Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Thailändische Sprache

Die thailändische Sprache (das Thai, ภาษาไทย – gesprochen: [pʰaːsǎː tʰaj],), auch Siamesisch, ist die Amtssprache von Thailand.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge und Verbreitung
  2. 2. Sprachebenen und regionale Varianten
  3. 3. Lautsystem und Schriftbezug
  4. 4. Vokale und Töne
  5. 5. Grammatik und Satzbau
  6. 6. Lehnwörter und Textbeispiel

Grundzüge und Verbreitung

Thailändisch, auch Thai oder Siamesisch genannt (ภาษาไทย, gesprochen [pʰaːsǎː tʰaj]), ist die Amtssprache Thailands. Es gehört innerhalb der Tai-Kadai-Sprachfamilie zu den Tai-Sprachen, genauer zu den südwestlichen Tai-Sprachen. Der Artikel nennt 20,8 Millionen Muttersprachler und 40 Millionen Zweitsprachler. Die Sprachcodes sind ISO 639-1: th, ISO 639-2: tha und ISO 639-3: tha.

Thai ist eine Tonsprache. Die meist einsilbigen Wörter können durch unterschiedliche Tonhöhen und Tonverläufe völlig verschiedene Bedeutungen erhalten. Insgesamt gibt es fünf Töne. Geschrieben wird Thai mit einer eigenen Abugida, einem Schriftsystem, bei dem Konsonantenzeichen grundsätzlich einen inhärenten Vokal enthalten; Einzelheiten dazu gehören zur thailändischen Schrift.

Verwandte südwestliche Tai-Sprachen werden außerdem in Laos, Nordkambodscha, Nordwestvietnam, Yunnan in der Volksrepublik China sowie im Norden und Osten Myanmars gesprochen.

Sprachebenen und regionale Varianten

Die hierarchisch geprägte Gesellschaft hat zu mehreren Registern geführt. Die gewöhnliche Umgangssprache (ภาษาพูด, phasa phut) wird vor allem zwischen Familienmitgliedern und engen Freunden verwendet und verzichtet meist auf Höflichkeitspartikeln. Die gehobene Sprache (ภาษาเขียน, phasa khian) enthält Höflichkeitspartikeln und teilweise anderes Vokabular. Die Amtssprache (ภาษาราชการ, phasa ratchakan) wird unter anderem in öffentlichen Verlautbarungen und Nachrichten gebraucht. Die Hofsprache (ราชาศัพท์, rachasap) dient Angelegenheiten der königlichen Familie und enthält viele besondere Höflichkeitspartikeln und Lehnwörter vor allem aus dem Khmer und Pali. Die Mönchssprache wird im Zusammenhang mit dem Buddhismus verwendet und ist stark von Pali und Sanskrit beeinflusst. Hofsprache, Amtssprache und Sakralsprache werden in Schulen gelehrt.

Für das Verb „essen“ nennt der Artikel unterschiedliche Register: กิน [kīn] in der gewöhnlichen Sprache, รับประทาน [ráp.pràʔ.tʰāːn] und ทาน [tʰāːn] in höflicher Verwendung, บริโภค [bɔ̄ː.ríʔ.pʰôːk] in offiziellen Treffen, ฉัน [tɕʰǎn] bei Mönchen und เสวย [sàʔ.wɤ̌ː] beim Königshaus. แดก [dɛ̀ːk] und ยัด [ját] gelten als vulgär.

Die Standardsprache (ภาษาไทยมาตรฐาน) basiert auf dem Zentralthai (ภาษาไทยกลาง), wie ihn gebildete Bewohner Bangkoks sprechen. Standardthai und zentrale Dialekte haben zusammen über 20 Millionen Sprecher. Viele Thai sprechen im Alltag jedoch regionale Varietäten. Isan (Phasa Isan) im Nordosten bildet ein fließendes Dialektkontinuum zwischen Thai und Laotisch und hat über 15 Millionen Sprecher. Nordthai, auch Lanna oder Kam Mueang, hat etwa 6 Millionen, Südthai, auch Pak Tai oder Dambro, etwa 4,5 Millionen Sprecher. Umstritten ist jeweils, ob diese Varietäten Dialekte oder eigenständige Sprachen sind.

Regionale Varianten haben keinen offiziellen Status und werden überwiegend mündlich verwendet. In Schule, Hochschule, Presse und vielen Rundfunkstationen dominiert Standardthai. Geschriebenes Lao (Tai Noi) und die frühere Lanna-Schrift sind fast vollständig zurückgedrängt. In den letzten 15 Jahren wurden Regionalsprachen wieder stärker als identitätsstiftend wahrgenommen. Die Mahasarakham-Universität erforscht beispielsweise Phasa Isan als Unterrichtssprache in der Grundbildung. Gleichzeitig besitzen besonders Isan-Dialekte oft geringes Sozialprestige; jüngere und gebildete Sprecher wechseln in offiziellen Situationen häufig zum Standardthai oder verbergen ihren Heimatdialekt. Dieses Wechseln zwischen Sprachformen wird Code-Switching genannt.

