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Tansania

In Tansania werden etwa 125 Sprachen gesprochen, größtenteils Bantusprachen, aber auch nilotische und kuschitische Sprachen, Arabisch sowie indische Sprachen; …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Staat, Raum und Bevölkerung
  2. 2. Geschichte und politisches System
  3. 3. Rechte, Bildung und Gesundheit
  4. 4. Wirtschaft und Rohstoffe
  5. 5. Verkehr und Kultur

Staat, Raum und Bevölkerung

Tansania, amtlich Vereinigte Republik Tansania (Swahili: Jamhuri ya Muungano wa Tanzania), ist ein föderaler präsidentieller Staat in Ostafrika. Er liegt am Indischen Ozean und grenzt an Kenia und Uganda im Norden, Ruanda, Burundi und die DR Kongo im Westen sowie Sambia, Malawi und Mosambik im Süden. Die Hauptstadt ist Dodoma, Regierungssitz und größte Stadt ist Daressalam. Bei der Volkszählung 2022 hatte das Land 61.741.120 Einwohner, eine Fläche von 945.087 km² und eine Bevölkerungsdichte von 64 Einwohnern je km².

Das Festland umfasst eine 16 bis 64 km breite tropische Küstenebene, die Massai-Savanne im Norden und ein 900–1200 m hohes Hochplateau im Süden. Der Ostafrikanische Graben verläuft durch das Land; Vulkane und Krater sind Folgen dieser tektonischen Bruchzone. Der Kibo im Kilimandscharo-Massiv ist mit 5895 m der höchste Berg Afrikas. Zu den wichtigen Gewässern gehören Viktoriasee, Tanganjikasee und Malawisee. Etwa ein Viertel der Landesfläche besteht aus abflusslosen Becken: Niederschlag verdunstet dort, statt in Flüsse abzufließen. An der Küste herrscht tropisches Tieflandklima, in den Gebirgen gemäßigteres Klima. Trockenzeiten sind etwa Januar bis März sowie Juni bis Oktober; Regenzeiten liegen vor allem im April und Mai sowie November und Dezember.

Tansania ist in 31 Verwaltungsregionen gegliedert, davon fünf auf Sansibar; Regionen bestehen aus Distrikten und diese aus Bezirken. 2023 lebten 37 % der Bevölkerung in Städten. Daressalam hatte 2022 5.383.728 Einwohner, Mwanza 1.104.521 und Dodoma 765.179.

Die Bevölkerung ist sehr jung und wächst stark: 2022 lag die Geburtenziffer bei 35,8, die Sterbeziffer bei 6,0 je 1000 Einwohnern; statistisch kamen 4,7 Geburten auf eine Frau. 2023 waren 43,1 % der Einwohner jünger als 15 Jahre, aber nur 3,1 % älter als 64 Jahre. Die Lebenserwartung betrug 2022 66,8 Jahre. Auf dem Festland gehören 99 % der Bevölkerung afrikanischen Ethnien an, darunter 95 % Bantu. Die größte Gruppe sind die Sukuma mit 12 %; außerdem leben unter anderem Nyamwezi, Hehe/Bena, Haya, Swahili, Chagga und Massai im Land. Hinzu kommen Menschen mit Vorfahren aus arabischen Ländern, Indien und Europa sowie Flüchtlinge, darunter 431.000 aus Burundi und 96.000 aus der DR Kongo.

Es werden 125 Sprachen gesprochen. Swahili ist de facto Nationalsprache und Verkehrssprache für offizielle Angelegenheiten; eine de jure festgelegte Amtssprache gibt es nicht. Englisch wird unter anderem in höherer Bildung, Technologie und höheren Gerichten verwendet. In der Grundschule ist Swahili Unterrichtssprache, während Englisch laut Sprachpolitik für höhere Schulen und Universitäten vorgesehen ist. Die meisten Einwohner sind Christen oder Muslime. Die Angaben zur Verteilung sind umstritten, weil die Religionszugehörigkeit seit den 1960er Jahren nicht mehr bei Volkszählungen abgefragt wird: Für beide Gruppen werden jeweils etwa 30 bis 40 % genannt; auf Sansibar sind mindestens 98 % Muslime.

