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Pessach
ḥāʾ; griechisch πάσχα pás.cha), gehört zu den wichtigsten Festen des Judentums. Das Fest erinnert an den Auszug aus Ägypten (Exodus), also die Befreiung der …
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Grundidee, Bedeutung und Zeitpunkt
Pessach gehört zu den wichtigsten Festen des Judentums. Es erinnert an den im 2. Buch Mose erzählten Auszug aus Ägypten (Exodus), durch den die Israeliten aus der Sklaverei befreit wurden. Die Haggada, die liturgische Nacherzählung des Geschehens, verbindet jede neue Generation mit dieser zentralen Befreiungserfahrung. Pessach stärkt dadurch die jüdische Identität und den Zusammenhalt der Gemeinschaft.
Das Fest beginnt mit dem Sederabend am Vorabend des 15. Nisan. Es dauert in Israel bis zum 21. Nisan, also sieben Tage, und in der Diaspora bei orthodoxen Juden bis zum 22. Nisan, also acht Tage. Da der jüdische Kalendertag bei Sonnenuntergang beginnt, setzt jeder Festtag bereits am vorherigen Abend ein. Pessach liegt im jüdischen Frühlingsmonat Nisan, gewöhnlich im März oder April. Beispiele für gregorianische Termine sind der 2. bis 9. April 2026 und der 22. bis 29. April 2027.
Die Tora schreibt für den ersten und siebten Festtag ein Arbeitsverbot vor. Die dazwischenliegenden Tage heißen Chol HaMoed und verbinden Merkmale von Werk- und Festtagen. In der Zeit des zweiten Jerusalemer Tempels, etwa zwischen 530 v. Chr. und 70 n. Chr., war Pessach neben Schawuot und Sukkot eines der drei großen Wallfahrtsfeste.
Biblische Grundlage
Nach Ex 12 wurde Pessach zwischen der Ankündigung und der Ausführung der letzten der Zehn Plagen eingesetzt. Weil der Pharao die Hebräer nicht ziehen ließ, kündigte Gott den Tod der ägyptischen Erstgeborenen von Mensch und Tier an. Jede israelitische Familie sollte ein männliches, einjähriges und fehlerloses Jungtier von Schaf oder Ziege schlachten, sein Blut an die Türpfosten streichen und das gebratene Tier gemeinsam vollständig verzehren. An den gekennzeichneten Häusern sollte JHWH vorübergehen und dem Verderber, hebräisch Maschechit, den Eintritt verwehren. Anschließend drängte der Pharao die Israeliten, Ägypten zu verlassen.
Mit dieser Erzählung verbindet die Tora weitere Regeln: allen gesäuerten Teig entfernen, sieben Tage Matzen essen, die Auszugsnacht angekleidet und zum Aufbruch bereit durchwachen sowie am ersten und letzten Festtag Versammlungen abhalten. Die männliche Erstgeburt soll bei Tieren geopfert beziehungsweise bei Menschen Gott geweiht werden. Auf die Frage eines Kindes nach dem Sinn des Festes soll die Befreiung aus Ägypten erzählt werden.
Dtn 16 machte Pessach später zu einem Fest am zentralen Heiligtum und verbot die Schlachtung zu Hause. Auch Rinder konnten als Opfertiere dienen. Num 9 erlaubt Menschen, die etwa wegen einer Reise oder kultischer Unreinheit verhindert waren, am 14. Ijjar Pessach scheni, das „zweite“ oder „kleine Pessach“, zu feiern. Es dauert nur einen Tag und kennt kein Verbot des Gesäuerten; zur Erinnerung werden dennoch unter anderem Matzen gegessen.
Entstehung und geschichtlicher Wandel
Nach einer verbreiteten Auffassung der alttestamentlichen Forschung gingen Pessach und das Fest der ungesäuerten Brote ursprünglich auf getrennte Riten zurück. Das siebentägige Mazzotfest stand am Beginn der Gerstenernte. Dabei wurde altes, zum Säuern verwendetes Getreide vom neuen getrennt und zunächst nur ungesäuertes Brot gegessen. Der Pessachritus wird dagegen überwiegend mit halbnomadischen oder nomadischen Schaf- und Ziegenhirten verbunden, die vor dem Aufbruch zu den Frühlingsweiden ein Tier opferten. Wann beide Feste verschmolzen, ist umstritten. Dtn 16 setzt ihre Verbindung bereits voraus und deutet die Mazzen als „Brot des Elends“, das an den Auszug erinnert.
Unter König Josia wurde Pessach nach 2 Kön 23 als zentrales Staats- und Tempelfest gefeiert. Im babylonischen Exil von 586 bis 539 v. Chr. wurde es wieder als Familienfest ausgestaltet; aus dieser Zeit stammen detaillierte Bestimmungen in Ex 12. Nach dem Wiederaufbau des Tempels ab 539 v. Chr. schlachteten Priester die Opfertiere, während Pilger sie im Tempelvorhof brieten und verzehrten. Unter römischer Herrschaft fand nur die Schlachtung am Tempel statt; gegessen wurde anschließend in den Häusern mit Vorspeisen, Wein und Gesang. Das war eine Vorform des späteren Seders.
Außerbiblische Texte ergänzen das Bild. Das um 150 v. Chr. entstandene Jubiläenbuch verlangt die jährliche Teilnahme männlicher Juden ab 20 Jahren und verbindet das Opfer mit dem Schutz Israels. Die Tempelrolle aus den Schriftrollen vom Toten Meer bestätigt das Mindestalter und die Schlachtung durch Priester. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahr 70 endeten die Opfer und Pessach wurde zum reinen Hausfest. Die Mischna ordnete die überlieferten Regeln und begründete den häuslichen Seder als Fortsetzung des früheren Pessachritus. Der bis heute maßgebliche Ablauf wurde bis zum 10. Jahrhundert weiter ausgearbeitet.
