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Kenia

Englisch ist als Erbe der britischen Kolonialzeit eine der beiden offiziellen Amtssprachen Kenias und besonders durch den Gebrauch als Schulunterrichtssprache …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Staat und geografische Grundlagen
  2. 2. Bevölkerung, Sprachen, Religion und Bildung
  3. 3. Geschichte, Politik und gesellschaftliche Konflikte
  4. 4. Wirtschaft, Landwirtschaft und Versorgung
  5. 5. Außenpolitik, Militär und Infrastruktur
  6. 6. Kultur, Feiertage und Sport

Staat und geografische Grundlagen

Kenia, offiziell Republik Kenia, ist ein Staat in Ostafrika. Hauptstadt und größte Stadt ist Nairobi, die zweite Millionenstadt Mombasa. Kenia ist eine präsidentielle Republik; Staats- und Regierungschef ist Präsident William Ruto. Amtssprachen sind Swahili und Englisch. Das Land umfasst 580.367 km², wird im Süden vom Äquator durchzogen und grenzt an den Südsudan, Äthiopien, Somalia, Tansania und Uganda. Im Südosten liegt der Indische Ozean. Kenia wurde am 12. Dezember 1963 vom Vereinigten Königreich unabhängig. Die Währung ist der Kenia-Schilling (KES), die Zeitzone UTC+3.

Das Zentrum Mittelkenias wird vom Rift Valley, einem Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs, durchzogen. Die höchste Erhebung ist der Batian im Mount-Kenya-Massiv mit 5199 m; das Massiv gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Die Küste ist 480 km lang, liegt auf 0 m Höhe und weist Buchten, Lagunen und teilweise vorgelagerte Korallenriffe auf. Die längsten Flüsse sind Tana, Sabaki und Kerio. Zum Staatsgebiet gehören unter anderem die Inseln des Lamu-Archipels, mehrere Inseln im Indischen Ozean sowie Inseln im Victoriasee und im Turkana-See.

Kenia liegt in der subtropischen und tropischen Klimazone. Im Hochland über 1800 m gibt es Regenzeiten von April bis Juni sowie von Oktober bis November. Im Juli und August liegen die täglichen Tiefstwerte bei etwa 10 °C, im Januar und Februar erreichen die Tageshöchstwerte etwa 25 bis 26 °C. In Nairobi reichen die Temperaturen im Juli von 11 bis 21 °C und im Februar von 13 bis 26 °C; die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt 958 mm. An der Küste herrschen 22 bis 32 °C und etwa 75 % Luftfeuchtigkeit. Der meiste Regen fällt dort von April bis Juni, Januar und Februar sind die trockensten Monate.

Die Wasserverteilung ist regional sehr unterschiedlich: Das Einzugsgebiet des Victoriasees umfasst knapp 10 % der Landesfläche, führt aber die Hälfte der Gesamtwassermenge ab. Das Einzugsgebiet des Ewaso Ng’iro umfasst mehr als ein Drittel des Landes, trägt jedoch weniger als 2 % zum Abfluss bei. Knapp ein Viertel des Landes entwässert in abflusslose Becken, etwa das des Turkana-Sees.

Nationalparks und Naturschutzgebiete sind für den Tourismus besonders wichtig. Der größte Nationalpark ist der in Tsavo-Ost und Tsavo-West gegliederte Tsavo-Nationalpark. Die Masai Mara ist formal ein Naturschutzgebiet und kein Nationalpark. Wegen der Herdenwanderungen von Gnus, Zebras, Antilopen, Büffeln und Impalas ist sie besonders im Juli und August sehr tierreich. Weitere bedeutende Schutzgebiete sind Amboseli, Lake Nakuru, Meru, der Nairobi-Nationalpark und der Watamu Marine Nationalpark mit seinem Korallenriff.

