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Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion

Nach der Verabschiedung der Völkermord-Resolution durch den Bundestag sagte die DİTİB ein Ramadan-Fastenbrechen, welches in der Sehitlik-Moschee mit …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Organisation
  2. 2. Anbindung an die Türkei
  3. 3. Imame, Finanzierung und Moscheen
  4. 4. Politische und gesellschaftliche Kontroversen
  5. 5. Krieg, Geheimdienstvorwürfe und Extremismusbezüge

Kern und Organisation

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. (türkisch Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, abgekürzt DİTİB) ist die größte sunnitisch-islamische Organisation in Deutschland. Sie wurde am 5. Juli 1984 gegründet, hat ihren Sitz in Köln-Ehrenfeld und ist ein eingetragener Verein. Der Verband umfasst über 900 Vereine; im Artikel werden für frühere Jahre unter anderem 230 Vereine im Gründungsjahr 1984, über 770 Moscheevereine im Jahr 2002, 870 im Jahr 2005, mehr als 880 im Jahr 2007 und 896 im Jahr 2014 genannt.

DİTİB vertritt ein Islamverständnis im Sinne des in der Türkei vorherrschenden sunnitischen Islams. Zu den genannten Zielen gehören religiöse Betreuung, Aufklärung und Unterweisung türkischer Muslime in Deutschland, Einrichtung und Unterhalt von Gebets- und Unterrichtsstätten, Ausbildung von Laienpredigern, soziale und kulturelle Aktivitäten, Sprachkurse und Berufsbildungsmaßnahmen. Außerdem unterhält DİTİB einen Bestattungsfonds, der die Überführung und Beisetzung verstorbener türkischer Muslime in der Türkei organisiert und finanziert.

Organe des Vereins sind Mitgliederversammlung, Vorstand und Beirat. Der Beirat gilt im Artikel als besonders mächtig, weil nur von ihm vorgeschlagene Personen in den Vorstand gewählt werden können und er Leitungs-, Steuerungs- und Kontrollbefugnisse besitzt. Er besteht aus Diyanet-Funktionären; Vertreter der Diyanet haben in Mitgliederversammlungen zudem größeres Stimmengewicht als Vertreter der Ortsgemeinden. Die Ortsgemeinden sind rechtlich und wirtschaftlich selbständige Vereine, erkennen DİTİB aber als Dachverband an. In jedem Moscheeverein und in jedem der 15 Landesverbände gibt es gewählte Jugend- und Frauenverbände; seit 2013 besteht ein Bundesfrauenverband und seit 2014 der Bundesjugendverband „Bund Der Muslimischen Jugend“ (BDMJ).

Anbindung an die Türkei

Ein zentrales Merkmal der DİTİB ist ihre enge Verbindung zum türkischen Staat. Sie untersteht laut Artikel der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten der Türkei, der Diyanet İşleri Başkanlığı. Diese Behörde war früher dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert und ist heute direkt dem Präsidenten unterstellt. Der Vorsitzende der DİTİB ist in Personalunion auch türkischer Botschaftsrat für religiöse und soziale Angelegenheiten. Seit 2023 ist Muharrem Kuzey Vorsitzender; frühere Vorsitzende waren unter anderem Rıdvan Çakır, Sadi Arslan, Ali Dere, İzzet Er, Nevzat Yaşar Aşıkoğlu und Kazım Türkmen.

Auch die Landesverbände stehen nach Darstellung des Artikels unter starkem Einfluss der Zentrale in Köln und der türkischen Auslandsvertretungen. Entscheidungen werden häufig mit der Zentrale abgestimmt; zuständige Attachés erwarten enge Koordination. 2018 trat der Vorstand des Landesverbandes Niedersachsen und Bremen unter Yilmaz Kilic aus Protest zurück, weil das türkische Generalkonsulat in Hannover nach seiner Darstellung eine ständige Kontrolle ausgeübt habe. Ohne Zustimmung der für Religion zuständigen Konsulatsbeamten könne faktisch kein Vorstand gewählt und keine Satzung geändert werden.

Kritiker bezeichnen DİTİB als „verlängerten Arm des türkischen Staates“ oder als Vorfeldorganisation türkischer Regierungsinteressen. Genannt werden unter anderem Vorwürfe von türkischem Nationalismus, Einflussnahme auf Gemeinden und politische Nähe zur Regierung Erdoğan. Andere Passagen berichten über staatliche Zusammenarbeit mit DİTİB in Deutschland, etwa über Staatsverträge, Religionsunterricht oder Integrationsprojekte, die zugleich immer wieder politisch umstritten waren.