Vorbereitung und Speiseregeln
Während des gesamten Festes darf kein Chametz, also Gesäuertes, gegessen werden oder sich im Haus befinden. Nach rabbinischer Auslegung umfasst dies Weizen, Roggen, Gerste, Hafer oder Dinkel, sobald das Getreide mindestens 18 Minuten mit Wasser in Berührung gekommen ist, sowie daraus hergestellte Speisen und Getränke. Auch Gegenstände, die mit Gesäuertem in Kontakt kamen, dürfen nicht zur Zubereitung und Darreichung von Speisen oder zur Viehfütterung verwendet werden.
In der Woche vor Pessach wird Chametz verzehrt, verschenkt oder verkauft. Das Haus wird gründlich gereinigt und zum Abschluss bei Kerzenlicht nach Resten durchsucht. Vergessenes und später entdecktes Chametz darf nicht mehr genutzt werden. Glasgeschirr wird drei Tage gewässert, wobei das Wasser alle 24 Stunden gewechselt wird. Töpfe und Besteck aus Eisen werden abgekocht und damit gekaschert, also nach den religiösen Vorschriften verwendbar gemacht. Viele Haushalte besitzen besonderes Pessachgeschirr; ungeeignete Küchengegenstände werden weggeschlossen.
Statt gesäuertem Brot werden Matzen gegessen. Das sind dünne, knusprige Fladen aus Mehl und Wasser ohne Hefe. Vom Anrühren bis zum Backen dürfen höchstens 18 Minuten vergehen. Sie erinnern daran, dass die Israeliten Ägypten so schnell verlassen mussten, dass ihr Brotteig keine Zeit zum Säuern hatte.
Seder, Omer und Totengedenken
Das eigentliche Pessach beginnt nach dem Abendgottesdienst in der Synagoge mit dem Seder, einem nach fester „Ordnung“ gestalteten Familienmahl. Nach dem Segen Schehechejanu werden symbolische Speisen gegessen. Die Leitung liest dazu Bibeltexte und Erklärungen aus der Haggada vor. Das jüngste Tischmitglied stellt die vier Fragen, Ma Nischtana. Jeder Teilnehmende soll sich so verstehen, als wäre er selbst aus Ägypten befreit worden.
Zum Seder gehören vier Becher Wein. Sie stehen nach Ex 6,6–7 für Gottes Zusagen, Israel herauszuführen, zu erretten, zu erlösen und als eigenes Volk anzunehmen. In manchen Traditionen steht seit dem Mittelalter ein fünfter Becher für den Propheten Elija bereit, der das Kommen des Messias ankündigen soll. Im liberalen Judentum kann zusätzlich ein Becher Wasser an Mirjam, die Schwester des Moses, erinnern. Lob- und Danklieder begleiten die Feier; traditionell endet sie mit Chad gadja.
Am 16. Nisan wurde zur Zeit des Tempels der Omer, die erste Garbe der neuen Getreideernte, zusammen mit einem Brandopfer dargebracht. Erst danach durfte die neue Ernte gegessen werden. Über das genaue Datum gab es unterschiedliche Auffassungen: Boethusäer, Sadduzäer und Karäer legten die Darbringung stets auf einen Sonntag; die Pharisäer setzten den 16. Nisan durch. Mit dem Omer beginnt die Zählung von sieben Wochen bis Schawuot am fünfzigsten Tag. Seit der Tempelzerstörung wird nur noch die förmliche Omer-Zählung vollzogen.
Am letzten Pessachtag wird mit dem Jiskor-Gebet verstorbener Angehöriger gedacht. Die Betenden besinnen sich auf die Vergänglichkeit des Menschen und versprechen Spenden für Wohltätigkeit und Tora-Ausbildung. Am eigentlichen Jiskor nehmen gewöhnlich nur Menschen teil, die mindestens einen Elternteil verloren haben.
Beziehung zum Christentum
Nach dem Neuen Testament fielen Kreuzigung und Auferstehung Jesu in eine Pessachwoche. Die Evangelien nennen jedoch unterschiedliche Daten: Nach den synoptischen Evangelien starb Jesus am ersten Pessachtag, dem 15. Nisan; nach dem Johannesevangelium am 14. Nisan, während im Tempel die Pessachlämmer geschlachtet wurden. Das Urchristentum stellte seinen Tod deshalb in den Zusammenhang der jüdischen Befreiungshoffnung und deutete Jesus als gegenbildliches Pessach- beziehungsweise Osterlamm. Seine Auferstehung galt als Bestätigung und Ausweitung dieser Hoffnung auf alle Völker.
Das frühchristliche Abendmahl übernahm nach Joachim Jeremias Elemente des jüdischen Seders: die häusliche Feier, Deuteworte zu Speisen, Dankgebet und Segensbecher. Paulus bezeichnet Christus als „unser Pas-cha“ und verbindet dies mit der Aufforderung, den „alten Sauerteig“ innerchristlicher Machtkämpfe aufzugeben.
In der Alten Kirche wurde lange über den Ostertermin gestritten. Schließlich legte man Ostern auf den Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond, um es vom jüdischen Pessachtermin zu unterscheiden. Die christliche Osterliturgie bewahrte dennoch deutliche Bezüge: In der Osternacht wird die Exodusgeschichte gelesen, die Osterkerze erinnert an die Feuersäule beim Auszug, und das Exsultet verbindet die Befreiung Israels mit der Auferstehung Christi. Die lateinische und armenische Kirche verwenden bei der Eucharistie ungesäuertes Brot; der Streit darüber mit der orthodoxen Kirche, die gesäuertes Brot verlangt, heißt Azymastreit.