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Moschee
Eine Moschee (von arabisch مسجد Masdschid, DMG masǧid ‚Ort der Niederwerfung') ist ein ritueller Ort des gemeinschaftlichen islamischen Gebets und darüber …
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Wesen und religiöse Bedeutung
Eine Moschee ist ein ritueller Ort des gemeinschaftlichen islamischen Gebets. Darüber hinaus dient sie der politischen, rechtlichen und lebenspraktischen Wertevermittlung im Sinne des Islams sowie als sozialer Treffpunkt. Die täglichen Gebete können grundsätzlich überall verrichtet werden. Das Gebet in der Gemeinschaft gilt jedoch als besonders verdienstvoll, weil es die Zugehörigkeit zur muslimischen Gemeinschaft sichtbar macht. Nach verschiedenen Hadithen ist ein Gebet in der Gemeinschaft 25-mal so viel wert wie ein Gebet zu Hause. Nur das Freitagsgebet ist an die Moschee gebunden; ohne seinen Vollzug in der Moschee verliert es seine Gültigkeit.
Unterschieden werden einfache Moscheen, in der Türkei Mescit genannt, und Freitagsmoscheen. Einfache Moscheen wurden von Privatpersonen gestiftet. Freitagsmoscheen, arabisch masdschid dschāmi und türkisch cami, werden von staatlicher Seite unterhalten und bieten regelmäßig das Freitagsgebet an.
Als erste muslimische Moschee gilt der Hof von Mohammeds Wohnhaus in Medina. Nach der Auswanderung aus Mekka im Jahr 622 versammelten sich die Muslime dort zum Gebet. Nach dem wirtschaftlichen Zugewinn der Gemeinschaft durch den Feldzug nach Chaibar wurde die Prophetenmoschee im Jahr 628 erstmals vergrößert. Schon zu Mohammeds Zeit gab es weitere anerkannte Moscheen. Nach dem Modell der Prophetenmoschee entstanden nach der Eroberung des Vorderen Orients Moscheen in den neu gegründeten arabischen Lagerstädten.
Gebetsraum und wichtige Bauelemente
Das zentrale Element ist der Gebetsraum. In der Frühzeit bestand er meist aus einem umschlossenen Hof, dem Sahn. Die Umayyaden-Moschee in Damaskus besaß im frühen 8. Jahrhundert erstmals eine Säulenhalle; später wurden überdachte Gebetsräume zum Standard. Ein ummauerter Hof blieb dennoch ein wichtiger Bestandteil vieler Moscheen. Offene Gebetsplätze, Musallās, liegen teilweise am Orts- oder Stadtrand und werden fast ausschließlich für die großen Festgebete zum Opferfest und zum Fest des Fastenbrechens genutzt.
Muslime beten in Richtung der Kaaba in Mekka. In regelmäßig als Gebetsraum genutzten Räumen muss die Gebetsrichtung, die Qibla, erkennbar sein. Dafür genügt eine hervorgehobene Qibla-Wand, etwa durch eine Linie, einen Pfeil, eine Inschrift, eine Tafel oder gestalterische Mittel. Die wichtigste bauliche Kennzeichnung ist häufig die Gebetsnische Mihrāb. Sie zeigt die Qibla an, markiert den Platz des Imams und verbessert durch ihre halbrunde oder vieleckige Form die Akustik. Die lauten Rezitationen des Imams werden in den Gebetsraum zurückgeworfen.
In einer Freitagsmoschee gehört der Minbar, die Kanzel für die Freitagspredigt, zu den unentbehrlichen Elementen. Er steht an der Qibla-Wand rechts vom Mihrab und ist über eine Treppe erreichbar. Die Chutba, die Freitagspredigt, wird stehend auf der Treppe gehalten. Der frühislamische Minbar hatte drei Stufen. Die oberste Stufe bleibt dem Propheten vorbehalten, der Imam predigt von der zweiten Stufe. Die Zahl der Stufen soll mindestens drei betragen und stets ein Vielfaches von drei sein. Der Minbar verbessert außerdem Akustik und Übersicht.