Lautsystem und Schriftbezug

Eine thailändische Silbe kann mit 21 verschiedenen Konsonantenlauten beginnen. Zu den stimmlosen, unaspirierten „trockenen“ Lauten gehören /k/, /ʨ/, /d/, /dt/, /b/ und /p/ sowie der Platzhalter อ für einen Vokal. Aspirierte oder „hauchende“ Laute sind /kʰ/, /ʨ/, /tʰ/, /ph/, /f/, /s/ und /h/. Zu den Sonoranten, also „summenden“ Lauten, zählen /ŋ/, /n/, /m/, /j/, /r/, /l/ und /w/. Ein Konsonantenbuchstabe wird stets mit einem folgenden /ɔː/ ausgesprochen, zum Beispiel กอ /kɔː/, nicht als isoliertes /k/; streng genommen handelt es sich daher um Silben.

Die Schrift besitzt mehrere gleich ausgesprochene und damit redundante Konsonantenzeichen. Im thailändischen Unterricht werden 16 solcher Gleichlaute gelehrt. Für die Tonbestimmung werden Konsonanten außerdem in mittlere, hohe und tiefe Klassen eingeteilt.

Konsonantenkombinationen am Silbenanfang sind stark begrenzt. Als erster Laut kommen /k/, /kʰ/, /p/, /ph/ und /t/ infrage; als zweiter nur /r/, /l/ oder /w/. Neuere englische Fremdwörter können weitere Kombinationen enthalten. In Lehnwörtern aus dem Khmer, Sanskrit oder Pali wird zwischen nicht möglichen Konsonanten oft ein Vokal /a/ oder /o/ gesprochen, oder der zweite Konsonant entfällt. So wird Sanskrit आहार [aː.ɦaː.ɽɐ] als อาหาร [ʔaː.hǎːn] gesprochen; das /r/ wird zu /n/. Khmer ស្រេច /srac/ wird als เสร็จ [sèt], Sanskrit शास्त्र /ɕaːs.t̪ɽɐ/ als ศาสตร์ /sàːt/ gesprochen.

Am Silbenende sind nur [p̚], [t̚], [k̚], [m], [n], [ŋ], [w] und [j] möglich. /p/, /t/ und /k/ sind dort unaspiriert. Andere Endkonsonanten von Lehnwörtern werden angepasst, etwa /s/ zu /t̚/, /f/ zu /p̚/, /d/ zu /t/ und /b/ zu /p/; bei Endkonsonantenkombinationen wird der zweite Konsonant meistens nicht gesprochen. Die Schrift strebt dabei häufig eine 1:1-Übertragung der Ausgangsschreibung an, nicht die genaue Aussprache: Englisch gas [ɡæs] wird แก๊ส geschrieben, aber [kɛ́t] gesprochen. In vielen Dialekten wird ร /r/ wie /l/ ausgesprochen; im Dialekt von Mae Hong Son kann auch ด wie /l/ gesprochen werden.

Vokale und Töne

Die Vokale unterscheiden sich nach Zungenstellung, Öffnungsgrad und vor allem nach Länge. Jeder Vokal kann kurz oder lang sein, wobei die Länge bedeutungsunterscheidend ist. Beispielsweise bedeutet ขัด [khàt] „schrubben“, ขาด [khà:t] dagegen „kaputt“. Die Tabelle des Artikels führt unter anderem die Kurz-Lang-Paare /a–aː/, /i–iː/, /ɯ–ɯː/, /u–uː/, /e–eː/, /ɛ–ɛː/, /ɤ–ɤː/, /o–oː/ und /ɔ–ɔː/ auf. Beispiele sind ฝาน [fǎːn] „teilen“ gegenüber ฝัน [fǎn] „träumen“, sowie สูด [sùːt] „inhalieren“ gegenüber สุด [sùt] „äußerst, höchst“.

Daneben gibt es Diphthonge, also Verbindungen zweier Vokale, etwa /aːj/ in ขาย [kʰaːj] „verkaufen“, /aj/ in ไฟ [faj] „Feuer“ und ไทย [thaːj] „Thai“, /aːw/ in ลาว „Laos“, /iːa/ in เมีย [miaː] „Ehegattin“, /ɯːa/ in เรือ [rɯaː] „Boot, Schiff“ und /uːa/ in ตัว [tuaː] „Körper“. Als Triphthonge, also Verbindungen dreier Vokale, nennt der Artikel /iːaw/ in เดียว [diaw] „allein“, /ɯːaj/ in เหนื่อย [nɯ̀aj] „müde“ und /uːaj/ in สวย [suǎj] „hübsch“. Nach thailändischer Lehrmeinung gelten einige dieser Verbindungen nicht als eigenständige Vokale.