Bevölkerung, Sprachen, Religion und Bildung

Die Bevölkerungsangaben beziehen sich auf unterschiedliche Zeitpunkte: 2023 hatte Kenia 55,1 Millionen Einwohner; die Infobox nennt 57.724.830 Einwohner im September 2025. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug 2023 2,0 %, in einer Schätzung für 2021 2,2 %. 2022 kamen 27,5 Geburten auf 1000 Einwohner und 7,8 Todesfälle. Die durchschnittliche Kinderzahl lag 2022 bei 3,3 pro Frau. Die Lebenserwartung betrug 2022 62,1 Jahre. Die Bevölkerung ist jung: 2023 waren 37,2 % unter 15 Jahre alt, nur 2,9 % waren über 64 Jahre. 2023 lebten 30 % der Bevölkerung in Städten. Nairobi hatte nach dem Zensus 2019 4.397.073 Einwohner, Mombasa 1.208.333, Nakuru 570.674, Ruiru 490.120 und Eldoret 475.716.

In Kenia leben mehr als 40 Volksgruppen, die über 50 Sprachen und Dialekte sprechen. Zu den größten bantusprachigen Gruppen gehören Kikuyu mit rund 22 %, Luhya mit 14 %, Kamba mit 11 %, Kisii mit 6 %, Mijikenda mit 5,1 % und Meru mit 4,3 %. Zu den nilotischen Gruppen zählen Kalendjin mit 12,9 %, Luo mit 10,5 %, Turkana mit 2,6 %, Massai mit 2,2 % und Samburu mit 0,6 %. Im Nordosten leben kuschitischsprachige Somali mit 6,2 %, außerdem Oromo, Rendille und El Molo. Nichtafrikanische Bevölkerungsgruppen, darunter Europäer, Asiaten und Araber, machen etwa 1 % aus. Die Regierung erkannte 2017 43 Völker als staatsbürgerberechtigt an; rund 18.500 Menschen aus unter anderem Shona, Shirazi, Galja’el und Pemba galten als staatenlos.

Englisch und Swahili sind die beiden Amtssprachen. Englisch ist besonders als Schul- und Verwaltungssprache verbreitet. Swahili ist eine Bantusprache, wird in den Schulen gelehrt und dient in Kenia sowie in ganz Ostafrika als Verkehrssprache. Auf unteren Gerichtsebenen darf Swahili als Verhandlungssprache verwendet werden, Niederschriften und Urteile müssen jedoch auf Englisch verfasst werden. Weitere wichtige Sprachen sind Kikuyu, Kamba, Luhya, Luo, Kalendjin, Turkana, Maa, Oromo und Somali. Sheng ist ein meist auf Swahili beruhender Jugendslang und keine eigene Sprache.

2019 bezeichneten sich 40.379.079 Menschen, also 85,52 %, als Christen. Große Gruppen sind Protestanten, Anglikaner, Katholiken und Evangelikale. 5.152.194 Menschen beziehungsweise 10,91 % waren sunnitische Muslime, vor allem an der Küste und im Osten bei den Somali. Die genaue Zahl der Muslime ist umstritten, weil die Abgrenzung zwischen kenianischen Somali und Flüchtlingen aus Somalia schwierig ist; möglicherweise beträgt ihr Anteil bis zu 20 %. Traditionellen afrikanischen Religionen rechneten sich 0,68 % zu, 755.750 Menschen waren konfessionslos oder atheistisch. Hinduismus ist besonders unter Menschen südasiatischer Herkunft verbreitet.

Das 8-4-4-System umfasst acht Jahre Grundschule, vier Jahre Gymnasium und vier Jahre Hochschule. 2015 lag die Alphabetisierungsrate bei 78,0 %, 2021 betrug die erwartete Dauer des Schulbesuchs 10,7 Jahre. Die kostenpflichtige Vorschulerziehung ist vor allem in Städten verbreitet. 2003 schaffte die Regierung Kibaki das Schulgeld für Grundschulen ab; dadurch besuchten innerhalb eines Jahres 1,7 Millionen Kinder mehr die Schule. Wegen fehlender Investitionen verschlechterte sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis auf 1:100. Weiterführende Schulen der Klassen 9 bis 12 sind kostenpflichtig. Eine flächendeckende Berufsausbildung nach dem deutschen dualen System gibt es nicht; Ausbildungen werden vor allem in Betrieben oder privaten Instituten angeboten. 2020 gab es 31 staatliche und 32 private Universitäten, davon 14 mit staatlicher Lizenz. Die Zahl der Studierenden lag zuletzt bei über 560.000.