Der erste Gebetsruf, der Adhān, erfolgt meist von einem Minarett. Früher stieg der Muezzin oder der Imam dafür auf den Turm; heute wird der Ruf gewöhnlich über Lautsprecher übertragen, während sich der Muezzin in der Moschee befindet. Minarette werden seit etwa 700 n. Chr. errichtet. Ihre Bauformen unterscheiden sich regional, und manche Moscheen besitzen kein Minarett. Die Mehrzahl der europäischen, häufig sogenannten Hinterhofmoscheen hat ebenfalls kein Minarett.
Eine Dikka, in der Türkei Mahfil, ist eine umwehrte Empore. Dort können Muezzine, Imame und Herrscher Platz finden; von dort werden die Iqāma, die Aufforderung zum Gebet, oder Koranrezitationen ausgerufen. Sie unterstützt die Akustik und hat in modernen Moscheen mit Lautsprechern meist nur noch symbolische Bedeutung. Je nach Größe liegt sie hinten oder in der Mitte und befindet sich wenige 30 bis 40 cm oder bis zu drei Meter über dem Boden. Ein erhöhter Predigtstuhl oder ein Lesepult, Kursī genannt, dient der Koranrezitation.
Vor dem Gebet wird fast immer die rituelle Waschung Wudūʾ vollzogen. Dafür gibt es häufig Brunnen, Weiher oder Fußwaschbecken. In der osmanischen Architektur entwickelten sich besonders aufwendig gestaltete Şadırvan-Brunnen. Angeschlossene Räume können dem Unterricht, Gesprächen, Geschäften, Reisebüros oder gesellschaftlichen Veranstaltungen dienen. Eine Madrasa kann an die Moschee angebaut sein. Zusammen mit weiteren Gebäuden entsteht dann ein sozialer, kultureller, religiöser und politischer Gemeindekomplex. Moscheen mit einem Grabmausoleum werden Grabmoscheen genannt.
Personal, Verwaltung und soziale Funktionen
Grundsätzlich kann jeder volljährige Muslim das Gebet leiten, wenn er die Gebetsformen beherrscht und die Gebete auf Arabisch sprechen kann. Viele Moscheen haben jedoch einen festangestellten Imam. Er muss als rechtschaffener Mann gelten und in religiösen Fragen bewandert sein. In staatlich errichteten Freitagsmoscheen bestimmt die Regierung den Imam; in privat gestifteten Moscheen wird er von den Mitgliedern der Moscheegemeinde festgelegt. Der Imam kann vor dem Gemeinschaftsgebet aus dem Koran oder aus den Hadithen rezitieren und die Gemeinde im Glauben unterweisen.
Freitagsmoscheen haben meistens zusätzlich einen Chatīb für die Freitagspredigt und einen Muezzin. Der Muezzin verkündet den Adhān und die Iqāma.
In islamischen Ländern ist die rechtliche Grundlage einer Moschee meist ein Waqf. In nichtislamischen Ländern werden Moscheen gewöhnlich von Moscheevereinen betrieben. Diese erwerben bei Neubauten das Grundstück und treten als Bauträger auf.
Moscheen dienen häufig der religiös-sozialen Identitätspflege. In der Frühzeit wurden sie meist von bestimmten Stämmen unterhalten und als allgemeine Versammlungsorte genutzt. Später entstanden eigene Moscheen für Anhänger verschiedener Rechtsschulen und konfessioneller Gruppen wie die Schiiten. Bis heute besitzen viele Moscheen eine bestimmte ethnonationale Ausrichtung. In einigen Ländern Westafrikas kam es im 20. Jahrhundert sogar zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Volksgruppen, die die Hoheit über bestimmte Moscheen beanspruchten.
Verhaltensregeln und Zugang
Vor dem Betreten werden die Schuhe ausgezogen und im Eingangsbereich aufbewahrt. Sie dürfen auch mitgenommen werden, wenn die Sohlen zueinander zeigen. Ein gläubiger Muslim betritt die Moschee mit dem rechten Fuß und verlässt sie mit dem linken.
