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Deutsch-Französischer Krieg
Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der …
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Kern und Bedeutung des Krieges
Der Deutsch-Französische Krieg dauerte vom 19. Juli 1870 bis zum 10. Mai 1871. Er war ein Krieg zwischen Frankreich und dem Norddeutschen Bund unter preußischer Führung sowie den verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt. Auslöser war der Streit um die spanische Thronkandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen. Frankreich erklärte Preußen am 19. Juli 1870 den Krieg, obwohl Kaiser Napoleon III. erwartet hatte, dass die süddeutschen Staaten neutral bleiben würden.
Der Krieg endete mit einem deutschen Sieg. Während seines Verlaufs traten die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund bei; dadurch entstand das Deutsche Kaiserreich. In Frankreich brach das Zweite Kaiserreich zusammen, und am 4. September 1870 wurde die Dritte Französische Republik ausgerufen. Im Frieden von Frankfurt vom 10. Mai 1871 musste Frankreich den Großteil des Elsass und einen Teil Lothringens abtreten sowie fünf Milliarden Francs Reparationen zahlen. Fast 190.000 Soldaten fielen, mehr als 230.000 wurden verwundet. Die Annexion von Elsass-Lothringen verschärfte das deutsch-französische Verhältnis und trug zur langfristigen „Erbfeindschaft“ bei.
Der Krieg war der dritte und letzte der deutschen Einigungskriege nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 und dem Deutschen Krieg von 1866. Er fand im industriellen Zeitalter statt. Eisenbahnen ermöglichten die schnelle Verlegung großer Armeen; Chassepotgewehr, Zündnadelgewehr, Langblei und moderne Granaten verursachten neuartige und schwere Verletzungen. Bis zur Schlacht von Sedan war der Krieg überwiegend ein Kabinettskrieg, also ein Krieg regulärer Armeen. Danach entwickelte er auf französischer Seite Züge eines Volkskriegs: Die Republik rief zum „guerre à outrance“, zum „Krieg bis zum Äußersten“, auf, führte faktisch die Wehrpflicht wieder ein und stellte neue Massenheere auf.
Vorgeschichte, Auslöser und Kriegsziele
Die Ursachen reichen mehrere Jahrzehnte zurück und sind in der Forschung umstritten. Frankreich empfand die Gebiets- und Machtverluste von 1814/1815 als Demütigung. Napoleon III. wollte Frankreich wieder zur führenden europäischen Macht machen und Russland sowie Österreich-Ungarn schwächen. Nach außenpolitischen Erfolgen im Krimkrieg und im Sardinischen Krieg folgten Rückschläge, besonders durch die Intervention in Mexiko und den Deutschen Krieg von 1866.
Nach 1866 wuchs die Macht Preußens stark. Es annektierte Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt; 1867 entstand der Norddeutsche Bund mit 30 Millionen Einwohnern. Seine Armee war wegen der allgemeinen Wehrpflicht um ein Drittel größer als die französische. Frankreich hatte die Einbeziehung Süddeutschlands zunächst verhindert, doch Bismarck schloss im August 1866 geheime Schutz- und Trutzbündnisse mit Bayern, Württemberg und Baden. Die Luxemburgkrise von 1867 verstärkte die nationale Empörung in Deutschland und führte dazu, dass Frankreich seine Ansprüche auf Luxemburg aufgeben musste.
Der unmittelbare Auslöser war die spanische Thronfolgekrise. Nach dem Sturz Isabellas II. wurde Leopold von Hohenzollern als spanischer König vorgeschlagen. Frankreich befürchtete eine neue dynastische Umklammerung. Außenminister Gramont verlangte den Rückzug der Kandidatur und später eine dauerhafte Zusage, dass kein Hohenzollern künftig den spanischen Thron besteigen werde. König Wilhelm I. wies diese Forderung am 13. Juli 1870 zurück. Bismarck veröffentlichte die Begegnung in verkürzter Form als Emser Depesche, wodurch in Frankreich der Eindruck einer Beleidigung entstand und in Deutschland nationale Begeisterung ausgelöst wurde. Am 15. Juli bewilligte das französische Parlament die Kriegskredite mit 245 gegen 10 Stimmen; am 19. Juli folgte die Kriegserklärung.
Frankreich wollte die deutsche Einigung verhindern, Preußens Macht begrenzen und seine eigene Vorrangstellung sichern. Als territoriale Ziele wurden unter anderem die Wiederherstellung Hannovers, die Rückgabe Schleswigs an Dänemark, die Wiedererrichtung des Deutschen Bundes und eine französische Rheingrenze genannt. Das deutsche Hauptquartier beschloss im August 1870 die Annexion von Elsass und Lothringen. Diese Forderung sollte Frankreich dauerhaft schwächen und Süddeutschland durch eine Pufferzone schützen, verlängerte aber den Krieg.
