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Islamische Organisationen in Deutschland

Das Bündnis Malikitische Gemeinde Deutschland (BMG) vertritt einen traditionell-sunnitischen Islam nordafrikanischer Prägung. · Die Islamische Gemeinschaft in …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Organisationsform
  2. 2. Sunnitische Verbände
  3. 3. Schiitische und weitere religiöse Strömungen
  4. 4. Dachverbände und staatliche Anerkennung
  5. 5. Körperschaften des öffentlichen Rechts
  6. 6. Interessen, Bildung und Islamkonferenz

Überblick und Organisationsform

Islamische Organisationen in Deutschland entstanden durch Missionare, Konvertiten sowie durch die Immigration von Arbeitsmigranten, Akademikern, Händlern und muslimischen Flüchtlingen. Viele richteten an ihren Wohnorten Gebetsstätten ein. Die meisten lokalen Gemeinschaften und Moscheen sind als Moscheevereine nach deutschem Vereinsrecht organisiert. Sie orientieren sich häufig an religiösen Strömungen, theologischen Richtungen und Institutionen aus den Herkunftsländern ihrer Mitglieder.

Die islamische Organisationslandschaft ist sehr vielfältig. Unterschiede bestehen nicht nur nach ethnischer Herkunft, sondern auch nach religiöser Tradition, theologischer Ausrichtung und Organisationsweise. Viele Moscheen gehören ethnisch geprägten Dachverbänden an. Den größten Anteil unter den in solchen Verbänden organisierten Vereinen stellt die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e. V. (DİTİB) mit etwa einem Drittel. Danach folgen die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş e. V. (IGMG), die Ahmadiyya Muslim Jamaat K.d.ö.R. (AMJ) und der Verband der Islamischen Kulturzentren e. V. (VIKZ). Zusätzlich haben viele Dachverbände Landesverbandsstrukturen aufgebaut; in einigen Bundesländern gibt es dachverbandsübergreifende islamische Landesverbände wie die Schura Hamburg oder Schura Bremen.

Sunnitische Verbände

Im sunnitischen Islam sind in Deutschland besonders türkisch, arabisch und europäisch geprägte Verbände vertreten. DİTİB wurde 1984 als Ableger der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Deutschland gegründet und hat ihren Sitz in Köln-Ehrenfeld. Sie gilt als mitgliederstärkster islamischer Verein in Deutschland. Die genaue Mitgliederzahl ist nicht bekannt; Schätzungen nennen, dass weniger als 13 % aller türkischen Muslime überhaupt einem Verband angehören. Imame und Religionslehrer ihrer Gemeinden werden aus der Türkei entsandt. Die Rolle der DİTİB ist umstritten, weil über sie der türkische Staat direkten Einfluss auf islamisches Leben in Deutschland nimmt. DİTİB war 2004 Initiatorin der Demonstration „Gemeinsam für Frieden und gegen Terror“ in Köln mit über 20.000 muslimischen Gläubigen.

Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş wurde 1976 in Köln gegründet und trägt seit 1995 diesen Namen. Sie hat ihren Sitz europaweit in Kerpen und ist in Deutschland in 16 regionale Sektionen gegliedert. Mehrere Landesämter für Verfassungsschutz beobachten sie und berichten über verfassungsfeindliche Tendenzen; zugleich betonen sie, dass es sich nicht um eine Organisation gewaltbereiter Islamisten handele. Weitere türkisch-sunnitische Organisationen sind ATİB, der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), Organisationen der Nur-Schüler nach Said Nursî sowie frühere oder verbotene Gruppen wie der Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e. V. (ICCB), der 2002 wegen verfassungsfeindlicher Zielsetzung verboten wurde.

Zu den arabisch-sunnitischen Verbänden zählt das Bündnis Malikitische Gemeinde Deutschland (BMG), das einen traditionell-sunnitischen Islam nordafrikanischer Prägung vertritt und nach eigenen Angaben etwa 120 Moscheegemeinden umfasst. Die Islamische Gemeinschaft in Deutschland wurde 1958 in München gegründet und gehört zur fundamentalistischen Muslimbruderschaft. Sie bemüht sich um eine deutsche islamische Identität und versteht sich als Heimstätte für einen deutschsprachigen Islam. Hizb ut-Tahrir wurde 2002 wegen verfassungsfeindlicher Zielsetzung verboten.

