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Portugiesische Sprache

Die portugiesische Sprache (portugiesisch a língua portuguesa) ist eine Sprache aus dem romanischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie und bildet mit …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Bedeutung
  2. 2. Verbreitung und offizieller Status
  3. 3. Geschichtliche Entwicklung
  4. 4. Varianten, Schrift und Aussprache
  5. 5. Grammatische Grundzüge
  6. 6. Wortschatz, Kreolsprachen und Literatur

Einordnung und Bedeutung

Die portugiesische Sprache, auf Portugiesisch a língua portuguesa, gehört zum romanischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Innerhalb der romanischen Sprachen zählt sie zum Iberoromanischen und ist eng mit Spanisch, Katalanisch und besonders mit Galicisch verwandt. Portugiesisch und Galicisch gehen auf das Galicisch-Portugiesische zurück, das sich zwischen Spätantike und Frühmittelalter aus dem örtlichen Vulgärlatein entwickelte. Nach der staatlichen Herausbildung Portugals entwickelten sich daraus die heutigen Sprachen Portugiesisch und Galicisch.

Portugiesisch ist seit der Kolonialzeit eine Weltsprache. Es hat mehr als 240 Millionen Muttersprachler; mit Zweitsprachlern sind es geschätzt etwa 270 Millionen Sprecher. Die meisten Sprecher leben in Brasilien. UN-Studien beschreiben Portugiesisch zusammen mit Arabisch als stark wachsende Sprache, besonders wegen der Bedeutung Brasiliens in Südamerika sowie Angolas und Mosambiks im südlichen Afrika. Einige Wissenschaftler erwarten bis zum Ende des 21. Jahrhunderts etwa 500 Millionen Sprecher.

Die Sprache verbreitete sich vor allem im 15. und 16. Jahrhundert durch das portugiesische Kolonialreich, das Gebiete in Amerika, Afrika und Asien umfasste. Brasilien wurde 1822/1825 unabhängig, andere Gebiete blieben länger portugiesisch; Macau ging als letzte portugiesische Kolonie an China über. Dadurch ist Portugiesisch heute Amtssprache mehrerer Staaten und außerdem Minderheiten- oder Zweitsprache in vielen Regionen. Es gibt auch etwa zwanzig Kreolsprachen auf überwiegend portugiesischer Grundlage. Seit 2019 ist der 5. Mai UNESCO-Gedenktag als Dia da Língua Portuguesa e da Cultura Lusófona.

Verbreitung und offizieller Status

Portugiesisch ist alleinige Amtssprache in Angola, Brasilien, Mosambik, Portugal und São Tomé und Príncipe. Zusammen mit anderen Sprachen ist es Amtssprache in Osttimor mit Tetum, in Macau mit Chinesisch und in Äquatorialguinea mit Französisch und Spanisch. In Kap Verde und Guinea-Bissau ist Portugiesisch zwar alleinige Amtssprache, aber nicht die wichtigste Alltagssprache. Eine wichtige Sprache ohne Amtssprachenstatus ist es unter anderem in Andorra, Luxemburg, Namibia und Südafrika.

In Amerika ist Brasilien mit rund 200 Millionen Sprechern das Zentrum des Portugiesischen. In Südamerika ist Portugiesisch nach Spanisch die am weitesten verbreitete Sprache. Wegen des Einflusses Brasiliens wird es auch in einigen spanischsprachigen Nachbarländern unterrichtet, besonders in Argentinien und weiteren Mercosur/Mercosul-Staaten. In Grenzgebieten zu Argentinien, Bolivien, Paraguay und Uruguay gibt es portugiesische Muttersprachler; teils entstand dort Portunhol, eine Mischsprache aus Portugiesisch und Spanisch.

In Europa wird Portugiesisch vor allem in Portugal gesprochen, dessen Bevölkerung mit 10,6 Millionen angegeben wird. Durch Einwanderung ist es auch in Luxemburg und Andorra verbreitet, wo jeweils mehr als zehn Prozent der Bevölkerung Portugiesisch sprechen. Außerdem gibt es portugiesischsprachige Bevölkerungsanteile in Belgien, Frankreich, Deutschland, auf Jersey und in der Schweiz. In Spanien wird im Valle de Jálama a fala gesprochen; Galicisch in Galicien ist eng mit Portugiesisch verwandt.

