Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Terroranschlag am Bondi Beach
Zum Auftakt des jüdischen Festes Chanukka hatte die Chabad-Lubawitsch-Bewegung zur Veranstaltung Chanukah by the Sea („Chanukka am Meer“) zum Entzünden der …
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Bedeutung
Der Terroranschlag am Bondi Beach in Sydney war ein antisemitischer islamistischer Angriff auf eine jüdische Chanukka-Feier. Er ereignete sich am 14. Dezember 2025 in den frühen Abendstunden. Mehr als 1000 Menschen waren zusammengekommen, um zum Beginn des achttägigen Festes die erste Kerze zu entzünden.
Die beiden Angreifer töteten 15 Menschen, darunter ein zehnjähriges Kind. 43 weitere Personen wurden teilweise schwer verletzt, darunter zwei Polizisten. Einer der Täter wurde von Sicherheitskräften erschossen, der andere angeschossen und festgenommen. Innerhalb von sechs Minuten gaben die Täter und die Polizei zusammen 103 Schüsse ab. Es war Australiens schwerstes Ereignis dieser Art seit dem Massaker von Port Arthur in Tasmanien 1996, bei dem 35 Menschen getötet worden waren.
Kurz nach dem Angriff entfernte die Bombenentschärfungseinheit von New South Wales außerdem improvisierte Sprengsätze aus einem Auto an der Campbell Parade, der parallel zum Strand verlaufenden Hauptstraße.
Chanukka-Feier am Strand
Die Chabad-Lubawitsch-Bewegung hatte unter dem Namen Chanukah by the Sea („Chanukka am Meer“) zu der Veranstaltung eingeladen. Sie sollte um 17 Uhr beginnen und wurde von mehr als 1000 Menschen besucht. Chanukka ist vor allem ein häusliches und familiäres jüdisches Freudenfest; zu Beginn und am Ende gibt es jedoch häufig öffentliche Veranstaltungen. Bondi Beach ist ein bekannter Sandstrand und beliebter Surfspot in Sydney.
Ablauf des Anschlags
Kurz vor dem Angriff bemerkte ein jüdisches Ehepaar an einem Fahrzeug der Täter eine selbstgemachte Flagge des Islamischen Staates und versuchte, einen Täter zu entwaffnen. Beide Ehepartner wurden getötet. Anschließend schossen zwei Männer von einer Fußgängerüberführung und einem Parkplatz mit Langwaffen auf die Menschenmenge.
Videoaufnahmen zeigen, dass ein unbewaffneter Passant einen Angreifer entwaffnete. Der 43-jährige Ladenbesitzer syrischer Herkunft wurde dabei verletzt. Der Täter zog sich zur Überführung zurück und bewaffnete sich erneut. Ein weiterer Mann warf einen Ziegelstein nach ihm; der zweite Angreifer erschoss diesen Mann.
Nach Angaben der Polizei warfen die Täter insgesamt vier improvisierte Sprengsätze in Richtung der Menschenmenge. Sie detonierten nicht, wurden aber als funktionsfähig eingestuft. Der ältere Täter wurde auf der Fußgängerüberführung von Sicherheitskräften erschossen. Sein Sohn wurde kurz darauf von der Polizei angeschossen und festgenommen. Er fiel zunächst ins Koma und erwachte am 17. Dezember 2025.
Zu den Getöteten gehörten ein zehnjähriges Mädchen, ein französischer und ein israelischer Staatsangehöriger, Rabbiner Eli Schlanger, ein Emissär der Chabad-Lubawitsch-Bewegung in Bondi Beach, ein weiterer Rabbiner sowie der Holocaust-Überlebende Alex Kleytman.
Täter und Strafverfahren
Die Angreifer waren der 50-jährige Sajid Akram und sein 24-jähriger Sohn Naveed Akram. Nach Aussage des australischen Premierministers Anthony Albanese waren beide von den Zielen und der Ideologie des Islamischen Staates inspiriert. Sajid Akram war indischer Staatsbürger und 1998 legal nach Australien gekommen. Naveed Akram wurde in Australien geboren, besaß die australische Staatsbürgerschaft und lebte nach Polizeiangaben im Südwesten Sydneys. Mit 17 Jahren begann er, sich als islamischer Straßenprediger zu betätigen.
Der australische Inlandsgeheimdienst ASIO hatte 2019 Ermittlungen gegen den damals 18-jährigen Naveed Akram aufgenommen, weil er Verbindungen zu einer in Sydney ansässigen Zelle des Islamischen Staates hatte. Nach sechs Monaten wurden die Ermittlungen eingestellt, da keine Hinweise auf eine von ihm ausgehende Gefahr vorgelegen hätten.
