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Swastika
Das Symbol der Falun Gong aus China wird srivatsa genannt und zeigt eine linksgerichtete goldene Swastika, umgeben von je vier weiteren Swastiken und Symbolen …
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Grundform und Bedeutung
Eine Swastika (auch Svastika oder Suastika) ist ein Kreuz mit vier etwa gleich langen, gleichartig abgewinkelten Armen. Die Arme können nach rechts oder links zeigen sowie recht-, spitz-, flachwinkelig oder rund gebogen sein; zudem kommen Ornamente wie Kreise, Linien, Spiralen oder Punkte vor. Das älteste bekannte Beispiel stammt aus Mesyn in der Ukraine und wird auf etwa 10.000 v. Chr. datiert.
Das Zeichen hatte nie überall dieselbe Funktion. Es kommt seit vorgeschichtlicher Zeit in Asien und Europa, seltener in Afrika und Amerika vor und wurde sowohl dekorativ als auch als Glücks-, Schutz- oder religiöses Zeichen verwendet. In der archäologischen Fachliteratur bezeichnet „Swastika“ historische Zeichen; „Hakenkreuz“ ist im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert auch ein heraldischer Ausdruck. Die Gleichsetzung der drehenden Swastika, des stehenden Fylfot und des um 45 Grad geneigten NS-Hakenkreuzes gilt als Irrtum.
Entscheidend ist der jeweilige historische und kulturelle Kontext. Äußerlich gleich geformte Zeichen beweisen weder eine gemeinsame Herkunft noch dieselbe Bedeutung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion oder Ethnie.
Archäologische Verbreitung
In Westasien finden sich frühe Belege unter anderem in Jericho: Ein vorkeramischer Stempel mit symmetrischer Swastika wird auf 7000 v. Chr. datiert. Auf Samarra-Ware aus dem heutigen Irak erscheinen Swastiken etwa von 5000 bis 3000 v. Chr. als Teil von Ornamenten mit Pflanzen-, Tier- und Menschenbildern. In der Indus-Kultur sind rechts- und linksgewinkelte Formen seit etwa 3000 v. Chr. auf Siegeln aus Mohenjo-Daro und Harappa belegt. Damit waren sie dort schon etwa 1000 Jahre vor der Ausbreitung „arisch“ sprechender Stämme nach Indien üblich.
Im Mittelmeerraum waren sie vor allem Bestandteil geometrischer Ornamentik. Sie erscheinen auf minoischen Vasen ab etwa 2600 v. Chr., griechischen und italischen Gefäßen, römischen Mosaiken, Fibeln und weiteren Gegenständen. Im Römischen Reich galten sie meist als Elemente allgemeiner Ästhetik; teils werden sie als apotropäisches, also Unheil abwehrendes, Schutzzeichen gedeutet. Schliemanns Troja-Funde werden heute jüngeren Grabungsschichten VII bis IX ab etwa 1300 v. Chr. zugeordnet; ihre Zuordnung und Datierung bleiben umstritten.
In Mittel- und Nordeuropa treten swastikaähnliche Motive von der Bronzezeit bis zur Wikingerzeit auf, besonders als Schmuck auf Alltagsgegenständen. Forschende folgern daraus überwiegend eine Zierfunktion, möglicherweise mit Schutzbedeutung; religiöse Zuordnungen zu Thor oder Odin sind nicht gesichert. Auch in Afrika und Amerika gab es eigenständige Verwendungen: Navajo nutzten Swastiken etwa in Textilien, Hopi bezogen sie auf Wanderwege ihrer Vorfahren. Felszeichnungen der Hohokam-Kultur werden als Dekoration und nicht als religiöses Symbol gedeutet.
Religiöser Gebrauch in Asien
Im Hinduismus ist die Swastika nach dem Om das wichtigste Symbol. Sie steht für den Kreislauf von Geburt und Tod, Samsara, und für Reinkarnation. Außerdem symbolisiert sie Sonnenkraft, rotierende Vorwärtsbewegung, Freude, Licht und Leben. Die rechtsgewinkelte Form gilt als glückverheißend und wird zum Beispiel bei Hochzeiten und Festen für Lakshmi verwendet. Die seltenere linksgewinkelte Form heißt Sauvastika; sie wird dem weiblichen Aspekt der Gottheit zugeordnet und manchmal mit Kali, Sonnenuntergang, Nacht, Unheil und Tod verbunden.
Im Jainismus repräsentiert sie Samsara und die vier Existenzstufen: Götter, Menschen, Tiere und Unterwelt. Ihre vier Arme stehen außerdem für Mönche, Nonnen, männliche und weibliche Laien sowie für Wissen, Wahrnehmung, Glück und Energie als vier unendliche Merkmale der Seele. Sie ist Symbol des siebten von 24 Tirthankara, der „Furtbereiter“.
