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Synonym (Taxonomie)

In der biologischen Nomenklatur wird der Ausdruck Synonym verwendet, wenn verschiedene wissenschaftliche Namen sich auf dasselbe Taxon beziehen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Priorität
  2. 2. Synonyme in der Zoologie
  3. 3. Synonyme in der Botanik
  4. 4. Vergleich der Fachgebiete
  5. 5. Synonyme bei Prokaryoten
  6. 6. Typstämme und besondere Regeln

Grundidee und Priorität

In der biologischen Nomenklatur bedeutet Synonym, dass verschiedene wissenschaftliche Namen dasselbe Taxon bezeichnen. Ein Taxon ist eine systematische Einheit, zum Beispiel eine Art, eine Gattung oder eine höhere Gruppe. Synonyme sind wichtig, weil sie klären, welcher Name in wissenschaftlichen Arbeiten, Artenlisten und Bestimmungswerken verwendet werden soll.

Grundlegend ist die Prioritätsregel: Wenn mehrere korrekt veröffentlichte Namen für dasselbe Taxon existieren, soll im Regelfall der zuerst publizierte, also älteste Name verwendet werden. Spätere Namen werden dann mit dem älteren Namen synonymisiert und sollen nach erkannter Synonymie nicht mehr verwendet werden. In Artverzeichnissen und Revisionen steht deshalb hinter einem Artnamen oft eine Liste bereits bekannter Synonyme.

Synonyme entstehen häufig, wenn eine Gruppe später noch einmal unter einem neuen Namen beschrieben wird. Gründe können eine unklare Erstbeschreibung, schwer zugängliche ältere Literatur, fehlender Überblick über weltweite Vorkommen oder unterschiedliche taxonomische Konzepte sein. Weit verbreitete Arten wurden zum Beispiel in verschiedenen Regionen mehrfach beschrieben. Auch eine spätere Revision kann die Lage ändern: Ein älterer Name, der vorher als Synonym galt, kann wieder gültig werden, wenn eine bisher einheitlich behandelte Art in mehrere Arten aufgeteilt wird. Nach einer Abschätzung von 2013 sind etwa 20 Prozent der damals beschriebenen Artnamen noch unentdeckte Synonyme; der Anteil unterscheidet sich je nach taxonomischer Gruppe.

Synonyme in der Zoologie

In der zoologischen Nomenklatur sind Synonyme verschiedene Namen für dasselbe Taxon, zum Beispiel zwei Namen für dieselbe Art. Normalerweise wird das ältere Synonym verwendet; es heißt senior synonym. Das jüngere heißt junior synonym und wird nur ausnahmsweise benutzt, etwa wenn der ältere Name unterdrückt wurde oder wenn er schon früher für ein ganz anderes Tier vergeben worden war.

Damit ein Name in der Zoologie überhaupt als Synonym gelten kann, muss er nach den Regeln korrekt publiziert worden sein. Manuskriptnamen und Namen ohne Beschreibung, sogenannte nomina nuda, können keine Synonyme sein.

Objektive Synonyme beziehen sich sicher auf dasselbe Taxon, weil ihnen dasselbe Typusexemplar zugrunde liegt. Ein Typusexemplar ist das konkrete Exemplar, an dem ein wissenschaftlicher Name festgemacht wird. Objektive Synonyme kommen besonders bei Gattungen vor, wenn verschiedene Gattungsnamen dieselbe Typusart haben. Beispiel: Pomatia Beck, 1837 wurde für eine Gruppe von Landschnecken eingeführt, darunter die Weinbergschnecke Helix pomatia als Typusart. Da Helix pomatia aber bereits Typusart von Helix Linnaeus, 1758 war, ist Pomatia ein objektives Synonym von Helix. Wegen der Prioritätsregel hat Helix Vorrang.

Subjektive Synonyme beruhen auf verschiedenen Typusexemplaren. Deshalb kann diskutiert werden, ob sie wirklich dasselbe Taxon bezeichnen oder zu verschiedenen Arten gehören. Sie sind sehr häufig, weil früher viele Varianten als eigene Arten beschrieben wurden, die heute zu einer einzigen Art gerechnet werden. Die meisten in den letzten 250 Jahren eingeführten Artnamen sind subjektive Synonyme anderer Artnamen.

Synonyme in der Botanik

In der botanischen Nomenklatur ist ein Synonym ebenfalls ein Name, der sich auf dasselbe Taxon bezieht. Anders als in der Zoologie können in der Botanik auch unpublizierte Namen oder Manuskriptnamen als Synonyme bezeichnet werden.

Ein homotypisches oder nomenklatorisches Synonym liegt vor, wenn zwei Namen dasselbe Typusexemplar haben. Beispiel: Leontodon taraxacum L. und Taraxacum officinale F.H.Wigg. beziehen sich auf dasselbe Typusexemplar und sind daher homotypische Synonyme. Auch Pinus abies L. und Picea abies (L.) H. Karst. haben dasselbe Typusexemplar; wenn Picea abies als korrekter Name verwendet wird, ist Pinus abies sein homotypisches Synonym.