Die europäischen Großmächte blieben neutral. Russland unterstützte Preußen, Österreich wurde durch russischen Druck von einem Kriegseintritt abgehalten, und Italien griff wegen der ungelösten Römischen Frage nicht ein. Großbritannien wollte eine französische Vorherrschaft in Europa und eine Störung des Handels vermeiden. Auch Dänemark und das neutralitätsverpflichtete Belgien beteiligten sich nicht.
Strategische Planung und erste Kriegsphase
Auf deutscher Seite plante Generalstabschef Helmuth von Moltke seit 1867 einen schnellen Feldzug. Eisenbahn und rasche Mobilmachung sollten die zahlenmäßige Überlegenheit nutzen und den Krieg nach Frankreich verlagern. Drei deutsche Armeen wurden in der Pfalz gesammelt, um einen französischen Vorstoß über den Main zu verhindern. Frankreich setzte dagegen auf einen schnellen offensiven Erfolg. Die französische Führung unterschätzte die Schwierigkeiten der Mobilmachung und griff gleichzeitig auf Elemente verschiedener, teils widersprüchlicher Pläne zurück.
Bei Kriegsbeginn verfügte Frankreich über 336.000 Soldaten, während auf deutscher Seite 519.000 Mann bereitstanden. Insgesamt wurden laut der Übersicht 1.400.000 deutsche und 1.600.000 französische Soldaten mobilisiert; im Kriegsverlauf wurden auf beiden Seiten nahezu drei Millionen Männer eingezogen. Bis zum 31. Juli standen 460.000 deutsche Soldaten grenznah bereit. 1.500 Züge transportierten innerhalb von drei Wochen bis zum 12. August 640.000 Soldaten, 170.000 Pferde und beinahe 1.600 Geschütze. Frankreich verfügte zwar über ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz, hatte aber die militärische Nutzung schlechter vorbereitet.
Die Kämpfe begannen am 2. August 1870 mit der französischen Einnahme Saarbrückens. Nach dem Rückzug der französischen Truppen siegten die deutschen Armeen am 4. August bei Weißenburg, am 6. August bei Spichern und anschließend bei Wörth. Damit ging die Initiative auf die deutsche Seite über. Bei Colombey-Nouilly am 14. August blieb die erste Begegnung mit der französischen Rheinarmee unentschieden. In der Schlacht bei Mars-la-Tour am 16. August wurde ihr Weg nach Verdun abgeschnitten; am 18. August folgte bei Gravelotte die größte und verlustreichste Schlacht des Krieges. Die Rheinarmee wurde in Metz eingeschlossen.
Die deutschen Truppen litten anfangs unter hohen Verlusten durch traditionelle Frontalangriffe. Das französische Chassepotgewehr hatte eine Schussweite von etwa 1.200 Metern, während das preußische Zündnadelgewehr nur 600 Meter erreichte. Die deutsche Artillerie war jedoch bei Schussweite und Schussfrequenz überlegen.
Die französische Armee unter Marschall Mac-Mahon versuchte, Metz zu entsetzen, wurde aber nach der Niederlage bei Beaumont am 30. August nach Sedan abgedrängt. Dort wurden die französischen Truppen am 1. September 1870 eingekesselt. Am 2. September kapitulierte die Armée de Châlons; Napoleon III. geriet in preußische Gefangenschaft. Am 4. September riefen Abgeordnete und eine aufständische Menschenmenge in Paris die Republik aus. Die provisorische Regierung der nationalen Verteidigung setzte den Krieg fort.
Zweite Kriegsphase, Zivilisten und Kriegsende
Nach Sedan war die französische Berufsarmee weitgehend gefangen oder in Metz eingeschlossen. Die neue Regierung lehnte einen Frieden ab, weil sie die Abtretung des Elsass und Lothringens nicht akzeptieren konnte. Sie ließ in den unbesetzten Gebieten neue Armeen aufstellen. Die deutschen Truppen schlossen Paris am 19. September 1870 ein. Eine Erstürmung wurde wegen der Festungsanlagen und des erwarteten Straßenkampfes vermieden.
Die französische Regierung rekrutierte etwa eine Million Männer und bildete die Loirearmee, die Ostarmee und die Nordarmee. Die Loirearmee siegte am 9. November bei Coulmiers, wurde aber im Dezember zurückgedrängt und vom 10. bis 12. Januar 1871 bei Le Mans geschlagen. Die Nordarmee wurde bei Amiens, an der Hallue und bei Saint-Quentin zurückgedrängt. Versuche des Pariser Festungsgouverneurs Louis Jules Trochu, den Belagerungsring zu durchbrechen, scheiterten. In Paris führten Hunger, Kälte und Krankheiten zu etwa 40.000 Todesfällen; in drei Wochen schlugen 7.000 Granaten in der Stadt ein.
In den besetzten Gebieten führten die Deutschen eine Militärregierung ein und requirierten Unterkünfte und Versorgung. Französische Francs-tireurs, also bewaffnete Freischärler, griffen vor allem kleinere Einheiten, Kuriere sowie Eisenbahn-, Telegrafen- und Brückenverbindungen an. Etwa 1.000 deutsche Soldaten starben in solchen Kämpfen. Da der rechtliche Status der Freischärler durch die Erste Genfer Konvention von 1864 kaum geregelt war, kam es zu Geiselnahmen, Hinrichtungen und Zerstörungen. In Bazeilles erschossen bayerische Soldaten am 1. September 1870 über 30 Einwohner und brannten den Ort nieder.
