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Christentum in Syrien

Das Christentum in Syrien hat eine sehr lange Tradition und ist bereits seit der Entstehungszeit des Christentums im vorderasiatischen Land präsent.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Geschichte und Konfessionen
  3. 3. Regionen und Orte
  4. 4. Klöster, Kirchen und Kultur
  5. 5. Bürgerkrieg, Assad-Regime und Verfolgung

Überblick und Bedeutung

Das Christentum in Syrien gehört zu den ältesten christlichen Traditionen der Welt. Christliche Gemeinden bestehen dort seit der Entstehungszeit des Christentums. Bis zur Islamisierung im 7. Jahrhundert war Syrien mehrheitlich christlich; heute ist es religiös und kulturell mehrheitlich sunnitisch-muslimisch, mit alawitischen, christlichen und drusischen Minderheiten.

Um 1900 waren noch über ein Viertel der Menschen im heutigen Syrien Christen. Um 2010 lag ihr Anteil mit etwa 1,8 Millionen Menschen bei rund einem Zehntel der Bevölkerung. Durch den Bürgerkrieg haben rund ein Viertel aller Syrer das Land verlassen; nach Schätzungen der Kirchen Syriens floh etwa die Hälfte der Christen oder mehr ins Ausland. Dadurch ist der christliche Bevölkerungsanteil weiter gesunken.

Die meisten Christen Syriens sprechen heute Arabisch als Muttersprache und oft auch als Gottesdienstsprache. Viele verstehen sich als arabische Christen, besonders in den Kirchen des byzantinischen Ritus, also bei den Griechisch-Orthodoxen und den melkitischen Katholiken. Daneben gibt es syrische Christen, die je nach Herkunft Aramäer, Assyrer oder Chaldo-Assyrer genannt werden und traditionell Syrisch-Aramäisch sprechen. Eine weitere wichtige Gruppe sind die Armenier in Syrien, meist Angehörige der armenisch-apostolischen Kirche, teilweise auch katholisch oder evangelisch.

Geschichte und Konfessionen

Die christlichen Konfessionen in Syrien sind sehr vielfältig. Diese Vielfalt entstand vor allem durch innerchristliche Spaltungen seit der Antike. Wichtige Bruchlinien waren das Konzil von Ephesos 431, bei dem die sogenannten Nestorianer ausgeschlossen wurden, das Konzil von Chalcedon 451, nach dem die miaphysitischen altorientalischen Kirchen außerhalb der Reichskirche standen, sowie das Schisma von 1054 zwischen lateinisch-römischer und griechisch-byzantinischer Kirche. Später entstanden durch die Reformation protestantische Kirchen. Seit der frühen Neuzeit bildeten sich außerdem mit Rom unierte Ostkirchen, die ihre östlichen Riten beibehielten, aber den Bischof von Rom als Oberhaupt anerkennen.

In Syrien sind besonders Kirchen vertreten, die das alte Patriarchat von Antiochien beanspruchen oder aus ihm hervorgegangen sind. Die größte Kirche Syriens ist das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Antiochien. Daneben gibt es die melkitische griechisch-katholische Kirche, die syrisch-orthodoxe und syrisch-katholische Kirche, die maronitische Kirche, die armenisch-apostolische und armenisch-katholische Kirche, die lateinische Kirche, die Assyrische Kirche des Ostens und die chaldäisch-katholische Kirche.

Die liturgischen Traditionen unterscheiden sich: Der byzantinische Ritus wird vor allem auf Arabisch gefeiert; der westsyrische und ostsyrische Ritus verwenden Syrisch und teils Arabisch; der armenische Ritus verwendet klassisches Armenisch. Aramäische Sprachen spielen für mehrere Kirchen als Kirchen- und Liturgiesprache eine besondere Rolle. In Syrien haben sie heute nur noch relativ wenige Sprecher, unter anderem im Nordosten und in einzelnen Orten wie Maalula.

Regionen und Orte

Christen leben vor allem im Raum Damaskus, Homs, Aleppo und in traditionell christlichen Dörfern. In Aleppo lagen wichtige christliche Viertel wie Dschudaide sowie das Alte und Neue Syrische Viertel. Vor dem Bürgerkrieg hatte Aleppo vermutlich die größte absolute Zahl an Christen in Syrien, geschätzt zwischen 150.000 und 250.000; Ende 2016 lebten dort nur noch etwa 100.000. Zahlreiche Kirchen wurden beschädigt oder zerstört, einige später wieder aufgebaut, darunter die armenische Vierzig-Märtyrer-Kathedrale, die am 30. März 2019 wiedereröffnet wurde.

Damaskus besitzt ein bedeutendes christliches Viertel in der Altstadt, unter anderem am Bāb Tūmā und am Bab Scharqi. Dort befinden sich wichtige Kirchen verschiedener Konfessionen. Damaskus ist auch biblisch bedeutsam, weil die Apostelgeschichte von Paulus von Tarsus und Hananias von Damaskus berichtet. Orte wie die Bekehrung-Pauli-Kirche, das Haus des Hananias und die Pauluskapelle sind damit verbundene Pilgerstätten.

Homs hatte ebenfalls eine starke christliche Bevölkerung, aus der viele Menschen im Bürgerkrieg flohen. Mehrere Kathedralen wurden schwer beschädigt, darunter die Vierzig-Märtyrer-Kathedrale, die Sankt-Marien-Kirche des Heiligen Gürtels und die Heilig-Geist-Kathedrale. Latakia blieb dagegen weitgehend von Kriegshandlungen verschont und nahm viele christliche Flüchtlinge auf.

