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Intifada

Abgeleitet davon wurde Intifada ein arabischer Begriff für einen Aufstand oder eine Rebellion. Außerhalb der arabischsprachigen Welt erlangte der Begriff vor …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Erster palästinensischer Aufstand
  3. 3. Zweiter palästinensischer Aufstand
  4. 4. Debatten über eine dritte Intifada
  5. 5. Großangriff 2023 und Krieg

Begriff und Bedeutung

„Intifada“ ist das arabische Wort für eine Erhebung beziehungsweise einen Volksaufstand. Allgemein bezeichnet es einen Aufstand oder eine Rebellion. Außerhalb der arabischsprachigen Welt wurde der Begriff vor allem durch zwei palästinensische Aufstände gegen Israel bekannt: die erste Intifada von 1987 bis 1993 und die zweite, auch Al-Aqsa-Intifada genannte Intifada von 2000 bis 2005. Später wurde die Bezeichnung außerdem für verschiedene Unruhen und Angriffswellen verwendet; ob diese jeweils eine dritte Intifada bildeten, blieb jedoch offen.

Erster palästinensischer Aufstand

Die erste Intifada begann 1987 im Flüchtlingslager Dschabaliya. Als sogenannter „Krieg der Steine“ breitete sie sich über den Gazastreifen, das Westjordanland und Ostjerusalem aus. Sie war zunächst durch zivilen Ungehorsam der Palästinenser geprägt, eskalierte jedoch mit Terror und Gewalt. Seit 1991 nahm die Gewalt ab. Mit der Unterzeichnung des Vertrags von Oslo im August 1993 und der Schaffung der Palästinensischen Autonomiebehörde endete die Intifada.

Ob der Aufstand spontan begann, wurde unterschiedlich dargestellt. Hamas-Führer Ahmad Yasin behauptete laut Berichten der israelischen und palästinensischen Presse vom Dezember 1989, die Intifada sei durch „islamische Weisungen“ entstanden; die nationalen Kräfte um Yasir Arafat seien erst später hinzugekommen. Arafat hatte dagegen im August 1989 neun palästinensische Organisationen, darunter Hamas und al-Jihad al-Islami, zur Wahrung der Einheit aufgerufen.

Bis zum Osloabkommen wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation B’Tselem 1.162 Palästinenser durch israelische Kräfte und 160 Israelis durch palästinensische Kräfte getötet. Nach einer Schätzung der Organisation PHRMG wurden zusätzlich etwa 1.000 Palästinenser von palästinensischen Kräften getötet, etwa durch Lynchjustiz, Blutrache oder Ehrenmorde. Nur 40 bis 50 % dieser Opfer sollen Kontakt zu israelischen Kräften gehabt haben.

Der Nahosthistoriker Wolfgang G. Schwanitz sah eine wichtige Folge darin, dass seit 1988 ein palästinensischer Staat nicht mehr anstelle Israels, sondern neben Israel im Westjordanland und im Gazastreifen angestrebt wurde. Dafür wäre nach seiner Einschätzung eine Änderung der Palästinensischen Nationalcharta nötig gewesen, die das Existenzrecht Israels bestätigt hätte. Dies sei durch die Intifada und ihre Vereinte Nationale Führung nicht erreicht worden. Gleichzeitig verschärfte sich Anfang 1991 der Konflikt zwischen den Nationalisten der PLO unter Arafat und den Islamisten der Hamas unter Yasin.

Zweiter palästinensischer Aufstand

Die zweite Intifada begann im September 2000 und wird von palästinensischer Seite als Al-Aqsa-Intifada bezeichnet. Vorausgegangen waren das Scheitern des Gipfels von Camp David und die Ankündigung des israelischen Oppositionsführers Ariel Scharon, den für Muslime ebenfalls heiligen Tempelberg zu besuchen. Scharon befand sich im Wahlkampf und wollte mit dem von mehr als tausend Polizisten begleiteten Besuch zeigen, dass Jerusalem nicht geteilt werden sollte.

Am 29. September, einen Tag nach dem Besuch, erschoss die Polizei bei heftigen Protesten vier Palästinenser. 200 Menschen wurden verletzt, darunter 14 israelische Polizisten. Am 1. Oktober erschoss die israelische Polizei im Norden Israels 13 muslimische unbewaffnete Demonstranten, unter ihnen zwölf israelische Staatsbürger. Zusätzlich verschärfte ein Video die Lage, das die Erschießung des palästinensischen Jungen Muhammad al-Durrah am 30. September 2000 an einer Straßenkreuzung bei Netzarim im Gazastreifen zeigte. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete am 7. Oktober 2000 die Resolution 1322, in der Israel ein unverhältnismäßiger Einsatz von Waffengewalt vorgeworfen wurde.

