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Kolumbus-Tag
Als Kolumbus-Tag oder Amerika-Tag wird in vielen Ländern die Ankunft von Christoph Kolumbus in der Neuen Welt – am 12. Oktober 1492 – mit einem Feiertag …
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Bedeutung und Verbreitung
Der Kolumbus-Tag oder Amerika-Tag erinnert in vielen Ländern an die Ankunft von Christoph Kolumbus in der Neuen Welt am 12. Oktober 1492. Gedenktage zur Entdeckung Amerikas gab es in Teilen Amerikas bereits im 19. Jahrhundert. Die Namen und Bedeutungen unterscheiden sich je nach Land: In den USA heißt der Tag Columbus Day; im spanischsprachigen Raum verbreitete sich ab 1915 Día de la Raza („Tag der Rasse“). In Spanien ist der 12. Oktober seit 1918 Nationalfeiertag und wird häufig Día de la Hispanidad („Tag der Hispanität“) genannt.
Der Feiertag ist zugleich umstritten. In mehreren Ländern wurde er umbenannt, abgeschafft oder stärker als Erinnerung an indigene Völker, kulturelle Vielfalt, Dekolonisation und interkulturellen Dialog gestaltet.
Lateinamerika
In Hispanoamerika, dem spanischsprachigen Teil Lateinamerikas, entstanden unterschiedliche Feiertagsnamen: Die Dominikanische Republik führte 1912 den Día de Colón ein, Uruguay feierte 1915 erstmals den Día de las Américas. Der seit 1915 verbreitete Día de la Raza wurde 1917 in Argentinien und Peru sowie 1921 in Chile als Feiertag eingeführt. Weitere Namen waren Día del Descubrimiento („Entdeckungstag“) und „Pan-Amerika-Tag“.
Bis Ende der 1920er Jahre besaß die Mehrheit der hispanoamerikanischen Staaten einen solchen Feiertag; manche führten ihn erst in den 1950er oder 1960er Jahren ein. Er sollte nicht nur an Kolumbus und die Entdeckung Amerikas erinnern, sondern eine gemeinsame hispanoamerikanische Identität sowie den Zusammenhalt zwischen Spanien und Lateinamerika stärken, auch gegenüber den USA. Dabei wurden gemeinsame sprachliche, geschichtliche und kulturelle Wurzeln betont.
Im portugiesischsprachigen Brasilien ist dieses Kolumbus-Gedenken nicht verbreitet. Dort wird wie in anderen lusophonen Ländern ein Tag der Lusophonie begangen, meist am 10. Juni, dem Todestag von Luís de Camões. In den 1930er Jahren wurde er im Umfeld der autoritären Estado-Novo-Regime in Brasilien und Portugal ebenfalls Dia da Raça genannt. Der 10. Juni ist auch Nationalfeiertag Portugals.
Spanischer Nationalfeiertag
In Spanien fällt der 12. Oktober mit dem Patronatsfest des Nationalheiligtums Unsere Liebe Frau auf dem Pfeiler in Saragossa zusammen. Der Día de la Hispanidad soll an die gemeinsamen Wurzeln der spanischsprachigen Welt erinnern. Bereits seit 1914 bestand der Feiertag als Fiesta de la Raza oder Día de la Raza. König Alfons XIII. erhob ihn 1918 ohne nähere Bezeichnung zur Fiesta Nacional, dem spanischen Nationalfeiertag.
Die Bezeichnung Día de la Hispanidad wurde Ende der 1920er Jahre von Zacarías de Vizcarra als Alternative entwickelt. Seit 1958 war sie während der Franco-Diktatur die offizielle Bezeichnung und wurde 1981 während der Transition in Spanien bestätigt. Seit 1987 lautet der offizielle Name nur noch „Nationalfeiertag“; „Tag der Hispanität“ bleibt jedoch im allgemeinen und teils halboffiziellen Sprachgebrauch üblich. Der Tag erinnert neben dem spanischen Kolonialreich auch an die Einigung Spaniens im 16. Jahrhundert und wird traditionell mit einer Militärparade vor dem spanischen König begangen.
Columbus Day in den USA
In den USA fanden schon 1792 in New York, Boston, Baltimore, Providence und Richmond kleine private Gedenkveranstaltungen statt. Präsident Benjamin Harrison rief 1892 erstmals einen offiziellen Feiertag aus. Schulen sollten ihn begehen, um freie Bildung als Grundpfeiler der USA zu feiern und ethnisch sowie sozial unterschiedliche Kinder unter der amerikanischen Flagge zu versammeln. Zu diesem Anlass wurde auch der Pledge of Allegiance eingeführt.
Bereits im 19. Jahrhundert gab es Widerstand, weil die Feiern vielfach als zu katholisch und deshalb als „unamerikanisch“ angesehen wurden. Besonders Italo-Amerikaner setzten sich für einen dauerhaften Feiertag ein, oft gemeinsam mit katholischen Kolumbusrittern und demokratischen Politikern. Colorado erkannte den Columbus Day 1905 als erster Bundesstaat offiziell an und beging ihn ab 1907. Bis 1910 hatten weitere 15 Staaten ihn eingeführt; bis 1921 wurde er in 33 der damals 48 Bundesstaaten begangen.
Ab 1934 war der 12. Oktober ein nationaler Feiertag, der jährlich vom Präsidenten ausgerufen werden musste. Seit 1937 wird der Kolumbus-Tag bundesweit als beweglicher Feiertag am zweiten Montag im Oktober begangen. 1968 wurde er zu einem permanenten Nationalfeiertag, der nicht mehr jährlich ausgerufen werden muss.
Umbenennungen und Proteste
In Lateinamerika wurden viele Bezeichnungen verändert: Chile nennt den Tag seit 2000 Día del Encuentro de Dos Mundos („Tag der Begegnung der zwei Welten“), Peru seit 2009 Día de los Pueblos Originarios y del Diálogo Intercultural („Tag der autochthonen Völker und des interkulturellen Dialogs“) und Argentinien seit 2010 Día del Respeto a la Diversidad Cultural („Tag des Respekts vor der kulturellen Diversität“). Venezuela benannte ihn 2002 unter Hugo Chavez in Día de la Resistenca Indígena („Tag des indigenen Widerstands“) um. In Bolivien heißt er seit 2011 Día de la Descolonización, in Ecuador seit 2011 Día de la Interculturalidad y la Plurinacionalidad. Auf Kuba wird der Feiertag seit der Kubanischen Revolution nicht mehr begangen.
In den USA stehen Proteste gegen den Columbus Day in Verbindung mit dem American Indian Movement, das sich seit den 1960er Jahren für die Rechte der Indianer in den USA einsetzt. Zum 500. Jubiläum 1992 nutzten viele indigene Organisationen das Thema für sprachpolitische Veränderungen. South Dakota benannte den Feiertag bereits 1990 in American Indian Day um. Berkeley führte 1992 den Indigenous Peoples’ Day ein; später folgten unter anderem Seattle, Minneapolis, Santa Cruz, Phoenix, Denver und Vermont. Los Angeles widmete den Tag 2017 zum Indigenous People’s Day um und ließ 2018 das Kolumbus-Denkmal im Grand Park niederlegen.
Diese Maßnahmen gingen von der kalifornischen indigenistischen Bewegung aus. Die italoamerikanische Gemeinde wollte den Gedenktag dagegen erhalten oder ihn zu einem Feiertag für amerikanische Immigranten aller Herkunft umdeuten.