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Swahili (Sprache)

Swahili als untere Verwaltungssprache und überregionale Bildungssprache in den Volksschulen ein, setzten dann aber stärker auf das Englische.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Sprache, Bedeutung und Verbreitung
  2. 2. Entstehung, Ausbreitung und Standardisierung
  3. 3. Schreibung und Lautsystem
  4. 4. Nominalklassen und Kongruenz
  5. 5. Aufbau der Verben
  6. 6. Dialekte und Literatur

Sprache, Bedeutung und Verbreitung

Swahili, auch Suaheli oder Kiswahili, ist eine Bantusprache und die am weitesten verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas. Eine Verkehrssprache oder Lingua franca ermöglicht die Verständigung zwischen Menschen mit unterschiedlichen Muttersprachen. Mehr als 80 Millionen Menschen beherrschen Swahili; davon sind schätzungsweise 5–10 Millionen Muttersprachler. Damit ist es die weltweit meistgesprochene Bantusprache.

Das traditionelle swahilisprachige Gebiet erstreckt sich über einen etwa 1500 Kilometer langen Küstenstreifen von Süd-Somalia bis in den Norden Mosambiks. Swahili ist Amtssprache in Tansania und Kenia, seit 2005 in Uganda und seit 2017 in Ruanda. In der Demokratischen Republik Kongo gehört es zu den vier Nationalsprachen und wird besonders im Osten gesprochen. Weitere Verbreitungsgebiete liegen in Burundi, Süd-Somalia, Mosambik, Malawi und auf den Komoren einschließlich Mayotte. Die Afrikanische Union nutzte Swahili bei ihrem Gipfeltreffen im Juli 2004 als Arbeitssprache.

Besonders stark ist Swahili in Tansania verankert: Dort dient es als allgemeine Unterrichtssprache der siebenjährigen Volksschule. In Tansania und Kenia ist es Pflichtfach an Sekundarschulen und wird in Radio und Fernsehen verwendet. Nationale Swahiliräte in beiden Ländern sowie das sprachwissenschaftliche Institut der Universität Dar es Salaam pflegen und entwickeln die Standardsprache.

Entstehung, Ausbreitung und Standardisierung

Swahili gehört genetisch zur Sabaki-Gruppe der ostafrikanischen Bantusprachen und in Malcolm Guthries geografischer Einteilung zur Zone G40. Es entstand durch Kontakte afrikanischer Küstenbewohner mit seefahrenden Händlern, die meist arabischer Herkunft waren. Seine Grammatik ist eindeutig bantusprachlich, sein Wortschatz enthält jedoch zahlreiche Lehnwörter. In klassischen Gedichten können arabische Wörter bis zu 50 % ausmachen; für das moderne Umgangsswahili wird ihr Anteil auf 20 % geschätzt. Weitere Lehnwörter stammen unter anderem aus dem Englischen, Persischen, Portugiesischen, aus indischen Sprachen und im Kongo-Swahili aus dem Französischen. Aus der deutschen Kolonialzeit blieb beispielsweise shule für „Schule“ erhalten.

Muslimische Herrscher an der ostafrikanischen Küste verwendeten seit dem 9. Jahrhundert arabische Schrift. Die ältesten erhaltenen Swahili-Manuskripte stammen aus der Zeit um 1700 und sind in einer angepassten arabischen Schrift, der Adschami-Schrift, verfasst. Im 19. Jahrhundert wurde Swahili erstmals lateinisch notiert. Ludwig Krapf erarbeitete zwischen 1844 und 1882 das erste Wörterbuch, eine Grammatik und erste Teile einer Bibelübersetzung. Missionsschulen und Kolonialmächte machten anschließend das lateinische Alphabet zum Standard.

Durch den Karawanenhandel mit Elfenbein und Sklaven breitete sich Swahili von der Küste entlang der Handelswege bis zu den Großen Seen und in den östlichen Kongo aus. Deutsche und britische Kolonialverwaltungen nutzten es später als Verwaltungs-, Schul- oder Kommandosprache, allerdings in unterschiedlichem Umfang. Zwischen den Weltkriegen vereinheitlichte ein britisches interterritoriales Sprachkomitee die Sprache. Grundlage wurde der Dialekt von Sansibar; seit 1928 gilt Kiunguja als Basis des Standard-Swahili. Dieses Standard-Swahili wird bis heute durch Schulen und Massenmedien verbreitet.

Schreibung und Lautsystem

Swahili wird heute mit lateinischen Buchstaben geschrieben. Die Rechtschreibung ist weitgehend phonematisch: Ein Buchstabe oder eine feste Buchstabengruppe entspricht gewöhnlich einem bedeutungsunterscheidenden Laut. Auch Lehnwörter werden nach ihrer Swahili-Aussprache geschrieben, etwa kompyuta aus englisch computer. Die Buchstaben q und x kommen nicht vor; c erscheint nur in ch.

