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Adventisten
Als Adventisten (von lateinisch adventus ‚Ankunft') (anfangs Milleriten genannt) werden Mitglieder einer freikirchlichen Konfessionsfamilie bezeichnet, …
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Grundidee und Glaubensprofil
Adventisten sind Mitglieder einer freikirchlichen Konfessionsfamilie, die Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA entstand. Ihr zentraler Gedanke ist der zweite Advent: die als nahe erwartete Wiederkunft Jesu Christi. Sie vertreten dabei den Prämillenarismus, also die Vorstellung, dass Christus vor einem tausendjährigen Reich wiederkommt.
Die meisten Adventisten folgen arminianischen Überzeugungen. Sie lehnen die calvinistische Prädestinationslehre ab und betonen, dass Menschen die Erlösung durch Jesus Christus im Glauben aus freiem Willen annehmen können.
Sabbat, Lebensweise und gesellschaftliche Haltung
Ein wichtiger Lehrpunkt ist die Heiligung des Sabbats, des siebenten Wochentags, als biblischer Ruhetag. Diese Lehre geht auf frühen Kontakt mit Siebenten-Tags-Baptisten zurück. Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten hatte 2022 weltweit 21,9 Millionen Mitglieder und galt damit laut Artikel als größte sabbathaltende Gruppe; zum Vergleich werden für das Judentum 15,25 Millionen Mitglieder im selben Jahr genannt.
Weitere Lehren sind der Annihilationismus, also die Ablehnung einer ewigen Höllenqual, und die Ganztodtheorie: Sie verwirft die Unsterblichkeit der Seele. Adventisten betonen eine gesunde Lebensweise. Viele leben vegetarisch; wer Fleisch isst, soll die biblischen Speisegebote zu reinen und unreinen Tieren beachten. Es gibt zahlreiche adventisch getragene Gesundheits-, Bildungs- und Sozialeinrichtungen.
Üblicherweise treten Adventisten für Religionsfreiheit sowie die Trennung von Staat und Kirche ein und verweigern in der Regel den Kriegsdienst.
Entstehung der Bewegung
Die Bewegung entstand im Umfeld des Second Great Awakening. Zu ihren prägenden Herkunftsgruppen gehörten Baptisten, Methodisten und die Christian Connection.
Der baptistische Prediger William Miller (1782–1849) aus Pittsfield, Massachusetts, berechnete aus apokalyptischen Zeitangaben des Buches Daniel und Worten Jesu im Neuen Testament, besonders Matthäus 24 LUT, Zeitpunkte für Christi Wiederkunft: zunächst Herbst 1843, dann den 21. März 1844 und schließlich den 22. Oktober 1844. Auch der große Meteoritenschauer von 1833 trug zu seiner Wirkung bei, weil Miller ihn auf Matthäus 24 bezog.
Viele Anhänger stammten aus unterschiedlichen Kirchen und verließen diese wegen ihres Glaubens an die unmittelbar bevorstehende Wiederkunft. Als das Ereignis ausblieb, zerfiel die Milleritenbewegung in theologisch unterschiedliche Gruppen. Adventisten verzichteten danach auf konkrete Datierungen, hielten aber an der Erwartung einer baldigen Wiederkunft Jesu fest. Joseph Bates, ein Mitbegründer, vertrat als Erster die Sabbatlehre, nachdem ihn ein Flugblatt der Siebenten-Tags-Baptisten überzeugt hatte.
Kirchen und Gruppierungen
Aus der adventistischen Bewegung gingen viele Glaubensgemeinschaften hervor. Reformadventisten wollen zu ursprünglichen Lehren zurückkehren; andere Gruppen verstehen sich heute als evangelische Freikirchen oder entwickelten sich zu exklusiven religiösen Gemeinschaften.
Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (STA) wurde 1863 unter Mitwirkung der wegen ihrer Visionen einflussreichen Ellen G. White gegründet. Ende 2024 zählte sie nach eigenen Angaben 23,7 Millionen Mitglieder; Ende 2021 waren es knapp 22 Millionen. Ihr wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist die Sabbatruhe.
Die Gemeinde Gottes des siebenten Tages wurde ebenfalls 1863 in den USA gegründet. Sie ist nichttrinitarisch, lehnte Ellen G. White als Prophetin ab und spaltete sich deshalb von den STA ab.
Reformadventisten entstanden zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Ausgeschlossene Kriegsdienstgegner gründeten 1919 die Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, die 1921 den Zusatz „Reformationsbewegung“ erhielt. Daneben besteht eine 1951 abgespaltene Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten Reformationsbewegung e. V.
Weitere genannte Gruppen sind die 1933 stark von Herbert W. Armstrong geprägte Weltweite Kirche Gottes beziehungsweise Vereinte Kirche Gottes mit insgesamt etwa 100.000 Mitgliedern; die Weltweite Kirche Gottes gab Mitte der 1990er-Jahre viele Sonderlehren auf. Außerdem werden die 1954 gegründete Sabbatruhe-Advent-Gemeinschaft in Dickendorf sowie die 1987 in Deutschland gegründete MEFAG genannt, deren Abspaltungen als Historische Adventisten arbeiten.