Geschichte und politisches System

Die Olduvai-Schlucht im Norden gehört zu Fundorten, die als „Wiege der Menschheit“ bezeichnet werden; ihre Steinwerkzeuge zählen zu den weltweit ältesten. Seit etwa dem 8. bis 9. Jahrhundert entstanden an der ostafrikanischen Küste islamisch geprägte Städte der Swahilikultur. Kilwa Kisiwani war vom 14. bis 16. Jahrhundert ein Hauptort. Nach portugiesischer und später omanischer Vorherrschaft prägten Karawanenhandel und Sklavenhandel das Binnenland.

Ab 1885 entstanden deutsche Herrschaftsansprüche; nach der militärischen Eroberung wurde das Gebiet Teil der Kolonie Deutsch-Ostafrika, die auch Ruanda und Burundi umfasste. Nach dem Ersten Weltkrieg kam das Festlandsgebiet als Tanganyika Territory unter britische Verwaltung, zunächst als Völkerbundsmandat, später als UNO-Treuhandgebiet. Tanganjika wurde am 9. Dezember 1961 vom Vereinigten Königreich unabhängig. Am 26. April 1964 vereinigte es sich mit Sansibar; seit dem 1. November 1964 heißt der Staat Vereinigte Republik Tansania. Das Land gehört seit der Unabhängigkeit dem Commonwealth of Nations an.

Erster Präsident war Julius Kambarage Nyerere. Er vereinigte 1977 TANU und die Afro-Shirazi Party Sansibars zur Chama Cha Mapinduzi (CCM, „Partei der Revolution“). Seine Politik zielte auf einen afrikanischen Sozialismus: Banken wurden verstaatlicht, Bildungs- und Landreformen eingeführt. Das Ujamaa-Modell sollte Dorfgemeinschaften zu Produktions- und Verteilungskollektiven erweitern, scheiterte jedoch bei der Ausweitung. Nyerere trat 1985 als Präsident zurück. 1992 endete das Einparteiensystem; die CCM blieb bei Mehrparteienwahlen dennoch dominierend.

Tansania ist eine Präsidialrepublik. Der Staatspräsident wird alle fünf Jahre direkt gewählt, bestimmt die Politik und ernennt Premierminister und Kabinett. Die Nationalversammlung (Bunge) hat 388 Sitze: 264 werden gewählt, 113 sind für Frauen reserviert, fünf entsendet Sansibar, fünf ernennt der Präsident und ein Mitglied gehört ihr von Amts wegen an. Die Verfassung garantiert seit 1992 ein Mehrparteiensystem, doch Oppositionsparteien sind auf dem Festland schwach organisiert. John Magufuli war von 2015 bis zu seinem Tod am 17. März 2021 Präsident; ihm folgte Vizepräsidentin Samia Suluhu Hassan. Der Artikel beschreibt ihre Regierungsführung teilweise als autoritär und ordnet Tansania im Demokratieindex seit 2006 als „Hybridregime“ ein. Für die Parlamentswahlen im November 2025 nennt der Artikel knapp 98 % der Stimmen für Suluhu, den Ausschluss wichtiger Oppositionsparteien sowie Unruhen mit schätzungsweise hunderten Todesopfern.

Sansibar besitzt innerhalb der Union ein eigenes Parlament, eine eigene Regierung und einen eigenen Präsidenten. Wahlen führten dort wiederholt zu Konflikten und Vorwürfen von Wahlfälschung. 2015 wurden die Wahlen wegen Unregelmäßigkeiten annulliert; die Neuwahl 2016 gewann der CCM-Kandidat Ali Mohammed Shein mit 91,4 %. 2020 gewann Hussein Mwinyi laut Wahlkommission mit 76,3 %. Lokale Räte werden ebenfalls alle fünf Jahre gewählt; die größten Oppositionsparteien boykottierten die Wahl 2019, bei der die Regierungspartei 99 % der Sitze gewann.

Rechte, Bildung und Gesundheit

Die Verfassung garantiert Religionsfreiheit, doch auf Sansibar werden die Beziehungen zwischen Religionsgruppen als angespannt beschrieben. Menschenrechtsschutz wird besonders in ländlichen Regionen als schwach bewertet. Berichtet wird über Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Genitalverstümmelung – laut UNFPA landesweit etwa 10 % der Frauen –, Kinderarbeit und Gewalt gegen Menschen mit Albinismus. Gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen können mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft werden; laut UNHCR und Human Rights Watch werden LGBT-Personen verfolgt, misshandelt oder festgenommen.

