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Pradakshina

Das pradakshina ist ein wesentliches Element der buddhistischen und hinduistischen Religionsausübung. In geringerem Maße praktizieren auch die Jains diese Form …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Ablauf
  2. 2. Frühe Formen
  3. 3. Praxis im Buddhismus
  4. 4. Praxis im Hinduismus und Jainismus
  5. 5. Erzählung von Ganesh

Bedeutung und Ablauf

Pradakshina bezeichnet die rituelle Umschreitung eines Heiligtums. Sie wird seit Jahrtausenden in Indien, Sri Lanka, Nepal und Tibet praktiziert und heißt auch parikrama, im Tibetischen kora. Umschritten werden beispielsweise heilige Bäume, Lingam-Steine, Stupas, Kultbilder, das Allerheiligste eines Tempels (Garbhagriha), ganze Tempel, Berge oder Seen. Die Handlung ist vor allem im Buddhismus und Hinduismus ein wichtiges Element der Religionsausübung; im Jainismus kommt sie in geringerem Maße vor.

Die Umschreitung erfolgt gewöhnlich im Uhrzeigersinn. Dadurch befindet sich das verehrte Objekt auf der rechten Seite, die als „rein“ gilt. Die linke, als „unrein“ betrachtete Seite wird dagegen mit magischen Praktiken verbunden. Warum sich gerade diese Richtung allgemein durchsetzte, ist nicht abschließend geklärt. Anhänger der vorbuddhistischen Bön-Religion in Tibet umschritten Heiligtümer gegen den Uhrzeigersinn.

Frühe Formen

Der genaue Ursprung der Pradakshina ist unbekannt. Vermutlich wurden schon lange vor dem Bau von Tempeln Baumheiligtümer, Quellen, Feuerstellen sowie auffällige Felsen und Steine kultisch verehrt. Nach damaligen Vorstellungen konnten darin Naturgeister und Nymphen, sogenannte Yakshis, wohnen.

Besonders immergrüne Bäume wie die Pappel-Feige und die Banyan-Feige haben in ländlichen Regionen bis heute eine religiöse Bedeutung. Sie werden mit Blumengirlanden und farbigen Papierstreifen geschmückt; zu ihren Füßen zündet man Räucherstäbchen an. Zur Verehrung gehören außerdem das Besprühen mit Wasser und die Umschreitung des Baumstamms oder des von der Baumkrone bedeckten Bereichs.

Praxis im Buddhismus

In ausgereifter Form ist die Pradakshina erstmals im Buddhismus belegt. Architektur und Bildwerke zeigen, welche Bedeutung diese Verehrungsform hatte. Zwei der drei großen Stupas von Sanchi im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh und der Stupa von Bodnath in Nepal besitzen sowohl ebenerdige als auch erhöhte Umwandlungspfade, die Pradakshinapathas genannt werden.

Auch die Stupas in den Chaitya-Hallen buddhistischer Höhlenklöster wurden umschritten. Eine Chaitya-Halle ist ein buddhistischer Versammlungs- und Kultraum. Möglicherweise war die nahe Umschreitung, bei der der Stupa und später auch ein Buddha-Bildnis berührt werden konnten, nur Mönchen vorbehalten. Der weiter entfernte äußere Wandelgang, ähnlich einem Seitenschiff, war wahrscheinlich vor allem für Pilger und andere Laien bestimmt. Diese Zuordnung wird im Artikel allerdings nur als Vermutung dargestellt.

Im tibetischen Buddhismus heißt die rituelle Umrundung kora. Dabei werden häufig Gebetsmühlen gedreht. Es gibt auch besonders anstrengende Formen: Manche Tibeter umrunden einen Tempel, einen Stupa oder sogar den Berg Kailash, indem sie sich wiederholt vollständig zu Boden werfen und so den ganzen Weg mit ihrem Körper ausmessen. Dadurch kommen sie sehr langsam und mühevoll voran. Große Buddha-Figuren in tibetischen Tempeln stehen meistens an der Rückwand und nur selten an Seitenwänden. Anders als frei stehende Stupas können sie daher gewöhnlich nicht umschritten werden.

Praxis im Hinduismus und Jainismus

Im Hinduismus gibt es zahlreiche religiöse Opfer- und Verehrungspraktiken, weshalb die Pradakshina dort keine zentrale Stellung einnimmt. Dennoch zeigen bereits frühe frei stehende Gupta-Tempel durch ihre erhöhten Plattformen, die Jagatis, dass Gläubige das Heiligtum umschreiten wollten. Viele spätere Tempel besitzen ebenfalls solche Plattformen. Bei Tempeln an Flussufern oder Felswänden ist eine vollständige Umschreitung aufgrund der Lage teilweise unmöglich, beispielsweise beim Maladevi-Tempel in Gyaraspur.

In der Blütezeit des indischen Tempelbaus vom 10. bis zum 12. Jahrhundert boten architektonisch ausgereifte Tempel bis zu drei Wege für die Pradakshina: die nahe Umschreitung der Cella beziehungsweise des Garbhagriha innerhalb des Gebäudes, die weiter entfernte Umschreitung auf der äußeren Jagati und die ebenerdige Umrundung des gesamten Tempels. Das Garbhagriha ist der innerste, heilige Raum eines hinduistischen Tempels.

Im Jainismus spielt die Pradakshina kaum eine Rolle. Der Artikel führt dies darauf zurück, dass Jainas häufig einer gebildeten Bevölkerungsgruppe angehören und eher einen intellektuellen Zugang zum Religiösen haben. Hinzu kommen bauliche Gründe: In vielen Jain-Tempeln stehen die Kultbilder der Tirthankaras, der verehrten geistlichen Lehrer, nebeneinander in Wandnischen und können daher nicht umrundet werden. Jainistische Tempelbauten besitzen im Allgemeinen außerdem keine Jagati-Plattformen.

Erzählung von Ganesh

Eine Legende verdeutlicht die symbolische Bedeutung der Umkreisung. Shiva forderte seine Söhne Karttikeya, auch Shanmugam genannt, und Ganesh, auch Ganapati oder Vinayaka genannt, dazu auf, das Universum zu umkreisen und es dadurch besser kennenzulernen. Karttikeya brach sofort auf seinem Reittier, dem Pfau, auf. Ganesh, der als träge und unbeweglich galt und gewöhnlich eine Maus oder Ratte als Reittier hat, blieb zunächst sitzen. Dann stand er auf und umkreiste lediglich seinen Vater Shiva. Er begründete dies mit den Worten: „Weil die ganze Welt in Dir ist, habe ich die ganze Welt umkreist.“

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