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Satzglied
Der Begriff Satzglied steht im Gegensatz zum Attribut, welches im Satz kein Bestandteil der Haupt-Zerlegung ist, sondern tiefer eingebettet und somit erst als …
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Begriff und Grundidee
Als Satzglieder, Satzteile oder Satzkonstituenten bezeichnet man die Bestandteile, in die ein Satz auf oberster Ebene unmittelbar zerlegt werden kann. Üblicherweise unterscheidet man nach ihrer grammatischen Funktion die vier Typen Subjekt, Objekt, Adverbial und Prädikativum. Das Prädikat wird in der Regel nicht als Satzglied betrachtet, sondern als die Einheit, von der die Satzglieder abhängen. Diese Einordnung ist jedoch nicht bei allen Autoren gleich.
Ein Satzglied ist im engeren, heute üblichen Sinn ein Satzteil, der im Aussagesatz als Ganzes in das Vorfeld, also an die Stelle direkt vor der finiten Verbform, verschoben werden kann, und/oder eine grammatische Funktion auf Satzebene hat. Das Satzglied steht im Gegensatz zum Attribut. Ein Attribut ist tiefer in eine Wortgruppe eingebettet und kommt daher erst als Teil eines Satzglieds vor.
Nicht alle Bestandteile eines Satzes sind Satzglieder. Generell zählen nicht vorfeldfähige Einheiten nicht dazu. Dazu gehören neben Attributen und dem Prädikat als Ganzem die meisten Partikeln, besonders Modalpartikeln wie „ja“ oder „wohl“, Einschübe und Parenthesen, Anreden beziehungsweise Vokativphrasen, Konjunktionen sowie nicht integrierte Nebensätze. Es gibt allerdings auch vorfeldfähige Einheiten, die nicht als Satzglieder gelten, vor allem infinite Bestandteile des Prädikats. In manchen Einteilungen werden außerdem Kommentarglieder wie „vermutlich“ oder „bedauerlicherweise“ ausgeschlossen; diese Auffassung ist in der Sprachwissenschaft kritisiert worden.
Der Begriff wird in manchen Texten unscharf auch für jeden beliebigen Bestandteil eines Satzes verwendet und kann dann Attribute einschließen. Für die genaue Satzgliedanalyse gelten jedoch die Standarddefinitionen. Satzglieder zu erkennen ist wichtig, weil unterschiedliche Einteilungen derselben sichtbaren Wortfolge zu unterschiedlichen Satzbedeutungen führen können.
Verschiebeprobe und Gliedsätze
Die grundlegende Probe ist die Umstell- oder Verschiebeprobe. Kann eine Wortfolge als Ganzes an den Anfang eines deutschen Aussagesatzes verschoben werden, ohne dass sich der Sinn wesentlich ändert, handelt es sich in der Regel um ein Satzglied. Die Anfangsposition heißt Vorfeld, die Umstellung wird auch Topikalisierung genannt. Lediglich der Grad der Hervorhebung darf sich verändern.
Beispiel: „Hans baut im Wald eine Hütte.“ Die Wortgruppe „im Wald“ kann vor die finite Verbform gestellt werden: „Im Wald baut Hans eine Hütte.“ Die Zerlegung „Wald“ … „im“ ist dagegen nicht möglich: „* Wald baut Hans eine Hütte im.“
Im ausführlicheren Beispiel „Hans baut im Wald mit seinem Freund fröhlich eine riesige Baumhütte“ können „im Wald“, „mit seinem Freund“, „fröhlich“ und „eine riesige Baumhütte“ jeweils als Ganze ins Vorfeld verschoben werden: „Im Wald baut Hans …“, „Mit seinem Freund baut Hans …“, „Fröhlich baut Hans …“ und „Eine riesige Baumhütte baut Hans …“. Dagegen können einzelne Artikel, Attribute wie „riesig“ oder Präpositionen nicht allein verschoben werden. Auch die Modalpartikel „ja“ in „Die Hütte ist ja riesig“ ist kein Satzglied.