Im Buddhismus hat das Zeichen je nach Region verschiedene Bedeutungen. In Tibet steht die linksgewinkelte Form für Festigkeit, Ausdauer und Beständigkeit. In China heißt sie wan und steht für Fülle, Wohlstand, langes Leben sowie 10.000 beziehungsweise Unendlichkeit. In Japan heißt sie manji und markiert auf Stadtplänen und Landkarten buddhistische Tempel. In Staaten des Theravada-Buddhismus kennzeichnet sie Buddhas Fußspuren; teils zeigt sie auf Lebensmittelverpackungen eine streng vegetarische Herstellung an. Religiöse Gruppen wie Falun Gong, Daoyuan und Cao Dai verwenden ebenfalls Varianten, die sie ausdrücklich vom nationalsozialistischen Hakenkreuz abgrenzen.
Rassistische Umdeutung und Nationalsozialismus
Im 19. Jahrhundert deuteten einige Ethnologen und völkische Autoren die Swastika trotz ihrer weltweiten Verbreitung zum Zeichen einer angeblichen „arischen Rasse“ um. Diese Rassentheorie ignorierte Fundkontexte und machte verschiedene grafische Formen zu einem vermeintlichen Beweis kultureller Überlegenheit. Thomas Wilson wies 1894 zurück, dass ähnliche Zeichen unterschiedlicher Zeiten und Kulturen eine gemeinsame Herkunft oder Bedeutung belegen könnten.
Die völkische Bewegung verband das Hakenkreuz zunehmend mit Antisemitismus und Rassismus. 1907 wurde es auf Burg Werfenstein erstmals öffentlich als antisemitisches Zeichen gezeigt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es Kennzeichen von Revolutionsgegnern, Freikorps und weiteren antidemokratischen Gruppen.
Die NSDAP übernahm 1920 ein nach rechts gewinkeltes, geradarmiges Hakenkreuz in weißem Kreis auf rotem Grund als Parteizeichen. Hitler erklärte in „Mein Kampf“: Rot stehe für den sozialen Gedanken, Weiß für den nationalistischen und das Hakenkreuz für den Kampf um den „Sieg des arischen Menschen“ sowie für einen „ewig antisemitischen“ Kampf. Das Zeichen wurde durch Fahnen, Abzeichen, Propaganda und Alltagsgegenstände massenhaft verbreitet. Seit dem Reichsflaggengesetz vom 15. September 1935 war die Hakenkreuzflagge die einzige National- und Handelsflagge des Deutschen Reiches.
Damit repräsentiert das Hakenkreuz heute Ideologie, Gewaltherrschaft und Verbrechen des Nationalsozialismus. Die nationalsozialistische Behauptung einer kontinuierlichen germanisch-arischen Bedeutung war pseudowissenschaftlich. Forschung nach 1945 betonte, dass historische Kontinuität nur bei gleichem Kulturraum, gleichen Akteuren sowie gleicher Funktion und Bedeutung angenommen werden kann.
Heutiger Umgang und Rechtslage
Nach 1945 wurden NS-Symbole durch alliierte Regelungen verboten. In Deutschland stellt § 86a StGB das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen unter Strafe: Es drohen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Strafbar sind insbesondere Verbreiten und öffentliches Verwenden. Nicht erfasst sind Darstellungen zur staatsbürgerlichen Aufklärung, Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, Kunst, Wissenschaft, Forschung, Lehre oder Berichterstattung über Geschichte und Zeitgeschehen.
Der Bundesgerichtshof erlaubte deshalb unter anderem Hakenkreuze in politischen Karikaturen, Kunstwerken, Auktionskatalogen, bei Religionsausübung und in eindeutig gegen Rechtsextremismus gerichteten antifaschistischen Symbolen. Veränderte Zeichen von Neonazis können ebenfalls verboten sein; manche Symbole wie Odalrune, Triskele und Schwarze Sonne sind jedoch nur strafbar, wenn sie als Kennzeichen verbotener Organisationen verwendet werden. Das private Entfernen rechtswidriger Hakenkreuze vom Eigentum anderer kann meist Sachbeschädigung sein.
Österreich regelt den Umgang mit NS-Organisationen, Gedankengut und Symbolen im Verbotsgesetz 1947. Ein EU-weites Verbot kam 2007 nicht zustande. Rechtsextreme nutzen weiterhin Hakenkreuze oder ähnliche Ersatzzeichen wie Keltenkreuz, Wolfsangel, Schwarze Sonne, Triskele und Mjölnir. Zugleich bestehen religiöse und historische Verwendungen fort, etwa im Hinduismus, Jainismus und Buddhismus. Deshalb muss zwischen diesen Kontexten und dem nationalsozialistischen Symbolgebrauch unterschieden werden.