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Argument (Linguistik)
Inhaltsverzeichnis. 1 Argumenttypen; 2 Argumentkodierung. 2.1 Wortstellung; 2.2 Kasus; 2.3 Indexierung. 3 Literatur; 4 Einzelnachweise. Argumenttypen.
Inhalt6 Abschnitte
Argument und Prädikat
In der Linguistik ist ein Argument das Gegenstück zu einem Prädikat; beide Begriffe haben eine logische und eine grammatische Bedeutung. In der Logik ist ein Prädikat ein ungesättigter Ausdruck, der sich erst mit Argumenten verbinden muss, um eine wahre oder falsche Aussage zu bilden. Beispiel: Das Verb „schlafen“ wird als logisches Prädikat schlafen' dargestellt, das sich mit dem Argument Hans' verbindet und die Aussage schlafen' (Hans') ergibt (vereinfachte Darstellung von „Hans schläft“). Durch die Verbindung mit dem Argument ändert sich der logische Typ – vom ungesättigten zum gesättigten Ausdruck; genau diese Wirkung ist das Wesentliche des Argumentbegriffs. Grammatische Argumente sind die Satzteile, die diese logischen Argumente bezeichnen.
Valenz und grammatische Eigenschaften
In der Grammatik drückt der Begriff der Valenz aus, dass ein Prädikat „Leerstellen“ eröffnet, die von Argumenten besetzt werden; man unterscheidet syntaktische und semantische Valenz. Das Substantiv Hans im Satz „Hans schläft“ ist ein syntaktisches Argument des Verbs schlafen, auch grammatische Ergänzung genannt. Durch Hinzufügen des Arguments wird die Valenz abgebaut (analog zur Sättigung in der Logik). Angaben bzw. Adjunkte bewirken das nicht. Syntaktischen Argumenten kann eine Argumentrolle bzw. semantische Rolle zugeschrieben werden (z. B. Agens, Patiens); unter Bedeutungsaspekt heißen sie auch Mitspieler, Partizipanten oder Aktanten. Ein Expletivum dagegen sieht aus wie ein Argumentausdruck, hat aber keine Argumentrolle – es ist rein grammatisch erforderlich und ohne logischen Inhalt, z. B. das „es“ in „Es stehen Leute vor der Tür.“ Die formale Darstellung, welche Argumente ein Prädikat verlangt, heißt je nach Tradition „Argumentstruktur“, „Rektionsmodell“ o. Ä.
Argumenttypen
Typischerweise ist das Prädikat eines einfachen Satzes ein Verb und die Argumente sind Nominalphrasen. Die semantischen Rollen (Agens/Patiens …) werden syntaktischen Funktionen wie Subjekt und Objekt zugeordnet; Sprachen teilen diese Funktionen unterschiedlich ein. Beispiele: (1) „Hans isst Brot“ – Hans (Agens, Subjekt) und Brot (Patiens, Objekt) sind Argumente von isst. (2) Auch Sätze können Argumente sein: „Hans sieht, dass es regnet.“ (3) Ebenso nehmen Nomina, Adjektive oder Präpositionen als Prädikate Argumente zu sich: „die Entdeckung Amerikas“, „Hans ist auf Maria neidisch“, „vor der Tür“.
Argumentkodierung
Um Argumente – besonders die des Verbs – kenntlich zu machen und ihre Funktion (z. B. Subjekt/Objekt) anzuzeigen, verwenden Sprachen drei Grundstrategien oder Kombinationen davon: Wortstellung, Kasus und Indexierung.
Wortstellung und Kasus
Wortstellung: Die Argumente werden je nach Funktion vor oder hinter dem Verb platziert, z. B. im Englischen: „The boy saw the girl“ (Der Junge sah das Mädchen). Kasus: Die Argumente werden mit verschiedenen Kasus markiert, die ihre Funktion anzeigen, z. B. im Lateinischen: „Puer puellam vidit“ (Junge.NOM Mädchen-AKK sah).
Indexierung
Bei der Indexierung werden Eigenschaften der Argumente und/oder ihre semantische Rolle am Verb markiert, sodass sie anhand grammatischer Merkmale (Person, Genus, Numerus) im Satz wiederaufgefunden werden können. Beispiel aus dem Navajo: „Ashkii at'ééd yiyiiltsá“ (Junge Mädchen 3.SG.OBJ-3.SG.SUBJ-sah). Wird die Verbform als der eigentliche Ort gesehen, an dem das Argument selbst erscheint (statt als Kongruenz mit einer begleitenden Position im Satz), verwendet man auch den englischen Fachausdruck cross-reference.