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Schawuot
Schawuot (hebräisch שָׁבוּעוֹת šavūʿōṯ, deutsch ‚Wochen'; jiddisch שבֿועות shvues) ist ein jüdisches Fest und eines der drei Wallfahrtsfeste, …
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Grundidee und Einordnung
Schawuot ist ein jüdisches Fest und gehört zu den drei Wallfahrtsfesten. Es wird sieben Wochen nach Pessach gefeiert; in der Inklusivzählung sind das 50 Tage. Der zentrale Termin ist der 6. Siwan im jüdischen Kalender.
Im Judentum heißen Festtage auf Hebräisch jamim towim, also „gute Tage“ oder „Festtage“. Halachisch, das heißt nach jüdischem Religionsgesetz, gehören dazu die Tage, an denen die Tora ein Arbeitsverbot gebietet. Zu diesen Tagen zählen der erste und siebte Tag von Pessach, der erste und achte Tag von Sukkot, Schawuot sowie der erste Tag des siebten Monats, Rosch ha-Schana. Schawuot ist damit ein Feiertag, an dem nach der Tora nicht gearbeitet werden soll.
Namen und Bedeutungen
Schawuot hat in der Tora mehrere Namen, die verschiedene Bedeutungen des Festes zeigen. Es heißt Chag HaSchawuot, „Wochenfest“, in 2 Mos 34,22 und 5 Mos 16,10. Es heißt außerdem Chag HaKatzir, „Fest der Ernte“, in 3 Mos 23,16, und Jom HaBikkurim, „Tag der Erstfrüchte“, in 4 Mos 28,26. Mischna und Talmud kennen das Fest auch als Atzeret, „feierliche Versammlung“.
Eine wichtige Bedeutung ist die eines Erntedankfestes. Zur Zeit von Schawuot wird in Israel der erste Weizen geerntet. Darum ist das Fest mit Ernte, Erstlingsfrüchten und Dank verbunden.
Eine zweite zentrale Bedeutung ist der Empfang der Zehn Gebote am Berg Sinai. In der Liturgie wird Schawuot deshalb Chag matan toratenu genannt, „Fest der Offenbarung unserer Tora“. Am ersten Tag wird dazu Ex 19 und 20,1–23 aus der Tora gelesen; als Maftir Num 28,26–31 und als Haftara Ezechiel 1,1–28 und 3,12. Nach der biblischen Überlieferung hatte Mose die ersten Steintafeln mit den Zehn Geboten zerschmettert, weil das Volk Israel ein Goldenes Kalb anbetete. Danach stieg Mose erneut auf den Berg Sinai, um die Gebote ein weiteres Mal zu erbitten.
Feier und Bräuche
Schawuot bildet den Abschluss der Frühlingsfeste und der Erstlingsfrüchte. Dazu gehören auch Pessach und das Omer-Zählen, also das Zählen der Tage zwischen Pessach und Schawuot. Die Synagoge wird geschmückt, weil sie an diesem Tag symbolisch den Berg Sinai darstellt.
Im Mittelpunkt der Toralesung stehen die Zehn Gebote. Sie werden mit einer besonderen Melodie vorgelesen. Während dieser Lesung steht die ganze Gemeinde. Für diesen Abschnitt wird als besondere Ehre der Rabbiner oder ein anderes führendes Gemeindemitglied zur Tora aufgerufen. Vorher wird das Akdamut gesprochen, ein aramäisches Gebet mit besonderer Melodie, ebenso der Segen Schehechejanu. Mit dem Akdamut wird um die Erlaubnis gebeten, überhaupt mit der Toralesung beginnen zu dürfen.
Neben den Zehn Geboten wird auch aus dem Buch Rut gelesen. Nach der Überlieferung wurde König David, der Urenkel Ruts, an einem Schawuot geboren und starb nach 70 Jahren ebenfalls an einem Schawuot.
Ein bekannter Brauch ist der Verzehr milchiger Speisen. Traditionell wird Milch getrunken; dazu isst man süße milchige Speisen wie Eierkuchen mit Quark oder Käsekuchen sowie Honig. Die Begründung lautet, dass die Tora mit Milch verglichen wird, die das Volk Israel wie ein unschuldiges Kind begierig trinkt.
Nachtwache und Gedenken
Viele Gläubige verbringen die Nacht von Schawuot mit Torastudium in der Synagoge. Diese Nachtwache heißt auf Hebräisch Tikun Chazot. In Synagogen und Jeschiwot, also Talmud-Toraschulen, bleiben die Teilnehmenden meist die ganze Nacht wach. Sie lernen gemeinsam die Tora, häufig zu zweit. Rabbiner und Schriftgelehrte halten Vorträge.
Das Studium wird zwischendurch durch Gesang und Tanz unterbrochen. Die Nacht endet mit dem Morgengebet: In der ersten Morgendämmerung versammeln sich alle, damit beim Sonnenaufgang das Schma Jisrael gesprochen werden kann.
Nach aschkenasischem Ritus wird viermal im Jahr ein besonderes Gedenkgebet gesprochen: an Jom Kippur, Schmini Azeret, am letzten Tag von Pessach und am zweiten Tag von Schawuot. Dieses Gebet heißt Jiskor, „Erinnerung“. Es dient dem Gedenken an verstorbene Eltern und enthält eine Bitte für Zedaka, also Spenden oder Wohltaten, zu ihrem Wohl. Während des Jiskor-Gebets bleiben nur diejenigen in der Synagoge, deren Vater und/oder Mutter nicht mehr lebt. Die anderen verlassen vorübergehend den Raum, damit die Trauernden einen privaten Moment des Erinnerns haben.
Termin und Kalender
Schawuot wird am 5., 6. oder 7. Siwan gefeiert. In der Diaspora dauert das Fest zwei Tage und wird am 6. und 7. Siwan begangen.
Im bürgerlichen Kalender liegen die Daten je nach jüdischem Jahr unterschiedlich. Für das jüdische Jahr 5786 ist Schawuot vom 22. bis 23. Mai 2026 angegeben, für 5787 vom 11. bis 12. Juni 2027, für 5788 vom 31. Mai bis 1. Juni 2028 und für 5789 vom 20. bis 21. Mai 2029.
Jeder Festtag beginnt bereits am Vorabend des bürgerlichen Datums. Der Grund ist, dass im jüdischen Kalender ein Tag von Abend bis Abend dauert, nicht wie im bürgerlichen Kalender von Mitternacht bis Mitternacht. Der abendliche Beginn eines Festes wird Erev genannt, vom hebräischen Wort für „Abend“.
Bezug zum Christentum
Im Christentum wird Schawuot mit der Entstehung des Pfingstfestes verbunden. Christen glauben an die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Erde. Nach der Apostelgeschichte des Lukas 2,1 geschah dies am 50. Tag nach Pessach, also an Schawuot. In der griechischen Bezeichnung heißt dieser 50. Tag Pentekoste, „der 50.“. Daraus entwickelte sich später das christliche Pfingstfest.
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