Ein heterotypisches oder taxonomisches Synonym liegt vor, wenn zwei Namen verschiedene Typusexemplare haben, diese aber taxonomisch demselben Taxon zugeordnet werden. Beim Löwenzahn spalten einige Botaniker die Formen in viele einzelne Arten mit eigenen Namen auf. Wenn der Löwenzahn dagegen als eine einzige Art angesehen wird, werden diese Namen zu heterotypischen Synonymen von Taraxacum officinale F.H.Wigg.

Für die Botanik gilt außerdem: Ein Artname in einer anderen Gattung zählt im Sinne der Synonymie als anderer Name und hat einen eigenen Autor, nämlich die Person, die die Art erstmals in die andere Gattung gestellt hat.

Vergleich der Fachgebiete

Die Begriffe in Zoologie und Botanik meinen ähnliche Zusammenhänge, werden aber unterschiedlich benannt und angewendet. Homotypische, also nomenklatorische Synonyme der Botanik entsprechen den objektiven Synonymen der Zoologie. Heterotypische, also taxonomische Synonyme der Botanik entsprechen den subjektiven Synonymen der Zoologie.

Ein wichtiger Unterschied betrifft die Kombination aus Gattungsname und Artname. In der Botanik ist derselbe Artname in einer anderen Gattung ein Synonym und hat einen zusätzlichen Autor. In der Zoologie gilt er nicht als Synonym, sondern nur als andere Gattung-Art-Kombination; er erhält dort auch keinen zusätzlichen Autor.

Ein weiterer Unterschied betrifft nicht veröffentlichte Namen: In der Botanik können auch unpublizierte Namen als Synonyme behandelt werden, in der Zoologie nicht.

Synonyme bei Prokaryoten

Auch in der Taxonomie der Prokaryoten gibt es Synonyme. Prokaryoten umfassen die zwei Domänen Archaeen (Archaea) und Bakterien (Bacteria). Für ihre wissenschaftlichen Namen gilt der International Code of Nomenclature of Prokaryotes, kurz ICNP oder Prokaryotischer Code. Bis 2019 hieß er International Code of Nomenclature of Bacteria (ICNB).

Nach der Anerkennung von Bakteriennamen in den Approved Lists of Bacterial Names im Jahr 1980 wurden mit späteren mikrobiologischen und molekularbiologischen Methoden Synonyme erkannt; im Regelfall wird auch hier die Prioritätsregel angewendet. Nach dem ICNP entstehen Synonyme unter anderem durch eine Umkombination, also Combinatio nova, wenn eine Art in eine andere Gattung oder eine Subspezies in eine andere Spezies gestellt wird (Regel 34a und 34b). Auch eine Änderung der Rangstufe kann Synonyme bilden (Regel 34c, für Rangstufen von Subspezies bis Gattung).

In der Revision des ICNP von 2022 unterscheidet Regel 24a zwischen homotypischen und heterotypischen Synonymen. Das zuerst veröffentlichte Synonym heißt „früheres Synonym“ (earlier synonym), spätere heißen „spätere Synonyme“ (later synonyms). Vorher wurden dafür die Bezeichnungen senior synonyms und junior synonyms verwendet.

Typstämme und besondere Regeln

Bei Prokaryoten beziehen sich homotypische Synonyme auf denselben Typus. Bei Spezies oder Subspezies ist dieser Typus ein Stamm im Sinne eines Bakterienstamms. Der Typstamm wird als Reinkultur erhalten und als lebende Kultur in einer oder mehreren Sammlungen von Mikroorganismen hinterlegt (Regel 18a). Ein Beispiel sind „Bacillus mallei“, Pseudomonas mallei und Burkholderia mallei: Sie basieren auf demselben Typstamm ATCC 23344 beziehungsweise NCTC 12938 und sind deshalb homotypische Synonyme. „Bacillus mallei“ ist zugleich das Basonym, weil es zuerst beschrieben wurde, auch wenn der Name nicht offiziell anerkannt wurde.

Heterotypische Synonyme bei Prokaryoten beziehen sich auf verschiedene Typen. Sie entstehen, wenn Namen mit verschiedenen Typstämmen durch Mikrobiologen demselben Taxon zugeordnet werden. Beispiel: Methanocorpusculum parvum Zellner et al. 1988 mit dem Typstamm DSM 3823 wurde 2001 als späteres heterotypisches Synonym von Methanogenium aggregans Ollivier et al. 1985 mit dem Typstamm DSM 3027 erkannt.

Mehrere aufeinander folgende Umkombinationen kommen bei Prokaryoten-Taxa häufiger vor und können das Auffinden des korrekten Basonyms erschweren. Deshalb wurde mit der Revision des ICNP von 2022 Regel 27 erweitert: In allen nach dem 1. Januar 2023 veröffentlichten Artikeln zur Festlegung einer Combinatio nova müssen die dadurch entstandenen homotypischen oder heterotypischen Synonyme aufgeführt und das Basonym angegeben werden. Eine wichtige Nachschlagequelle ist die List of Prokaryotic names with Standing in Nomenclature (LPSN), die von der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) erworben und neu gestartet wurde.

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