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Kanada
Kanada (englisch und französisch Canada) ist ein föderaler Staat in Nordamerika, der zwischen dem Atlantik im Osten und dem Pazifik im Westen liegt und …
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Staat, Raum und Natur
Kanada ist ein föderaler Staat in Nordamerika zwischen Atlantik, Pazifik und Arktischem Ozean. Hauptstadt ist Ottawa, größte Stadt Toronto. Mit 9.984.670 km² ist Kanada nach Russland der zweitgrößte Staat der Erde, hat aber nur etwa 40 Millionen Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von rund 4,2 Einwohnern je km². Es grenzt an die USA, an Saint-Pierre und Miquelon sowie seit der Teilung der Hans-Insel 2022 auch auf dem Landweg an Grönland. Die Grenze zu den USA ist 8890 km lang, die Küstenlinie mit 243.042 km die längste der Welt.
Kanada umfasst zehn Provinzen und drei Territorien. Ontario und Québec bilden das bevölkerungsreiche Zentralkanada; British Columbia, Alberta, Saskatchewan und Manitoba liegen im Westen. New Brunswick, Prince Edward Island, Nova Scotia sowie Neufundland und Labrador bilden die Atlantischen Provinzen. Yukon, Nordwest-Territorien und Nunavut liegen im Norden. Die Provinzen besitzen weitreichende eigene Gesetzgebungskompetenzen, etwa für Bildung, Gemeinden, Eigentumsrecht und Rohstoffe; in den Territorien übernimmt der Bund mehr Verwaltungsaufgaben.
Der Kanadische Schild mit bis zu 4,03 Milliarden Jahre alten Gesteinen bedeckt fast die Hälfte des Landes. Weitere Großlandschaften sind die Ebenen an den Großen Seen und am Sankt-Lorenz-Strom, die Prärien sowie die Gebirge im Westen. Höchster Berg ist der 5959 m hohe Mount Logan. Der 3058 km lange Sankt-Lorenz-Strom verbindet die Großen Seen mit dem Atlantik. Rund zwei Millionen Seen bedecken 7,6 % der Landmasse; der größte vollständig in Kanada gelegene See ist der Große Bärensee mit 31.153 km².
Das Klima reicht vom Polar- bis zum gemäßigten Klima. Meist herrschen lange, kalte Winter und kurze, heiße Sommer. Die gemessenen Extreme reichen von −63 °C in Snag am 3. Februar 1947 bis 49,6 °C in Lytton am 28. Juni 2021. Rund 70 % des Landes bestehen aus großen Naturgebieten. Tundra, boreale Nadelwälder, Misch- und Laubwälder, Prärien und pazifische Regenwälder bieten Lebensraum unter anderem für Eisbären, Karibus, Elche, Bären, Bisons und zahlreiche Zugvögel. Schutz bieten 44 Nationalparks sowie weit über tausend Provinzparks und Reservate.
Geschichtliche Entwicklung
First Nations besiedelten das Gebiet spätestens vor 12.000 Jahren, Inuit folgten vor rund 5000 Jahren. In verschiedenen Regionen entstanden eigenständige Kulturen: An den Küsten prägten Fischfang, Walfang, Plankenhäuser und später monumentale Schnitzwerke das Leben; in den Plains waren Bisonjagd, Tipis und Pemmikan wichtig; an den Großen Seen entwickelten sich dauerhafte Dörfer und Landwirtschaft. Aus arktischen Kulturen ging wahrscheinlich die bis etwa 1800 bestehende Thule-Kultur hervor, deren Angehörige Vorfahren der heutigen Inuit sind.
Um das Jahr 1000 bestand in L’Anse aux Meadows kurzzeitig eine Wikingersiedlung. Giovanni Caboto nahm 1497 Neufundland für England in Besitz. Jacques Cartier erkundete 1534/35 den Sankt-Lorenz-Raum für Frankreich. Samuel de Champlain gründete 1605 Port Royal und 1608 Québec als dauerhafte Siedlungen Neufrankreichs. Nach mehreren Kriegen musste Frankreich 1763 fast alle nordamerikanischen Besitzungen an Großbritannien abtreten. Der Quebec Act von 1774 sicherte der französischsprachigen Bevölkerung französisches Zivilrecht, öffentliche Verwendung des Französischen und freie Religionsausübung.
