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Menora
Die Menora (hebräisch [menoˈra]: Leuchter, Lampe), auch bekannt als Siebenarmiger Leuchter, ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums.
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Bedeutung und Abgrenzung
Die Menora, auch siebenarmiger Leuchter genannt, ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums. Das antike Tempelgerät ist verschollen oder wurde zerstört; sein Aussehen und seine Bedeutung werden deshalb aus biblischen und anderen literarischen Texten sowie aus archäologischen Darstellungen rekonstruiert.
Von der Menora zu unterscheiden ist die Chanukkia: Dieser acht- oder neunarmige Leuchter wird beim achttägigen Chanukka, dem jüdischen Lichtfest, verwendet. Im modernen Hebräisch kann „Menora“ allgemein einen Leuchter in Baumform bezeichnen, während „Chanukkia“ speziell den Chanukka-Leuchter meint.
Biblische Beschreibungen
Nach Exodus 25 erhielt Mose auf dem Berg Sinai den Auftrag, für den Mischkan, das transportable Heiligtum der Israeliten, einen Leuchter nach einem dort gezeigten himmlischen Modell herzustellen. Er sollte vollständig aus feinem, getriebenem Gold bestehen. Aus seinem Fuß und Schaft gingen sechs Seitenarme hervor, je drei auf jeder Seite. Arme und Schaft waren mit Kelchen in Form von Mandelblüten, Knäufen und Blumen geschmückt. Oben befanden sich insgesamt sieben Lampen, die nach vorn leuchten sollten. Zum Gerät gehörten Dochtscheren und Pfannen; für Leuchter und Zubehör war ein Zentner feinen Goldes vorgesehen.
Nach der vierzigjährigen Wanderung wurde das Zeltheiligtum einschließlich seiner Menora in den Tempel von Jerusalem aufgenommen. 1. Könige 7,49 berichtet allerdings, König Salomo habe für den Tempel zehn goldene Leuchter neu anfertigen lassen: fünf rechts und fünf links vor dem Allerheiligsten. Im Text werden weder eine baumartige Form noch eine besondere kultische Bedeutung genannt. Nach archäologischen Vergleichen könnten es säulenförmige Ständer mit jeweils einer Lampe gewesen sein, die der Beleuchtung der Halle dienten. Die Einrichtung dieses Ersten Tempels ging bei der Zerstörung Jerusalems im Juli 586 v. Chr. verloren.
Die Forschung unterscheidet daher zwei alttestamentliche Vorstellungen. Die ältere erscheint in 1. Könige 7 und Sacharja 4: Auf einem säulenartigen, oben kelchförmig erweiterten Ständer waren sieben Lichtschalen angebracht. Vergleichbare Ständer aus Keramik, Bronze oder Stein sind im Alten Orient archäologisch belegt. Falls Sacharjas Vision ein wirklich vorhandenes Tempelgerät widerspiegelt, ist sie der früheste Beleg für sieben Lichter auf einem solchen Ständer. Die jüngere Vorstellung in Exodus 25 beschreibt dagegen bereits einen siebenarmigen, floral geschmückten Leuchter, der der Menora des Zweiten Tempels grundsätzlich entsprach.
Die Menora des Zweiten Tempels
Für den Zweiten Tempel wurden die Kultgeräte neu hergestellt, ohne dass die Leuchter zunächst ausdrücklich genannt werden. Jesus Sirach beschreibt Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr. einen „heiligen Leuchter“, der anscheinend noch die ältere Säulenform mit nur einem Licht besaß. Im Jahr 169 v. Chr. plünderte Antiochos IV. Epiphanes den Tempel und ließ unter anderem den goldenen Altar, den Leuchter und seine Geräte wegnehmen. Danach wurde ein neuer siebenarmiger Leuchter angefertigt. Bei den Eroberungen Jerusalems durch Pompejus 63 v. Chr. und Crassus 54 v. Chr. blieb er unangetastet.
Flavius Josephus, der zum Jerusalemer Priesteradel gehörte und die Menora selbst gesehen hatte, beschreibt sie als Werk aus einem einzigen Fuß mit insgesamt 70 kleinen Kugeln, Lilien, Granatäpfeln und Kelchen. Sie verzweigte sich in sieben gleichmäßig voneinander entfernte Spitzen, die in einer Reihe standen und sieben Lampen trugen. Der Leuchter stand schräg, sodass die Lampen nach Osten und Süden blickten. Josephus deutete ihn astral, also auf die Himmelskörper bezogen: Die 70 Teile bezeichneten die Zeichen, durch welche die Planeten ziehen, und die sieben Lampen die Planeten einschließlich der Sonne.