Die Probe hat Ausnahmen. Vorangestellte Prädikatsteile oder Infinitivkonstruktionen sowie die gespaltene Topikalisierung und weitere tiefer eingebettete Phrasen können vorfeldfähig sein, ohne ein Satzglied zu bilden. Eine genauere Definition lautet deshalb: Ein Satzglied ist ein Satzteil, der als ganzer vom Prädikat abhängt und ins Vorfeld gestellt werden kann. Auch das Vorfeld-„Es“ in „Es war einmal ein König …“ ist danach kein Satzglied.
Nebensätze können für den Hauptsatz die Funktion eines Satzglieds übernehmen. Solche Nebensätze heißen Gliedsätze. Im Beispiel „Hans baute, obwohl er es nie gelernt hatte, eine riesige Baumhütte“ kann der Adverbialsatz mit „obwohl“ vorangestellt werden: „Obwohl er es nie gelernt hatte, baute Hans eine riesige Baumhütte.“ Nicht jeder Nebensatz ist deshalb automatisch ein Gliedsatz; insbesondere Attributsätze und nicht integrierte Nebensätze werden in der hier zugrunde gelegten Verwendung nicht so bezeichnet.
Die Umstellprobe kann außerdem zwischen einem Satzglied und einem Attribut helfen. In „Nachts schläft der Mann im Mond“ sind zwei Einteilungen möglich: „[der Mann im Mond]“ kann ein einziges Satzglied sein, in dem „im Mond“ als Attribut enthalten ist. Ebenso können „[der Mann]“ und „[im Mond]“ zwei getrennte Satzglieder sein. Entsprechend unterscheiden sich die möglichen Bedeutungen.
Frage- und Ersetzungsprobe
Satzglieder können oft durch Fragen oder Ersetzungen ermittelt werden. Im Schulunterricht steht die Frageprobe häufig im Vordergrund, sie ist jedoch weniger zuverlässig als die Umstellprobe. Nicht alle Satzglieder sind erfragbar, und manche Fragewörter führen nur zu Teilen eines Satzglieds.
Nach einem Subjekt kann beispielsweise mit „wer oder was?“ gefragt werden, nach Orts-, Zeit- oder anderen Adverbialen mit passenden Frageadverbien. Aus „Sie haben im Wald ein Baumhaus gebaut“ wird etwa die Frage „Wo haben sie ein Baumhaus gebaut?“ Die Frageprobe verbindet hier eine Ersetzung durch das Fragewort mit dessen Stellung am Satzanfang und enthält somit zugleich eine Umstellprobe.
Eine Ersetzung ist auch ohne Frage möglich. Im Satz „Obwohl es schwierig war, haben sie das Baumhaus ganz allein gebaut“ kann der Nebensatz durch „trotzdem“ ersetzt werden: „Trotzdem haben sie das Baumhaus ganz allein gebaut.“ Dadurch wird gezeigt, dass der obwohl-Satz ein Satzglied, genauer ein Adverbial beziehungsweise ein adverbieller Gliedsatz, ist.
Einige Satzglieder sind weder erfragbar noch durch ein einfaches Pronomen oder Adverb ersetzbar. Dazu gehören die meisten Satzadverbiale wie „wahrscheinlich“ und „leider“ sowie Expletiv-Pronomen wie „es“ bei Wetterverben. Sie können aber ins Vorfeld verschoben werden: „Leider regnet es immer noch“ und „Es regnet leider immer noch.“ Das Wetter-„es“ ist dabei vom Vorfeld-„Es“ in „Es war einmal ein König …“ zu unterscheiden.
Fragewörter können auch auf Einheiten innerhalb eines Satzglieds führen. In „Der Ball kollidierte mit dem Pfosten“ fragt „Mit wem oder was?“ nach „dem Pfosten“, also nach der Ergänzung der Präposition. Das Satzglied ist jedoch der gesamte Ausdruck „mit dem Pfosten“ beziehungsweise „mit wem?“, „mit was?“ oder „womit?“ In „Wir sehen den Hut des Mannes“ führt die Frage „Wessen Hut sehen wir?“ zu „des Mannes“. Dieses ist ein Attribut; Satzglied ist der vollständige Ausdruck „wessen Hut“ beziehungsweise „den Hut des Mannes“. Die Frageprobe muss daher immer daraufhin geprüft werden, ob sie einen ganzen Satzteil oder nur dessen Inneres erfasst.