Geschichte, Politik und gesellschaftliche Konflikte

Das Gebiet des heutigen Kenia war bereits vor mehr als vier Millionen Jahren von frühen Vormenschen wie Australopithecus und Kenyanthropus besiedelt. Die Kolonialgeschichte begann 1885 mit einem deutschen Protektorat über Witu. 1895 rief Großbritannien Britisch-Ostafrika als Protektorat aus; 1902 wurde das fruchtbare Bergland als Siedlungskolonie für Weiße freigegeben, 1920 wurde Kenia Kronkolonie. Nach dem Mau-Mau-Krieg und der ersten allgemeinen Wahl im März 1957 bildete die Kenya African National Union (KANU) die Regierung. Jomo Kenyatta wurde am 1. Juni 1963 Ministerpräsident. Am 12. Dezember 1963 wurde Kenia unabhängig und am 12. Dezember 1964 nach der Umwandlung zum Commonwealth Realm zur Republik.

Nach der Verfassung von 2010 ist Kenia eine Präsidialrepublik. Der Präsident besitzt weitreichende Exekutivvollmachten, leitet die Regierung und ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die Dezentralisierung teilt das Land in 47 halbautonome Countys. Seit 2013 werden neben Präsident und Vizepräsident auch Gouverneure sowie Parlamente und Repräsentanten auf County-Ebene gewählt. Das Parlament besteht aus Nationalversammlung und Senat.

Bei der Wahl 2013 gewann Uhuru Kenyatta mit 50,5 % vor Raila Odinga mit 43,70 %. In der Nationalversammlung erhielt die Jubilee-Koalition 167 von 349 Sitzen, CORD 141 und Amani 24. Kenyattas Wahlsieg 2017 wurde nach einem Hackerangriff vom Obersten Gerichtshof für ungültig erklärt. Die von Odinga boykottierte Neuwahl gewann Kenyatta mit rund 98 % bei etwa 39 % Wahlbeteiligung. Bei den jüngsten im Artikel genannten Wahlen vom 9. August 2022 durfte Kenyatta nach zwei Amtszeiten nicht antreten. William Ruto gewann mit 50,5 % knapp vor Odinga mit 48,9 %. Die Auszählung dauerte mehrere Tage; Mitglieder der Wahlkommission kritisierten ihre Undurchsichtigkeit. Nach der Ergebnisverkündung kam es erneut zu gewaltsamen Ausschreitungen.

Politische Indizes von 2024 bis 2026 bewerten Kenia als teilweise frei und als Hybridregime. Der Fragile States Index lag 2024 bei 86,5 von 120, der Demokratieindex bei 5,05 von 10. Im Freedom in the World Index erreichte Kenia 52 von 100 Punkten. Die Rangliste der Pressefreiheit nennt für 2026 den Wert 50,5 von 100 und Rang 106 von 180. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2025 lag Kenia bei 30 von 100 Punkten und Rang 130 von 181.

Menschenrechtsprobleme umfassen Bedrohungen gegen Menschenrechtsverteidiger, ethnisch motivierte Gewalt, Vertreibungen, sexualisierte Gewalt, Zwangsbeschneidungen und Kinderprostitution. Homosexuelle Handlungen zwischen Männern sind strafbar; eine spezielle Klausel sieht ein Höchstmaß von 21 Jahren vor. Gleichgeschlechtliche Paare werden nicht rechtlich anerkannt. Weibliche Genitalbeschneidung ist bei Mädchen unter 17 Jahren seit dem Childrens Act von 2002 verboten; die Regierung führte außerdem einen Nationalen Aktionsplan zur Abschaffung der Genitalbeschneidung von 1999 bis 2019 durch.