Europäisch-sunnitische Verbände sind unter anderem die Vereinigung islamischer Gemeinden der Bosniaken in Deutschland, die 1994 gegründet wurde und ihren Sitz in Kamp-Lintfort hat, sowie die Union der Islamisch Albanischen Zentren in Deutschland mit Sitz in Hamburg. Beide stehen für muslimische Gemeinschaften mit Herkunftsbezügen nach Bosnien-Herzegowina beziehungsweise Albanien.

Schiitische und weitere religiöse Strömungen

Im schiitischen Islam werden in Deutschland Zwölfer-Schiiten und Siebenerschiiten, also Ismailiten, genannt. Das Islamische Zentrum Hamburg war bis zu seinem Verbot 2024 die einflussreichste zwölferschiitische Institution Europas und galt als Verbindungszentrum zur Islamischen Republik Iran. Die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands wurde 2009 gegründet, hat ihren Sitz in Berlin und umfasst mehr als 100 schiitische Gemeinden. Die Ismailische Gemeinschaft ist der Dachverband der Ismailiten in Deutschland und unterhält vier Gebetsstätten, sogenannte Jama'at Khana, in Berlin, Bösel, Essen und Frankfurt. Religiöses Oberhaupt ist der Aga Khan, gegenwärtig Karim Aga Khan IV., der 49. Imam dieser Glaubensgemeinschaft.

Zur Ahmadiyya gehören die Lahore-Ahmadiyya-Bewegung Deutschland und die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland KdöR. Die „Muslimische Mission Berlin“ der Lahore-Ahmadiyya-Bewegung baute 1924 in Berlin die älteste Moschee Deutschlands, die Wilmersdorfer Moschee. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist seit den frühen 1920er-Jahren in Deutschland vertreten.

Die Alevitische Gemeinde Deutschland vertritt seit 1992 die Aleviten, die im Artikel als neben den türkischen Sunniten zweitgrößte Gruppe türkischer Muslime in Deutschland bezeichnet werden. Aleviten werden als liberale Glaubensgemeinschaft beschrieben; für sie gilt zum Beispiel das islamische Rechtssystem Scharia nicht. Die Alevitische Gemeinde Deutschland hat mehr als 100 Vereine mit über 20.000 Mitgliedern. In Deutschland leben rund 500.000 Aleviten, andere Schätzungen nennen 700.000 Anhänger. Die AABF betont die Trennung von Staat und Religion.

Weitere Strömungen sind al-Habasch, Sufi-Organisationen, Konvertitenverbände und liberale muslimische Zusammenschlüsse. Der Islamische Verein für wohltätige Projekte e. V. folgt den Lehren Abdullah al-Hararis und eröffnete 2010 in Berlin-Kreuzberg das Maschari-Center mit der Omar-Ibn-Al-Khattab-Moschee. Der Haqqani Trust ist ein überregional tätiger Sufi-Verein aus dem Orden Naqschbandi-Haqqani. Die Deutsche Muslim-Liga und die Deutsche Muslim-Liga Bonn sind wichtige Organisationen für Konvertiten. Liberale Organisationen sind unter anderem der Liberal-Islamische Bund, der Verband Demokratisch-Europäischer Muslime, das Muslimische Forum Deutschland und das Zentrum für Islamische Frauenforschung und -förderung.

Dachverbände und staatliche Anerkennung

Als Ansprechpartner für deutsche Bundes- und Landesinstitutionen wurde der Koordinierungsrat der Muslime geschaffen. Ihm gehören der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland, der Zentralrat der Muslime in Deutschland, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion und der Verband der islamischen Kulturzentren an. Er wurde um den Zentralrat der Marokkaner in Deutschland und die Union der islamisch-albanischen Zentren erweitert; perspektivisch wird auch die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken genannt.