Ein wichtiges Zentrum ist Wadi an-Nasara, das „Tal der Christen“, im Westen Syriens nahe der libanesischen Grenze. Dort leben in 27 fast vollständig christlichen Dörfern etwa 150.000 Christen; während des Bürgerkrieges stieg die Bevölkerung durch Flüchtlinge zeitweise auf 400.000. Im Nordosten, besonders im Gouvernement al-Hasaka, lag um 2010 der christliche Anteil bei etwa 20 bis 30 %. Viele dortige Christen stammen von Flüchtlingen nach dem Ersten Weltkrieg ab, darunter Armenier, Aramäer und Assyrer. Die 35 Dörfer der Chabur-Assyrer entstanden nach Fluchtbewegungen, unter anderem nach dem Massaker von Semile 1933 bis 1936.

Klöster, Kirchen und Kultur

Syrien besitzt zahlreiche frühe christliche Bauwerke. Im Nordwesten weisen Ruinen von rund 700 frühbyzantinischen Siedlungen mit großen Kirchen- und Klosterbauten aus dem 4. bis 7. Jahrhundert auf eine frühere christliche Kulturlandschaft hin. Dieses Kalksteinbergland wird „Land der toten Städte“ genannt und gilt als eine Wiege des Christentums.

Ein bedeutendes frühchristliches Bauwerk ist das Simeonskloster, arabisch Kalat Siman, das 476 bis 490 erbaut wurde. Es erinnert an Symeon Stylites den Älteren, der von 422 bis zu seinem Tod 459 als Säulenheiliger betend, fastend und predigend auf einer Säule lebte. Aus der Kreuzfahrerzeit erinnern Burgen wie der Crac des Chevaliers an die Herrschaft des Fürstentums Antiochien und an die Konflikte zwischen christlichen Kreuzfahrern und muslimischen Herrschern.

Auch einzelne Klöster haben große symbolische Bedeutung. Bei Saidnaya liegt das griechisch-orthodoxe Kloster Unserer Lieben Frau von Saidnaya, eines der ältesten Klöster der Welt. In Maalula steht das melkitische Kloster der Heiligen Sergius und Bacchus, das bereits im 4. Jahrhundert gebaut wurde. Maalula ist außerdem wichtig, weil dort bis zum Bürgerkrieg noch Westaramäisch gesprochen wurde.

Kulturell gelten syrische Christengemeinden im Artikel als konservativ. Sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe werden in großen Teilen der syrischen Gesellschaft, auch unter Christen, nicht akzeptiert. Eine Ehe mit einer nichtchristlichen Person, besonders mit einem Muslim, gilt in vielen syrisch-christlichen Familien als schwere Grenzüberschreitung.

Bürgerkrieg, Assad-Regime und Verfolgung

Die syrische Verfassung garantiert nominell Religionsfreiheit, aber das Amt des Staatspräsidenten ist Muslimen vorbehalten. Unter der Baath-Partei wurden christliche Kirchen anerkannt, christliche Feiertage respektiert und der Bau von Gotteshäusern unterstützt. Vor dem Bürgerkrieg galt Syrien deshalb für viele Christen lange als eines der sichersten Länder im Nahen Osten. Zugleich nahm seit den späten 1960er Jahren ein konservativerer Islam an Einfluss zu, was zur Auswanderung vieler Christen beitrug.

Seit 2011 brachte der Bürgerkrieg die Christen zwischen die Fronten. Viele begrüßten zunächst Forderungen nach politischer Beteiligung, unterstützten die Protestbewegung aber häufig nicht aktiv. Die Verfolgung durch islamistische Oppositionsgruppen wie Muslimbrüder, al-Nusra-Front und Daesch (IS) verstärkte bei vielen Christen die Unterstützung für die Regierung Baschar al-Assads, die sie als Schutz gegen radikale Islamisten sehen. Andere Stimmen riefen zu Dialog und Neutralität auf.

Bis Ende 2019 mussten mehr als 500.000 Christen Syrien verlassen. Insgesamt flohen laut UNHCR rund 5,6 Millionen Menschen aus Syrien, weitere sechs Millionen wurden Binnenflüchtlinge. Besonders stark betroffen waren Aleppo, Homs, Hama, ar-Raqqa, Deir ez-Zor und die assyrischen Dörfer am Chabur. In manchen Orten gibt es keine christlichen Bewohner mehr.

Islamistische Gruppen zerstörten Kirchen, vertrieben Christen und nutzten einige Kirchen als Hauptquartiere, Scharia-Gerichte oder Verwaltungsorte. In Idlib wurden Christen 2015 nach dem Einmarsch der al-Nusra-Front mit Todesdrohung zum Verlassen der Stadt aufgefordert. In den Chabur-Dörfern zerstörte Daesch Kirchen und Wohnhäuser; am 27. Februar 2015 lebten in keinem der 35 assyrischen Dörfer am Chabur noch christliche Bewohner. Für entführte Christen wurden Lösegelder erpresst, andere wurden ermordet, Frauen versklavt.

In Gebieten nahe islamistischer Frontlinien bildeten sich christliche Milizen, etwa in Suqailabiyya oder in mehrheitlich christlichen Orten wie Saidnaya, Sadad, Maalula und Mhardeh. Manche Christen leisten dort Dienst in den Nationalen Verteidigungskräften, um nahe ihrer Heimat zu bleiben und ihre Orte zu schützen. Der Artikel beschreibt zugleich Spannungen im Nordosten zwischen Christen, kurdischen Kräften, der syrischen Regierung, der Türkei und islamistischen Verbündeten, unter anderem um Sicherheit, Sprache und Schulpolitik.

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