Die thailändische Schulliteratur unterscheidet insgesamt 32 Vokale der Schrift. Sie ordnet sie als einfache Vokale, zusammengesetzte Vokale und Sondervokale ein und unterscheidet Kurz- und Langvokale. Zu den Sondervokalen zählen unter anderem –ำ, ใ–, ไ–, เ–า, ฤ, ฤๅ, ฦ und ฦๅ. Bei ใ und ไ ist die Länge nach dieser Lehrmeinung nicht definiert. Das Zeichen Mai Tai Khu gilt nicht als Vokalzeichen, sondern als Modifizierungszeichen, das einen lang gesprochenen Vokal verkürzt.

Die fünf Töne heißen mittel, tief, hoch, steigend und fallend. In der Umschrift werden sie durch a, à, á, ǎ und â bezeichnet. Der Ton ergibt sich aus der Kombination von Anlautkonsonantenklasse, Vokallänge, Silbenende und gegebenenfalls Tonzeichen. Mittlere und hohe Konsonantenklassen können je nach lebendem Ende, totem Ende, kurzer oder langer Vokalstruktur sowie den Zeichen mai ek, mai tho, mai tri und mai chattawa unterschiedliche Töne erzeugen. ห und manchmal อ können als stumme Buchstaben vorangestellt werden, um die gewünschte Tonklasse herzustellen.

Die im Artikel dargestellte Tonregel ist ausdrücklich als vereinfachungsbedürftig markiert. Bei mehrsilbigen Wörtern können die Töne anders realisiert werden; als Beispiel wird สยาม „Siam“ genannt. Außerdem werden ฉัน [ʨʰán] „ich“ und เขา [kʰáw] „er, sie“ als Wörter angeführt, die im Sprachgebrauch hoch statt nach der vereinfachten Regel steigend gesprochen werden. Für เขา wird im Artikel zudem eine abweichende Angabe des Royal Institute mit steigendem statt hohem Ton erwähnt.

Grammatik und Satzbau

Thai ist eine isolierende Sprache. Das bedeutet, dass Wörter nicht durch Flexion verändert werden: Es gibt weder Konjugation der Verben noch Deklination der Substantive. Auch Artikel fehlen. Der Plural ist häufig nicht ausdrücklich markiert. Eine wichtige grammatische Besonderheit sind Zählwörter oder Klassifikatoren, die je nach bezeichnetem Grundwort verwendet werden und nicht nur beim Zählen vorkommen. Der Artikel nennt etwa dreißig solcher Partikeln.

คน [kʰon] bedeutet sowohl „Mensch“ als auch den Klassifikator für Menschen: คนสองคน [kʰon sɔ̌ːŋ kʰon] heißt wörtlich „Mensch zwei Menschen“ und bedeutet „zwei Menschen“; เด็กหญิงสิบคน [dèk jǐŋ sìp kʰon] bedeutet „zehn Mädchen“. Für Tiere, Kleidungsstücke und Möbel wird ตัว [tuːa], wörtlich „Körper“, verwendet, etwa ม้าลายหกตัว „sechs Zebras“ und กางเกงสามตัว „drei Hosen“. Für lange, röhrenförmige Gegenstände steht ลำ [lam], zum Beispiel เครื่องบินสองลำ „zwei Flugzeuge“.

Substantive können aus Verben und Adjektiven gebildet werden. การ [kaːn] bildet häufig konkrete Vorgangsnomen: การเดินทาง [kaːn dɤːn tʰaːŋ] bedeutet „die Reise“ und การทำอาหาร [kaːn tʰam aːhǎːn] „das Kochen“. ความ [kʰwaːm] bildet häufig abstrakte Substantive: ความเร็ว [kʰwaːm rew] heißt „Schnelligkeit, Geschwindigkeit“, ความจริง [kʰwaːm ʨiŋ] „Wahrheit“ und ความคิด [kʰwam khid] „Gedanke, Idee“.

Besitz wird meist durch ของ [kʰɔ̌ːŋ] vor dem Besitzer angezeigt, kann aber entfallen. ลูกของแม่ [lûːk kʰɔ̌ːŋ mɛ̂ː] bedeutet „Kind der Mutter“, während นาอา [nāː ʔāː] „Feld des Onkels“ heißt. Die grundlegende Satzstellung ist Subjekt–Prädikat–Objekt und laut Artikel noch strenger als im Englischen.