Nach der amerikanischen Unabhängigkeit kamen etwa 50.000 Loyalisten nach Kanada. 1791 wurde Québec in das englischsprachige Oberkanada und das französischsprachige Niederkanada geteilt. Nach den Rebellionen von 1837 vereinigte der Act of Union 1840 beide zur Provinz Kanada. Im Westen kontrollierte zunächst besonders die Hudson’s Bay Company große Gebiete und den Pelzhandel.
Das Verfassungsgesetz von 1867 schuf am 1. Juli aus Ontario, Québec, New Brunswick und Nova Scotia das Dominion Kanada. Es folgten unter anderem Manitoba 1870, British Columbia 1871, Prince Edward Island 1873, Alberta und Saskatchewan 1905 sowie Neufundland 1949. Eisenbahnbau und Einwanderung erschlossen den Westen. Gleichzeitig wurden indigene Völker durch Reservate, Verbote und Zwangsassimilation entrechtet; auf Bundesebene erhielten sie erst 1960 das volle Wahlrecht.
Kanada nahm an beiden Weltkriegen teil. Das Statut von Westminster gewährte 1931 gesetzgeberische Unabhängigkeit. Seit dem Amtssprachengesetz von 1969 ist der Staat offiziell zweisprachig. Das Verfassungsgesetz vom 17. April 1982 beseitigte die letzten verfassungsrechtlichen Bindungen an Großbritannien und verankerte die Charta der Rechte und Freiheiten. Unabhängigkeitsreferenden in Québec scheiterten 1980 mit 59,6 % Gegenstimmen und 1995 äußerst knapp bei 49,4 % Zustimmung. 1999 entstand Nunavut als erstes Territorium mit indigener Bevölkerungsmehrheit.
Bevölkerung und gesellschaftliche Vielfalt
Die Volkszählung 2021 ermittelte 37,0 Millionen Einwohner. Fast vier Fünftel leben in Städten, überwiegend in einem höchstens 350 km breiten Streifen entlang der US-Grenze. Besonders dicht besiedelt ist der Québec-Windsor-Korridor mit Toronto, Montreal, Ottawa und weiteren Großstädten; weite Teile des Nordens sind nahezu menschenleer.
Kanada ist ein Einwanderungsland: 2020 waren rund 21 % der Bevölkerung im Ausland geboren. Laut Zensus 2021 gehörten 26,5 % einer „visible minority“ an, vor allem Südasiaten mit 7,1 %, Chinesen mit 4,7 % und Schwarze mit 4,3 %. Von 2016 bis 2021 wuchs die Bevölkerung um 5,2 %, den höchsten Wert der G7. 2022 betrug die statistische Kinderzahl je Frau 1,3 und die Lebenserwartung 81,3 Jahre.
Als indigene Hauptgruppen gelten First Nations, Inuit und Métis. 2006 ordneten sich 1.172.790 Menschen einer indigenen Gruppe zu. 185.960 Kanadier sprachen 2001 eine von 50 indigenen Sprachen. Landrechte, Rohstoffabbau und die Folgen der früheren Assimilierungspolitik bleiben wichtige Konfliktthemen. Nunavut besitzt eine mehrheitlich indigene Bevölkerung.
Englisch und Französisch sind auf Bundesebene gleichberechtigte Amtssprachen. Bundesinstitutionen und Bundesgerichte müssen beide verwenden, und sprachliche Minderheiten besitzen garantierte Schulrechte. Québec hat Französisch als alleinige Amtssprache; New Brunswick ist verfassungsrechtlich zweisprachig. In Nunavut ist Inuktitut Mehrheitssprache und eine von drei Amtssprachen. Daneben werden zahlreiche Einwanderungs- und indigene Sprachen gesprochen.
2011 waren 67,3 % der Bevölkerung Christen, darunter 39,0 % Katholiken; 23,9 % gehörten keiner Religionsgemeinschaft an. Durch Einwanderung wuchsen unter anderem muslimische, hinduistische, sikhische, jüdische und buddhistische Gemeinschaften. Der Canadian Multiculturalism Act von 1988 verankerte eine Politik, die ethnische und religiöse Besonderheiten erhalten soll.