Imame, Finanzierung und Moscheen

Die Imame der DİTİB werden traditionell an staatlichen theologischen Hochschulen in der Türkei ausgebildet und für etwa fünf Jahre nach Deutschland entsandt. Sie sind de facto Beamte des türkischen Staates und werden von diesem bezahlt. Der Artikel nennt 970 entsandte türkische Imame in Deutschland; für 2017 werden 350 islamische Geistliche genannt, deren Aufenthalt über Arbeitsvisa mit 180 Tagen Gültigkeit genehmigt wurde. Kritisiert wird, dass diese Imame häufig die Lebensverhältnisse türkischstämmiger Menschen in Deutschland nicht genau kennen und Deutsch nicht ausreichend beherrschen.

Seit Januar 2020 bietet DİTİB in Dahlem/Eifel ein eigenes zweijähriges Ausbildungsprogramm „Religionsbeauftragte für Moscheegemeinden“ an. Es richtet sich an 30 Personen pro Jahr mit mindestens Bachelorabschluss in islamischer Theologie. Ziel ist eine Qualifizierung für Aufgaben als Imam, Muezzin, Prediger, Gemeindeseelsorger und Gemeindepädagoge. Die Bundesregierung bewertete dies laut Artikel vorsichtig optimistisch als Alternative zur Entsendung aus der Türkei; der Religionswissenschaftler Rauf Ceylan hielt die Ausbildung wegen der Abhängigkeit vom türkischen Staat jedoch nicht für eine Lösung.

Zur Finanzierung nennt der Artikel die türkische Religionsbehörde Diyanet als zentrale Institution. Ihr Haushalt 2016 wird mit rund 6,4 Milliarden Türkischen Lira, etwa 1,8 Milliarden Euro, angegeben; sie unterhalte 120.000 Mitarbeiter. Deutsche Fördermittel für DİTİB wurden laut Artikel gekürzt: 2016 zahlte das Bundesinnenministerium 3,27 Millionen Euro, 2017 1,47 Millionen Euro und 2018 sollten es 297.500 Euro sein. 2020 kündigte Hessen an, die Partnerschaft beim bekenntnisorientierten muslimischen Religionsunterricht wegen zu starker Nähe zum türkischen Staat auszusetzen.

DİTİB betreibt zahlreiche Moscheen, darunter die DİTİB-Zentralmoschee Köln in Köln-Ehrenfeld, deren Neubau ab November 2009 umgesetzt wurde, sowie eine Zentralmoschee in Essen-Altendorf. Moscheebauten wurden mehrfach kontrovers diskutiert, unter anderem wegen der Rolle der türkischen Religionsbehörde und wegen des Vorwurfs, in Deutschland Religionsfreiheit einzufordern, während Christen und Aleviten in der Türkei nicht dieselben Möglichkeiten hätten.

Politische und gesellschaftliche Kontroversen

Der Artikel beschreibt zahlreiche Kontroversen um DİTİB. Zugleich nennt er Beispiele, in denen DİTİB öffentlich gegen Gewalt im Namen des Islams auftrat: Am 21. November 2004 war der Verband Mitinitiator der Kölner Demonstration „Gemeinsam für Frieden und gegen Terror“ mit über 20.000 teilnehmenden Muslimen. Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo riefen große Islamverbände zu einer Mahnwache für Toleranz und gegen Extremismus am Brandenburger Tor auf.

Kritik entstand unter anderem wegen Berichten über radikale Islamisten in einzelnen DİTİB-Moscheen, antisemitische Inhalte, problematische Social-Media-Beiträge und fehlende Distanzierungen. 2015 stellte die DİTİB-Gemeinde Melsungen eine türkischsprachige Sammlung von Koran- und Hadith-Sprüchen über Juden online, in der Juden negativ charakterisiert wurden; der hessische Landesverband distanzierte sich davon. 2022 verurteilte das Amtsgericht Göttingen Mustafa Keskin, den langjährigen Vorsitzenden der Göttinger DİTİB-Gemeinde, wegen Volksverhetzung und Billigung von Straftaten zu zehn Monaten Bewährungsstrafe und einer Geldauflage. Es ging um Posts von 2015 bis 2021, darunter antisemitische, antizionistische und armenierfeindliche Inhalte. DİTİB distanzierte sich in diesem Fall, Keskin musste zurücktreten, und die Gemeinde setzte später den interreligiösen Dialog fort.