Verben haben keine flektierten Zeitformen. Zeit- und Aspektbezüge ergeben sich aus dem Kontext oder aus Partikeln. เราไป [raw paj] kann „wir gehen“, „wir gingen“ oder „wir werden gehen“ bedeuten. เราจะไป [raw ʨàʔ paj] bedeutet „wir werden gehen“, เรากำลังไป [raw kamlaŋ paj] „wir gehen gerade“ und เราไปแล้ว [raw paj lɛ́ːw] „wir sind schon gegangen“. Die Grundform ไป [paj] bedeutet „gehen“; mit weiteren Wörtern entstehen Ausdrücke wie ออกไป [ʔɔ̀ːk paj] „hinausgehen“ und กลับบ้าน „nach Hause gehen“.

Lehnwörter und Textbeispiel

Etwa 40 % des Wortstamms des Thailändischen bestehen laut Artikel aus Lehnwörtern. Bedeutende Ursprungssprachen sind Sanskrit und Pali, Khmer, Chinesisch und Hokkien sowie Englisch, Französisch, Arabisch, Persisch und Portugiesisch. Beispiele sind กาแฟ [kāː.fɛ̄ː] „Kaffee“ aus dem Französischen café, คอมพิวเตอร์ [kʰɔ̄m.pʰíw.tɤ̂ː] „Computer“ aus dem Englischen computer, เต้าหู้ [tâw.hûː] „Tofu“ aus dem Hokkien und สบู่ [sā.bùː] „Seife“ aus dem Portugiesischen sabão. Sanskrit- und Pali-Lehnwörter betreffen unter anderem religiöse, staatliche und abstrakte Begriffe, etwa ภาษา [pʰaː.sǎː] „Sprache“, ประเทศ [prā.tʰêːt] „Land“ und เวลา [wēː.lāː] „Zeit“.

Als Textbeispiel führt der Artikel einen thailändischen Nachrichtentext über ein reguläres OPEC-Treffen in Wien am 19. und 20. September an. Inhaltlich heißt es: Die Organisation erdölexportierender Länder wird in diesem Zeitraum in Wien tagen. Obwohl es sich um ein gewöhnliches Treffen handelt, erhält es wegen der derzeit hohen Erdölpreise große Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit.

Weiterlesen

Sakralsprache Liturgiesprachen im Christentum · Verhältnis von Latein und Landessprache in der römisch-katholischen Kirche · Weitere christliche Liturgiesprachen. Dialekt Im deutschen Sprachgebiet erwirbt ein Dialektsprecher ab seinem Eintritt in die Grundschule eine zusätzliche normierte Standardsprache (Standarddeutsch). Geschlossener Vokal Deutsche Beispiele für geschlossene Vokale · [ɪ] (kurz) in „litt“ · [i] (kurz) in „binär“ · [iː] (lang) in „Lied, dir“ · [ʏ] (kurz) in „wüsste“ · [y] (kurz) in „ … Konjugation (Grammatik) Als Konjugation (von lateinisch coniugatio ‚Verbindung') bezeichnet man in der Grammatik die Bildung der Wortformen eines Verbs (Zeitworts), also die … Deklination (Grammatik) ... Artikel (Geschlechtswort, Begleiter). Häufige Deklinationsmerkmale, die z. B. auch im Deutschen vorkommen, sind Kasus (Fall), Numerus (Zahl) und Genus … Artikel (Wortart) Als Artikel (von lateinisch articulus ‚Gelenk'), in der traditionellen Grammatik auch Geschlechtswort oder Begleiter, wird ein Wort bezeichnet, … Englische Sprache Die englische Sprache (Eigenbezeichnung: [ˈɪŋɡlɪʃ]) ist eine ursprünglich in England beheimatete germanische Sprache, die zum westgermanischen Zweig gehört. Verb Die Trennung zwischen Verb und Substantiv wird als die fundamentalste Unterscheidung im Bereich der Wortarten angesehen, da hierin die Aufteilung elementarer … Adjektiv Ein Adjektiv oder Eigenschaftswort ist ein Wort, das ohne weiteres ein Substantiv modifizieren, d. h. als Attribut fungieren kann, unbeschadet der … Laos Der Staat Laos grenzt an China, Vietnam, Kambodscha, Thailand und Myanmar, hat knapp 7,9 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 236.800 km²; Hauptstadt und … Kambodscha Französisch war wegen der französischen Kolonialvergangenheit über ein Jahrhundert lang die beliebteste Fremdsprache und wurde bis 1975 auch in gebildeten … Vietnam Stattdessen wurden die beiden vietnamesischen Staaten 1976 unter kommunistischer Führung wiedervereinigt.