Zu inneren Konflikten gehörte das Turbi-Massaker von 2005, bei dem Streit um Viehdiebstahl, Weideland und Wasserrechte 90 Menschen das Leben kostete. Korruption zeigte sich unter den Präsidenten Kenyatta, Moi und Kibaki. Bedeutende Fälle waren der Goldenberg-Skandal, durch den Kenia Anfang der 1990er-Jahre 700 Millionen Euro verlor, und der Anglo-Leasing-Skandal. Zur Korruptionsbekämpfung dienten unter anderem das parlamentarische Public Accounts Committee und die Kenya Anti-Corruption Commission, die jedoch nur Ermittlungs- und keine Strafverfolgungsbefugnisse besaß.

Wirtschaft, Landwirtschaft und Versorgung

Kenia besitzt nach Nigeria und Südafrika die drittgrößte Wirtschaft in Subsahara-Afrika und die größte in Südost- und Zentralafrika. Das Wirtschaftswachstum war überdurchschnittlich, wurde aber durch das ebenfalls hohe Bevölkerungswachstum bei der Verbesserung der Lebensverhältnisse vieler Menschen abgeschwächt. Die Arbeitslosenquote lag 2019 bei 9,3 %. Das reale BIP-Wachstum betrug 2024 4,7 %, das BIP nach Kaufkraftparität 375,5 Milliarden US-Dollar und das BIP pro Kopf 7.160 US-Dollar. Die Inflation lag 2024 bei 4,5 %, die Staatsverschuldung bei 67 % des BIP. Die Nairobi Securities Exchange ist die kenianische Wertpapierbörse.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, aber nur etwa 20 % der Landesfläche sind nutzbar. Angebaut werden für den Export vor allem Tee, Kaffee, Sisal und Pyrethrum. Für den Eigenbedarf wachsen unter anderem Mais, Weizen, Gerste, Zuckerrohr, Bohnen, Bananen, Reis, Ananas und Baumwolle. Rund 600.000 Menschen arbeiten im Blumenanbau, der sich auf große Plantagen am Naivashasee konzentriert. In der Viehwirtschaft überwiegen Mast- und Milchrinder; außerdem werden Rinder, Schafe, Ziegen und Kamele gehalten. Ein geplantes Jatropha-Projekt im Dakatcha-Tropenwald wurde 2011 wegen seiner möglichen Folgen für mehr als 20.000 indigene Kleinbauern gestoppt.

Zu den Bodenschätzen gehören Natriumcarbonat und Salz am Magadisee, Meersalz, Kalkstein für die Zementproduktion, Flussspat, Quarzsand und Kieselgur. Außerdem werden Blei, Kupfer, Zink und Magnetit gewonnen. In den Mineralsanden des Kwale County liegen Rutil, Ilmenit und Zirkon. Am Mrima Hill wurden signifikante Niob-Gehalte festgestellt.

Der Außenhandel beruht auf Tee- und Kaffeeexporten, Industrie, Blumen, landwirtschaftlichen Produkten und Tourismus. 2018 exportierte Kenia Tee im Wert von 1,2 Mrd. € und Schnittblumen im Wert von 520 Mio. €; Kaffeeexporte hatten einen Wert von 200 Mio. €. Kenia ist Afrikas größter Blumenexporteur. Das Land weist ein hohes Handelsbilanzdefizit auf: 2018 waren die Importe beinahe dreimal so hoch wie die Exporte. 2021 betrugen die Einfuhren 19,6 Mrd. US-Dollar und die Ausfuhren 6,8 Mrd. US-Dollar, also ein Saldo von −12,8 Mrd. US-Dollar. Wichtigster Importpartner war China mit 20,5 %, gefolgt von Indien mit 10,8 %.

2006 betrugen die Staatsausgaben 17,85 Mrd. US-Dollar bei Einnahmen von 12,89 Mrd. US-Dollar; das Haushaltsdefizit lag bei 7,2 % des BIP. Der Mikrofinanzsektor bestand laut Weltbank 2007 aus mehr als 5000 Institutionen und war stark auf einzelne Marktnischen, häufig auf Frauen, ausgerichtet. 2022 waren 35 % der Bevölkerung unterernährt, rund 20 Millionen Menschen. 36,1 % lebten 2021 mit weniger als 2,15 US-Dollar pro Tag in absoluter Armut.