Weitere Kontroversen betreffen die Haltung zum Völkermord an den Armeniern. Laut Artikel leugnet DİTİB den Völkermord und rief vor der Bundestagsabstimmung vom 2. Juni 2016 zusammen mit anderen türkischen Verbänden zu Protesten gegen die Resolution auf. Nach der Verabschiedung sagte DİTİB ein Ramadan-Fastenbrechen mit Bundestagspräsident Norbert Lammert wegen Drohungen ab; außerdem wurde Aydan Özoğuz von einem gemeinsamen Fastenbrechen ausgeladen, weil sie nicht gegen die Resolution gestimmt hatte.

Auch Fragen von Integration, Frauenrechten und LGBT-Rechten werden als Streitpunkte dargestellt. Kritiker warfen DİTİB vor, eher türkische Tradition und Nationalbewusstsein zu bewahren als Integration zu fördern. Genannt werden außerdem Vorwürfe frauenfeindlicher Inhalte in Schriften der Diyanet oder in einer von DİTİB vertriebenen Islam-Fibel. Beim Thema LGBT-Personen berichtet der Artikel, DİTİB habe sich 2020 auf Anfrage nicht zu LGBT-feindlichen Positionen des Diyanet-Präsidenten Ali Erbaş geäußert und bekenne sich bis heute nicht zu den verfassungsgemäßen Rechten von LGBT-Personen. Für 2025 wird eine Predigt des Diyanet-Präsidenten Safi Arpaguş erwähnt, die „abweichende Beziehungen“ von LGBT-Personen als Bedrohung der Familie darstellte.

Krieg, Geheimdienstvorwürfe und Extremismusbezüge

Während türkischer Militäreinsätze in Syrien wurde DİTİB wiederholt vorgeworfen, Moscheen für türkische Kriegspropaganda einzubinden. Im Januar 2018 ließ die Diyanet in DİTİB-Moscheen mit der Eroberungssure des Korans für den Erfolg der türkischen Offensive gegen Kurden in Syrien beten. Außerdem wurden Kriegsvideos in sozialen Netzwerken verbreitet und Reisen beworben, bei denen laut Artikel Erdoğan als „oberstem Heerführer“ gehuldigt werden sollte. DİTİB wies Kritik zurück und erklärte, ein Aufruf zu bestimmten Gebeten sei nicht von ihr, sondern von der Religionsbehörde in Ankara ausgegangen.

2018 wurde bekannt, dass in mehreren DİTİB-Moscheen Kinder im Vorschulalter in Soldatenuniformen und mit türkischen Fahnen Kriegsszenen nachspielten. Kleine Kinder marschierten durch Moscheen, stellten getroffene Soldaten dar, und die türkische Fahne wurde wie ein Leichentuch über sie gelegt. Als Grund wurde das Gedenken an die Schlacht von Gallipoli genannt. Diese Veranstaltungen wurden besonders von CDU- und FDP-Vertretern stark kritisiert.

Schwerwiegend sind auch Vorwürfe der Zusammenarbeit mit türkischen Behörden und dem Geheimdienst MİT. Bereits 1994 berichtete Focus, über die Türkei bezahlte Imame müssten regelmäßig Berichte über das Innenleben türkischer Gemeinden schreiben. Nach dem Putschversuch 2016 in der Türkei wurden Imame über Religionsattachés aufgefordert, über die Gülen-Bewegung zu berichten. Ende 2016 wurde bekannt, dass in mehreren deutschen Städten Imame tatsächlich Berichte über mutmaßliche Gülen-Anhänger verfasst hatten. DİTİB dementierte zunächst, räumte später aber ein, dass eine Aufforderung über türkische Generalkonsulate erfolgt sei, und bezeichnete dies als Fehler. Der Generalbundesanwalt prüfte die Verantwortung der DİTİB; 2017 wurden bei Razzien Beweismittel in Wohnungen von DİTİB-Imamen sichergestellt. Seitdem wurde gegen 19 Imame ermittelt, die Informationen über Gegner der türkischen Staatsführung übermittelt haben sollen.

Der Artikel nennt außerdem Kontakte oder Überschneidungen zu islamistischen und rechtsextremen Milieus. 2019 nahmen an einer Islamkonferenz in der Kölner DİTİB-Zentralmoschee Personen teil, die Sicherheitsbehörden der Muslimbruderschaft zuordnen. Das nordrhein-westfälische Innenministerium erklärte dazu, wegen der Nähe DİTİB zur türkischen Religionsbehörde und der türkischen Unterstützung für die Muslimbruderschaft gebe es offenbar keine Berührungsängste. 2022 berichtete Der Spiegel, einige DİTİB-Funktionäre sympathisierten offen mit den türkischen Rechtsextremisten der Grauen Wölfe.

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