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Kreuz (Symbol)
Das Zeichen leitet sich von der Kreuzigung Christi ab und ist in der christlichen Theologie eng mit dem Thema Schuld und Sühnung verbunden. Zudem wird das Kreuz …
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Bedeutung und frühe Verwendung
Das Kreuz ist ein weltweit verbreitetes Symbol mit besonders religiöser und kultureller Bedeutung. Archäologische Funde zeigen, dass es bereits in der Frühzeit der Menschheit ein Kultgegenstand war. Seine Verwendung reicht bis in die Steinzeit zurück; in europäischen Kulthöhlen gehören Kreuze oft zu den ältesten Felsritzungen.
Allgemein wird vermutet, dass die Darstellung von vier miteinander verbundenen, einander gegenüberliegenden Kardinalpunkten eine religiöse Weltformel ausdrückt.
Das Kreuz im Christentum
Im Christentum steht der vertikale Balken für die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen. Der horizontale Balken verbindet die Beziehung zwischen den Menschen. Das Kreuz ist heute besonders als Zeichen des Christentums verbreitet. Es wurde 431 n. Chr. durch das Konzil von Ephesos offiziell als christliches Zeichen eingeführt.
Das Zeichen leitet sich von der Kreuzigung Christi ab. In der christlichen Theologie ist es eng mit Schuld und Sühnung verbunden; Sühnung bedeutet hier den Ausgleich beziehungsweise die Überwindung von Schuld. Weil das Kreuz auch mit Tod verbunden wird, findet es sich häufig auf christlichen Gräbern. Als Metapher kann es eine Bürde bezeichnen, etwa eine Krankheit oder Behinderung, die ein Mensch im Leben bewältigen muss. Positiv steht es in der christlichen Religion für Frieden und Erlösung. Ein Kreuz mit der Darstellung des gekreuzigten Jesus Christus heißt Kruzifix.
Zu christlichen Kreuzformen zählen unter anderem das Lateinische Kreuz, Petruskreuz, Jerusalemkreuz, Keltenkreuz, Kreuz Christi, Malteser- oder Johanniterkreuz, Templerkreuz, das Schwarze Kreuz des Deutschen Ordens und das Patriarchenkreuz. Weitere Verwendungen sind Weihekreuze bei einer Kirchweihe, Gipfelkreuze auf Bergen und Kreuzsäulen. Kreuze dienen außerdem als Zeichen von Hilfsorganisationen, etwa Weißes, Rotes, Grünes, Blaues oder Schwarzes Kreuz, sowie als Bestandteile von Flaggen, beispielsweise Andreaskreuz, Georgskreuz, Skandinavisches Kreuz und Schweizerkreuz. Das größte Kreuz der Welt ist Bestandteil des Monumento Nacional de Santa Cruz del Valle de los Caídos.
Formen und nichtchristliche Bedeutungen
In der Heraldik, also der Wappenkunde, werden viele Kreuze als gemeine Figuren oder als Heroldsbilder verwendet. Sie tragen dort besondere Namen, die im Alltag nicht immer bekannt sind. Häufig richtet sich die Benennung nach der Form ihrer Kreuzarme und geht auf heraldische Erfindungen zurück.
Wichtige Grundformen sind das gemeine oder griechische Kreuz mit gleich langen Armen und das lateinische oder Hochkreuz. Viele Formen können auch als Schrägkreuz oder Andreaskreuz in X-Stellung erscheinen. Ist der untere Arm abweichend von den übrigen Armen spitz geformt, spricht man von einem gespitzten Kreuz oder Spitzkreuz; die sonstige Bezeichnung bleibt dabei meist erhalten.
Das Ägyptische Kreuz oder Anch ist eine alte ägyptische Hieroglyphe und ein Symbol für Leben und Wiedergeburt. In der koptischen Kirche wird es noch in der Originalform verwendet. Das Hakenkreuz, Sonnenkreuz oder die Swastika heißt auf Lateinisch Crux Gammarum. In Asien gilt sie sowohl im als auch gegen den Uhrzeigersinn als Glücksbringer. Sie war in der frühen Kirche auch ein christliches Symbol, wurde aber Anfang des 20. Jahrhunderts zum Parteizeichen der NSDAP: mit Haken im Uhrzeigersinn und diagonalem Balken.
Weitere benannte Formen sind das Baskische Kreuz oder Lauburu, die Hände Gottes (polnisch: Ręce Boga), auch Slawisches Kreuz genannt, das Rad- oder Sonnenkreuz, das Kelten-, Hoch- oder Irische Kreuz sowie das Gilgenkreuz des Hauses Anjou und des Gigliato. Das Kleeblattkreuz, auch Lazarus- oder Brabanterkreuz, besitzt mit Kleeblättern verzierte Enden und wird in der Heraldik verwendet. Das Kronenkreuz ist das Zeichen der Diakonie und markenrechtlich geschützt.
Kreuzzeichen im Alltag und in Fachgebieten
In traditionellen europäischen Spielkarten ist Kreuz meist die höchste Spielfarbe; Ausnahmen sind zum Beispiel Poker, Bridge und Jass. Das Zeichen ♣ steht für ein dreiblättriges Kleeblatt. Bei solchen Karten wurden ursprünglich heidnische Symbole für die vier Elemente verwendet, etwa Schwert, Stab oder Pike, Kelch oder Becher sowie Münze oder Scheibe. Aus dem kreuzähnlichen Schwert entstand im Lauf der Zeit das übliche Kleeblatt.
In der Musik erhöht das Kreuzzeichen ♯ eine Note um einen Halbton. In wissenschaftlichen Ausgaben kann ein Kreuz als Schriftzeichen eine verderbte oder schwer lesbare Textstelle kennzeichnen. In der Genealogie bezeichnet † den Todestag. Drei Kreuze können eine Ersatzform der Unterschrift sein, die von einem Notar beglaubigt werden muss.
In der Mathematik steht das Pluszeichen für Addition; das um 45° gekippte Zeichen × steht für das Kreuzprodukt. Weitere Verwendungen sind Orden wie das Eiserne Kreuz, die Aktion Grüne Kreuze deutscher Landwirte auf landwirtschaftlichen Flächen und Münzmeisterzeichen auf Münzen verschiedener Münzstätten.
Das Kreuz als Gegenwartskunst
Das Kreuz spielt auch als Kunstwerk in der Gegenwart eine Rolle. Hermann Bigelmayr schuf mit „Das Kreuz im Nichts“ ein zentrales Orientierungssymbol auf dem überkonfessionellen Friedhof München-Riem. Wer in die Großplastik hineingeht, erkennt in ihren Zwischenräumen ein christliches Kreuz.
Die Skulptur ist zugleich nach allen vier Himmelsrichtungen offen und symbolisiert dadurch alle Religionen der Welt. Wegen dieses überkonfessionellen Ansatzes war das Kunstwerk vielfach Gegenstand politisch-religiöser Debatten in Bayern.