2019 hatten 84,5 % der Menschen Zugang zu Elektrizität, während 8,1 Millionen Menschen, besonders in ländlichen Gebieten, ohne Strom blieben. 2018 wurden 11.800 GWh erzeugt, davon 44 % aus Geothermie, 18 % aus Wasserkraft und 34 % aus Erdöl. Wegen Trockenperioden und Abholzung sank die Verfügbarkeit der Wasserkraftwerke auf etwa 30 %. Kenia setzt daher verstärkt auf Geothermie, Wind- und Solarenergie. Der Windpark Lake Turkana hat 310 MW und 365 Windkraftanlagen. Sauberes Trinkwasser erhielten etwa 70 % der städtischen und 48 % der ländlichen Bevölkerung.

Außenpolitik, Militär und Infrastruktur

Kenia beansprucht in Ostafrika eine regionale Führungsrolle und beteiligt sich an der East African Community (EAC) sowie an der Inter-Governmental Authority on Development (IGAD). Es vermittelte beziehungsweise unterstützte Friedensprozesse in Burundi, im Sudan, im Südsudan und in Somalia. Die Sicherheitslage an der Grenze zu Somalia und Flüchtlingsbewegungen, besonders aus Somalia, Uganda und dem Südsudan, bestimmen einen Teil der Außenpolitik. Kenia arbeitet eng mit den USA und Großbritannien zusammen und beteiligt sich an der Bekämpfung des internationalen Terrorismus und der Piraterie im Indischen Ozean. Kenianische Gerichte kooperieren dabei mit der EU-Mission Atalanta. Kenia selbst war unter anderem 1998, 2002, 2013 und 2015 Ziel schwerer Terroranschläge.

Die Kenya Defence Forces (KDF) wurden 1963 aus Teilen der King’s African Rifles gebildet. Sie haben 24.120 Angehörige, davon 20.000 in den Landstreitkräften. Ein Schwerpunkt ist die Grenzsicherung zu Somalia; seit 2007 stellt Kenia ein Kontingent für AMISOM. 2017 gab das Land knapp 1,2 % seiner Wirtschaftsleistung beziehungsweise 964 Millionen US-Dollar für das Militär aus.

Zwei transafrikanische Straßenrouten führen durch Kenia: der Trans-African Highway TAH 4 von Kairo über Gaborone nach Kapstadt und der TAH 8 von Lagos nach Mombasa. Im Logistics Performance Index belegte Kenia 2018 Rang 68 von 160 Ländern und damit den drittbesten Platz in Afrika hinter Südafrika und Ruanda. Verbreitete Verkehrsmittel sind Matatus, also Sammeltaxis, und Busse.

Das Eisenbahnnetz umfasst 3000 km, überwiegend in Meterspur. Seit Mai 2017 verbindet eine normalspurige Neubaustrecke Mombasa und Nairobi beide Städte in vier statt zuvor zwölf Stunden; die Strecke wurde fast vollständig von China finanziert. Großstädte sind durch regelmäßig verkehrende Fernbuslinien verbunden. Kenya Airways beschäftigt fast 3000 Menschen und unterhält ein internationales Liniennetz. Nairobi und Mombasa besitzen internationale Flughäfen; mehr als 30 Fluggesellschaften fliegen Nairobi an.

Das klassifizierte Straßennetz ist etwa 65.000 km lang, und es herrscht Linksverkehr. 2019 gab es 28,3 Verkehrstote je 100.000 Einwohner, gegenüber 3,8 in Deutschland. Insgesamt starben etwa 13.500 Menschen im Straßenverkehr. Die hohe Rate steht einer niedrigen Motorisierungsrate von 69 Kraftfahrzeugen je 1000 Einwohner gegenüber.

Seit 2007 wird das Bezahlsystem M-Pesa häufig genutzt. 2022 hatten 40,8 % der Einwohner Zugang zum Internet. Nairobi entwickelte sich zu einem Zentrum der Technologieszene; dafür und für die geplante smarte Megacity Konza Technopolis wird der Begriff „Silicon Savannah“ verwendet. Durch Raketenstarts von der San-Marco-Plattform vor Malindi wurden von 1964 bis 1988 insgesamt 18 Höhenforschungsraketen und neun Scout-Trägerraketen gestartet. 1972 wurde dort der Röntgensatellit Uhuru gestartet; die Zulassung der Plattform lief 2014 aus.