Der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland ist ein Verband, dessen größte Mitgliedsorganisation die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş ist. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland vertritt, anders als sein Name nahelegt, nur eine Minderheit der Muslime in Deutschland, ist aber der ethnisch vielfältigste muslimische Verband im Land. Das Islamische Konzil in Deutschland war von 1989 bis 2000 aktiv und vereinte verschiedene Organisationen, darunter Millî Görüş, die Islamische Gemeinschaft in Deutschland, die Muslim Studentenvereinigung sowie bosniakische, albanische, türkische, bengalische und indonesische Verbände.

Ein wichtiges Ziel einiger islamischer Föderationen in den Bundesländern ist die Durchsetzung islamischen Religionsunterrichts unter ihrer Regie. Dabei verwiesen Kultusministerien wiederholt auf das Problem, dass es im Islam keine den Kirchen vergleichbaren Organisationen gebe, die Verantwortung für Religionsunterricht übernehmen könnten.

Körperschaften des öffentlichen Rechts

Nur wenige muslimische und alevitische Vereinigungen sind in einzelnen deutschen Ländern als Körperschaften des öffentlichen Rechts (KdöR) anerkannt. Dieser Status bedeutet besondere staatliche Rechte. Dazu gehören das Recht, durch den Staat eigene Steuern erheben zu lassen, Kirchenbeamte zu ernennen, neu zuziehende Mitglieder am neuen Wohnort in Anspruch zu nehmen und Friedhofsträger zu sein.

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland KdöR hat ihr deutsches Zentrum, Baitus Sabuh, in Frankfurt am Main. Sie besitzt seit 2013 in Hessen und seit 2014 in Hamburg Körperschaftsstatus. Der Artikel nennt rund 50.000 Mitglieder, mehr als 78 repräsentative Moscheen mit Kuppel und/oder Minarett im Rahmen eines 100-Moscheen-Plans sowie 250 Lokalgemeinden mit kleineren Gebetsräumen. 2012 eröffnete sie das erste Institut für die Ausbildung deutschsprachiger Imame in Deutschland. Seit 2013 ist sie Trägerin für muslimischen Religionsunterricht an Grundschulen in Hessen.

Die Alevitische Gemeinde Deutschland ist die Dachorganisation der deutschen Aleviten und vertritt die Interessen von 160 Mitgliedsgemeinden. Sie ist in Nordrhein-Westfalen und Berlin als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Einige türkische Vereine und Dachverbände, darunter DİTİB, haben ebenfalls Anträge auf Kirchenstatus gestellt; diese wurden bisher nicht genehmigt.

Interessen, Bildung und Islamkonferenz

Neben Moschee- und Dachverbänden gibt es Interessenorganisationen für bestimmte Gruppen. Jugendorganisationen sind der Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland für alevitische Jugendliche zwischen 16 und 28 Jahren, der 2010 gegründete Bund Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands mit etwa 150 Mitgliedern, die Muslimische Jugend in Deutschland als erste ausschließlich deutschsprachige bundesweite und unabhängige muslimische Jugendorganisation sowie Netzwerke wie Lifemakers und Majlis Khuddam-ul-Ahmadiyya Deutschland. Für Studierende und Akademiker werden der Rat Muslimischer Studierender und Akademiker und die Islamische Ahmadiyya Studentenvereinigung genannt. Als Frauennetzwerk nennt der Artikel das Aktionsbündnis muslimischer Frauen.

Zu den Bildungsorganisationen zählen islamische Schulen, Wochenendschulen und Akademien. Genannt werden unter anderem die Islamische Grundschule in Berlin mit dem Trägerverein Islam Kolleg e. V., die 2010 geschlossene Islamische Grundschule in München, eine Islamische Wochenendschule in Stuttgart und die Islamische Schule Nürnberg. Außerdem werden Einrichtungen wie die Muslimische Akademie in Deutschland, die Islamische Akademie Nordrhein-Westfalen, An-Nusrat Islamischer Wohlfahrtsverband, Institute für islamische Theologie, Pädagogik, Bildung und Islamstudien sowie das Zentralinstitut Islam-Archiv-Deutschland in Soest aufgeführt.

Auf staatlicher Ebene begann am 27. September 2006 unter dem Vorsitz von Innenminister Schäuble in Berlin die Deutsche Islamkonferenz. Sie wurde in späteren Legislaturperioden in verschiedenen Zusammensetzungen und mit unterschiedlichen Fragestellungen fortgesetzt.

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