In Afrika ist Portugiesisch besonders in Angola, Mosambik, São Tomé und Príncipe, Kap Verde, Äquatorialguinea und Guinea-Bissau wichtig. Diese Staaten werden als PALOP bezeichnet. Für Angola nennt der Artikel eine Volkszählung von 2014: Etwa 60 % der Bevölkerung nutzen Portugiesisch als Umgangssprache, 71,15 % sprechen es auch zu Hause; in Städten sind es 85 %, in ländlichen Gebieten 49 %. In Mosambik wird Portugiesisch von vielen als Zweitsprache gesprochen; laut Volkszählung 1997 sprachen etwa 40 % der Gesamtbevölkerung Portugiesisch, aber nur 6,5 % als Muttersprache. In Kap Verde und Guinea-Bissau spielen portugiesische Kreolsprachen, Crioulos genannt, eine wichtige Rolle.

In Asien wird Portugiesisch in Osttimor, Macau sowie in Teilen Indiens wie Goa und Dadra und Nagar Haveli und Daman und Diu gesprochen. In Goa gilt es als Sprache der Großeltern und verliert an Bedeutung. In Macau ist es weiterhin Amtssprache neben Chinesisch, wird aber nur von einer kleinen portugiesischen Bevölkerung gesprochen. In Osttimor ist Tetum die am weitesten verbreitete Sprache, aber Portugiesisch wurde nach der indonesischen Besatzung von 1975 bis 1999 wieder als Nationalsprache eingeführt. Die Volkszählung 2015 nennt 1.384 Muttersprachler; 30,8 % der Bevölkerung konnten Portugiesisch sprechen, lesen und schreiben.

Geschichtliche Entwicklung

Portugiesisch entstand im Westen der Iberischen Halbinsel aus dem Vulgärlatein, das römische Soldaten und Siedler seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. mitbrachten. Ab 154 v. Chr. eroberten die Römer den Westen der Iberischen Halbinsel, darunter das heutige Portugal und Galicien. Etwa 90 Prozent des portugiesischen Wortschatzes stammen vom Lateinischen; von den vorromanischen Sprachen blieben nur wenige Spuren.

Ab 409 drangen germanische Gruppen wie Sueben und Westgoten auf die Iberische Halbinsel vor. Sie passten sich langsam an römische Sprache und Kultur an. Dabei entwickelten sich verschiedene Dialekte, darunter Galicisch-Portugiesisch, Kastilisch und Katalanisch. Germanische Einflüsse gelangten teils über das Lateinische, teils direkt aus gotischen und suebischen Sprachen ins Portugiesische.

Ab 711 eroberten die Mauren die Iberische Halbinsel. Arabisch wurde in den eroberten Gebieten Verwaltungssprache, doch die Bevölkerung sprach weiter iberoromanische Dialekte. Der arabische Einfluss auf Portugiesisch ist deshalb vor allem im Wortschatz sichtbar, besonders in Bereichen wie Ernährung, Landwirtschaft und Ortsnamen. Beispiele für Ortsnamen mit arabischem Einfluss sind Algarve, Fátima, Alcântara, Alfândega und Alfama.

Das Galicisch-Portugiesische entstand vom 8. bis 12. Jahrhundert im heutigen Nordportugal und Galicien. Zunächst war es vor allem gesprochene Sprache, während Latein Schriftsprache blieb. Frühe schriftliche Zeugnisse sind die Cancioneiros um 1100; das Testament von Alfons II. und die Notícia de Torto stammen aus dem Jahr 1214. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde Galicisch-Portugiesisch zur wichtigen Sprache der Lyrik auf der Iberischen Halbinsel. 1290 gründete König Dionysius die erste portugiesische Universität, das Estudo Geral in Lissabon, und bevorzugte Portugiesisch gegenüber klassischem Latein. Ab 1296 verwendeten königliche Kanzleien Portugiesisch auch in Gesetzen und notariellen Schriftstücken.

Während der portugiesischen Entdeckungsreisen vom 14. bis 16. Jahrhundert verbreitete sich Portugiesisch nach Asien, Afrika und Amerika. Im 16. Jahrhundert diente es in Teilen Asiens und Afrikas als Lingua franca, also als Verkehrssprache für Handel, Verwaltung und Kommunikation. Seit der Renaissance kamen viele Lehnwörter aus Latein, Griechisch, Italienisch und Spanisch hinzu. Man unterscheidet Altportugiesisch vom 12. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts und Neuportugiesisch; als Ende des Altportugiesischen gilt das Erscheinen des Cancioneiro Geral von Garcia de Resende im Jahr 1516.