Kultur, Feiertage und Sport

Die Medienlage gilt als schwierig. Investigativ arbeitende Journalisten werden von Lokalpolitikern und der Polizei bedroht oder angegriffen; eine Gesetzesreform von 2013 droht bei Verstößen gegen den Medienkodex mit hohen Geldstrafen und kann Selbstzensur fördern. Das Media Council of Kenya gründete 2006 einen Presserat zur Selbstregulierung.

Die Museen werden vielfach von den National Museums of Kenya verwaltet. Zu den wichtigen Einrichtungen gehören das Nairobi National Museum, Fort Jesus in Mombasa, die Gedi-Ruinen, das Karen Blixen Museum, das Kisumu Museum, das Lamu Museum und archäologische Stätten wie Koobi Fora, Olorgesailie und Thimlich Ohinga. Daneben gibt es unter anderem das Railway Museum und die National Archives.

Kenia besitzt eine vielfältige Musik- und Tanzszene mit traditionellen Liedern, moderner Popmusik, Chormusik und religiösem Gesang. Das Genre Gengetone entwickelte sich aus dem Hip-Hop. Das Theater wird stark vom Schultheater geprägt; Wettbewerbe und Festivals finden auf Distrikts-, Provinz- und nationaler Ebene statt. Eine kleine, lebhafte professionelle Szene besteht unter anderem am Kenya National Theater und bei den Phoenix Players. Im Film dominieren in den Städten US-amerikanischer Mainstream und Bollywood. In Kenia wurden international ausgezeichnete Filme wie Jenseits von Afrika (1986), Nirgendwo in Afrika (2001), Die weiße Massai (2004) und Der ewige Gärtner (2005) gedreht.

Zu den gesetzlichen Feiertagen gehören Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, der 1. Mai, Madaraka Day am 1. Juni, Idd ul-Fitr, Mashujaa Day am 20. Oktober, Diwali, Jamhuri Day am 12. Dezember, Weihnachten und Boxing Day am 26. Dezember. Mashujaa Day erinnert seit der Verfassung von 2010 an alle Helden der kenianischen Geschichte und ersetzte den Kenyatta Day. Jamhuri Day ist der Nationalfeiertag und erinnert an die Unabhängigkeit von Großbritannien 1963. Idd ul-Azha gilt nur für Angehörige der entsprechenden Glaubensrichtung als öffentlicher Feiertag. Fällt ein Feiertag auf einen Sonntag, wird der folgende Werktag zum Feiertag.

Kenia ist besonders für den Langstreckenlauf bekannt. Kenianische Sportler zählen vor allem über 5000 m, 10.000 m, im Hindernislauf und Marathon zur Weltspitze; 2016 gewann das Land in Rio de Janeiro auch Medaillen über 1500 m, 800 m, 400 m Hürden und im Speerwurf der Männer. Iten gilt als „Welthauptstadt des Laufens“ und ermöglicht ganzjähriges Höhentraining. Fußball ist die beliebteste Mannschaftssportart. Die Nationalmannschaft Harambee Stars qualifizierte sich noch nie für eine Weltmeisterschaft und erreichte beim Afrika-Cup bisher keine K.-o.-Phase. Cricket ist die erfolgreichste Mannschaftssportart; Kenia erreichte beim Cricket World Cup 2003 das Halbfinale, blieb aber Associate Member des International Cricket Council und erhielt keinen Teststatus. Rugby, besonders Siebener-Rugby, gewinnt an Bedeutung. Die Siebener-Nationalmannschaft erreichte 2009 Rang drei der World Rugby Sevens Series; die Rugby-Union-Nationalmannschaft gewann die Afrikameisterschaft 2011 und 2013. Special Olympics Kenia wurde 1978 gegründet und nahm mehrfach an Weltspielen teil.

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