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Untertauchen (Religion)
Das Untertauchen einer Person oder von Sachen im Wasser hat in Religionen (Kirchengemeinschaften) vielfach eine besondere religiöse Bedeutung.
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Bedeutung des Untertauchens
Das Untertauchen einer Person oder eines Gegenstands im Wasser hat in verschiedenen Religionen besondere religiöse Bedeutung. Es kann der rituellen Reinigung dienen, bei Menschen auch der Aufnahme in eine religiöse Gemeinschaft oder der Sündenvergebung.
Unterschieden werden vollständiges Untertauchen, Eintauchen sowie das Besprengen mit Wasser, das die Wirkung des Untertauchens oder Eintauchens symbolisch ausdrücken soll. Anders als bei einer Waschung betrifft das tatsächliche oder symbolische Untertauchen den ganzen Körper und nicht nur einzelne Extremitäten.
Wasser im Schöpfungsbericht
Im biblischen Schöpfungsmythos hat Wasser eine grundlegende Rolle: Es bedeckte ursprünglich alles. Am dritten Tag wird das vollständig untergetauchte Land freigegeben. In 1. Buch Mose 1,9–10 heißt es, Gott lasse das Wasser unterhalb des Himmels sich an einem Ort sammeln, damit das Trockene sichtbar werde. Das Trockene nennt Gott Land, das angesammelte Wasser Meer.
Reinigung und heilige Gewässer
Im Islam gibt es aufwendige und detaillierte Reinigungsvorschriften. Vollständiges Untertauchen ist für die religiöse Reinigung jedoch nicht zwingend vorgeschrieben. Übermäßiger Wasserverbrauch bei der Waschung gilt als verwerflich (Makrūh).
Im Hinduismus bedeutet das Untertauchen in Gewässern, besonders an heiligen Orten entlang des Ganges, die Hoffnung auf Sündenvergebung und Reinigung der Seele. Ist ein vollständiges Eintauchen an einem heiligen Ort nicht möglich, kann beispielsweise das Besprengen mit Ganges-Wasser als Alternative dienen.
Im Judentum hat Wasser eine besondere Bedeutung; auch ein toter Körper kann lebendiges Wasser nicht verunreinigen. Eine Mikwe, hebräisch „lebendiges Wasser“, ist ein Ritualbad mit fließendem reinem Wasser und besteht in jeder jüdischen Gemeinde. Durch vollständiges Untertauchen, Tevila genannt, wird rituelle Unreinheit beseitigt. Auch unrein gewordene Gegenstände können durch Untertauchen rituell gereinigt werden; dies heißt Kaschern.
Bei der Konversion eines Nicht-Juden zum Judentum gehört das vollständige Untertauchen in einer Mikwe zu den drei wichtigsten Voraussetzungen. In manchen Fällen reicht Untertauchen allein aber nicht aus, etwa bei schwerer Krankheit, Menstruation oder nach der Geburt eines Kindes.
Taufe durch Untertauchen
In christlichen Kirchengemeinschaften wird das Hineintauchen eines Täuflings ins Wasser oft als Untertauchen verstanden. Der ältere Ausdruck dafür ist Submersion. Die Taufe kann durch vollständiges Untertauchen des Körpers, durch Eintauchen nur von Körperteilen oder durch Besprengen erfolgen. Als wesentlich gilt dabei das Untertauchen, auch wenn es nicht vollständig geschieht oder nur symbolisch durch Besprengen angedeutet wird.
In der Reformationszeit praktizierten besonders die unitarischen Polnischen Brüder die Immersionstaufe, also die Taufe durch komplettes Untertauchen. Vermutlich beeinflussten sie die Schriften Servets, der die Immersionstaufe als einziges Zeichen der Konversion zum christlichen Glauben ansah. Nach der Vertreibung der Polnischen Brüder im Jahr 1658 verbreitete sich diese Taufpraxis in weiteren täuferischen und taufgesinnten Gemeinschaften.
Vollständiges oder weitgehendes Untertauchen praktizieren unter anderem Baptisten, Mennoniten, die Orthodoxe Kirche, Pfingstler, Siebenten-Tags-Adventisten, Zeugen Jehovas sowie die römisch-katholische und die altkatholische Kirche jeweils als erste Taufform.
Urchristentum und Mormonentum
Im Urchristentum erfolgte die Taufe sehr wahrscheinlich durch vollständiges Untertauchen im Wasser. In einer nächtlichen Tauffeier sollte dies den Bruch mit der bisherigen Identität ausdrücken. Die Täuflinge stiegen nackt in das Taufbecken, wurden dreimal mit Wasser übergossen, widersagten dem Bösen und einem gottfernen Leben und entschieden sich für ein von Christus her bestimmtes Leben. Eine Reinigung durch rituelles Untertauchen war dort hingegen nicht üblich.
Im Mormonentum nennt der vierte Glaubensartikel als Grundsätze und Verordnungen des Evangeliums: den Glauben an den Herrn Jesus Christus, die Umkehr, die Taufe durch Untertauchen zur Sündenvergebung und das Händeauflegen zur Gabe des Heiligen Geistes.