Sajid Akram besaß legal sechs Langwaffen, mit denen der Anschlag begangen wurde, und war als Jäger registriert. Vater und Sohn reisten im November 2025 für vier Wochen auf die Philippinen und nannten Davao City auf der Insel Mindanao als Ziel. Medien vermuteten, dass sie dort eine militärische Ausbildung absolviert hätten; als gesichert wird dies im Artikel nicht dargestellt. Am 28. November kehrten sie nach Australien zurück. Der Guardian bewertete die spätere Tat als nicht komplex: Offenbar planten die Täter weder eine Geiselnahme noch die Verteidigung einer Stellung gegen Sicherheitskräfte.
Naveed Akram wurde wegen 15-fachen Mordes angeklagt. Insgesamt werden ihm 59 Tatbestände vorgeworfen, darunter die Begehung einer terroristischen Tat. Nach seiner Behandlung unter Polizeibewachung wurde er im Hochsicherheitsgefängnis von Goulburn untergebracht. Mitte Februar 2026 wurde er bei einer Gerichtsverhandlung per Video zugeschaltet.
Reaktionen und politische Maßnahmen
Der Premierminister von New South Wales, Chris Minns, erklärte, der Anschlag habe sich gegen die jüdische Gemeinschaft Sydneys gerichtet. Der australische Nationale Imam-Rat verurteilte die Tat und rief alle Australier, einschließlich der muslimischen Gemeinschaft, zu Einheit, Mitgefühl und Solidarität sowie zur Ablehnung von Gewalt auf. Der australische Geheimdienstchef Mike Burgess bezeichnete Antisemitismus als größte Bedrohung für das Leben im Land.
Die Regierung leitete wenige Tage später ein Rückkaufprogramm für Schusswaffen ein. Außerdem verständigte sie sich darauf, die Zahl der Waffen pro Person gesetzlich zu begrenzen, bestimmte Waffentypen zu verbieten und Waffenscheine nur noch befristet und unter der Voraussetzung der australischen Staatsbürgerschaft auszustellen. Bondi Beach blieb zunächst gesperrt und wurde am 18. Dezember wieder geöffnet.
Premierminister Anthony Albanese kündigte einen nationalen Trauertag an. Am 21. Dezember 2025 um 18:47 Uhr Ortszeit, genau eine Woche nach dem Angriff, fand in ganz Australien eine Schweigeminute statt. Bei einer Gedenkveranstaltung dankte David Ossip, Vorsitzender des Jüdischen Rates von New South Wales, Ahmed Al Ahmed und Gefen Bitton dafür, dass sie sich den Tätern entgegengestellt hatten. Auch während der Silvesterfeier in Sydney wurde der Opfer gedacht: Die Harbour Bridge wurde weiß beleuchtet und zeigte das Wort „Peace“, während auf ein Segel des Opernhauses eine Menora projiziert wurde.
International verurteilten zahlreiche Regierungen und Organisationen den Anschlag und bekundeten ihr Beileid. Israels Präsident Jitzchak Herzog sprach von einem grausamen Angriff auf Juden. Außenminister Gideon Sa’ar kritisierte zugleich die australische Regierung und warf ihr vor, Warnzeichen des Antisemitismus nicht ausreichend beachtet zu haben. Die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte Gewalt, Terrorismus und Extremismus, erwähnte aber nicht ausdrücklich, dass eine jüdische Feier angegriffen worden war. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete die Tat als „Angriff auf unsere gemeinsamen Werte“. Weitere Verurteilungen kamen unter anderem von Vertretern der Europäischen Union, Osttimors, Neuseelands, Großbritanniens, der Vereinigten Staaten und zahlreicher weiterer Staaten.
Weitere Folgen
Nach dem Anschlag gingen australische Behörden verstärkt gegen Antisemitismus und mögliche extremistische Gefahren vor. Ein Mann wurde festgenommen und angeklagt, nachdem die Polizei bei zwei Hausdurchsuchungen sechs Gewehre, etwa 4000 Schuss Munition sowie Flaggen der in Australien als Terrororganisationen eingestuften Hamas und Hisbollah gefunden hatte. Sichergestellt wurden außerdem Notizbücher mit antisemitischen Äußerungen und Bezugnahmen auf Adolf Hitler und den Holocaust sowie Informationen und Einkaufslisten zum Bau einer Bombe.
Ein britischer Mann sollte aus Australien abgeschoben werden. Die Bundespolizei annullierte sein Visum, weil er Medienberichten zufolge verbotene nationalsozialistische Symbole verwendet haben soll. Kurz nach dem Anschlag geriet in Melbourne zudem das mit „Happy Chanukah!“ beschriftete Fahrzeug eines Rabbiners in Brand.