Moscheen gelten als Orte des Gebets und der kontemplativen Besinnung. Deshalb sind lautes Diskutieren und Rufen sowie das Mitbringen von Tieren verboten. Das direkte Vorbeilaufen vor einem Betenden ist untersagt, damit dieser nicht gestört wird. Am 24. September 2008 erlaubte das Muslim Law Council UK einem blinden Muslim per Fatwa, seinen Blindenhund mit in die Moschee zu nehmen.
Muslime sollen sich bescheiden kleiden. Die Kleidung muss sauber sein und den Körper angemessen bedecken. Frauen müssen beim Gebet das Haupthaar mit einem Hidschāb bedecken. Eine Kopfbedeckung für Männer, die Takke, ist freiwillig.
Frauen beten meist hinter den Männern, in eigenen Räumen oder auf einer erhöhten, blickgeschützten Empore, weil sie beim Gottesdienst nicht von Männern beobachtet werden sollen. Für die Al-Harām-Moschee in Mekka gilt diese Geschlechtertrennung nicht.
Die meisten islamischen Richtungen erlauben Nichtmuslimen den Zutritt zu Moscheen; während der Gebetszeiten kann er jedoch verweigert werden. Mekka und Medina sind für Nichtmuslime gesperrt. Viele Moscheen in der islamischen Diaspora empfangen Besucher als Zeichen der Offenheit gegenüber der Mehrheitsgesellschaft und als Ermutigung zur Konversion. In Deutschland findet seit 1997 am 3. Oktober der Tag der offenen Moschee statt.
Regionale Architektur und Gestaltung
Die islamische Sakralarchitektur nahm durch den Kontakt mit anderen Kulturkreisen unterschiedliche Bauformen auf. Teilweise wurden bestehende Kirchen in Moscheen umgewandelt, etwa die Hagia Sophia nach der osmanischen Eroberung Konstantinopels. Die Entwicklung verlief regional und zeitlich unterschiedlich und bildet keine lineare Abfolge. Wichtige traditionelle Grundrisse sind die Säulenhalle mit offenem Innenhof auf der Arabischen Halbinsel, in Spanien und Nordafrika, Säulenhallen aus Lehmziegeln oder gestampftem Lehm in Westafrika und der Sahelzone, der kreuzachsige Vier-Iwan-Innenhof im Iran und in Zentralasien, die Dreifachkuppel mit breitem Innenhof auf dem indischen Subkontinent, der Zentralbau mit Zentralkuppel in der Türkei und auf dem Balkan, freistehende Pavillons in umfriedeten Gärten in China sowie zentralsymmetrische, gestufte Meru-Dächer in Südostasien.
Die Gestaltung umfasst häufig Kalligraphie, Geometrie, Ornamentik und Arabesken. Wegen des Bilderverbots entstanden zunächst sachliche, schmucklose Räume. Zugleich sollten Moscheen als religiöse Bauten von der Profanarchitektur unterschieden werden. Je nach Region und Handwerk wurden Naturstein, Stuck, Lehm, Holz und Metall verwendet; weitere wichtige Handwerke waren Teppich-, Schmiede-, Bildhauer-, Tischler-, Glasmaler- und Kachelkunst.
Wasser, Licht und Schatten waren wegen des warmen Klimas besonders wichtig. Brunnen und Wasserbecken dienten der Reinigung und Kühlung. Fensterläden, Arkaden und Kolonnaden spendeten Schatten; Öllampen und Kerzenhalter beleuchteten die Moschee. Gewölbe wurden früh verwendet, teilweise nur über dem Mihrab. Unter den Osmanen verbreiteten sich, unter dem Einfluss der Hagia Sophia, Zentralbauten mit mehreren Kuppeln und bis zu vier spitzen Minaretten. In Iran sind Vier-Iwan-Höfe, in der Sahelzone Lehmbauten und in Indonesien pagodenartige Moscheen typisch. Minarette können runde oder eckige Türme sein und Plattformen für den Gebetsruf besitzen. In Usbekistan entwickelten sich offene Sommermoscheen mit Iwanen und geschlossene Wintermoscheen.
Eine Fernsehdokumentation von Bruno Ulmer, „Sakrale Bauwerke – Von betenden Menschen und prächtigen Moscheen“, wurde 2018 von Arte ausgestrahlt und dauert 89 Minuten.