Swahili besitzt die fünf Vokalphoneme /a/, /e/, /i/, /o/ und /u/. Anders als im Deutschen unterscheiden sie sich nicht durch Länge und werden in unbetonten Silben nicht abgeschwächt. Die Betonung liegt normalerweise auf der vorletzten Silbe und verschiebt sich, wenn ein Suffix angefügt wird.

Eine Silbe enthält einen Vokal, vor dem kein, ein oder mehrere Konsonanten stehen können. Nasale können als eigenständige Morpheme ebenfalls eine Silbe bilden, etwa das m in mtu („Mensch“). Aufeinanderfolgende Vokale gehören zu verschiedenen Silben; es gibt daher grundsätzlich keine Diphthonge oder Langvokale. Die Silben sind offen, enden also normalerweise auf einen Vokal. Lehnwörter werden daran angepasst, beispielsweise daktari aus doctor und aiskrimu aus icecream.

Zu den für Lernende wichtigen Schreibungen gehören th wie in englisch thick, dh wie in this, ng als Lautfolge [ŋg] und ng’ als [ŋ]. Stimmhafte Verschlusslaute können pränasaliert sein, ihnen geht dann ein am gleichen Artikulationsort gebildeter Nasal voraus: mb, nd, nj und ng. Nicht pränasalierte b, d, j und g werden im Küstengebiet häufig implosiv gesprochen. Stimmlose Verschlusslaute können aspiriert werden. Diese Unterschiede werden in der Schrift nicht vollständig wiedergegeben und von vielen Sprechern nicht konsequent zur Bedeutungsunterscheidung verwendet. Die Laute dh, gh und kh kommen nur in arabischen Lehnwörtern vor; th erscheint zusätzlich in modernen englischen Entlehnungen.

Nominalklassen und Kongruenz

Wie alle Bantusprachen ordnet Swahili sämtliche Substantive Nominalklassen zu. Eine Nominalklasse verbindet drei Eigenschaften: eine typische Wortform und Pluralbildung, bestimmte Übereinstimmungsformen anderer Satzteile sowie häufig ein gemeinsames Bedeutungsfeld. Diese grammatische Übereinstimmung heißt Kongruenz. Sie betrifft unter anderem Adjektive, Zahlwörter, Pronomen und Verben und wird meist durch Präfixe am Wortanfang ausgedrückt. Swahili besitzt keine Kasus; die Pluralbildung ist die einzige Beugung des Substantivs.

In der wissenschaftlichen, auf Wilhelm Bleek zurückgehenden Nummerierung verwendet Swahili die Klassen 1–11 und 14–18. Bei zählbaren Substantiven liegt der Singular meist in einer ungeraden Klasse bis 11 und der Plural in der folgenden geraden Klasse; Klasse 11 bildet ihren Plural in Klasse 10. Wichtige Paare sind 1/2 mit m-/wa-, häufig für Personen, etwa mtu–watu („Mensch–Menschen“); 3/4 mit m-/mi-, häufig für Pflanzen, Körperteile und geografische Objekte, etwa mti–miti („Baum–Bäume“); 7/8 mit ki-/vi-, oft für Gegenstände, Sprachen und Verkleinerungen, etwa kitu–vitu („Ding–Dinge“); sowie 9/10, deren Wörter im Plural häufig unverändert bleiben, etwa nyumba–nyumba („Haus–Häuser“). Klasse 5 bildet den Plural meist mit ma-, beispielsweise jiwe–mawe („Stein–Steine“). Diese Bedeutungszuordnungen sind nur Tendenzen und haben zahlreiche Ausnahmen.

Klasse 14 enthält vorwiegend nicht zählbare Abstrakta, etwa uhuru („Freiheit“). Klasse 15 umfasst alle Infinitive und nur diese; ihr Präfix ist ku-, etwa kuimba („singen“ oder „das Singen“). Die Klassen 16–18 sind Lokativklassen für Orte und Situationen. Lokative werden gewöhnlich durch das Suffix -ni gebildet: kiti bezeichnet einen Stuhl als Gegenstand, kitini den Stuhl als Ort. Klasse 16 mit pa- fragt nach einem genauen Ort, Klasse 17 mit ku- nach einem ungefähren Ort, einer Richtung oder Herkunft und Klasse 18 mit m-/mu- nach dem Inneren eines Ortes.

Für die Kongruenz ist neben Klasse und Numerus besonders die Belebtheit entscheidend. Menschen, Tiere und personale Wesen gelten als belebt, Pflanzen nicht. Bei belebten Substantiven richten sich die Formen anderer Wörter unabhängig von der morphologischen Nominalklasse nach Person und Numerus. Bei Unbelebtem bestimmt dagegen die Klasse auch die Verbform. So lauten die Subjektpräfixe für Personen im Singular ni- („ich“), u- („du“) und a- („er/sie“), im Plural tu- („wir“), m- („ihr“) und wa- („sie“). Adjektive, Demonstrativ- und Possessivpronomen erhalten ebenfalls passende Klassenpräfixe, etwa mtoto mdogo („kleines Kind“), watoto watatu („drei Kinder“) und nyumba nyingi („viele Häuser“).

