Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
DITIB-Zentralmoschee Köln
Die DİTİB-Zentralmoschee Köln ist eine Moschee in Köln-Ehrenfeld und dient der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DİTİB) als Zentralmoschee.
Inhalt5 Abschnitte
Aufgabe und Bauwerk
Die DİTİB-Zentralmoschee Köln ist eine sunnitische Moschee in Köln-Ehrenfeld. Sie dient der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DİTİB) als Zentralmoschee. Das Bauwerk steht an der Venloer Straße/Ecke Innere Kanalstraße auf dem Gelände der Deutschland-Zentrale der DİTİB. Architekten sind Gottfried und Paul Böhm. Die Moschee verfügt über zwei 55 Meter hohe Minarette, eine Kuppel mit einem Durchmesser von 25 Metern und eine Kapazität von 1200 Personen. Die Baukosten werden mit 30 Millionen Euro angegeben.
Das Gebäude ist fünfgeschossig. Zum Komplex gehören neben den Gebetsräumen eine Bibliothek, Schulungs- und Seminarräume, Flächen für Geschäfte und Dienstleistungsbetriebe sowie eine Tiefgarage. Ursprünglich waren rund 16.500 m² Nutzfläche und Platz für 2000 Gläubige vorgesehen. Nach einer Überarbeitung wurde das Raumprogramm um etwa ein Drittel verkleinert; besonders der gewerbliche Bereich im Erdgeschoss und der Gebetsraum waren davon betroffen.
Planung und architektonisches Konzept
Das Architekturbüro Paul Böhm gewann 2006 den Wettbewerb für den Moscheeneubau. Der Entwurf wurde anschließend unter der alleinigen Federführung von Prof. Paul Böhm in wesentlichen Teilen verändert und bis 2017 umgesetzt. Vorgesehen war eine 35 Meter hohe Kuppel sowie zwei 55 Meter hohe Minarette. Im späteren Bauzustand werden die Rohbauten der Kuppel mit 37 Metern Höhe beschrieben.
Die Gestaltung der Minarette war früh umstritten. Ursprünglich gezeigte eckige Formen wurden durch runde, in sich gedrehte Minarette ersetzt, die leichter und abstrakter wirken sollten. Paul Böhm erklärte 2007, eine stimmige Architektur entstehe nicht durch Kompromisse. Nach seiner Darstellung füge sich die Moschee gut in das städtebauliche Umfeld ein; mehrere nahe gelegene Bürogebäude seien höher als die geplanten Minarette.
Am 23. Januar 2008 wurden die verkleinerten Pläne öffentlich vorgestellt. Am 28. August 2008 beschloss der Kölner Stadtrat die notwendige Änderung des Bebauungsplans. Damit waren die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen. Die Stadt Köln erteilte DİTİB am 7. November 2008 die Baugenehmigung.
Bau, Baumängel und Verzögerungen
Ab Mai 2009 wurde die bestehende Bebauung auf dem Grundstück abgerissen. Die Grundsteinlegung fand am 7. November 2009 mit rund 2000 Gästen statt. Am 2. Februar 2011 wurde Richtfest gefeiert, nachdem die Rohbauten der 37 Meter hohen Kuppel und der beiden 55 Meter hohen Minarette fertiggestellt waren. Die Einweihung sollte zunächst zum Jahreswechsel 2011/2012 erfolgen; als offizielle Eröffnung war Mai 2012 vorgesehen.
Im Oktober 2011 beendete DİTİB die Zusammenarbeit mit dem Planungsbüro von Paul Böhm. DİTİB warf dem Büro Mängel bei Planung und Bau vor und nannte rund 2500 Baumängel. Böhm bestritt diese Vorwürfe und beschuldigte DİTİB, sein Architekturbüro bewusst zu diskreditieren. In der öffentlichen Debatte wurde außerdem vermutet, der neue DİTİB-Vorstand vertrete eine stärker traditionalistische Haltung. Die Politikerin Lale Akgün verwies auf die Verbindung von DİTİB und der türkischen Religionsbehörde Diyanet İşleri Başkanlığı mit der AKP-Regierung und auf ein konservativeres politisches Umfeld.