Am 28. Januar 1871 ergab sich Paris; ein Waffenstillstand trat in Kraft. Die Nationalversammlung nahm am 26. Februar den Vorfrieden von Versailles an. Im endgültigen Frieden von Frankfurt am 10. Mai 1871 wurden die Gebietsabtretungen und die Reparationszahlung von fünf Milliarden Goldfrancs festgelegt. Während des Krieges entstand außerdem das Deutsche Kaiserreich: Die Verfassung trat am 1. Januar 1871 in Kraft, und Wilhelm I. wurde am 18. Januar im Spiegelsaal von Versailles zum deutschen Kaiser ausgerufen.
Parallel kam es in Paris zu einem Bürgerkrieg. Die Pariser Kommune entstand nach dem Aufstand vom 18. März 1871 gegen die Regierung in Versailles. Sie erklärte Paris für autonom und verabschiedete unter anderem die Abschaffung von Mietschulden, ein Nachtbackverbot und die Konfiszierung von Ordensbesitz. Mac-Mahon schlug die Kommune nach zwei Monaten nieder; in der „Blutwoche“ starben rund 20.000 Kommunarden.
Folgen, Gesellschaft und Erinnerung
Frankreich verlor Elsass und Teile Lothringens, zwei Millionen Einwohner und einen großen Teil seiner Eisenerzversorgung. Deutsche Besatzungstruppen blieben zunächst in bis zu 19 Departements; nach dem Berliner Abkommen vom 12. Oktober 1871 wurde ihre Zahl auf 50.000 Mann in sechs Departements begrenzt. Da Frankreich die Reparationen schneller als erwartet zahlte, begann im Juli 1873 der vollständige Abzug. Die Dritte Republik blieb zunächst gefährdet, setzte sich aber 1875 endgültig gegen monarchistische Kräfte durch.
In Deutschland führte der Sieg zur Bildung einer kontinentalen Großmacht mit über 500.000 Quadratkilometern und etwa 41 Millionen Einwohnern. Die allgemeine Wehrpflicht und der militärische Einfluss gewannen an Bedeutung. Die Reparationen förderten zwischen 1871 und 1873 die Gründung von etwa 928 Aktiengesellschaften, trugen aber zusammen mit der Marktliberalisierung zur spekulativen Überhitzung und zum Gründerkrach im Mai 1873 bei. Elsass-Lothringen wurde ohne Volksabstimmung als Reichsland eingegliedert; etwa 130.000 Bewohner wanderten nach Frankreich aus.
Die öffentliche Meinung war nicht überall von Begeisterung geprägt. In Deutschland unterstützten vor allem Studenten und Teile des Bürgertums den Krieg, während katholische, demokratische und sozialistische Kräfte die preußische Machtpolitik ablehnten. In Frankreich jubelten eher die Städte, während die Landbevölkerung zurückhaltender blieb. Zeitungen, Briefe und Grafiken verbreiteten propagandistische Feindbilder. Der Sedantag am 2. September wurde in Deutschland zu einem wichtigen Gedenktag, aber nie zum amtlichen Nationalfeiertag.
Die Forschung bewertet den Krieg unterschiedlich. Umstritten sind besonders die Verantwortlichkeit für den Kriegsausbruch und die Frage, ob Bismarck den Krieg bewusst provozierte. Eberhard Kolb betont eine eher defensive Politik Bismarcks und die französische Überreaktion; Josef Becker sieht eine gezielte Kriegsprovokation zur Vollendung der deutschen Einigung. Andere Historiker wie Christopher Clark und David Wetzel gewichten französische Entscheidungen, politische Akteure und strukturelle Faktoren unterschiedlich.
Neuere Forschungen untersuchen private Briefe, Tagebücher, Presseberichte, Zivilisten und globale Verflechtungen. Umstritten ist, ob der Krieg bereits als Vorstufe des totalen Krieges gelten kann. Für eine solche Einordnung sprechen die Einbeziehung der Heimatfront, Massenmobilisierung und moderne Propaganda; dagegen sprechen der vergleichsweise humane Umgang mit vielen Gefangenen und Verwundeten sowie das relativ schnelle Kriegsende. Als Ursachen der französischen Niederlage werden unter anderem internationale Isolation, unvollständige Militärreformen, schlechte Mobilisierung, zerstreute Truppen, Führungsprobleme und die deutsche Überlegenheit bei Soldaten, Artillerie und Eisenbahnlogistik genannt. Schlachtenbilder, Denkmäler, Romane und Museen prägten die Erinnerung. Französische Künstler betonten häufig den Heldenmut einfacher Soldaten, deutsche Gemälde stellten eher Fürsten und militärische Führer in den Mittelpunkt.