Die Kämpfe zwischen der israelischen Armee und Palästinensern weiteten sich auf Israel und das Gebiet der Palästinensischen Autonomiebehörde aus. Im Februar 2005 vereinbarten Mahmud Abbas und Ariel Scharon in Scharm El-Scheich einen beiderseitigen Waffenstillstand; damit galt die Intifada offiziell als beendet.

Israelische Zählungen nennen für die 1.558 Tage 20.406 Anschläge, darunter 138 Selbstmordanschläge, 13.730 Schussüberfälle und 460 Angriffe mit Kassam-Raketen. Nach Angaben der Zeitung Jedi’ot Acharonot wurden 1.036 Israelis getötet, davon 715 Zivilisten, und 7.054 verletzt. Für Selbstmordanschläge werden abweichend 143 Anschläge genannt: 160 Attentäterinnen und Attentäter hätten dabei 513 Israelis getötet und 3.380 verletzt.

Auf palästinensischer Seite werden 3.592 Tote genannt, während palästinensische Quellen von 3.336 Toten ausgehen. Unter ihnen waren 985 Zivilisten; Israel bezeichnete 959 Getötete als Terroristen. 208 Palästinenser wurden gezielt getötet, mehr als 600 gehörten den Sicherheitsdiensten der Palästinensischen Autonomiebehörde an. Bei israelischen Luftangriffen, auch auf dicht besiedelte Gebiete, war der Anteil ziviler Opfer anfangs hoch. Er lag 2002 bei 50 % und sank bis 2007 auf 2–3 %.

Debatten über eine dritte Intifada

Nach dem Ende der zweiten Intifada wurde bei neuen Konflikten wiederholt von einer möglichen dritten Intifada gesprochen. Während der israelischen Operation Gegossenes Blei im Gazastreifen rief Hamas-Politbürochef Chalid Maschal im Dezember 2008 zu einer dritten Intifada auf.

Die Unruhen in Jerusalem im Sommer und Herbst 2014 wurden häufig ebenfalls als Intifada bezeichnet. Auslöser waren die Entführung und Ermordung der drei israelischen Jugendlichen Naftali Frankel, Gil-Ad Scha’ar und Ejal Jifrach.

Ab Oktober 2015 häuften sich Messerangriffe auf Israelis, die vor allem von palästinensischen Jugendlichen ausgeführt wurden; einige waren minderjährig oder weiblich. Anfang 2016 entstand dafür in israelischen Medien der Ausdruck „Messer-Intifada“, den auch deutsche Journalisten übernahmen. Kennzeichnend war, dass die Anschläge nicht organisiert waren und keiner verantwortlichen Organisation zugerechnet werden konnten. Viele Angreifer wurden während der Tat von Sicherheitskräften erschossen; in einzelnen Fällen starben Israelis durch verirrte Kugeln. Die Phase erreichte im Frühjahr 2016 ihren Höhepunkt, zu dem auch der Zwischenfall in Hebron am 24. März 2016 gehörte.

Bei vielen Jugendlichen wurde „Suicide by soldier“ angenommen: Sie sollen Angriffe begangen haben, um von Sicherheitskräften getötet zu werden. Untersuchungen der israelischen Armee und Polizei mit Psychologen kamen zu dem Ergebnis, dass etwa die Hälfte der 300 Angreifer in den 18 Monaten ab September 2015 zu dieser Gruppe gehörte. Als Gründe wurden unter anderem Mobbing, Missbrauch, Zwangsverheiratung und schlechte Schulnoten genannt. Am 2. Mai 2017 beging auch ein 19-jähriger Jude auf diese Weise Selbstmord.

Am 7. Dezember 2017 rief Hamas-Politbürochef Ismail Haniyya erneut zu einer dritten Intifada auf. Er reagierte damit auf die einen Tag zuvor erfolgte Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen.

Großangriff 2023 und Krieg

Am 7. Oktober 2023, 50 Jahre nach dem Jom-Kippur-Krieg, begann die radikal-islamische Hamas aus dem Gazastreifen einen Großangriff auf Israel. Dabei wurden Tausende Raketen auf Israel abgefeuert sowie israelische Zivilisten getötet, vergewaltigt und entführt.

Israel verhängte daraufhin den Kriegszustand und begann eine Offensive im Gazastreifen. Als Ziel nannte Israel die Ausschaltung der Hamas. Im Verlauf der Offensive wurden große Teile der zivilen Infrastruktur des Gazastreifens zerstört. Zehntausende Palästinenser, darunter viele Zivilisten, wurden getötet; ein Großteil der palästinensischen Bevölkerung ist seitdem auf Hilfe angewiesen.

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