Varianten, Schrift und Aussprache

Portugiesisch besitzt mehrere Varianten und Dialekte. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen europäischem und brasilianischem Portugiesisch; außerdem gibt es afrikanische und asiatische Varietäten. Häufig werden vier große Standardaussprachen genannt: Coimbra, Lissabon, Rio de Janeiro und São Paulo. Afrikanisches Portugiesisch, besonders die Aussprache von São Tomé und Príncipe, hat viele Gemeinsamkeiten mit brasilianischem Portugiesisch. In Südportugal ist unter anderem die häufige Verwendung des Gerundiums auffällig; nordportugiesische Dialekte wie Alto-Minhoto und Transmontano stehen dem Galicischen nahe.

Bis zum Inkrafttreten des Acordo Ortográfico 2009 gab es zwei wichtige Schriftstandards: europäisches und afrikanisches Portugiesisch einerseits und brasilianisches Portugiesisch andererseits. Unterschiede betrafen Wortschatz, Aussprache und Syntax, besonders in der Umgangssprache. Die Sprecher konnten sich aber in der Regel gut gegenseitig verstehen. Die Reform sollte einen internationalen Standard schaffen. Sie wurde 1990 beschlossen und trat 2009 in Portugal und Brasilien in Kraft, nachdem Portugal, Brasilien, Kap Verde und São Tomé und Príncipe das Abkommen 2008 ratifiziert hatten; Guinea-Bissau folgte später, Angola und Mosambik hatten es laut Stand Oktober 2014 nicht ratifiziert. Seitdem ist die Rechtschreibung weitgehend vereinheitlicht.

Das portugiesische Alphabet verwendete traditionell 23 Buchstaben des lateinischen Alphabets und außerhalb von Namen nicht K, W und Y; seit dem Acordo Ortográfico 2009 gehören diese Buchstaben wieder zum Alphabet. Zusätzlich gibt es Buchstaben mit diakritischen Zeichen, zum Beispiel Á, Â, Ã, À, Ç, É, Ê, Í, Ó, Ô, Õ und Ú.

Die Lautstruktur des Portugiesischen ist komplex. Der Artikel nennt 9 einfache Vokale, 5 nasale Vokale, 10 Diphthonge, 5 nasale Diphthonge und 25 Konsonanten. Nasalvokale sind Vokale, bei denen Luft auch durch die Nase entweicht; sie werden im Portugiesischen nicht so vollständig nasal ausgesprochen wie im Französischen. Die Betonung liegt bei Wörtern, die mit a, e oder o oder mit einem solchen Vokal plus m oder s enden, meist auf dem vorletzten Vokal. Wörter, die mit i, u oder einem Konsonanten außer s und m enden, werden meist auf der letzten Silbe betont. Abweichende Betonung wird durch Akut oder Zirkumflex angezeigt; Silben mit Tilde sind immer betont, außer wenn eine andere Silbe Akut oder Zirkumflex trägt.

Grammatische Grundzüge

Portugiesische Substantive haben ein Genus, also ein grammatisches Geschlecht. Meist sind Wörter auf -o männlich und Wörter auf -a weiblich, aber es gibt Ausnahmen wie o problema oder o motorista. Das Geschlecht erkennt man oft am Artikel: o für männlich und a für weiblich. Der Plural wird im Allgemeinen durch Anhängen von -s gebildet, etwa o amigo – os amigos und a mesa – as mesas. Bei Endungen auf Konsonanten gibt es Sonderregeln: Nach -r, -z und -n wird -es angehängt; auslautendes -m wird vor dem Plural-s zu -n, wie o homem – os homens; auslautendes -l wird zu -i-, wie o animal – os animais. Wörter auf -ão bilden verschiedene Pluralformen, zum Beispiel o irmão – os irmãos, o alemão – os alemães und a informação – as informações.

Artikel sind im Portugiesischen wichtig. Der bestimmte Artikel lautet im Singular o für Maskulinum und a für Femininum, im Plural os und as. Er kann bekannte oder näher bestimmte Substantive markieren und auch Wörter substantivieren, zum Beispiel o saber für „das Wissen“. Vor Eigennamen steht häufig ein Artikel: Eu sou o João. Präpositionen verbinden sich oft mit Artikeln: a + o wird ao, de + o wird do, em + a wird na, por + a wird pela. Der unbestimmte Artikel lautet um, uma, uns und umas.

Adjektive stimmen in Zahl und Geschlecht mit dem Substantiv überein. Sie stehen meist nach dem Substantiv, etwa uma maçã vermelha, können aber auch vorangestellt werden. Die Stellung kann die Bedeutung verändern: um homem grande bedeutet „ein großer Mann“, um grande homem „ein großartiger Mann“. Der Komparativ wird meist mit mais oder menos gebildet, der Vergleich mit do que. Der relative Superlativ drückt ein Maximum innerhalb einer Vergleichsgruppe aus, etwa o aluno mais estudioso da escola. Der absolute Superlativ entsteht durch -íssimo/-íssima oder muito, zum Beispiel inteligentíssimo oder muito inteligente. Einige Adjektive sind unregelmäßig, etwa bom – melhor – o melhor / ótimo.