Presse- und Meinungsfreiheit wurden unter Magufuli durch Gesetze wie den Cybercrimes Act, Statistics Act und Media Service Act eingeschränkt. Der Ostafrikanische Gerichtshof erklärte 2019 Teile des Media Service Act für ungültig, diese seien 2021 aber weiter angewandt worden. Der Artikel nennt für 2026 in der Rangliste der Pressefreiheit Rang 117 von 180 und eine „schwierige Lage“. Die Justiz gilt grundsätzlich als unabhängig, doch lange Verfahren, Korruption, überfüllte Gefängnisse und schlechte Haftbedingungen sind Probleme. Die Todesstrafe ist für bestimmte Delikte wie Mord zwingend vorgesehen, wurde aber seit 1995 nicht vollstreckt.

Das Schulsystem umfasst eine verpflichtende einjährige Vorschule für Fünfjährige, sieben Jahre Primary School und vier Jahre Secondary School bis zum Ordinary Level (O-Level). Zwei weitere Jahre führen zum Advanced Level (A-Level), der zum Universitätsbesuch berechtigt. Die Schulpflicht reicht bis zum 15. Geburtstag. Staatliche Schulen erheben seit 2002 keine Schulgebühren, jedoch belasten Uniformen, Materialien, Verpflegung und Transport viele Familien. Von 2019 bis 2023 stiegen die Einschulungszahlen von 10,3 auf 11,4 Millionen, während die Einschulungsquote im schulpflichtigen Alter von 95,3 % auf 86 % sank. Weiterführende Schulen erreichen nur 27 % der Schülerinnen und Schüler. Besonders Mädchen aus ländlichen und armen Familien brechen oft ab dem 12. Lebensjahr die Schule ab. 2025 gab es 7408 weiterführende Schulen.

Gesundheitsausgaben entsprachen 2021 3,4 % des Bruttoinlandsprodukts; 2018 praktizierten 0,5 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit unter Fünfjähriger lag 2022 bei 40,5 je 1000 Lebendgeburten. Häufige Todesursachen sind Infektionen der unteren Atemwege, außerdem AIDS, Tuberkulose, Malaria und bei Männern auch ischämische Herzkrankheiten. Malaria war Anfang der 2000er Jahre die häufigste Todesursache bei Kindern. 2016 waren schätzungsweise 4,7 % der Erwachsenen mit HIV infiziert. Mehr als 60 % der Gesundheitseinrichtungen werden staatlich betrieben. 2025 gab es ein Nationalkrankenhaus, 51 Regionalkrankenhäuser, 186 Distriktkrankenhäuser, 1338 Gesundheitszentren und 8635 Ambulanzen.

Wirtschaft und Rohstoffe

Tansania zählt zu den dynamischen Wachstumsmärkten Subsahara-Afrikas. Das nominale BIP wurde für 2024 auf 79 Milliarden USD geschätzt, das BIP nach Kaufkraftparität auf 270,4 Milliarden USD; das BIP pro Kopf nach Kaufkraftparität lag bei 4.146 USD. Das reale Wirtschaftswachstum betrug 2024 5,5 %, die Inflation 3,1 %. Wachstumsmotoren sind Telekommunikation, Finanzdienstleistungen und Baugewerbe. Das hohe Bevölkerungswachstum, ein unsicherer Zugang zu Elektrizität, Armut und die große Bedeutung informeller Arbeit bleiben Herausforderungen.

68,4 % der Bevölkerung leben und arbeiten im ländlichen Raum. Die überwiegend subsistenzorientierte Landwirtschaft dient bei normalen Niederschlägen der Selbstversorgung. Wichtige Exportgüter sind Gold, Tabak, Cashewnüsse, Kaffee, Tee, Baumwolle, Sisal, Gewürznelken und Diamanten. 2016 entfielen 31,26 % der Exporterlöse auf Gold, 7,98 % auf Tabak und 7,70 % auf Cashewnüsse. Im Jahr 2017 waren 66,9 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, 26,6 % im Dienstleistungssektor und 6,4 % in der Industrie tätig. Etwa 43 % arbeiten im informellen Sektor.