Satzgliedtypen und ihre Erkennungsmerkmale
Nach der grammatischen Funktion werden Subjekt, Objekt, Adverbial und Prädikativum unterschieden. Das Prädikat, die Satzaussage beziehungsweise die verbalen Glieder, gilt im engeren Sinn gewöhnlich nicht als Satzglied.
Das Subjekt ist der Satzgegenstand und steht im Deutschen immer im Nominativ. Nicht jeder Nominativ ist allerdings ein Subjekt. Belebte Subjekte lassen sich mit „wer?“ erfragen. Bei unbelebten Subjekten bleibt meist „was?“, wobei diese Frage mehrdeutig sein kann: „Was kann diese Rakete zerstören?“ kann nach dem Subjekt oder nach dem Objekt fragen. Das Subjekt fällt im Infinitiv weg: „Hans baut eine Baumhütte“ wird zu „eine Baumhütte zu bauen“. Der Satz „Mir graut vor der Prüfung“ kann dagegen nicht zu „*ohne vor der Prüfung zu grauen“ umgebildet werden; dies zeigt, dass es im Deutschen keine Subjekte im Dativ gibt. Außerdem bestimmt das Subjekt die Form des finiten Verbs: „Sein Freund baut mit“ wird bei der Mehrzahl zu „Seine Freunde bauen mit“.
Ein Objekt ist eine vom Verb verlangte Satzergänzung. Das Verb regiert dabei einen bestimmten Kasus oder beim Präpositionalobjekt eine bestimmte Präposition. Ein Verbwechsel kann deshalb den Kasus ändern, etwa „jemandem helfen“ gegenüber „jemanden unterstützen“. Objekte stehen nie im Nominativ. Viele Akkusativobjekte können im Passiv mit „werden“ zum Subjekt werden. Adverbiale im Akkusativ werden davon unterschieden: „Sie arbeiteten den ganzen Tag“ ergibt „Den ganzen Tag wurde gearbeitet“; der Akkusativ bleibt erhalten, daher ist „den ganzen Tag“ ein adverbieller Akkusativ und kein Objekt.
Ein Prädikativum bezeichnet eine Eigenschaft oder Identität von Subjekt oder Objekt. Substantive und Substantivgruppen als Prädikativa stehen in einer Kasusform, die mit dem Subjekt oder Objekt übereinstimmt; der Kasus wird hier nicht vom Verb regiert. In „Er nannte den Schiedsrichter einen Trottel“ wird „einen Trottel“ im Passiv zu „ein Trottel“: „Der Schiedsrichter wurde ein Trottel genannt.“ Adjektivische Prädikativa bezeichnen ausschließlich eine Eigenschaft, die Subjekt oder Objekt im Ereignis hat: „Die Kinder kamen verdreckt nach Hause“ lässt sich als „Die Kinder kamen nach Hause. Sie waren verdreckt“ paraphrasieren. Beschreibt ein Adjektiv zusätzlich die Art und Weise oder eine Bewertung des Ereignisses, gilt es als Adverbial. Wegen der Formgleichheit, etwa bei „fröhlich“, ist diese Grenze häufig strittig.
Adverbiale bilden eine uneinheitliche Restklasse, die nach der Bestimmung der anderen Satzgliedtypen übrig bleibt. Sie können häufig mit „wie lange?“, „wo?“, „wie?“ oder ähnlichen Fragen ermittelt werden. Der Satz „Das dauert einen Tag“ führt über „Wie lange dauert es?“ zu einem Adverbial; „Was dauert es?“ wäre hier keine passende Objektfrage. Wie-Fragen gelten jedoch nicht für alle Adverbiale und können auch ein Prädikativum erfassen: Auf „Wie kamen die Kinder nach Hause?“ sind sowohl „Zu Fuß“ als Art-und-Weise-Adverbial als auch „Verdreckt“ als Prädikativum möglich.