Verben werden nach ihren Infinitivendungen in drei Konjugationen eingeteilt: -ar, -er und -ir; die meisten gehören zur -ar-Gruppe. Es gibt Imperativ, Indikativ und Konjunktiv, wobei der portugiesische Konjunktiv strenger verwendet wird als der deutsche und stark dem spanischen subjuntivo ähnelt. Eine Besonderheit ist der persönliche Infinitiv, der eine Personalendung erhält, zum Beispiel saberes in Mostro-te para saberes disso.

Bei der Anrede gibt es Formen der Nähe und der Distanz. Tu steht für vertraute Anrede, o senhor und a senhora für formelle Anrede. Die alte Pluralform vós ist fast verschwunden. In Brasilien entwickelte sich aus vossa mercê die Form você, die mit der dritten Person Singular steht und in den meisten Regionen die normale Alltagssprache ist; im Plural hat vocês das alte vós ersetzt.

Wortschatz, Kreolsprachen und Literatur

Der portugiesische Wortschatz stammt überwiegend aus dem Lateinischen, enthält aber auch Spuren vieler anderer Sprachen. Vorrömische Lehnwörter sind selten und ihre Herkunft ist oft unsicher; genannt werden etwa Iberismen wie arroio, caçapo, cama, manteiga und sovaco sowie Keltismen wie canga, colmeia und garça. Viele solcher Wörter könnten bereits von den Römern aus anderen Sprachen übernommen und dann über das Lateinische weitergegeben worden sein.

Aus dem Vulgärlatein entwickelten sich Erbwörter, die sich oft stark von der lateinischen Form entfernten. Genannt werden Lautprozesse wie Nasalierung, Palatalisierung, der Wegfall einzelner lateraler oder nasaler Konsonanten zwischen Vokalen, Lenisierung, Geminatenvereinfachung und Dissimilation. Beispiele sind dolor > door > dor „Schmerz“, bonus > bõo > bom „gut“ und gutta > gota „Tropfen“. Daneben kamen später Buchwörter aus der lateinischen Schriftsprache des Mittelalters und der frühen Neuzeit hinzu, die der lateinischen Form stärker ähneln.

Germanische Lehnwörter stammen unter anderem aus gotischen und suebischen Quellen, zum Beispiel britar, gaita, luva und laverca. Arabische Lehnwörter sind zahlreicher; der Artikel nennt etwa tausend arabische Wörter im Portugiesischen, darunter alface „Blattsalat“, almofada „Kissen“, armazém „Lager“, azeite „Olivenöl“, garrafa „Flasche“ und javali „Wildschwein“. Durch die Entdeckungen nahm Portugiesisch außerdem Wörter aus afrikanischen, asiatischen und indigenen amerikanischen Sprachen auf, etwa chá „Tee“ aus dem Chinesischen, manga „Mango“ aus dem Malayalam, abacaxi, caju, jaguar, mandioca und pipoca aus Tupi-Sprachen sowie banana aus dem Wolof.

Aus dem Kontakt mit lokalen Sprachen entstanden portugiesisch geprägte Pidgins und Kreolsprachen. Pidgins sind vereinfachte Kontaktsprachen; Kreolsprachen entstehen, wenn solche Sprachen zur Alltagssprache einer Gemeinschaft werden und eine ausgebaute Grammatik entwickeln. Beispiele sind Papiamentu auf Aruba, Bonaire und Curaçao, Crioulo/Kriol in Guinea-Bissau und Senegal, Kapverdisches Crioulo, Macaista in Macau, Cristão/Papiá Kristang in Malaysia und Singapur sowie Forro in São Tomé und Príncipe. Außerdem gibt es Hybriddialekte an Kontaktzonen zwischen Spanisch und Portugiesisch, etwa A Fala, Barranquenho und Portuñol.

In der frühen portugiesischen Literatur hatte Poesie die größte Bedeutung. Luís de Camões (1524–1580) gilt als einer der berühmtesten portugiesischen Autoren; sein Epos Die Lusiaden ist eines der wichtigsten Werke. Weitere im Artikel genannte Autoren sind Eça de Queirós, Fernando Pessoa, Machado de Assis, Jorge Amado und José Saramago. Reguliert wird Portugiesisch unter anderem durch das Internationale Portugiesische Sprachinstitut und die Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP).

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