Die Einwanderung wird über Programme für Fachkräfte, Familien, Existenzgründer und Flüchtlinge gesteuert. Das Skilled-Worker-System bewertet unter anderem Bildung, Berufserfahrung, Sprachkenntnisse, Alter und Arbeitsangebote. Anerkannte Flüchtlinge können eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis erhalten; 2018 besaß Kanada das weltweit größte Aufnahmeprogramm für Resettlement-Flüchtlinge.
Politisches System und internationale Rolle
Kanada ist eine föderale parlamentarische Monarchie nach dem Westminster-System und zugleich eine repräsentative Demokratie. Staatsoberhaupt ist König Charles III., vertreten durch die Generalgouverneurin. Die Verfassung besteht aus geschriebenem Recht und Gewohnheitsrecht. Wichtige Grundlagen sind das Verfassungsgesetz von 1867, das Statut von Westminster von 1931 sowie das Verfassungsgesetz von 1982 mit der Kanadischen Charta der Rechte und Freiheiten.
Die Exekutive wird praktisch vom Kabinett unter Führung des Premierministers ausgeübt. Mark Carney ist seit dem 14. März 2025 Premierminister. Seit dem 8. Juni 2026 ist Louise Arbour Generalgouverneurin. Das Bundesparlament besteht aus Monarch, Unterhaus und Senat. Die 338 Mitglieder des Unterhauses werden nach relativem Mehrheitswahlrecht gewählt. Die 105 Senatoren werden auf Empfehlung des Premierministers ernannt und können bis zum 75. Lebensjahr amtieren. Der Oberste Gerichtshof mit neun Mitgliedern ist die höchste gerichtliche Instanz und kann verfassungswidrige Gesetze aufheben.
Außerhalb Québecs gilt überwiegend das aus England stammende Common Law; in Québec beruht das Privatrecht auf dem französisch geprägten Code civil. Das Strafrecht ist Bundessache und landesweit einheitlich. Die Todesstrafe wurde 1976 für Friedenszeiten und 1998 vollständig abgeschafft. Die Royal Canadian Mounted Police ist die nationale Polizei; daneben bestehen Provinz-, Regional- und Spezialpolizeien.
Kanada arbeitet wirtschaftlich und militärisch eng mit den USA zusammen, verfolgt aber eine eigenständige Außenpolitik. Es ist unter anderem Mitglied der UNO, NATO, G7, OECD, WTO, OSZE, OAS, APEC, des Commonwealth und der Frankophonie. Kanada war 1945 Gründungsmitglied der UNO und prägte durch zahlreiche Blauhelmeinsätze ein Selbstbild als Friedenssicherer. Die Streitkräfte umfassten 2020 rund 67.490 Berufssoldaten und etwa 31.000 Reservisten. Kanada ist außerdem Partner des nordamerikanischen Luftverteidigungsbündnisses NORAD.
Wirtschaft, Umwelt und Infrastruktur
Kanada ist eine wohlhabende soziale Marktwirtschaft. Das nominale Bruttoinlandsprodukt betrug 2024 2,2 Billionen US-Dollar, das nominale BIP je Einwohner 54.531 US-Dollar. Der HDI lag 2023 bei 0,939. Der Dienstleistungssektor erzeugte 2008 etwa 66 % des BIP, die Industrie 32 % und die Landwirtschaft knapp 2 %.
Natürliche Ressourcen haben überdurchschnittliche Bedeutung. Kanada verfügt unter anderem über große Erdölreserven, Ölsande in Alberta, Erdgas, Wälder, Wasserkraft sowie Nickel-, Uran-, Gold-, Kali- und Eisenerzvorkommen. Wichtige Industrien sind Fahrzeug- und Flugzeugbau, Metall-, Holz-, Papier-, Nahrungsmittel-, Chemie-, Elektro- und Hightechindustrie. Die Prärien erzeugen vor allem Weizen und Rindfleisch. Der wichtigste Handelspartner sind die USA; 2021 gingen 73,4 % der Exporte dorthin, während 48,2 % der Importe von dort kamen.