Der Bergbau besitzt hohes Wachstumspotenzial. 2010 wurden 42 t Gold gefördert; der Wert der Goldexporte betrug 2011 1,7 Milliarden USD. Weitere Rohstoffe sind Nickel, Uran, Graphit und der Schmuckstein Tansanit. Die Erdgasreserven vor der Küste wurden Anfang 2015 mit 50 Billionen Kubikfuß beziehungsweise 1,4 Billionen m³ angegeben. Eine geplante Erdgasverflüssigungsanlage würde laut Artikel 20 bis 30 Milliarden USD kosten.

Tourismus ist ebenfalls wichtig: Kilimandscharo und Nationalparks wie die Serengeti sind Hauptattraktionen. 2023 kamen 1.808.205 Touristinnen und Touristen, 24,3 % mehr als 2022. Die Einnahmen betrugen 3.368,7 Millionen USD oder 9,5 % des BIP; die Branche beschäftigt rund 1,4 Millionen Menschen. Die Zentralbank Tansanias gibt den Tansania-Schilling aus, und die Wertpapierbörse heißt Dar es Salaam Stock Exchange.

Verkehr und Kultur

Die technische Infrastruktur ist an der Küste besser entwickelt als im Landesinneren. Die Stromversorgung ist unsicher und bei Dürren wegen des Anteils der Wasserkraft besonders gefährdet. 2021 betrug die installierte elektrische Leistung 1.606 MW, davon 45 % Wasserkraft. 2021 nutzten 25 % der Einwohner das Internet; die Zahl der Mobilfunkanschlüsse lag bei über 50 Millionen.

Tansania besitzt zwei traditionelle Eisenbahnsysteme mit zusammen 3.690 km Strecke: das meterspurige Netz der Tanzania Railways Corporation und die kapspurige TAZARA-Verbindung von Daressalam über Mbeya nach Sambia, die von chinesischen Firmen gebaut wurde. 2024 eröffnete der erste Abschnitt einer neuen Normalspurstrecke von Daressalam über Morogoro nach Dodoma. Der Expresszug benötigt für diese Strecke drei Stunden und fasst knapp 600 Passagiere. Im Straßenverkehr gilt Linksverkehr. 2020 waren 8.172 km Fernstraßen asphaltiert; der Verkehr gilt als besonders unsicher. Vier Flughäfen haben internationale Verbindungen: Daressalam, Kilimanjaro, Sansibar und Mwanza. See- und Fährverkehr verbindet die Inseln Unguja, Pemba und Mafia mit dem Festland. Beim Untergang der Spice Islander I starben 2011 fast 3000 Menschen. Daressalam verfügt zudem über ein Metrobussystem.

Kulturell wichtig sind Musik, Tanz und bildende Kunst. Ngoma bezeichnet Veranstaltungen mit Tänzen, Liedern und Instrumenten, die je nach Ethnie, Region und Anlass unterschiedlich sind. Die Musik verbindet regionale afrikanische Traditionen mit Einflüssen aus Arabien, Asien, dem Kongo und später westlicher Popmusik. Bongo Flava ist heute besonders verbreitete Popmusik: eine auf Swahili gesungene Variante afrikanischen Hip-Hops. Das Sauti za Busara Festival findet seit Anfang der 2000er Jahre jährlich im Februar auf Sansibar statt.

Bekannt ist die Makonde-Schnitzkunst. Der Ujamaa-Stil stellt meist viele gegenständliche Figuren als zusammenhängende Säule dar und bezieht sich auf Gemeinschaft und Zusammenarbeit. Der abstraktere Shetani-Stil beschäftigt sich mit guten und bösen Geistern. In der Malerei entstanden seit den 1960er Jahren die Tingatinga-Malerei sowie George Lilangas zeitgenössischer Stil. Fußball ist die beliebteste Sportart. Tansania nahm erstmals 1964 an Olympischen Sommerspielen teil; 1980 gewannen Suleiman Nyambui über 5000 m und Filbert Bayi über 3000 m Hindernis jeweils Silber, die einzigen olympischen Medaillen des Landes.

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