Nach einem von Fritz Schramma geleiteten Mediationsverfahren traten Böhm und DİTİB am 2. März 2012 gemeinsam auf einer Pressekonferenz auf. Dennoch verschob sich die Eröffnung weiter: Im Sommer 2012 wurde sie auf 2013 verschoben, im August 2014 war weiterhin kein Termin absehbar. Im Oktober 2015 wurde die Kuppel zur Abdichtung gegen Feuchtigkeit eingerüstet. Im Oktober 2016 kündigte DİTİB eine Eröffnung für 2017 an. Am 9. Juni 2017 wurde der innen fertig gestaltete große Kuppelsaal während des Ramadan erstmals genutzt.
Eröffnung und politische Kontroversen
Die offizielle Eröffnung fand am 29. September 2018 unter massivem Polizeischutz statt. Anwesend waren der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und der Diyanet-Präsident Imam Ali Erbaş; beide beteten gemeinsam. Eine Veranstaltung vor der Moschee wurde aus Sicherheitsgründen untersagt, weil trotz mehrfacher Nachfrage kein ausreichendes Sicherheitskonzept vorgelegt worden war. Trotzdem zogen Tausende Erdoğan-Anhänger mit Fahnen durch das nahe Viertel. Nach Angaben der Polizei kam es trotz des großen Andrangs zu keinen besonderen Vorfällen.
Die Eröffnung durch Erdoğan war politisch umstritten. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte ihre Teilnahme wegen der „Gesamtumstände des Besuches des türkischen Präsidenten“ ab. Die Landesregierung widersprach außerdem der Ankündigung, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet werde gemeinsam mit Erdoğan auftreten. Die Stadt Köln war bei der Eröffnung nicht vertreten; auch der frühere Oberbürgermeister Fritz Schramma war nicht offiziell eingeladen.
Lamya Kaddor bezeichnete die Eröffnung als „fatale Botschaft“ an die Mehrheitsgesellschaft und an die muslimische Minderheit, da sich nur ein kleinerer Teil der Muslime von Erdoğan repräsentiert sehe. Volker Beck kritisierte, das Gebäude werde ohne Beteiligung deutscher Repräsentanten quasi von Erdoğan „in Besitz genommen“. Fritz Schramma meinte, DİTİB habe mit der Gestaltung der Einweihung eine Chance vertan.
Trägerschaft, Rezeption und Betrieb
Neben DİTİB strebte der Trägerverein Kölner Zentralmoschee e. V. zeitweise eine Zentralmoschee für alle Nationalitäten an. Der Verein ist ein Zusammenschluss von zehn muslimischen Vereinigungen in Köln.
Der Moscheebau wurde öffentlich intensiv diskutiert. Eine im Juni 2007 im Auftrag des Kölner Stadt-Anzeigers durchgeführte repräsentative OmniQuest-Umfrage ergab: 35,6 % der Kölner befürworteten den Bau uneingeschränkt, 27,1 % befürworteten ihn bei einer Verkleinerung und 31,4 % lehnten ihn unabhängig von der Architektur ab. Insgesamt gab es damit eine Mehrheit für den Neubau, allerdings mit Einschränkungen. Die rechtsextreme Bürgerbewegung pro Köln protestierte; ein Bürgerbegehren scheiterte Anfang Mai 2007 an einer unzureichenden Zahl gültiger Unterstützerunterschriften. Ralph Giordano kritisierte den Bau im Zusammenhang mit der aus seiner Sicht gescheiterten Integration. Günter Wallraff befürwortete den Bau aufgrund der Religionsfreiheit, lehnte aber die traditionelle Lesung aus Salman Rushdies Werk Die satanischen Verse ab, die DİTİB ebenfalls zurückwies. Auch der IBKA NRW verurteilte die Stimmungsmache gegen den Bau. Salomon Korn deutete die Spannung zwischen zeitgenössischer Außengestaltung und traditioneller Innengestaltung als gesellschaftlichen Kompromiss.
Seit dem 14. Oktober 2022 darf der Muezzin in einem auf zwei Jahre befristeten Modellprojekt über Lautsprecher zum Freitagsgebet rufen. Die Lautsprecher befinden sich über dem Haupteingang. Der Ruf darf bis zu fünf Minuten dauern und höchstens 60 Dezibel laut sein. Zuvor hatte der Muezzin bereits ohne Lautsprecher zum Freitagsgebet gerufen.