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Antonym

Antonym. Wort, das das Gegenteil eines anderen Wortes bedeutet. Artikel ... Antonyme (von altgriechisch αντί anti, deutsch ‚gegen', und altgriechisch …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Bildung
  2. 2. Graduelle, inkompatible und komplementäre Gegensätze
  3. 3. Konverse und reversible Beziehungen
  4. 4. Engerer und weiterer Gebrauch von Antonymie
  5. 5. Auto-Antonyme und Mehrdeutigkeit

Grundbegriff und Bildung

Antonyme, auch Gegensatzwörter, Gegenwörter oder Oppositionswörter, sind in der Sprachwissenschaft Wörter mit gegensätzlicher Bedeutung. Zwei solche Wörter bilden ein Gegensatzpaar; ihre Beziehung heißt Antonymie. Sie kann nicht nur zwischen Wörtern, sondern auch zwischen Sätzen und Phrasen bestehen. Treffen zwei gegensätzliche Bedeutungen in einem einzigen Wort zusammen, heißt dieses Wort Oppositionswort.

Welche Art von Antonymie vorliegt, hängt davon ab, wie der Gegensatz logisch zu verstehen ist: etwa innerhalb eines Oberbegriffs oder als konträres beziehungsweise kontradiktorisches Verhältnis. Im Deutschen entstehen viele Antonyme durch die Vorsilbe un-, zum Beispiel Ruhe – Unruhe oder klar – unklar. Dies funktioniert jedoch nicht allgemein: Zu ungefähr gibt es nicht automatisch gefähr, und aus unausbleiblich folgt nicht, dass ausbleiblich verwendet wird. Außerdem bilden Wörter mit un- nicht immer ein Antonym zum Stammwort, etwa Mut und Unmut sowie ziemlich und unziemlich.

Auch ähnlich gebildete Wörter übertragen ihren Gegensatz nicht zwingend auf andere Wortpaare. Überführung und Unterführung bezeichnen gegensätzliche Verkehrswege; Übergang und Untergang haben dagegen keinen entsprechenden Gegen- oder Gegensinn.

Graduelle, inkompatible und komplementäre Gegensätze

Bei gradueller oder konträrer, auch skalarer, Antonymie bezeichnen zwei Wörter Gegensätze mit Abstufungen zwischen den Polen. Die Verneinung des einen Wortes bedeutet daher nicht automatisch, dass das andere zutrifft. Heiß und kalt sind ein Beispiel, weil es dazwischen etwa kühl und warm gibt. Adjektive in gradueller Antonymie sind steigerbar.

Inkompatibilität liegt bei Wörtern vor, die Kohyponyme sind, also unter demselben Oberbegriff stehen. Pudel, Dackel und Schäferhund sind Kohyponyme von Hund. Im konkreten Zusammenhang schließen sie sich aus: Ist die Aussage „Karlchen ist ein Dackel“ wahr, kann „Karlchen ist ein Pudel“ nicht wahr sein. Aus „Karlchen ist kein Dackel“ folgt aber nicht, dass Karlchen ein Pudel ist.

Komplementäre oder kontradiktorische Antonymie besteht, wenn die Verneinung des einen Ausdrucks zwingend den anderen Ausdruck gelten lässt. Ist eine Person nicht lebend, ist sie tot. Anders als bei heiß und kalt gibt es in diesem Zusammenhang keine Zwischenstufe.

Konverse und reversible Beziehungen

Bei einer konversen Relation beschreiben zwei Wörter denselben Sachverhalt aus verschiedenen Blickwinkeln. Mutter und Kind beziehen sich auf dieselbe Beziehung: „A ist die Mutter von B“ entspricht „B ist das Kind von A“.

Eine Reversitätsrelation liegt vor, wenn zwei inkompatible Wörter Geschehen bezeichnen und der Anfangszustand des einen Geschehens den Endzustand des anderen nennt – und umgekehrt. Beispiele sind beladen und entladen sowie Einbau und Ausbau.

Engerer und weiterer Gebrauch von Antonymie

Ursprünglich bezeichnete Antonymie nur die graduelle oder konträre Antonymie, besonders bei Adjektivpaaren wie schön/hässlich. Teilweise wird der Ausdruck weiterhin nur für einen „Bedeutungsgegensatz(.) zwischen skalierbaren lexikalischen Ausdrücke(n)“ verwendet. Logisch entspricht dies einem konträren Gegensatz, etwa kalt/heiß.

Ein Sonderfall ist der polar-konträre Gegensatz: Die gegensätzlichen Bedeutungen liegen an den Enden einer Skala, zum Beispiel neu/alt. Nicht-polare Antonyme bezeichnen dagegen den gleichen Ausprägungsgrad auf entgegengesetzten Skalen; konverse Komparative können nicht gebildet werden.

Im weiteren Sinn ist Antonymie ein Oberbegriff für semantische Gegensatzrelationen. Dann umfasst sie auch kontradiktorische oder komplementäre Gegensätze wie tot/lebendig und sinnvoll/sinnlos. Kontradiktorische Antonymie heißt auch „Antonymie im strengen Sinne“, konträre Antonymie „Antonymie im eigentlichen Sinn“ oder gelegentlich Antonymie im engeren Sinn. Die Terminologie ist nicht eindeutig. Antonymie als konträrer oder kontradiktorischer Gegensatz ist ein Sonderfall unvereinbarer Bedeutung, also von Inkompatibilität. Wird auch die Unvereinbarkeit von Kohyponymen als Antonymie behandelt, wird Antonymie mit jeder Inkompatibilität gleichgesetzt; zugleich wird Inkompatibilität enger als üblich verwendet.

Auto-Antonyme und Mehrdeutigkeit

Auto-Antonyme, auch Antagonyme oder Januswörter, haben mehrere Bedeutungen, die zueinander in antonymischer Opposition stehen. Die Mehrdeutigkeit kann auf Homonymie, Polysemie oder Homophonie beruhen. Untiefe kann im Deutschen sehr geringe Tiefe oder umgangssprachlich sehr große Tiefe bedeuten. Das englische overlook bedeutet sowohl „überwachen“ als auch „nicht beachten“. Vergleichbar hat übersehen die Bedeutungen überblicken und nicht beachten: „Ich übersehe die Lage noch nicht“ und „Ich habe den Brief übersehen“.

Homonyme Wörter haben mehrere Bedeutungen, ohne dass zwischen diesen Bedeutungen eine Bedeutungsbeziehung besteht; nur ihre Ausdrucksseite ist identisch. Da Antonymie von der jeweiligen Bedeutung abhängt, kann ein mehrdeutiges Wort verschiedene Gruppen von Antonymen besitzen. Das Wort abnehmen hat beispielsweise je nach Bedeutung Antonyme wie übergeben, aufhängen, aufdecken, auflegen, anlegen, aufsetzen, wachsen beziehungsweise stehen lassen oder zunehmen. Dies heißt Antonymengabel und kann verdeckte Mehrdeutigkeiten sichtbar machen.

Nicht jede Bedeutung eines mehrdeutigen Wortes besitzt ein eindeutiges Antonym. Bei Zug im Sinn von Sog oder Anziehen sind Schub oder Druck Antonyme. Für Zug als Eisenbahnzug, als Schach- oder Spielzug oder als Geste gibt es kein eindeutiges Antonym.

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