Rohstoffnutzung und Naturschutz stehen häufig im Konflikt. Kanada besitzt große intakte Waldgebiete und zahlreiche Schutzgebiete, doch Holzeinschlag, Bergbau, Ölsandförderung, Staudämme und der Bergkiefernkäfer belasten Ökosysteme und indigene Gemeinschaften. Kanada unterzeichnete 1998 das Kyoto-Protokoll, zog sich aber im Dezember 2011 zurück, nachdem die Emissionen deutlich statt wie zugesagt zu sinken gestiegen waren.
Wegen der großen Entfernungen konzentriert sich die Verkehrsinfrastruktur auf den Süden. Das Straßennetz war 2011 insgesamt 1.042.300 km lang; der rund 8000 km lange Trans-Canada Highway verbindet Pazifik und Atlantik. Güterverkehr auf der Schiene wird vor allem von Canadian Pacific Railway und Canadian National Railway betrieben, den Personenverkehr übernimmt VIA Rail Canada. Für abgelegene Regionen ist der Flugverkehr besonders wichtig. Schifffahrt findet auf dem Sankt-Lorenz-Strom, den Großen Seen und an den Küsten statt. Toronto und Montreal besitzen U-Bahnen, Vancouver den automatischen SkyTrain. 2022 nutzten 94 % der Einwohner das Internet.
Für Schulen sind Provinzen und Territorien verantwortlich; ein nationales Bildungsministerium gibt es nicht. Der Übergang zwischen Schulstufen erfolgt ohne Leistungsprüfung, das High School Diploma setzt eine bestimmte Zahl von Creditpoints voraus. Hochschulen verlangen Studiengebühren. Im PISA-Ranking 2015 belegte Kanada Platz 10 in Mathematik, Platz 7 in Naturwissenschaften und Platz 2 beim Lesen.
Kultur, Medien und Alltag
Kanadas Kultur verbindet britische, französische, indigene und vielfältige Einwanderungstraditionen. Das Ahornblatt ist Nationalsymbol. Der Bund unterstützt eine eigenständige Kultur unter anderem durch CBC/Radio-Canada, das National Film Board und die Medienaufsicht CRTC. Die Medienlandschaft umfasst eine konzentrierte Presse, öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk sowie starken Einfluss aus den USA.
Indigene Kulturen sind sehr unterschiedlich: An der Pazifikküste stehen Fischfang, Walfang, Wappenpfähle und Schnitzkunst im Vordergrund, in den Plains historisch die Bisonjagd und an den Großen Seen Landwirtschaft. Inuit-Kunst wurde seit den späten 1940er-Jahren besonders durch Skulpturen, Grafik und Textilien bekannt. Der Inuksuk, eine menschlich wirkende Steinsetzung, wurde zum Emblem der Olympischen Winterspiele 2010.
Die Literatur entwickelte sich in englischer, französischer und indigener Sprache. Häufige Themen sind Wildnis, regionale Identität, Einwanderung, Entfremdung und das Verhältnis zu Europa und den USA. Margaret Atwood, Michael Ondaatje und Alice Munro, die 2013 den Literaturnobelpreis erhielt, sind international bekannt. In Québec brach die Literatur des 20. Jahrhunderts zunehmend mit der konservativ-katholischen Tradition. Auch Musik, Film, Theater und bildende Kunst verbinden internationale Formen mit kanadischen Landschaften, Sprachen und Erfahrungen. Bedeutende Filmproduktionsorte sind Vancouver, Montreal und Toronto.
Die Regionalküchen folgen natürlichen und kulturellen Bedingungen: Hummer prägt die Atlantikküste, Lachs die Pazifikküste, Québec die französische Küche und die Prärien Einflüsse des Mittleren Westens. Wein wird besonders auf der Niagara-Halbinsel, im Okanagan-Gebiet und auf Vancouver Island angebaut.
Seit 1994 gilt Lacrosse als nationale Sommersportart und Eishockey als nationale Wintersportart. Canadian Football, Curling, Fußball, Basketball sowie Ski- und Eislaufsport sind ebenfalls verbreitet. Kanada war Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 1976 in Montreal sowie der Winterspiele 1988 in Calgary und 2010 in Vancouver. Nationalfeiertag ist der Canada Day am 1. Juli, der an das Verfassungsgesetz von 1867 erinnert.
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