In jedem einfachen Satz, also zu jedem Prädikat, gibt es nur ein Subjekt. Mehrere Objekte, Adverbiale oder Prädikativa können dagegen gemeinsam vorkommen, weil sie verschiedene Untertypen haben. Alle Satzgliedfunktionen können auch durch Nebensätze ausgefüllt werden: Adverbialsätze bilden Adverbiale, Inhaltssätze können Subjekte oder Objekte sein, und Prädikativsätze bilden Prädikativa.
Weitere Einteilungen und sprachvergleichende Perspektive
Satzglieder werden auch danach eingeteilt, ob sie Ergänzungen oder Angaben sind. Angaben können immer weggelassen werden. Ergänzungen können nicht grundsätzlich entfallen, sondern sind oft obligatorisch, obwohl sie unter bestimmten Umständen ebenfalls wegfallen können. Diese Einteilung stimmt nicht mit den Satzgliedtypen überein: Subjekte und Objekte sind normalerweise Ergänzungen, mit Ausnahme des freien Dativs. Adverbiale können Angaben oder, seltener, Ergänzungen sein. Auch bei Prädikativa gibt es beide Möglichkeiten.
Eine andere Einteilung richtet sich nach den Wortarten und der inneren Form. Ein Satzglied kann aus einem einzelnen Wort wie „Hans“ oder aus einer ganzen Wortgruppe wie „eine riesige Baumhütte“ bestehen. Wortgruppen besitzen in der Regel einen Kern oder Kopf, dessen Wortart die Art der Gruppe bestimmt. „Der Junge von nebenan“ ist beispielsweise eine Substantivgruppe mit dem Substantiv „Junge“ als Kopf und kann wie „Hans“ verwendet werden. „Im Wald“ und „mit seinem Freund“ sind Präpositionalgruppen, deren Eigenschaften durch die Präposition bestimmt werden; sie können etwa nicht als Subjekt auftreten. Auch Einleitungselemente von Gliedsätzen, vor allem Konjunktionen, können deren Satzgliedtyp festlegen, beispielsweise bei einem Adverbialsatz.
Die Einteilung nach Wortarten sagt jedoch nichts über die grammatische Funktion aus. Objekte, Adverbiale und Prädikativa können jeweils durch Substantivgruppen, Präpositionalgruppen oder Nebensätze gebildet werden. Partikeln sind eine Wortart, die dadurch definiert ist, dass ihre Wörter keine Satzglieder bilden. Meist können sie nicht ins Vorfeld gestellt werden; darin liegt ein wichtiger Unterschied zu Adverbien.
Der moderne linguistische Oberbegriff für Satzteile ist Konstituente. Eine Konstituente ist jede Einheit, die sich gegenüber irgendeiner syntaktischen Regel einheitlich verhält. Deshalb sind auch die Teile, in die ein Satzglied weiter zerlegt werden kann, Konstituenten. Eine Phrase ist eine abgeschlossene, nicht mehr erweiterbare Konstituente. Alle Satzglieder sind in diesem Sinn Phrasen, aber nicht alle Phrasen sind Satzglieder, weil vollständige Phrasen auch im Inneren von Satzgliedern vorkommen können.
Die freie Besetzung des Vorfelds beruht auf der Verbzweitstellung des deutschen Aussagesatzes. Nur sehr wenige andere Sprachen besitzen diese Eigenschaft in gleicher Weise. Der Satzgliedbegriff ist daher besonders auf die deutsche Grammatik zugeschnitten, während Begriffe wie Subjekt und Adverbial sprachübergreifend allgemeiner anwendbar sind. Auch die Unterscheidung zwischen Adverb und Partikel wird in der Germanistik daran geknüpft, ob eine Einheit ein Satzglied bilden und im Vorfeld stehen kann; dadurch kann die Abgrenzung dieser Wortarten in anderen Sprachen anders ausfallen.
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