufundland statt. Dort feierte der Seefahrer Martin Frobisher die sichere Rückkehr von einer Expedition zur Suche nach der Nordwestpassage. Ein weiteres Fest wurde am 4. August 1619 in Jamestown in Virginia begangen, als 38 Kolonisten ihre Ankunft aus England feierten.
Besonders wichtig für die heutige Erinnerung ist das dreitägige Erntedankfest im Herbst 1621 in Plymouth in Massachusetts. Die Pilgerväter hatten dort eine Siedlung gegründet und feierten zusammen mit den einheimischen Wampanoag. Nach dem Brief des Pilgervaters und Augenzeugen Edward Winslow nahmen ungefähr 90 Wampanoag und 50 Kolonisten an der Feier teil. Ohne die Hilfe der Wampanoag hätten die Pilgerväter ihren ersten Winter 1620–1621 nicht überlebt.
Ureinwohner weisen darauf hin, dass ihre eigenen Erntedankfeste bereits viele Jahre früher stattgefunden hätten; der genaue Beginn dieser Feiern ist jedoch nicht belegt. Sowohl die Amerikaner als auch die Kanadier führen ihr heutiges Thanksgiving auf das Fest von 1621 zurück. Nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg brachten Loyalisten das amerikanische Thanksgiving nach Kanada.
Entwicklung zum Feiertag
Ein wichtiger Schritt zur staatlichen Tradition war der 3. Oktober 1789: George Washington propagierte damals als US-Präsident einen ersten Thanksgiving-Tag. Abraham Lincoln legte am 3. Oktober 1863 den Termin des nationalen Feiertags auf den letzten Donnerstag im November jedes Jahres fest.
1939 versuchte Franklin D. Roosevelt, Thanksgiving auf den vorletzten Donnerstag im November zu verschieben. Der Grund war wirtschaftlich: Eine längere Einkaufssaison vor Weihnachten sollte die Konjunktur ankurbeln. Der November 1939 hatte fünf Donnerstage. In den folgenden zwei Jahren galten in einzelnen Bundesstaaten teilweise widersprüchliche Regelungen. 1941 legte der Kongress als Kompromiss den vierten Donnerstag im November als Feiertag fest.
In Kanada wird Thanksgiving am zweiten Montag im Oktober gefeiert, dem Columbus Day. Lange war das Fest wegen dieses Zusammenhangs am 12. Oktober gefeiert worden. Mit der Verschiebung des Columbus Day auf den zweiten Montag im Oktober „wanderte“ auch Thanksgiving auf diesen Termin.
Bräuche und Essen
In den USA ist Thanksgiving ein staatlicher Feiertag am vierten Donnerstag im November. Viele Arbeitnehmer nehmen sich zusätzlich den Freitag frei, um das Wochenende zu verlängern. Schulen und Universitäten machen daraus häufig eine vier- bis fünftägige unterrichtsfreie Zeit. Der Freitag nach Thanksgiving wird Black Friday genannt.
Obwohl Thanksgiving ein nationaler Feiertag ist, wird er jedes Jahr erst wenige Tage vorher offiziell vom Präsidenten der Vereinigten Staaten proklamiert. In dieser Proklamation spricht der Präsident regelmäßig wichtige Ereignisse des vergangenen oder kommenden Jahres an und bringt den Dank der Nation an Gott zum Ausdruck.
Das traditionelle Thanksgiving-Essen besteht aus Speisen, die es nach der Überlieferung schon beim ersten Thanksgiving-Fest gegeben haben soll. Typisch ist ein gefüllter, gebratener Truthahn, auf Englisch Roasted oder Stuffed Turkey. Dazu kommen häufig Cranberry-Sauce, Süßkartoffeln, heißer Apfelkuchen, kalter Pumpkin Pie sowie Gemüse wie Erbsen und Mais.
Im Weißen Haus gibt es die National Thanksgiving Turkey Presentation. Dabei überreichen Industrieverbände dem Präsidenten jedes Jahr einen Truthahn. Seit den 1990er-Jahren „begnadigen“ die Präsidenten das Tier üblicherweise, sodass es nicht geschlachtet wird.
Das Essen wird oft von einem Tischgebet begleitet. In manchen Familien oder Freundeskreisen sagt jede Person der Reihe nach, wofür sie in diesem Jahr besonders dankbar ist. Die Bräuche unterscheiden sich stark. Ein Beispiel ist das Brechen des getrockneten Gabelbeins, des „Wishbone“, vom Truthahn: Zwei Personen ziehen es mit dem kleinen Finger auseinander, bis es bricht. Wer das größere Stück erhält, hat einen Wunsch frei. Anders als zu Weihnachten sind Geschenke zu Thanksgiving unüblich.
Kritik und besondere Konstellationen
Thanksgiving wird unter amerikanischen Ureinwohnern kontrovers diskutiert. Ein Grund ist die Gewaltgeschichte, die mit der europäischen Besiedlung Nordamerikas verbunden ist. Squanto konnte beim Fest der Pilgerväter Englisch sprechen, weil er zuvor zusammen mit anderen Wampanoag von Kapitän Thomas Hunt nach England verschleppt worden war. Später wurden die Wampanoag durch von Siedlern eingeschleppte Krankheiten und Kriege stark dezimiert und schließlich in Reservate gesperrt. Während der weiteren Besiedlung wurden einige Indianerstämme vollständig vernichtet, andere in Reservate gedrängt. Viele Nachkommen der Überlebenden sehen daher wenig Sinn darin, die Ankunft der Pilgerväter zu feiern.
Eine seltene Besonderheit ist die Verbindung von Thanksgiving mit Chanukka, dem jüdischen Lichterfest. Diese Kombination wird mit dem Kofferwort Thanksgivukkah bezeichnet. Sie entsteht wegen der Unterschiede zwischen jüdischem und gregorianischem Kalender nur selten. Die letzten Zusammentreffen waren 1918 und 2013; künftige sind für die Abende von Donnerstag, dem 27. November 2070, und Donnerstag, dem 28. November 2165, genannt. Zu diesem Anlass wurde eine Chanukkia-Variante namens Menorkey geschaffen, ein Kofferwort aus Menora und Turkey, dem englischen Wort für Truthahn. Dabei werden Chanukkakerzen in die Schwanzfedern eines Truthahns aus Porzellan gesteckt.
Einkaufstag nach dem Fest
Der Black Friday ist der Freitag nach Thanksgiving. Im Einzelhandel werden an diesem Tag traditionell hohe Rabatte angeboten. Viele Menschen nutzen ihn für die ersten Weihnachtseinkäufe. Ab diesem Zeitpunkt wird in der Öffentlichkeit zunehmend weihnachtlich dekoriert.
Für die Wirtschaft gilt der Umsatz am Black Friday als wichtiger Stimmungsindikator, also als Hinweis darauf, wie stark die Kauflaune und die wirtschaftliche Entwicklung eingeschätzt werden.