Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Englische Sprache
Die englische Sprache (Eigenbezeichnung: [ˈɪŋɡlɪʃ]) ist eine ursprünglich in England beheimatete germanische Sprache, die zum westgermanischen Zweig gehört.
Inhalt6 Abschnitte
Grundlagen und Bedeutung
Die englische Sprache, Eigenbezeichnung English [ˈɪŋɡlɪʃ], ist eine ursprünglich in England entstandene germanische Sprache aus dem westgermanischen Zweig. Sie gehört zu den indogermanischen Sprachen. Ihre nächsten lebenden Verwandten sind die friesischen Sprachen und das Niederdeutsche. Englisch wird mit dem lateinischen Alphabet ohne zusätzliche Sonderzeichen geschrieben.
Englisch ist heute eine Weltsprache. Im April 2017 sprachen weltweit etwa 340 Millionen Menschen Englisch als Muttersprache. Die Zahl der Zweitsprachler wird sehr unterschiedlich geschätzt, weil verschiedene Quellen unterschiedliche Grade des Sprachverständnisses zählen; die Angaben reichen von unter 200 Millionen bis 2 Milliarden. Ethnologue 2023 nennt etwa 370 Millionen Muttersprachler und 1,46 Milliarden Sprecher weltweit.
Wichtig ist Englisch vor allem als internationale Verkehrs-, Handels-, Geschäfts-, Bildungs- und Wissenschaftssprache. Es wird in den Schulen vieler Länder als erste Fremdsprache gelernt und ist offizielle Sprache vieler internationaler Organisationen. In Westdeutschland wurde im Düsseldorfer Abkommen von 1955 vereinbart, Englisch generell als Pflichtfremdsprache an Schulen einzuführen.
Entwicklung und sprachliche Einordnung
Englisch entwickelte sich ab dem frühen Mittelalter durch die Einwanderung nordseegermanischer Völker nach Britannien, darunter Angeln und Sachsen. Die frühen Formen werden deshalb manchmal Angelsächsisch genannt. Später wurde die Sprache stark durch andere Sprachen geprägt: Im 9. Jahrhundert wirkten nordgermanische Sprachen durch die zeitweilige Besetzung durch Dänen und Norweger ein; nach der normannischen Eroberung Englands 1066 hatte das Französische großen Einfluss. Dazu kamen Einflüsse aus klassischen Sprachen. Dadurch besitzt das heutige Englisch einen außergewöhnlich umfangreichen Wortschatz.
Die Sprachstufen werden meist so eingeteilt: Altenglisch oder Angelsächsisch von 450–1150, Mittelenglisch von 1150–1500, Frühneuenglisch von 1500–1750 und Neuenglisch von 1750 bis heute. Eine andere, detailliertere Einteilung nennt unter anderem Altenglisch 700–1200, Mittelenglisch 1200–1500 und Neuenglisch 1500 bis heute.
Sprachwissenschaftlich zeigt Englisch im Vergleich zu verwandten Sprachen starke Sonderentwicklungen. Im Satzbau wechselte es zu einem Subjekt-Verb-Objekt-Schema und verlor die Verbzweiteigenschaft. Die Flexion, also die Bildung verschiedener Wortformen bei Substantiven, Artikeln, Verben und Adjektiven, wurde stark abgebaut. Deshalb hat Englisch heute überwiegend isolierende Züge: Grammatische Beziehungen werden oft weniger durch Endungen und stärker durch Wortstellung und Einzelwörter ausgedrückt.
Verbreitung und offizieller Status
Ausgehend von England verbreitete sich Englisch über die Britischen Inseln und verdrängte dort allmählich viele zuvor gesprochene, vor allem keltische Sprachen. Diese bestehen in kleineren Sprechergemeinschaften weiter. Durch den historischen Kolonialismus Großbritanniens verbreitete sich Englisch später in Amerika, Australien, Afrika und Asien. Englischsprachige Länder und Gebiete sowie ihre Bewohner werden anglophon genannt.
Englisch ist Amtssprache oder Landes- und Verkehrssprache unter anderem auf den Britischen Inseln, in den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, Neuseeland und Jamaika sowie in mehreren vom Vereinigten Königreich abhängigen Gebieten wie Bermuda, Falklandinseln, Gibraltar, St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha. Einschränkungen gibt es etwa in der kanadischen Provinz Québec, wo Französisch Amts- und Nationalsprache ist, und in Nunavut, wo überwiegend Sprachen der Ureinwohner gesprochen werden.
Englisch ist außerdem Amtssprache in zahlreichen Staaten und Territorien in Afrika, Amerika, Asien, Europa und Ozeanien. Dazu zählen zum Beispiel Nigeria, Südafrika, Kanada, die Vereinigten Staaten, Indien, Pakistan, Singapur, Irland, Malta, Australien und Neuseeland. Auf supranationaler Ebene ist Englisch Amtssprache unter anderem der Afrikanischen Union, der Organisation Amerikanischer Staaten, der ASEAN, der Europäischen Union, des Commonwealth of Nations und eine der sechs Amtssprachen der Vereinten Nationen.