Aufbau der Verben

Swahili hat einen agglutinierenden Sprachbau: Grammatische Informationen werden als klar erkennbare Affixe an eine Wortwurzel angefügt. Eine Verbform kann Präfixe für Subjekt, Verneinung, Tempus oder Modus, Relativbezug und Objekt enthalten. Das Objektpräfix steht unmittelbar vor der Wurzel und ist erforderlich, wenn das Objekt bestimmt ist. Suffixe verändern dagegen häufig das Genus Verbi, also die Handlungsart des Verbs.

Wichtige Endungen sind -a für den unmarkierten Indikativ/Aktiv, -wa für das Passiv, -ia oder -ea für den Applikativ, -ika oder -eka für das Zustandspassiv, -sha oder -za für den Kausativ und -ana für die Reziprokform. Aus chukua („tragen“) entstehen beispielsweise chukuliwa („getragen werden“), chukulia („jemandem etwas tragen“), chukuza („jemanden etwas tragen lassen“) und chukuana („einander unterstützen“). Mehrere Endungen können kombiniert werden.

Tempus und Modus stehen zwischen dem Subjekt- oder Verneinungspräfix und der Wurzel beziehungsweise vor Relativ- und Objektmarkierungen. Zu den wichtigsten Markierungen gehören -a- für das gnomische oder allgemeine Präsens, -na- für eine gerade ablaufende Handlung, -me- für das Perfekt, -li- für das Präteritum, -ta- für das Futur, -ka- für eine anschließende Handlung, -ki- für Gleichzeitigkeit oder Bedingung, -nge- für den Konjunktiv und -ngali- für den Konjunktiv Präteritum. Der Optativ endet auf -e; die allgemeine Verneinung kann auf -i enden.

Das Beispiel ni-na-kata bedeutet „Ich schneide gerade“: ni- markiert die 1. Person Singular, -na- den progressiven Verlauf und kata „schneiden“. A-na-kata heißt entsprechend „Er/sie schneidet gerade“, a-me-kata „Er/sie hat geschnitten“. U-na-kat-wa bedeutet „Es wird gerade geschnitten“; u- verweist dabei auf ein Subjekt der Klasse 3 und -wa kennzeichnet das Passiv. Nasoma bedeutet dagegen ungefähr „Ich lese gewöhnlich“ oder „Ich kann lesen“ und ist nicht bloß eine Verkürzung von ninasoma („Ich lese gerade“). In a-na-mw-ona („Er/sie sieht ihn/sie gerade“) bezeichnet mw- das bestimmte Objekt.

Dialekte und Literatur

Neben der Standardsprache existieren mehr als fünfzig Dialekte. Dazu gehören unter anderem Kimrima im Küstengebiet um Dar es Salaam, Kipemba auf Pemba, Kimvita um Mombasa, Kiamu auf Lamu, Kimwani im Norden Mosambiks und Chimwiini an der Südküste Somalias. Kingwana wird im Osten und Süden der Demokratischen Republik Kongo gesprochen; die südliche Variante heißt auch Copperbelt Swahili. Die Sprachen der Komoren sind eng verwandt und werden teilweise als Swahili-Dialekte betrachtet. Sheng ist ein informeller, besonders in Nairobi verwendeter Straßenslang aus Swahili, Englisch und weiteren einheimischen Sprachen.

Die Swahili-Literatur umfasst mündliche und schriftliche Überlieferungen. Seit dem 7. Jahrhundert wirkte arabisch-islamische Schriftkultur auf die ostafrikanische Küste ein. Zur frühen Literatur gehören theologische und rechtliche Texte, Chroniken, historische und geografische Werke sowie Märchen, Lieder, Gedichte und Epen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sammelten Missionare, Verwaltungsbeamte und Wissenschaftler verstärkt die zuvor mündlich überlieferte Literatur und schrieben sie in lateinischer Schrift auf.

Bei den Liedformen unterscheidet man unter anderem mashairi, Vierzeiler mit jeweils 16 Silben pro Zeile und einem Reimsystem, sowie die kürzeren nyimbo. Sie behandeln aktuelle Ereignisse, Sitten, Jagd, Zauber, Trauer, Krieg, Tanz oder Geschichte und können aus improvisierten Liedwettstreiten hervorgehen. Lehrlieder, Sprichwörter und Rätsel gehören zur didaktischen Dichtung.

Das Lyongo-Epos gilt als eines der wichtigsten Werke; Lyongo ist der einzige autochthone, also einheimische, Held der Swahili-Epik. Arabisch-persischer Einfluss zeigt sich in der Maghazi-Literatur über muslimische Feldzüge zur Zeit des Propheten. Viele Epen bestehen aus Vier- oder Fünfzeilern mit festen Reimschemata, heißen utendi oder ukawafi und werden bei Festen von Männern und Frauen mit Instrumentalbegleitung vorgetragen. Preislieder rühmen einzelne Personen und ihre Großzügigkeit, während Spottlieder Geiz anprangern.

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