Mischna und Talmud nennen weitere Einzelheiten. Die Menora war 18 Handbreit, also etwa 1,60 Meter, hoch. Vor ihr stand ein Stein mit drei Stufen, auf dem der Priester die Lampen reinigte und anzündete. Zwei östliche Lampen sollten zunächst weiterbrennen; erloschene Lampen wurden erneut an brennenden entzündet. Tempelgeräte durften nicht für den profanen, also nichtreligiösen Gebrauch nachgebildet werden. Bei einer Menora genügte deshalb kein anderes Material: Eine Nachbildung sollte außerdem mehr oder weniger als sieben Arme haben.
Archäologische Zeugnisse und Verbleib
Darstellungen siebenarmiger Leuchter sind seit der Hasmonäerzeit archäologisch belegt und werden ab der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. häufiger. Datierbare Münzen mit dem Motiv stammen aus der Regierungszeit des Hohepriesters und Königs Mattathias Antigonos (40–37 v. Chr.). Daneben gibt es Menora-Graffiti aus herodianischer Zeit, unter anderem an einer Hauswand im Herodianischen Quartier Jerusalems, auf einer kleinen Sonnenuhr, in Jasons Grab und in den Höhlen von Naḥal Michmaš. Auch Ossuare, also Behälter für Gebeine, und etwas spätere Tonlampen zeigen Menorot; auf Ossuaren variiert die Zahl der Arme.
Besonders wichtig ist ein 2009 in einer antiken Synagoge bei Magdala am See Genezareth gefundener Kalksteinblock. Das Gebäude wurde auf 50 v. Chr. bis 100 n. Chr. datiert und gehört damit zu den frühesten bekannten Synagogen. Ein Relief zeigt eine siebenarmige Menora auf einem einzelnen Bein mit dreieckigem Sockel und Gefäßen zu beiden Seiten. Möglicherweise kannte der Künstler den Leuchter des Zweiten Tempels aus eigener Anschauung. Das Relief ist größer und genauer als die zeitgenössischen Graffiti und könnte für eine kegelförmige Basis sprechen. Der sogenannte Stein von Magdala gilt wahrscheinlich als früheste bekannte künstlerische Darstellung des Zweiten Tempels.
Bei der römischen Eroberung Jerusalems im September 70 n. Chr. brannte der Tempel. Soldaten retteten die Menora und andere Tempelgeräte aus dem Gebäude und führten sie Titus vor. Das Relief auf dem Titusbogen in Rom zeigt die Beutestücke im römischen Triumphzug und wurde zur Grundlage moderner Rekonstruktionen. Umstritten ist, ob der dargestellte wuchtige achteckige Sockel wirklich zur Menora gehörte oder nur ein Tragegestell für den Triumphzug war. Eine Rekonstruktion von Rachel Hachlili nimmt stattdessen eine schwere kegelförmige Basis an, die dem Leuchter Stabilität gab.
Nach Josephus kam die Menora anschließend in das von Vespasian gestiftete Templum Pacis in Rom. Dies ist die letzte verlässliche Nachricht über ihren Verbleib. Der Historiker Prokopios von Caesarea behauptete im 6. Jahrhundert, beim Triumphzug Belisars 534 n. Chr. in Konstantinopel seien die von Titus erbeuteten „Schätze der Juden“ mitgeführt und danach auf Anordnung Kaiser Justinians zu christlichen Heiligtümern in Jerusalem gebracht worden. Diese späte Darstellung ist nicht ebenso verlässlich. Wahrscheinlich wurde die Menora wie viele große antike Metallobjekte wegen ihres Materialwerts eingeschmolzen.
Moderne Verwendung und Nachbildung
Im Staat Israel ist die Menora ein zentrales nationales Symbol. Das Staatswappen zeigt sie zwischen zwei Ölbaumzweigen; als Vorbild diente die Darstellung auf dem Titusbogen. Das 10-Agorot-Stück der Bank of Israel zeigt die Nachbildung einer Münze des letzten Hasmonäers Antigonos aus den Jahren 40–37 v. Chr. Deren Motiv ist wahrscheinlich die älteste Darstellung der Menora des Zweiten Tempels.
2019 brachten Menschen aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden auf Initiative des Niederländers Bart Repko eine moderne Nachbildung von Rom nach Jerusalem. Sie ist 1,60 Meter hoch und wiegt 120 Kilogramm; das Projekt kostete etwa 120.000 Euro und wurde durch Spenden finanziert. Die Firma Kunstguss Döhler im Erzgebirge goss den Leuchter aus Metall und beschichtete ihn von Hand mit Blattgold. Die Nachbildung ist nicht als Kultgegenstand gedacht, sondern als Zeichen der Versöhnung.