Als weltweite Verkehrssprache dient Englisch in unterschiedlichem Maß in weiteren Ländern und Regionen, etwa in Ägypten, Äthiopien, Bahrain, Bangladesch, Israel, Jordanien, Katar, Kuwait, Malaysia, Sri Lanka, den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Republik Zypern. Zusätzlich ist Englisch durch Militärbasen der Vereinigten Staaten in vielen Weltgegenden präsent.
Varietäten und vereinfachte Formen
Durch seine weltweite Verbreitung hat Englisch zahlreiche Varietäten entwickelt. Eine Varietät ist eine Ausprägung einer Sprache, die sich zum Beispiel durch Aussprache, Wortschatz oder Grammatik von anderen Ausprägungen unterscheidet. Wichtige Beispiele sind Britisches Englisch, Amerikanisches Englisch, Kanadisches Englisch, Australisches Englisch, Neuseeländisches Englisch, Hiberno-Englisch in Irland, Schottisches Englisch, Walisisches Englisch, Südafrikanisches Englisch, Indisches Englisch, Singapurisches Englisch, Philippinisches Englisch und Hongkong-Englisch.
Daneben gibt es Varietäten und Mischformen auf englischer Grundlage, darunter mehrere Pidgin- und Kreolsprachen. Eine Pidginsprache entsteht meist als vereinfachte Kontaktsprache zwischen Gruppen ohne gemeinsame Muttersprache; eine Kreolsprache kann daraus als Muttersprache einer Gemeinschaft entstehen. Beispiele im Artikel sind Tok Pisin in Papua-Neuguinea, Bislama in Vanuatu, Krio in Sierra Leone, Nigerianisches Pidgin und Jamaika-Kreol.
Für den schnellen Erwerb des Englischen wurden vereinfachte Formen konstruiert: Basic English oder Simple English wurde 1930 vorgestellt und umfasst 850 Wörter, Globish wurde 1998 vorgestellt und umfasst 1500 Wörter, Basic Global English wurde 2006 vorgestellt und umfasst 750 Wörter.
Anglizismen und Einfluss auf andere Sprachen
Anglizismen sind englische Wörter oder englisch geprägte Ausdrücke, die in andere Sprachen übernommen werden. Durch die Entwicklung des Englischen zur lingua franca im 20. Jahrhundert beeinflusst Englisch die meisten Sprachen der Welt. Besonders in stark globalisierten Bereichen wie Informatik und Wirtschaft werden Fachausdrücke häufig durch Anglizismen geprägt.
Solche Einflüsse werden manchmal kritisch gesehen, besonders wenn es in der jeweiligen Landessprache bereits passende Synonyme gibt. In diesem Zusammenhang werden auch Scheinanglizismen erwähnt: Das sind Wörter, die englisch wirken, im Englischen aber nicht dieselbe Bedeutung haben oder so nicht üblich sind, zum Beispiel Handy im Deutschen. Abwertende Mischbegriffe wie „Denglisch“ oder „Franglais“ bezeichnen nicht Varianten des Englischen, sondern Erscheinungen in anderen Sprachen.
Der Artikel nennt außerdem eine GfK-Studie, nach der nur 2,1 Prozent der deutschen Arbeitnehmer verhandlungssicher Englisch sprechen. In der Gruppe der unter 30-Jährigen bewerten jedoch über 54 Prozent ihre Englischkenntnisse als gut bis exzellent. 2014 forderte Alexander Graf Lambsdorff, neben Deutsch auch Englisch als Verwaltungs- und später als Amtssprache in Deutschland zuzulassen.
Bezüge zum Deutschen und Rechtschreibung
Die heutige englische Rechtschreibung ist stark historisch. Eine wesentliche Festlegung erfolgte mit dem Buchdruck im 15. und 16. Jahrhundert, während sich die Aussprache weiter veränderte. Deshalb weicht die Schreibung des Englischen oft deutlich von der tatsächlichen Lautgestalt ab.
Zwischen Englisch und Hochdeutsch gibt es viele verwandte Wörter. Ein großer Teil der Unterschiede geht auf die zweite Lautverschiebung zurück. Dabei liegt die Neuerung auf deutscher Seite, während Englisch häufig einen älteren germanischen Zustand bewahrt. Beispiele sind englisch water und deutsch Wasser, two und zwei, ripe und reif, plum und Pflaume, break und brechen, bed und Bett sowie three und drei.
Es gibt aber auch Fälle, in denen Deutsch konservativer ist. Im Englischen ist zum Beispiel ein n geschwunden, sichtbar in us, goose, soft oder five gegenüber deutsch uns, Gans, sanft und fünf. Auch der germanische Laut [x], vergleichbar mit dem deutschen Ach-Laut, ist im Englischen verschwunden oder teils zu [f] geworden; im Schriftbild ist er oft noch als stummes oder als f gesprochenes gh erkennbar, etwa in night, right, fight, knight und laugh gegenüber Nacht, Recht/richtig, fechten, Knecht und lachen.